{"id":140971,"date":"2026-05-05T09:53:09","date_gmt":"2026-05-05T09:53:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/140971\/"},"modified":"2026-05-05T09:53:09","modified_gmt":"2026-05-05T09:53:09","slug":"trump-vakuum-so-geht-zeitenwende-was-europa-von-japan-und-australien-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/140971\/","title":{"rendered":"Trump-Vakuum: So geht \u201eZeitenwende\u201c \u2013 Was Europa von Japan und Australien lernen kann"},"content":{"rendered":"<p>Der Besuch der japanischen Premierministerin Takaichi in Australien markiert einen Wendepunkt. W\u00e4hrend Washington mit sich selbst besch\u00e4ftigt ist, emanzipieren sich die Mittelm\u00e4chte \u2013 und schaffen eine Blaupause f\u00fcr Europa.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als Sanae Takaichi, Japans erste Premierministerin, diese Woche in Canberra landete, feierte sie offiziell ein Jubil\u00e4um: 50 Jahre des sogenannten \u201eNara-Vertrags\u201c. Das Freundschaftsabkommen von 1976 war einst hochumstritten \u2013 zu tief sa\u00dfen die Wunden der australischen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article244960828\/Zweiter-Weltkrieg-Auf-diesem-japanischen-Frachter-starben-fast-tausend-Australier.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article244960828\/Zweiter-Weltkrieg-Auf-diesem-japanischen-Frachter-starben-fast-tausend-Australier.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg<\/a>. <\/p>\n<p>Heute ist die Bitterkeit der Realpolitik gewichen. Melissa Conley-Tyler von der Universit\u00e4t Melbourne bringt den Wandel auf den Punkt: \u201eNicht weil Japan den Krieg verloren hatte, sondern weil wir uns in Freunde verwandelt haben, essen die Urenkel jener Soldaten heute gemeinsam Sushi.\u201c<\/p>\n<p>Doch hinter der Sentimentalit\u00e4t steckt eine harte, strategische Notwendigkeit. Der Besuch findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die alte Ordnung erodiert. Der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Stra\u00dfe von Hormus haben die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt. <\/p>\n<p>Gleichzeitig zwingt die \u00dcberdehnung seiner Ressourcen Washington dazu, Kapazit\u00e4ten aus dem Indopazifik abzuziehen, darunter auch zuvor in Okinawa stationierte Marineeinheiten.<\/p>\n<p>Erster bedeutender R\u00fcstungsexport Japans seit 1945<\/p>\n<p>Jahrzehntelang war die Sicherheitsarchitektur der Region wie ein Wagenrad aufgebaut: Die USA bildeten die Nabe, Japan und Australien waren die Speichen. \u201eJapanische Diplomaten sagten fr\u00fcher oft: \u201aDas k\u00f6nnen wir nicht ohne die USA tun\u2018\u201c, erinnert sich Conley-Tyler. <\/p>\n<p>Diese Zeit ist vorbei. In Tokio und Canberra w\u00e4chst die Erkenntnis, dass man sich auf die Best\u00e4ndigkeit Washingtons nicht mehr blind verlassen kann.<\/p>\n<p>Die Antwort ist eine beispiellose bilaterale Aufr\u00fcstung. Australien und Japan haben mehrere Abkommen geschlossen, um die Kooperation bei den Themen Verteidigung, Energie und kritischer Mineralien zu st\u00e4rken. Bereits im August letzten Jahres war bekannt gegeben worden, dass Australien elf Fregatten der japanischen Mogami-Klasse kauft \u2013 Japans erster bedeutender R\u00fcstungsexport seit 1945. Es ist eine \u201eZeitenwende\u201c, die an die deutsche Reaktion nach dem Februar 2022 erinnert. Takaichi bezeichnet Australien und Japan nun offen als \u201eQuasi-Verb\u00fcndete\u201c.<\/p>\n<p>Interessanterweise ist dieses Zusammenr\u00fccken kein isoliertes Ph\u00e4nomen. Vielmehr deutet sich ein breiteres Muster an: eine neue Weltordnung, in der die \u201eMittelm\u00e4chte\u201c die L\u00fccken f\u00fcllen, die die Superm\u00e4chte hinterlassen. Dass kurz vor Takaichi auch der deutsche Verteidigungsminister <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.minister.defence.gov.au%2Fmedia-releases%2F2026-03-25%2Fvisit-australia-germanys-minister-defence&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263674619%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=2JO6QV7%2F6Q0ugiwBaN9usjk1dzEJ2tLjUFAF5so1Kgg%3D&amp;reserved=0\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.minister.defence.gov.au%2Fmedia-releases%2F2026-03-25%2Fvisit-australia-germanys-minister-defence&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263674619%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=2JO6QV7%2F6Q0ugiwBaN9usjk1dzEJ2tLjUFAF5so1Kgg%3D&amp;reserved=0&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Boris Pistorius<\/a> in