{"id":14134,"date":"2026-02-26T09:14:09","date_gmt":"2026-02-26T09:14:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/14134\/"},"modified":"2026-02-26T09:14:09","modified_gmt":"2026-02-26T09:14:09","slug":"haushalt-betreuung-co-viel-arbeit-wenig-pension-sorgearbeit-treibt-frauen-in-altersarmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/14134\/","title":{"rendered":"Haushalt, Betreuung &#038; Co. &#8211; Viel Arbeit, wenig Pension: Sorgearbeit treibt Frauen in Altersarmut"},"content":{"rendered":"<p>Vier Stunden und 19 Minuten verbringt eine Frau in \u00d6sterreich durchschnittlich pro Tag mit unbezahlter Sorgearbeit. Bei M\u00e4nnern sind es pro Tag zwei Stunden und 29 Minuten. Zur unbezahlten Sorgearbeit z\u00e4hlt beispielsweise die Kinderbetreuung, die Haushaltsf\u00fchrung sowie die Pflege und Betreuung von \u00e4lteren oder kranken Angeh\u00f6rigen, erkl\u00e4rt Barbara B\u00fchler, die stellvertretende Obfrau des nieder\u00f6sterreichischen Armutsnetzwerks. Die Forderung, die unbezahlte Sorgearbeit innerhalb einer Beziehung fair, also 50:50, aufzuteilen, ist nicht neu.<\/p>\n<p>Schon vor rund 30 Jahren sorgte eine politische Kampagne der damaligen SP\u00d6-Frauenministerin Helga Konrad f\u00fcr Aufruhr. Konrad schlug vor, dass M\u00e4nner per Gesetz verpflichtet werden, die H\u00e4lfte der Hausarbeit zu erledigen, und stellte die Kampagne unter den Titel \u201eGanze M\u00e4nner machen halbe-halbe\u201c. Trotz der Langfristigkeit dieser beziehungsweise \u00e4hnlicher Forderungen sei man auch 30 Jahre sp\u00e4ter von \u201eHalbe-Halbe\u201c noch weit entfernt, sagt B\u00fchler.<\/p>\n<p>Das Problem sei nicht nur die Unausgeglichenheit der Arbeit, sondern vor allem die Tatsache, dass sich die Mehrarbeit der Frauen nicht in deren Pensionen widerspiegelt. Im Jahr 2024 betrug die durchschnittliche Alterspension bei Frauen in \u00d6sterreich 1.563 Euro, bei M\u00e4nnern 2.620 Euro. Das entspreche einem Unterschied von 40 Prozent, informiert B\u00fchler. Wer in \u00d6sterreich alleine in einem Haushalt lebt und weniger als 1.661 Euro verdient, liegt unter der Armutsgef\u00e4hrdungsschwelle. Das bedeutet, dass eine durchschnittliche Frau, die in \u00d6sterreich in Pension ist, auch armuts- oder ausgrenzungsgef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>Pflegende Angeh\u00f6rige haben die M\u00f6glichkeit einer freiwilligen Pensionsversicherung<\/p>\n<p>\u201eMehr unbezahlte Arbeit f\u00fchrt dazu, dass Frauen weniger Zeit f\u00fcr bezahlte Arbeit haben. Und genau das wirkt sich direkt auf ihre Pension aus\u201c, sagt B\u00fchler. In \u00d6sterreich seien 51 Prozent der Frauen, aber nur 14 Prozent der M\u00e4nner teilzeitbesch\u00e4ftigt. Als Hauptgrund f\u00fcr die Teilzeitbesch\u00e4ftigung geben rund 40 Prozent der Frauen Betreuungspflichten an. Dem gegen\u00fcber stehen sieben Prozent der teilzeitbesch\u00e4ftigten M\u00e4nner, die Betreuungspflichten als Grund daf\u00fcr angeben.<\/p>\n<p>\u201eGeringere Einkommen, Teilzeitbesch\u00e4ftigung und weniger Versicherungsmonate sind ein sch\u00e4dlicher Cocktail f\u00fcr die Pensionen von Frauen\u201c, betont AKN\u00d6-Pensionsexpertin Ursula Janesch. Sie wei\u00df, dass M\u00e4nner im Schnitt vier bezahlte Erwerbsjahre mehr haben als Frauen. Diese L\u00fccke ergibt sich einerseits durch das Gesetz: Frauen k\u00f6nnen momentan noch fr\u00fcher in die regul\u00e4re Alterspension gehen als M\u00e4nner. Andererseits ist der Unterschied auf L\u00fccken in den Versicherungsverl\u00e4ufen von Frauen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese L\u00fccken ergeben sich meist durch Betreuungspflichten, also dem Ausf\u00fchren von unbezahlter Sorgearbeit.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-tO6LakrLgd9MB7Lt.jpeg\" data-fullscreen-src=\"https:\/\/www.noen.at\/image\/3840x0-jpg\/6243923\/img-tO6LakrLgd9MB7Lt.jpeg\" bad-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-tO6LakrLgd9MB7Lt.jpeg\" data-teaser-member=\"image\" alt=\"PK Armutsnetzwerk zum Equal Care Day\"\/><\/p>\n<p>\n                Viel bezahlte Arbeit, wenig Pension: Dieses Problem beleuchten Luzia Lagler, Beraterin beim Verein &#8222;Frauen f\u00fcr Frauen&#8220; im Weinviertel, Barbara B\u00fchler, stellvertretende Obfrau N\u00d6 Armutsnetzwerk und AKN\u00d6-Pensionsrechtsexpertin Ursula Janesch.            <\/p>\n<p>\n                Foto:<br \/>\n                Katrin Schinewitz                            <\/p>\n<p>Geht es um die h\u00e4usliche Pflege von Angeh\u00f6rigen, m\u00fcsse die Versicherungsl\u00fccke nicht sein, informiert Janesch. Die Pensionsrechtsexpertin macht darauf aufmerksam, dass bei der Pflege eines nahen Angeh\u00f6rigen ab Pflegestufe 3 ein Antrag auf Selbst- oder Weiterversicherung in der Pensionsversicherung gestellt werden kann. \u201eDiese freiwillige Pensionsversicherung ist kostenlos und f\u00fchrt zu Versicherungszeiten beziehungsweise zu einer Erh\u00f6hung der k\u00fcnftigen Pension. Der Antrag kann ein Jahr r\u00fcckwirkend beantragt werden\u201c, sagt Janesch. Viele Frauen w\u00fcssten \u00fcber diese M\u00f6glichkeit nicht Bescheid und verzichten somit auf eine h\u00f6here Pension. Janesch betont, dass pflegende Angeh\u00f6rige generell einen enorm hohen Informationsbedarf haben und bei pl\u00f6tzlichem Pflegebedarf oft \u00dcberforderung herrscht.<\/p>\n<p>\u201eWer Sorgearbeit leistet, muss wissen, was das f\u00fcr die Pension bedeutet\u201c<\/p>\n<p>Um die aufgezeigten Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, brauche es Ans\u00e4tze auf unterschiedlichen Ebenen, sagen B\u00fchler, Janesch und Luzia Lagler, Beraterin beim Verein \u201eFrauen f\u00fcr Frauen\u201c im Weinviertel. Die Forderungen der Expertinnen sind nicht neu und wurden schon mehrfach ausgesprochen. \u201eLiegt die durchschnittliche Frauenpension unter der Armutsgrenze, dann brauchen wir zumindest eine kurzfristige Anhebung der Ausgleichszulage, also quasi der Mindestpension\u201c, sagt B\u00fchler. Langfristig m\u00fcsse unbezahlte Sorgearbeit bei der Berechnung der Pension deutlich h\u00f6her bewertet werden. B\u00fchler fordert nicht, dass aus der unbezahlten Arbeit eine bezahlte Arbeit wird, \u201edann w\u00fcrde das System kollabieren\u201c, sagt sie. Aber die unbezahlte Sorgearbeit m\u00fcsse dennoch einen Einfluss auf die Pensionsberechnung haben, \u201eschlie\u00dflich baut unsere ganze Gesellschaft auf dieser unbezahlten Arbeit auf\u201c, betont B\u00fchler.<\/p>\n<p>Auch eine verbindliche gesetzliche Regelung zur fairen Aufteilung zwischen den beiden Elternteilen wird von den Expertinnen bef\u00fcrwortet. \u201eEs braucht klare Anreize und verpflichtende Modelle, die V\u00e4ter st\u00e4rker in die Verantwortung nehmen\u201c, sagt Lagler. Auch die Tatsache, dass Frauen, manchmal auch f\u00fcr die gleiche Arbeit, weniger bezahlt bekommen als M\u00e4nner, spielt hier eine Rolle. \u201eFrauentypische Berufe m\u00fcssen generell besser bezahlt werden\u201c, fordert Janesch.<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-sMQYpMyyZjA0zJmT.jpeg\" alt=\"Wie die Lohnl\u00fccke zwischen M\u00e4nnern und Frauen geschlossen werden soll\"\/><\/p>\n<p>    Equal Pay Day<\/p>\n<p>Neben gesetzlichen Rahmenbedingungen brauche es f\u00fcr \u201eHalbe-halbe\u201c auch die soziale Infrastruktur dazu. B\u00fchler fordert eine \u201ehochwertige und flexible Kinderbetreuung, die beiden Eltern die Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit erm\u00f6glicht\u201c. Vor allem im l\u00e4ndlichen Raum sei das nach wie vor ein Problem. Auch wohnortnahe und flexible Angebote der Pflege und Betreuung f\u00fcr pflegebed\u00fcrftige Erwachsene w\u00fcrden Entlastung f\u00fcr Frauen schaffen.<\/p>\n<p>Wichtig in dieser Debatte sei vor allem auch die Sichtbarkeit und Wertsch\u00e4tzung der unbezahlten Sorgearbeit. Au\u00dferdem m\u00fcssen auch schon junge Frauen \u00fcber die langfristigen, finanziellen Folgen von Teilzeit, Kinderbetreuung und Pflegearbeit aufgekl\u00e4rt werden. \u201eWer Sorgearbeit leistet, muss wissen, was das f\u00fcr die eigene Pension bedeutet\u201c, betont B\u00fchler und fordert eine verpflichtende Aufkl\u00e4rung an Schulen.<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-kMRJsHnjfbWsEdfF.jpeg\" alt=\"Pensionsunterschiede in N\u00d6: M\u00e4nner erhalten 40 Prozent mehr als Frauen\"\/><\/p>\n<p>    \u201eEqual Pension Day\u201c<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/img-KnikZcoOXmzy08Wn.jpeg\" alt=\"Vor 50 Jahren wurde die Ehe revolutioniert\"\/><\/p>\n<p>    Familienrechtsreform 1976<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vier Stunden und 19 Minuten verbringt eine Frau in \u00d6sterreich durchschnittlich pro Tag mit unbezahlter Sorgearbeit. 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