{"id":137660,"date":"2026-05-03T14:12:07","date_gmt":"2026-05-03T14:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/137660\/"},"modified":"2026-05-03T14:12:07","modified_gmt":"2026-05-03T14:12:07","slug":"ungarn-kirche-keinem-politischen-lager-verpflichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/137660\/","title":{"rendered":"Ungarn: \u201eKirche keinem politischen Lager verpflichten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Erzabt der Benediktinerabtei Pannonhalma, Cirill T. Hortob\u00e1gyi, hat eine kritische Bilanz des Verh\u00e4ltnisses von Kirche und Staat in Ungarn gezogen und zu mehr Distanz der Kirche zur Politik aufgerufen. &#13;\n<\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/welt\/news\/2026-05\/libyen-tobruk-fluechtlinge-ertrinken-mittelmeer-unhcr.html\" title=\"Libyen: Fl\u00fcchtlinge ertrinken im Mittelmeer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/reuters\/2026\/04\/30\/07\/1777527063749.JPG\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"Libyen: Fl\u00fcchtlinge ertrinken im Mittelmeer\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      Bei einem Schiffbruch in N\u00e4he der libyschen Stadt Tobruk sind in dieser Woche mindestens 17 Sudanesen ums Leben gekommen. Das auf dem Weg nach Kreta befindliche Bott sei gekentert, &#8230;\n     <\/p>\n<p>In einem Interview mit der Wochenzeitschrift \u201eHeti Vil\u00e1ggazdas\u00e1g\u201c (HVG) sprach er von einer zu gro\u00dfen N\u00e4he zur Macht in den vergangenen Jahren und warnte vor einem Verlust an Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p>Die Macht habe die Kirchen \u201ezu sehr geliebt\u201c, sagte Hortob\u00e1gyi. Was S\u00fcnde gewesen sei, m\u00fcsse klar benannt werden; Vergebung bedeute weder Verantwortungslosigkeit noch das Leugnen der Vergangenheit. Selbstkritisch r\u00e4umte der Erzabt Vers\u00e4umnisse ein, etwa mangelnde Kritik an politischen Parolen wie \u201eGott-Heimat-Familie\u201c. Aus theologischer Sicht sei es unzul\u00e4ssig, Gott in eine solche Reihe zu stellen.<\/p>\n<p>Die Kirche d\u00fcrfe sich keinem politischen Lager verpflichten, betonte Hortob\u00e1gyi. Andernfalls verliere sie sowohl ihre prophetische Stimme als auch die Klarheit ihres Urteils. Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Fragen seien legitim, m\u00fcssten jedoch aus den Werten des Evangeliums heraus erfolgen. Langfristig gelte es, gemeinsam f\u00fcr das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten, das wichtiger sei als Meinungsverschiedenheiten und dem man durch das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den anderen n\u00e4herkomme.<\/p>\n<p>Dass die Abtei Pannonhalma von politischen Akteuren als nationales Symbol zur eigenen Legitimation vereinnahmt worden sei, sei Hortob\u00e1gyi bewusst, so die Wochenzeitung. Die Distanz zur Macht sei zudem auch innerhalb der Mauern nicht immer gewahrt worden. F\u00fcr m\u00f6gliche Wahrnehmungen von Ausgrenzung oder Elitismus schulde man eine \u201eaufrichtige Entschuldigung\u201c. Orientierung biete die benediktinische Regel, wonach jeder Gast wie Christus aufgenommen werden solle; Benedikt von Nursia warnte jedoch zugleich vor falschem Frieden, wies der Erzabt hin.<\/p>\n<p>Vers\u00f6hnung statt Macht <\/p>\n<p>Die benediktinische Gemeinschaft wolle nun daf\u00fcr eintreten, dass ihre Beziehungen nicht von Machtlogik, sondern von Vers\u00f6hnung und Frieden bestimmt w\u00fcrden. Betroffene m\u00fcssten Geh\u00f6r finden, Verletzungen von \u00f6ffentlichem Vertrauen rechtlich aufgearbeitet werden. Eine moralische Erneuerung des Landes sei nur durch Selbstpr\u00fcfung, Zuh\u00f6ren und Verantwortungs\u00fcbernahme m\u00f6glich. Die christliche Reihenfolge sei: Wahrheit, Reue, Wiedergutmachung, Rechenschaft, Vergebung und Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Vertrauenskrise <\/p>\n<p>Der Erzabt ortete zudem eine \u201eVertrauenskrise\u201c gegen\u00fcber der Kirche. Viele Menschen n\u00e4hmen sie als politisch kompromittiert und moralisch ersch\u00fcttert wahr. Die Kritik zeige, dass die Kirche ihre Unabh\u00e4ngigkeit und damit ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verloren habe. Die Kirche m\u00fcsse diese nun \u201emit verstehendem Ohr und f\u00fchlendem Herzen\u201c aufnehmen; die Antwort liege nicht in Verteidigung, sondern Umkehr.