{"id":142421,"date":"2026-05-06T04:09:06","date_gmt":"2026-05-06T04:09:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/142421\/"},"modified":"2026-05-06T04:09:06","modified_gmt":"2026-05-06T04:09:06","slug":"kunstbiennale-venedig-zeigt-puppen-playmobil-und-polyphonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/142421\/","title":{"rendered":"Kunstbiennale Venedig zeigt Puppen, Playmobil und Polyphonie"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Es ist und bleibt eine \u00dcberforderung. Auch ohne die politischen Aufregungen, die heuer die Kunstbiennale Venedig in Zusammenhang mit der Teilnahme von Russland und Israel schon vor ihrer Er\u00f6ffnung bestimmen, wiederholt sich bei einem ersten Rundgang durch das gigantische Kunstangebot das Gef\u00fchl der vergangenen Jahre: viel zu viel Kunst, viel zu wenig Zeit.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Schon am verregneten ersten Previewtag war am Dienstag die durchschnittliche Verweildauer des Kunsttrosses vor einem einzelnen Werk minimal und wurde Letzteres h\u00e4ufig \u00fcberhaupt nur via Smartphonedisplay wahrgenommen. Ob die Millionen Fotos, die von hier in die Welt gehen, zuhause ruhiger und gr\u00fcndlicher studiert werden, darf bezweifelt werden, auch die Identifizierung ist diesmal nicht einfach, jedenfalls in der Hauptausstellung. Hier lassen sich in manchen R\u00e4umen durch uneindeutige Beschriftung einzelne Objekte nur schwer einzelnen K\u00fcnstlern zuordnen. Daf\u00fcr hat man fr\u00fchere Kritik ber\u00fccksichtigt und heuer f\u00fcr deutlich mehr Sitzgelegenheiten gesorgt als fr\u00fcher.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">&#8222;In Minor Keys&#8220; (In Moll-Tonarten) hat die vor einem Jahr gestorbene, kamerunisch-schweizerische Kuratorin Koyo Kouoh die von ihr konzipierte Hauptausstellung genannt, die nun von ihrem Team realisiert wurde. Es sei &#8222;eine Ausstellung, die dazu einl\u00e4dt, den beharrlichen Signalen der Erde und des Lebens zu lauschen und sich mit den Frequenzen der Seele zu verbinden&#8220;, hat sie in einem programmatischen Text festgehalten. &#8222;W\u00e4hrend Moll-Tonarten in der Musik oft mit Fremdartigkeit, Melancholie und Trauer assoziiert werden, manifestieren sich hier auch ihre Freude, ihr Trost, ihre Hoffnung und ihre Transzendenz.&#8220;<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Das von ihr angek\u00fcndigte &#8222;polyphone Kunstensemble&#8220;, das wie im Free Jazz Dissonanzen in produktive Vielstimmigkeit verwandeln soll, besteht in einem hohen Ausma\u00df aus Positionen aus Afrika und Asien. \u00d6sterreicher sind unter den 110 teilnehmenden Einzelk\u00fcnstlern und Gruppen keine vertreten, Europ\u00e4er selten. Buntheit und herk\u00f6mmliche Kunstformen wie Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation dominieren.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">In den S\u00e4len kann man bemalte Streichholzschachteln ebenso entdecken wie Playmobil-Dioramen und erstaunlich viele Varianten von Mischwesen aus Mensch, Tier und Pflanze. Natur hat weniger in ihrer akuten Gef\u00e4hrdung als in ihrer \u00fcberw\u00e4ltigenden Sch\u00f6nheit Eingang in viele Kunstwerke gefunden. Koyo Kouoh ist es mehr um Poesie als um Politik gegangen. Daf\u00fcr erweisen sich die malerischen Hallen des Arsenale deutlich geeigneter als der Hauptpavillon in den Giardini, in dem das dicht gedr\u00e4ngte Angebot mehr an einen Weltkunst-Gemischtwarenladen erinnert.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Auch in den benachbarten L\u00e4nderpavillons ist Vielfalt angesagt. Direkt neben dem umstrittenen russischen Pavillon, in dem der Aggressor Russland mit Auftritten von Musikgruppen zumindest symbolisch im Konzert der Nationen wieder mitzumischen hofft, haben die Japaner ihren Pavillon in eine Puppenb\u00fchne verwandelt. Hier sind 200 Babypuppen als &#8222;Symbol der Zukunft&#8220; versammelt &#8211; diese scheint strahlend zu werden, denn alle tragen Sonnenbrillen. Tragen sollen auch die Besucherinnen und Besucher, n\u00e4mlich jeweils eine Puppe ihrer Wahl. Vom ersten Stock aus kann man sie dann mit einem Taschenlift wieder nach unten schicken. &#8222;Grass Babies Moon Babies&#8220; nennt Ei Arakawa-Nash seinen verst\u00f6rend kindischen Beitrag, der vom Umstand inspiriert wurde, dass er 2024 Vater von Zwillingen wurde.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Nicht von ihrer eigenen Geschichte, sondern von der ihres Landes hat sich Henrike Naumann inspirieren lassen. Wie die Kuratorin der Hauptschau, erlebt jedoch auch die Vertreterin Deutschlands diese Biennale nicht mehr, ist sie doch im Februar im Alter von 41 Jahren an Krebs gestorben. Wie viele ihrer Vorg\u00e4ngerinnen und Vorg\u00e4nger arbeitet sie sich unter dem Titel &#8222;Ruin&#8220; an der Historie ab und erinnert im Hauptraum mit Artefakten, halbierten Sitzgelegenheiten und in der Farbgebung an die untergegangene DDR. Die in Vietnam aufgewachsene und seit 1992 in Deutschland lebende K\u00fcnstlerin Sung Tieu hat dazu an der Au\u00dfenfassade ein Plattenbaumosaik angebracht und l\u00e4sst in einem Innenraum Schokoladengl\u00fccksk\u00e4fer die W\u00e4nde hochkrabbeln.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Noch lassen sich die Eindr\u00fccke dieser Biennale ordnen und auseinanderhalten. Das wird nicht lange so bleiben. Die Zahl der L\u00e4nderauftritte und Side Events in der Lagunenstadt ist un\u00fcberschaubar. Und (hoffentlich) nicht alle in Moll.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">(Von Wolfgang Huber-Lang\/APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist und bleibt eine \u00dcberforderung. 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