{"id":144186,"date":"2026-05-06T23:54:08","date_gmt":"2026-05-06T23:54:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144186\/"},"modified":"2026-05-06T23:54:08","modified_gmt":"2026-05-06T23:54:08","slug":"genetisches-bonusmaterial-macht-segatella-copri-sauerstofftolerant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144186\/","title":{"rendered":"Genetisches Bonusmaterial macht Segatella copri sauerstofftolerant"},"content":{"rendered":"<p>                        <a href=\"https:\/\/www.helmholtz-hzi.de\/fileadmin\/_processed_\/6\/e\/csm_02_P4D_P1_1_BHI_05_mmu_570fdfae72.jpg\" class=\"lightbox\" data-group=\"gallery-13766\" aria-label=\"Gr\u00fcne St\u00e4bchenf\u00f6rmige Bakterien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-caption=\"&lt;div class=&quot;tobii__caption-wrapper&quot;&gt;&lt;div class=&quot;tobii__caption&quot;&gt;&lt;div&gt;\u00a9 HZI \/ Mathias M\u00fcsken&lt;br&gt;Elektronenmikroskopische Aufnahme von Segatella copri (Stamm HDD04).&lt;\/div&gt;&lt;\/div&gt;&lt;\/div&gt;\" alt=\"Gr\u00fcne St\u00e4bchenf\u00f6rmige Bakterien\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/csm_02_P4D_P1_1_BHI_05_mmu_eac7ae8520.jpg\" width=\"740\" height=\"497\"\/><\/p>\n<p>                        <\/a><\/p>\n<p>\u00a9 HZI \/ Mathias M\u00fcsken<\/p>\n<p>            Elektronenmikroskopische Aufnahme von Segatella copri (Stamm HDD04).<\/p>\n<p>Doch auch wenn die Sauerstofftoleranz von Segatella copri nur gering war, m\u00fcssen die Bakterien eine Strategie besitzen, die ihnen dabei hilft, unter Einwirkung von Sauerstoff zu \u00fcberleben, folgerten die Forschenden. Doch welche? Um das herauszufinden, setzten sie in nachfolgenden Untersuchungen Segatella copri \u00fcber wenige Minuten Sauerstoff aus und f\u00fchrten anschlie\u00dfend eine sogenannte Transkriptomanalyse durch. Damit l\u00e4sst sich herausfinden, welche Gene zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv sind. \u201eSo haben wir bei Segatella copri den bekannten Transkriptionsregulator PerR aufgesp\u00fcrt, der ein genetisches Netzwerk kontrolliert, das wiederum f\u00fcr die bakterielle Sauerstoffantwort entscheidend ist\u201c, sagt Youssef El Mouali. \u201eIm Mausmodell konnten wir dar\u00fcber hinaus zeigen, dass Segatella copri ohne das Vorhandensein von PerR den Darm nicht besiedeln kann. F\u00fcr eine erfolgreiche Darmbesiedlung ist PeR f\u00fcr dieses Bakterium also entscheidend.\u201c<\/p>\n<p>Um zu pr\u00fcfen, ob Segatella copri m\u00f6glicherweise noch weitere Regulationsmechanismen besitzt, um Sauerstoffstress zu \u00fcberstehen, durchforsteten die Forschenden Datenbanken und nahmen mehrere hundert Genome verschiedener St\u00e4mme von Segatella copri unter die Lupe. Ein Genom ist die Gesamtheit der Gene eines Organismus. Dabei suchten sie gezielt nach genetischen Spuren des Transkriptionsregulators OxyR, der die Sauerstoffantwort unter anderem bei Bakterien der Gattung Bacteroides reguliert. Und tats\u00e4chlich fanden sie einige St\u00e4mme von Segatella copri, die OxyR besa\u00dfen. Die St\u00e4mme, die die Forschenden f\u00fcr das Experiment zur Untersuchung der Sauerstofftoleranz verwendet hatten, besa\u00dfen dagegen kein OxyR. Die Forschenden wiederholten daher das Experiment gezielt mit St\u00e4mmen mit OxyR, um zu pr\u00fcfen, ob diese besser mit Sauerstoff umgehen k\u00f6nnen. Und tats\u00e4chlich: Die St\u00e4mme von Segatella copri mit OxyR zeigten eine hundert- bis tausendfach h\u00f6here Sauerstofftoleranz als St\u00e4mme ohne OxyR. Doch wie kommt es, dass manche St\u00e4mme OxyR besitzen und andere nicht? \u201eUnsere Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass wahrscheinlich vor mehreren tausend Jahren ein sogenannter horizontaler Gentransfer stattgefunden hat. Dabei tauschen Bakterien \u2013 mitunter auch unterschiedlicher Arten \u2013 Gene miteinander aus\u201c, erkl\u00e4rt Till Strowig.<\/p>\n<p>In weiterf\u00fchrenden Untersuchungen gingen die Forschenden gemeinsam mit Kollegen der Universit\u00e4t Trient in Italien der Frage nach, wo auf der Welt im Mikrobiom der Menschen St\u00e4mme des Darmbakteriums Segatella copri mit bzw. ohne OxyR vorkommen. Daf\u00fcr f\u00fchrten sie umfangreiche Genomdatenanalysen durch und fanden heraus, dass St\u00e4mme von Segatella copri mit OxyR vor allem in industrialisierten L\u00e4ndern vorkommen, in afrikanischen und den meisten asiatischen L\u00e4ndern hingegen deutlich seltener. Doch warum ist das so? \u201eWir vermuten, dass Bakterienst\u00e4mme von Segatella copri mit OxyR in stark industrialisierten L\u00e4ndern einen Selektionsvorteil haben\u201c, sagt Till Strowig. \u201eZum einen, weil es hier h\u00e4ufiger zu St\u00f6rungen des Gleichgewichts im Darm kommt, etwa durch die Einnahme von Antibiotika, wodurch es zeitweise zu einer erh\u00f6hten Sauerstoffverf\u00fcgbarkeit im Darm kommen kann. Zum anderen k\u00f6nnte auch die \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch durch h\u00f6here Hygienestandards herausfordernd sein. Eine bessere Sauerstofftoleranz, um bis zur \u00dcbertragung zum n\u00e4chsten Wirt l\u00e4ngere Aufenthalte an der frischen Luft zu \u00fcberstehen, k\u00f6nnte f\u00fcr das ausschlie\u00dflich darmbewohnende Bakterium Segatella copri durchaus hilfreich sein.\u201c<\/p>\n<p>Mit ihrer Studie konnten die Forschenden eindr\u00fccklich zeigen, dass Darmbakterien derselben Art auf Stammebene entscheidende genetische Unterschiede aufweisen k\u00f6nnen, die zu g\u00e4nzlich anderen Eigenschaften sowie Anpassungsf\u00e4higkeiten bei sich ver\u00e4ndernden Umweltbedingungen f\u00fchren. In zuk\u00fcnftigen Forschungsprojekten will das Team um Till Strowig untersuchen, wie sich die Darmbesiedlung mit Segatella copri je nach Stamm \u2013 mit oder ohne das genetische Bonusmaterial von OxyR \u2013 auf die menschliche Gesundheit auswirkt.<\/p>\n<p>Text: Nicole Silbermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a9 HZI \/ Mathias M\u00fcsken Elektronenmikroskopische Aufnahme von Segatella copri (Stamm HDD04). 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