{"id":141550,"date":"2026-05-05T15:33:11","date_gmt":"2026-05-05T15:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/141550\/"},"modified":"2026-05-05T15:33:11","modified_gmt":"2026-05-05T15:33:11","slug":"suedamerika-wo-die-kartoffel-das-erbgut-formte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/141550\/","title":{"rendered":"S\u00fcdamerika: Wo die Kartoffel das Erbgut formte"},"content":{"rendered":"<p>S\u00fcdamerika: Wo die Kartoffel das Erbgut formte &#8211; Spektrum der Wissenschaft<a id=\"top\" class=\"jump-to-content\" href=\"#main\" title=\"Direkt zum Inhalt\">Direkt zum Inhalt<\/a>S\u00fcdamerika: Wo die Kartoffel das Erbgut formte<\/p>\n<p>Vor rund 10\u00a0000\u00a0Jahren begann die Bev\u00f6lkerung der Anden mit der Zucht der Kartoffel\u00a0\u2013 und z\u00fcchtete sich zugleich selbst ein bisschen\u00a0mit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eine Person in traditioneller Kleidung hockt auf einem Feld und sortiert braune Knollen, m\u00f6glicherweise Kartoffeln. Im Hintergrund sind eine weite Landschaft und Berge unter einem klaren blauen Himmel zu sehen. Die Szene vermittelt einen Eindruck von landwirtschaftlicher Arbeit in einer l\u00e4ndlichen Umgebung.\" class=\"full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/GettyImages-2248771631.jpg\" title=\"Eine Person in traditioneller Kleidung hockt auf einem Feld und sortiert braune Knollen, m\u00f6glicherweise Kartoffeln. Im Hintergrund sind eine weite Landschaft und Berge unter einem klaren blauen Himmel zu sehen. Die Szene vermittelt einen Eindruck von landwirtschaftlicher Arbeit in einer l\u00e4ndlichen Umgebung.\"\/><\/p>\n<p> \u00a9 hadynyah \/ Getty Images \/ E+ (Ausschnitt) <\/p>\n<p> Eine indigene B\u00e4uerin in Peru bereitet Kartoffeln auf traditionelle Weise durch Gefriertrocknung zu. Die Bev\u00f6lkerung des Anden-Hochlands blickt auf eine jahrtausendealte Kartoffelkultur zur\u00fcck, die auch im Erbgut der Menschen Niederschlag\u00a0fand. <\/p>\n<p>Die indigene Bev\u00f6lkerung der Anden ist genetisch wie keine andere auf der Welt auf das Verdauen von St\u00e4rke ausgelegt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern um Omur\u00a0Gokcumen von der University at Buffalo in New\u00a0York. Die Fachleute betrachteten daf\u00fcr das Gen f\u00fcr das Speichelenzym Amylase. Es tr\u00e4gt ma\u00dfgeblich dazu bei, St\u00e4rke schon im Mund vorzuverdauen und in Zucker aufzuspalten. <\/p>\n<p>Bei den indigenen Quechua-Sprecherinnen und -Sprechern des peruanischen Hochlands funktioniert das offenbar besonders effektiv: Von allen 85\u00a0untersuchten Populationen hatten sie die h\u00f6chste Zahl an Kopien des entsprechenden Amylase-Gens (AMY1) in ihrem Erbgut, hei\u00dft es in der <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-026-71450-8\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">im Fachmagazin \u00bbNature Communications\u00ab erschienenen Studie<\/a>. Dadurch produziert ihr K\u00f6rper besonders gro\u00dfe Mengen des Verdauungsenzyms. Mit im Schnitt zehn Gen-Kopien \u00fcbertreffen sie andere Populationen um das Doppelte, manche sogar um das Vierfache.<\/p>\n<p>Gokcumen und Kollegen sehen darin eine jahrtausendealte Anpassung an die Ern\u00e4hrung. Vor rund 10\u00a0000\u00a0Jahren begannen die Menschen im Hochland, die Kartoffel zu nutzen und anzubauen. F\u00fcr den gleichen Zeitraum rekonstruiert die Forschergruppe einen Anstieg der Gen-Kopienzahl. Wer die von ihr gelieferte St\u00e4rke besonders gut abbauen konnte, war ern\u00e4hrungsphysiologisch offenbar im Vorteil. Dieser Selektionsdruck sorgte im Lauf der Zeit f\u00fcr die Vervielf\u00e4ltigung des\u00a0Gens.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches wurde auch bei anderen Populationen beobachtet, die auf eine lange Geschichte der Landwirtschaft zur\u00fcckblicken. In der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung beispielsweise ist im Verlauf der vergangenen Jahrtausende ebenfalls die Kopienzahl des AMY1-Gens gestiegen. Wie die Gruppe um Gokcumen schon in fr\u00fcheren Studien beobachtete, begann der Trend zur Vervielf\u00e4ltigung dieses Gens allerdings lange vor dem Umstieg auf eine b\u00e4uerliche Lebensweise. Bereits bei fr\u00fchmenschlichen Vorfahren des Homo sapiens<a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adn0609\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">lag es wohl in doppelter Ausf\u00fchrung\u00a0vor<\/a>. <\/p>\n<p>Diesen Artikel empfehlen:<\/p>\n<p> ist Linguist und Redakteur f\u00fcr Geschichte, Umwelt und Technologie. <\/p>\n<p>Digitalausgaben Printausgaben Topseller Bundles<\/p>\n<p> Scheer, K. et al., Nature Communications 10.1038\/s41467\u2013026\u201371450\u20138, 2026 <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/9f9b1908343546c386012caeebf953c4.gif\" width=\"1\"\/><\/p>\n<p>Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalit\u00e4t von Spektrum.de zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00fcdamerika: Wo die Kartoffel das Erbgut formte &#8211; Spektrum der WissenschaftDirekt zum InhaltS\u00fcdamerika: Wo die Kartoffel das Erbgut&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":141551,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46951,46,42,28865,22721,137,12491,124,123,46949,1132,46948,44,27457,46950],"class_list":{"0":"post-141550","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-anden","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-chile","12":"tag-erbgut","13":"tag-ernaehrung","14":"tag-evolution","15":"tag-gesundheit","16":"tag-health","17":"tag-kartoffeln","18":"tag-kultur","19":"tag-neolithikum","20":"tag-oesterreich","21":"tag-peru","22":"tag-quechua"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116522700353473129","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/141550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=141550"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/141550\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/141551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=141550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=141550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=141550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}