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft forderte Hortob\u00e1gyi eine Kirche, die als dienende Gemeinschaft auftritt, auf Privilegien verzichtet und aktiv den Dialog mit Entt\u00e4uschten sucht. Die Kirche k\u00f6nne nur Orientierung geben, wenn sie an der Heilung gesellschaftlicher Wunden teilnehme, besonders im Blick auf die Schw\u00e4chsten. Dies erfordere langfristiges, konsequentes Handeln: weniger Macht, mehr Dienst, mehr Transparenz und Mut, Fehler zu benennen.<\/p>\n<p>Staatliche Finanzierung <\/p>\n<p>Gleichzeitig verwies der Erzabt auf strukturelle Abh\u00e4ngigkeiten: Kirchliche Einrichtungen seien auf staatliche Finanzierung angewiesen, was Einfluss mit sich bringe. Die Gefahr eines \u201epolitischen Christentums\u201c bestehe letztlich darin, dass sich Menschen entweder abwenden oder f\u00fcr vereinfachende Parolen anf\u00e4llig w\u00fcrden. Ordne sich die Kirche der Politik unter, verliere sie die Weite ihrer eigenen Tradition. Als Beispiel nannte Hortob\u00e1gyi das Thema Migration; hierbei m\u00fcsse die Regierung wirtschaftliche und kulturelle Belastbarkeit pr\u00fcfen, w\u00e4hrend f\u00fcr die Kirche die Geschichte des barmherzigen Samariters ma\u00dfgeblich sei.<\/p>\n<p>Positiv bewertete der Erzabt internationale Dialoge zwischen Politik und Kirche, die zu differenzierteren Perspektiven beitragen k\u00f6nnten; konkret nannte er den Austausch zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und Papst Leo XIV. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcsse jedoch die \u201epolitische Nabelschnur\u201c durchtrennt werden. Glaube d\u00fcrfe kein parteipolitisches Identit\u00e4tsmerkmal sein. Die Zukunft der Kirche liege weniger in Identit\u00e4tsk\u00e4mpfen und mehr im glaubw\u00fcrdigen Handeln. Wenn die Kirche nicht herrschen, sondern verstehen und dienen wolle, k\u00f6nne das Christentum wieder zu einer befreienden Kraft werden und nicht zu einem politischen Instrument, so der Erzabt.<\/p>\n<p>(kap \u2013 pr)<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Erzabt der Benediktinerabtei Pannonhalma, Cirill T. Hortob\u00e1gyi, hat eine kritische Bilanz des Verh\u00e4ltnisses von Kirche und Staat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":137661,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[9520,11311,40,41,32488,269,39,2066,66,65,64,9361],"class_list":{"0":"post-137660","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-glaube","9":"tag-menschliche-geschwisterlichkeit","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-ordensvertreter","13":"tag-politik","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ungarn","16":"tag-welt","17":"tag-world","18":"tag-world-news","19":"tag-zivilgesellschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116511057181084542","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/137660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=137660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/137660\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/137661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=137660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=137660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=137660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}