{"id":137697,"date":"2026-05-03T14:44:09","date_gmt":"2026-05-03T14:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/137697\/"},"modified":"2026-05-03T14:44:09","modified_gmt":"2026-05-03T14:44:09","slug":"die-geschichte-der-aperitivo-kultur-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/137697\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Aperitivo-Kultur \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Kochbuchautorin Tanja Dusy ist in ihrem j\u00fcngsten Buch den Wurzeln der Aperitivo-Kultur nachgegangen. Die Habsburger waren \u00fcbrigens an der Erfindung des Spritz in Venedig nicht unbeteiligt. <\/p>\n<p>Tanja Dusy hat eine Leidenschaft, der auch hierzulande viele verfallen sind. \u201eIch bin einfach ein gro\u00dfer Italienfan und dort auch viel gereist\u201c, sagt die deutsche Kochbuchautorin und Journalistin. \u201eMich fasziniert es unglaublich, dass sp\u00e4testens um f\u00fcnf die Leute sagen, \u201agenug gearbeitet f\u00fcr heute\u2018 und sich auf der Piazza oder in der Bar auf einen Aperitivo treffen.\u201c Das Gesellige, der soziale Event dahinter sei f\u00fcr sie etwas ganz Besonderes. \u201eDieser kleine Moment am Tag, an dem man sich entspannt, mit sich zufrieden ist und zusammenkommt.\u201c Das m\u00fcsse gar nicht gro\u00df zelebriert werden, auch wenn es das manchmal wird, es reicht einfach die Best\u00e4ndigkeit und die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der man sich zusammensetzt, etwas trinkt, eine Kleinigkeit isst, plaudert und dann wieder seiner Wege geht. Denn auch das geh\u00f6re zur Aperitivo-Kultur: Dass sie befristet ist, dass man nicht ewig sitzen bleibt (auch wenn das nat\u00fcrlich passieren kann), sondern dass man danach zu Abend isst.<\/p>\n<p>Dusy hat nun ihr j\u00fcngstes Buch der Aperitivo-Kultur gewidmet und ist der Geschichte in den norditalienischen Regionen, in denen diese Kultur entstanden ist, nachgegangen: Mailand, Turin, Venedig und Padua. Jede Region hat ihre eigene Mentalit\u00e4t, ihre Besonderheiten, wie dieses Beisammensein abgehalten wird. Begonnen hat die Aperitivo-Kultur, so, wie wir sie heute kennen, im fr\u00fchen 19. Jahrhundert. Wobei die Vorl\u00e4ufer bis in die Antike zur\u00fcckreichen. <\/p>\n<p>Schon damals hat man magenberuhigende Getr\u00e4nke vor dem Essen zu sich genommen, um den Appetit anzuregen und sich auf das Essen vorzubereiten. \u201eAus heutiger Sicht eher komisch, da will man ja den Appetit z\u00fcgeln.\u201c Um 1780 herum hat ein gewisser Antonio Benedetto Carpano in Turin den Wermut erfunden. \u201eEr wollte ein leichteres, appetitanregendes Getr\u00e4nk, explizit f\u00fcr Damen, als Alternative zu den schweren Rotweinen\u201c, sagt Dusy. Also hat er Wei\u00dfwein mit Karamell versetzt, was auch f\u00fcr eine r\u00f6tliche Farbe sorgt, und Kr\u00e4uter und Gew\u00fcrze, allen voran Wermutkraut, dazugemischt. Letzteres sorgte nicht nur f\u00fcr einen leicht bitteren Geschmack, sondern auch f\u00fcr den Namen. Wobei italienischer Wermut, im Gegensatz zum trockenen franz\u00f6sischen, immer auch eine leicht s\u00fc\u00dfliche Note hat. \u201eWermut wurde damals im h\u00f6fischen Kontext entwickelt, das war eine Erfindung f\u00fcr den Adel.\u201c Und der hatte das Getr\u00e4nk dankend angenommen. In Turin gab es pl\u00f6tzlich unglaublich viele Destillerien, die Wermut herstellten.<\/p>\n<p>Bis dann im 19. Jahrhundert in Mailand ein gewisser Gaspare <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/campari\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" geschichte=\"\" der=\"\" aperitivo-kultur=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Campari<\/a> auf den Plan trat. Um 1860 entwickelte er den Campari, der auch in der breiten Masse einen Aperitivo-Boom ausl\u00f6ste, der eigentlich bis heute anh\u00e4lt. \u201eHerr Campari und auch sein Sohn waren sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtig und erfindungsreich.\u201c So haben sie etwa bald den Campari Seltz entwickelt, bei dem kohlens\u00e4urehaltiges Wasser direkt aus einem Soda-Siphon in das Glas gespritzt wird \u2013 wodurch gleich auch eine kleine Zeremonie daraus wurde. \u201eDas wird ja heute noch so in italienischen Bars gemacht.\u201c <\/p>\n<p>Die Erfindung des Campari setzte einiges in Gang, es wurden neue Getr\u00e4nke entwickelt, etwa der Negroni oder Americano, und es kamen neue Zutaten dazu. Vor allem in den Regionen Turin, Mailand, Venedig und Padua hat sich \u00fcberall eine eigene Aperitivo-Kultur entwickelt, die aber auch Gemeinsamkeiten hat. So geh\u00f6rt es \u00fcberall dazu, dass eine Kleinigkeit dazu gegessen wird. Und dass es eine Art Vorbereitung auf das Abendessen ist. Wobei: Letzteres mit Ausnahme von Venedig. \u201eDort findet der Aperitivo nicht erst am Nachmittag statt, sondern den ganzen Tag \u00fcber.\u201c Bereits um 9 Uhr fr\u00fch trifft man sich auf ein Ombra, ein 100 ml fassendes Gl\u00e4schen Rot- oder Wei\u00dfwein, isst dazu Cicchetti und geht danach wieder seiner Wege. \u201eIn Venedig gibt es eine ganz eigene Aperitivo-Kultur, nicht zuletzt durch die N\u00e4he zum Hause Habsburg\u201c, sagt Dusy. Die \u00d6sterreicher waren es n\u00e4mlich, die mit ihrem Gspritzten die Idee des Spritz nach Venedig gebracht haben.<\/p>\n<p>Heute, wie auch damals, wird die Aperitivo-Kultur durch neue Getr\u00e4nke stets erweitert. Die Getr\u00e4nkeindustrie hat das Gesch\u00e4ftsfeld l\u00e4ngst entdeckt und es kommen neben Campari, Wermut und Aperol laufend neue Lik\u00f6re und Bitters auf den Markt, zuletzt etwa der pinke Sarti oder der blaue Venturo. Sie alle sind dazu da, um mit irgendeiner Form von Sprudel und Eis vermischt zu werden, und f\u00fcr eine kleine Auszeit vom Alltag zu sorgen. Und das funktioniert l\u00e4ngst auch au\u00dferhalb Italiens. <\/p>\n<p>Tanja Dusy:<br \/>Aperitivo.<br \/>Verlag Gr\u00e4fe \u00adund Unzer,  <br \/>240 Seiten, 42,50\u2009Euro<\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/9783758900136_Cover_Aperitivo.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                                   <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche Kochbuchautorin Tanja Dusy ist in ihrem j\u00fcngsten Buch den Wurzeln der Aperitivo-Kultur nachgegangen. 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