{"id":144045,"date":"2026-05-06T21:41:24","date_gmt":"2026-05-06T21:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144045\/"},"modified":"2026-05-06T21:41:24","modified_gmt":"2026-05-06T21:41:24","slug":"automotive-maschinenbau-europas-industrie-im-stresstest-wo-jetzt-noch-wachstum-entsteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144045\/","title":{"rendered":"Automotive Maschinenbau: Europas Industrie im Stresstest: Wo jetzt noch Wachstum entsteht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/industriemagazin.at\/fuehren\/anlagenbauer-christof-noch-laufe-ich-um-kreditierung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Johann Christof<\/a> ist auf Achse. Ende April pendelt der Eigent\u00fcmer und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Christof Industries zwischen England und dem Nahen Osten. Diese Reiseroute ist mehr als eine Randnotiz. Sie beschreibt ziemlich genau jene Achsen, entlang derer sich das Unternehmen derzeit neu positioniert: in Europas Energieinfrastruktur, im britischen Markt und in Zukunftsprojekten in den Golfstaaten.\u00a0<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien arbeitet <a href=\"https:\/\/industriemagazin.at\/news\/christof-industries-nach-insolvenz-erfolgreicher-neustart\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christof Industries<\/a> derzeit an zwei laufenden Projekten. Parallel dazu f\u00fchrt das Unternehmen intensive Gespr\u00e4che mit einem deutschen Elektronikkonzern \u00fcber den Ausbau der Netzinfrastruktur. Christof beschreibt den Bedarf als enorm. \u00c4hnlich sei die Lage auch in Kontinentaleuropa: Sowohl Mittel- als auch Hochspannungsnetze w\u00fcrden massiv ausgebaut. Gleichzeitig werde in Gro\u00dfbritannien wie in Europa verst\u00e4rkt \u00fcber Investitionen in Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke\u00a0diskutiert. Treiber daf\u00fcr sei der stark steigende Energiebedarf durch Rechenzentren und Anwendungen rund um K\u00fcnstliche Intelligenz. Allein in Deutschland seien zehn bis 12 Gigawatt an neuen Kapazit\u00e4ten im Gespr\u00e4ch. F\u00fcr Christof Industries bedeutet das ein wachsendes Gesch\u00e4ftsfeld in der Umsetzung, Inbetriebnahme sowie in Service und Wartung von Anlagen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Unternehmen baut die Pr\u00e4senz in Europa aus. In Frankreich l\u00e4uft ein Projekt, in Irland soll im Sommer ein weiteres starten. Christof spricht von einem \u201egro\u00dfen Potenzial\u201c, mit dem man sich in die Zukunft hineinbewegen k\u00f6nne. Allein mit dem einen deutschen Player aus der Elektronikindustrie verhandle Christof Industries derzeit \u00fcber Rahmenvertr\u00e4ge in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von bis zu 140 Millionen Euro, verteilt \u00fcber f\u00fcnf Jahre. Dazu k\u00e4men weitere potenzielle Auftraggeber.\u00a0<\/p>\n<p>Nahost als Labor f\u00fcr neue Gesch\u00e4ftsmodelle<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das europ\u00e4ische Gesch\u00e4ft die Basis liefern soll, blickt Christof im Nahen Osten auf Projekte, die vision\u00e4rer angelegt sind. Das Unternehmen ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien und gemeinsam mit einem omanischen Partner aktiv. Trotz der geopolitischen Spannungen in der Region schildert Christof die operative Lage als stabil. Die Industrie habe sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, die eigenen Investments l\u00e4gen im Zeitplan, gr\u00f6\u00dfere Einschr\u00e4nkungen gebe es kaum. Er spricht sogar davon, dass die erste Ausbaustufe eines Food-Security-Investments in der W\u00fcste mit staatlicher Unterst\u00fctzung im September planm\u00e4\u00dfig hochfahren solle, w\u00e4hrend die n\u00e4chste Ausbaustufe bereits begonnen habe.\u00a0<\/p>\n<p>Der Inhalt dieses Projekts zeigt, worauf Christof im Nahen Osten setzt: technologische L\u00f6sungen f\u00fcr Versorgungssicherheit, Wasserknappheit und Dekarbonisierung. In einem Teilprojekt wird aus organischem Abfall \u00fcber Fliegenlarvenzucht ein hochwertiges Protein erzeugt, das etwa f\u00fcr Fisch- oder H\u00fchnerzucht verwendet werden kann. Zus\u00e4tzlich hat das Unternehmen einen organischen D\u00fcnger sowie ein Zellulose-Granulat entwickelt, das nach Christofs Darstellung bis zu 80 Prozent Wasser einsparen kann. Kleine Zellulosek\u00fcgelchen speichern Wasser, quellen auf und geben die Feuchtigkeit nur dann ab, wenn Pflanzen sie ben\u00f6tigen. Die Pflanzen sollen zun\u00e4chst in vertikalen T\u00fcrmen gezogen und anschlie\u00dfend in der W\u00fcste ausgebracht werden. Mit dem Gesamtinvestment, das Christof mit mehr als 300 Millionen beziffert, lie\u00dfe sich nach seiner Darstellung erst rund ein Prozent des Lebensmittelbedarfs der Vereinigten Arabischen Emirate decken \u2013 bei Produkten wie Tomaten, Paprika, Getreide oder Baumwolle.