{"id":140090,"date":"2026-05-04T21:30:11","date_gmt":"2026-05-04T21:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/140090\/"},"modified":"2026-05-04T21:30:11","modified_gmt":"2026-05-04T21:30:11","slug":"10-im-quadrat-wenn-zehn-fotografinnen-zehn-musikerinnen-portraetieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/140090\/","title":{"rendered":"10 im Quadrat: Wenn zehn Fotografinnen zehn Musikerinnen portr\u00e4tieren"},"content":{"rendered":"<p>\u201e\u03a8\u03b1\u03bb\u03bc\u03cc\u03c2\u201c. So hei\u00dft der erste Song auf Chris Jagodas Demoliste f\u00fcr sein neues Album. Der Titel ist griechisch und stammt aus dem Neuen Testament. Auf Deutsch bedeutet er \u201ePsalm\u201c.<\/p>\n<p>Den Song hat Chris, 29, \u00fcber seine gro\u00dfe Schwester geschrieben. Er ist eine musikalische Dokumentation ihres Leidenswegs. Im Oktober vergangenen Jahres verstarb sie an Brustkrebs.<\/p>\n<p>Als eine Art Klagelied \u201evergeht mit jeder Minute im Song ein Kapitel\u201c, sagt Chris. Kapitel von ihrer Diagnose, der Realisation \u00fcber die Krankheit, \u00fcber Krankenhausaufenthalte, der Zeit im Hospiz bis zu ihrem Tod.<\/p>\n<p>Tritt man in Chris Wohnzimmer, f\u00e4llt einem sofort ein Holzschrank auf, der in einer Ecke des Raumes steht. Ein Gesellenst\u00fcck, das Chris am Ende seiner Schreinerausbildung anfertigte. Der Schrank ist hoch und schmal, die T\u00fcr ist verglast. Die Schublade sei verzinkt, darauf ist Chris besonders stolz. Die Vitrine fertigte Chris 2021 gezielt f\u00fcr seine E-Gitarre an, die hinter der Glast\u00fcr h\u00e4ngt. Der Gitarrenkorpus ist wei\u00df und rosa gef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>Neben der Vitrine steht ein Keyboard und mehrere Gitarren in einem Gitarrenst\u00e4nder. Auf dem Fensterbrett dahinter sind gerahmte Fotos von Jimi Hendrix aufgereiht. Auf der anderen Seite des Wohnzimmers lehnt\u00a0hinter dem Esstisch\u00a0ein gro\u00dfer Kontrabass an der Wand.<\/p>\n<p>Chris blond gef\u00e4rbte Haare fallen verwuschelt \u00fcber seine Stirn. An seiner Nase tr\u00e4gt er ein Piercing.<\/p>\n<p>Chris kam erst sp\u00e4t zur Musik. Mit 20 kaufte er sich seine erste Gitarre, um mit dem gro\u00dfen Bruder eines Freundes spielen zu k\u00f6nnen, den er immer sehr bewunderte. W\u00e4hrend seiner Schreinerausbildung bereitete er sich dann f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung an der Jazz-School in M\u00fcnchen-Pasing mit Hauptfachinstrument Jazz-Gitarre vor.<\/p>\n<p>Chris erz\u00e4hlt, dass der Tod seiner Schwester sein Ansporn war, sich selbst in seinem Musikprojekt zu verwirklichen. In der Musik fand er einen Kanal, seine Trauer und seinen Schmerz \u00fcber den Verlust seiner Schwester zu verarbeiten.<\/p>\n<p>So entstand auch \u201e\u03a8\u03b1\u03bb\u03bc\u03cc\u03c2\u201c. \u201eIch entscheide mich bewusst, keine Texte zum Song zu schreiben\u201c, sagt Chris. Er h\u00e4tte das Gef\u00fchl, Bedeutungen vorwegzunehmen. \u201eMeine Schwester war gl\u00e4ubig, deswegen auch der Titel.\u201c Im Song gebe es viele Parallelen und Bez\u00fcge zu seiner Schwester, die er aber \u201eden H\u00f6rern nicht ins Gesicht dr\u00fccken will.\u201c<\/p>\n<p>Der zweite Track auf seiner Demoliste hei\u00dft \u201eLast Spring\u201c. Mit diesem Track wolle Chris die sch\u00f6nen Seiten des Lebens zeigen. Der Song startet mit einem hellen Gitarrenkick und f\u00fchrt ein in eine heile Welt von damals. Er erz\u00e4hlt von einem Fr\u00fchling, in dem Chris frisch verliebt war und er mit Bands im ZDF-Morgenmagazin spielte.<\/p>\n<p>\u201eMir hat sich diese Welt aufgemacht und ich wollte, dass der Song sich anf\u00fchlt wie ein Fr\u00fchling. Wie wenn was aufbl\u00fcht\u201c, sagt Chris. Mit der Geschichte, die er in \u201eLast Spring\u201c erz\u00e4hlt, verbinde er jedoch auch Schmerz und Nostalgie. \u201eWeil es der letzte Fr\u00fchling war, der zu genie\u00dfen ist. Weil danach einfach alles anders war.\u201c<\/p>\n<p>Wenn er \u00fcber seine Schwester spricht, wendet Chris manchmal seinen Blick ab und schaut aus dem Fenster. Man sp\u00fcrt, wie nahe ihm das Thema geht.\u00a0<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit seiner Trauer und die Entstehung seiner Lieder beschreibt Chris als \u201eteilweise ziemlich wehleidigen Prozess\u201c. Seine Musik entsteht durch Gef\u00fchle, die er im Prozess des Musikmachens ergr\u00fcndet und verarbeitet. Dazu kommt eine akademische Komponente: Er schreibt sich immer ein Konzept, und \u00fcberlegt, wie die verschiedenen Parts am Klavier und an der Gitarre klingen k\u00f6nnen. Dann widmet er sich dem dramaturgischen Aufbau und baut Orgel, Bass, Drums und weitere Instrumente ein.<\/p>\n<p>Dabei hat er vor allem Spa\u00df an der Orgel gefunden. \u201eOrgel ist das, was ich gerade am meisten liebe und am liebsten aufnehme und spiele. Orgel klingt einfach super cool und ich mag, wie man sie spielt. Weil es ein ganz anderer Ansatz ist als beim Klavier\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Im Sommer dieses Jahres wird Chris seinen Abschluss an der Jazz School machen. Danach m\u00f6chte er Gitarrenlehrer werden. Bereits jetzt hat er eine Stelle an der Musikschule in M\u00fcnchen-Ismaning. \u201eIch tr\u00e4ume nie von der Solokarriere\u201c, sagt Chris. \u201eIch will einfach unterrichten.\u201c<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sagt er: \u201eIch liebe eigentlich alles, was ich mache. Ich finde alles so geil. Ich liebe die ganzen Instrumente, die ich habe und dass ich dem Ganzen so viel Ausdruck verleihen kann.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201e\u03a8\u03b1\u03bb\u03bc\u03cc\u03c2\u201c. So hei\u00dft der erste Song auf Chris Jagodas Demoliste f\u00fcr sein neues Album. 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