Canberra Pr\u00e4senz zeigte und der kanadische Premierminister <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.pm.gov.au%2Fmedia%2Fpress-conference-parliament-house-canberra-45&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263739559%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=dmmoI7CxhLKkmsvQbkzqThjcCJ56wKSBmZnAXz4CNok%3D&amp;reserved=0\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.pm.gov.au%2Fmedia%2Fpress-conference-parliament-house-canberra-45&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263739559%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=dmmoI7CxhLKkmsvQbkzqThjcCJ56wKSBmZnAXz4CNok%3D&amp;reserved=0&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Mark Carney<\/a> die N\u00e4he zu den Pazifik-Partnern suchte, ist kein Zufall.<\/p>\n<p>Klarer Seitenhieb auf Peking<\/p>\n<p>Berlin, Ottawa und Tokio teilen dasselbe Dilemma: Sie sind \u00f6konomische Schwergewichte, die sicherheitspolitisch lange im Windschatten der USA segelten. Angesichts der Instabilit\u00e4t in Nahost und der Unberechenbarkeit k\u00fcnftiger US-Administrationen bilden sie nun eine Art \u201eVersicherungspolice der Mittelm\u00e4chte\u201c. Es geht um \u201eVariable Geometrie\u201c, wie es Shiro Armstrong von der Australian National University nennt: keine starren Bl\u00f6cke mehr, sondern ein Netz aus Sicherheits- und Handelsabkommen, das auch ohne die F\u00fchrung Washingtons h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der Kern der neuen Achse Tokio-Canberra ist die materielle Sicherheit. \u201eAcht Stunden Strom pro Tag in Japan werden durch australische Kohle und LNG geliefert\u201c, so Armstrong. Die Krise am Golf hat diese Abh\u00e4ngigkeit zur Existenzfrage gemacht. Doch die neue Kooperation geht weit \u00fcber fossile Brennstoffe hinaus. <\/p>\n<p>Das neue Mineralienabkommen benennt sechs konkrete strategische Projekte, darunter das Lynas Rare Earths-Projekt in Kalgoorlie und das Gallium-R\u00fcckgewinnungsprojekt von Alcoa. Es handelt sich um Rohstoffe, die f\u00fcr Elektroautos, Windturbinen und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind \u2013 und deren Verarbeitung China nach wie vor dominiert.<\/p>\n<p>Das Abkommen zielt direkt auf das Monopol Pekings bei der Weiterverarbeitung dieser Ressourcen ab. Dabei verfolgen beide L\u00e4nder einen diplomatischen Balanceakt. Der wirtschaftliche Austausch mit China \u2013 etwa im Rahmen von RCEP \u2013 soll bewusst erhalten bleiben, um den eigenen Wohlstand nicht zu gef\u00e4hrden. Gleichzeitig soll jedoch die strategische Erpressbarkeit beendet werden. Armstrong warnt jedoch, dass die eigentliche Schwachstelle nach wie vor in der industriellen Veredelung liege, wo Peking seinen Vorsprung vorerst behauptet.<\/p>\n<p>Und obwohl die gemeinsame australisch-japanische <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.pmc.gov.au%2Fresources%2Faustralia-japan-joint-declaration-economic-security-cooperation&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263808004%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=ctMFOu2jcSW84yfrlEssC93iP5Q6RNLz5J8P2N%2B5tS8%3D&amp;reserved=0\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.pmc.gov.au%2Fresources%2Faustralia-japan-joint-declaration-economic-security-cooperation&amp;data=05%7C02%7Cjens.wiegmann%40welt.de%7C1ff03b0fcb0b44d0db4608deaa5f40d1%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639135523263808004%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=ctMFOu2jcSW84yfrlEssC93iP5Q6RNLz5J8P2N%2B5tS8%3D&amp;reserved=0&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Wirtschaftserkl\u00e4rung<\/a> \u201ealle Formen wirtschaftlichen Zwangs\u201c kritisiert \u2013 ein klarer Seitenhieb auf Peking \u2013 ist die Strategie von Takaichi und Albanese weniger auf Konfrontation als auf Absicherung ausgerichtet. Ziel ist es, Abh\u00e4ngigkeiten zu verringern, ohne den Handel mit China grunds\u00e4tzlich infrage zu stellen. <\/p>\n<p>Damit zeigt sich im Indopazifik ein pragmatischer Umgang mit strategischer Eigenst\u00e4ndigkeit, der auch in Europa diskutiert wird. W\u00e4hrend dort vielfach noch \u00fcber Konzepte gestritten wird, setzen Japan und Australien in einzelnen Bereichen bereits konkrete Ma\u00dfnahmen um \u2013 etwa bei Rohstoffen, Lieferketten und Verteidigungskooperation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Besuch der japanischen Premierministerin Takaichi in Australien markiert einen Wendepunkt. 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