\u00a0<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein weiteres Zukunftsprojekt: In der W\u00fcste entwickelt Christof Industries ein Algenzuchtprogramm. Ziel ist es, Algen\u00f6l als Rohstoff f\u00fcr HVO und Sustainable Aviation Fuel zu erzeugen. Verschiedene St\u00e4mme w\u00fcrden bereits in Gro\u00dfbecken gez\u00fcchtet, bis Jahresende solle die Entscheidung fallen, mit welchen St\u00e4mmen man in die finale Phase gehe.\u00a0<br \/>Das klassische Industriegesch\u00e4ft in Europa soll also die Grundlage schaffen, um in Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungsl\u00f6sungen investieren zu k\u00f6nnen. Kurzfristig Geld einspielende Projekte und vision\u00e4re Entwicklungen seien kein Widerspruch, sondern m\u00fcssten miteinander kombiniert werden. Im Nahen Osten werde ein Teil dieser Investitionen zudem von staatlichen Stellen, Family Offices und privaten Partnern mitgetragen. Das reduziere &#8222;den Eigenmittelbedarf&#8220;, sagt Christof.\u00a0<\/p>\n<p>Kritik an Europas Industriepolitik<\/p>\n<p>Aus der Sicht von Christof hat die EU zentrale industriepolitische Vers\u00e4umnisse zu verantworten. Europa habe \u00fcber Jahrzehnte versucht, Ertr\u00e4ge zu optimieren, Kapazit\u00e4ten auszulagern und Abh\u00e4ngigkeiten in Kauf zu nehmen. &#8222;Heute wundert man sich dar\u00fcber, wie stark man bei Energie, Rohstoffen und industriellen Vorprodukten von anderen Regionen abh\u00e4ngig ist&#8220;, sagt Christof. Europa m\u00fcsse wieder st\u00e4rker \u201eback to the roots\u201c, also Ressourcen, industrielle Kapazit\u00e4ten und ein St\u00fcck Unabh\u00e4ngigkeit zur\u00fcckholen. Europa k\u00f6nne noch auf Jahrzehnte nicht auf Oil and Gas verzichten.\u00a0<\/p>\n<p>Rum\u00e4nien nennt er als Beispiel f\u00fcr ein Land, das handle: Dort werde im Schwarzmeerprojekt ebenso investiert wie in Onshore-F\u00f6rderung. Statt nur stillzulegen, w\u00fcrden einzelne Felder wegen der Energieknappheit wieder reaktiviert. &#8222;Die europ\u00e4ische Koordination&#8220; hinke dagegen &#8222;hinterher&#8220;, sagt er.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bilanz als Schl\u00fcsselfrage<\/p>\n<p>F\u00fcr Christof Industries selbst ist diese Gemengelage eng mit der eigenen Sanierungsgeschichte verkn\u00fcpft. Die vergangenen Jahre seien schwierig gewesen, sagt Christof. Zuerst Covid, dann der Russland-Ukraine-Krieg \u2013 das habe massive Spuren hinterlassen. Das Unternehmen habe es aber geschafft, sich aus der Krise herauszuarbeiten. Vollst\u00e4ndig abgeschlossen sei der Prozess noch nicht, doch Christof spricht von einem guten Weg. Zentral f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt sei nun eine positive Bilanz, damit der Bankensektor das Unternehmen wieder st\u00e4rker unterst\u00fctze. Sie ist der Schl\u00fcssel zu Finanzierungsspielr\u00e4umen f\u00fcr weiteres Wachstum.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2026 bestehe laut Christof bereits ein positiverer Ausblick. Der Auftragseingang in Europa sei gut. Er nennt einen gro\u00dfen Batteriespeicher-Auftrag sowie ein umfangreiches Projekt in Rum\u00e4nien. Dort geht es um stillzulegende oder teils wieder zu reaktivierende Wells: Equipment soll ausgebaut, das Umfeld dekontaminiert und Bohrl\u00f6cher dauerhaft verschlossen werden \u2013 beziehungsweise dort, wo es die Versorgungslage verlangt, wieder in Betrieb genommen werden.\u00a0<br \/>Noch dominiert Europa das Kerngesch\u00e4ft. Nach Christofs Einsch\u00e4tzung entfallen derzeit rund 70 Prozent auf Festlandeuropa, Rum\u00e4nien und die anlaufenden Projekte in Gro\u00dfbritannien. Mittel- bis l\u00e4ngerfristig rechnet er jedoch damit, dass Entwicklungen aus dem Nahen Osten nach Europa \u201e\u00fcberschwappen\u201c werden. Viele der dort eingesetzten oder entwickelten L\u00f6sungen seien in \u00d6sterreich, Deutschland und Europa entstanden. Dass sie zun\u00e4chst im Nahen Osten skaliert w\u00fcrden, sei auch eine Folge europ\u00e4ischer Restriktionen und B\u00fcrokratie.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Johann Christof ist auf Achse. 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