{"id":144757,"date":"2026-05-07T08:23:13","date_gmt":"2026-05-07T08:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144757\/"},"modified":"2026-05-07T08:23:13","modified_gmt":"2026-05-07T08:23:13","slug":"menschliche-dna-produziert-mehr-als-1700-unbekannte-molekuele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/144757\/","title":{"rendered":"Menschliche DNA produziert mehr als 1700 unbekannte Molek\u00fcle"},"content":{"rendered":"\n<p>Zuwachs f\u00fcrs Proteom: Das menschliche Erbgut kodiert offenbar nicht nur Proteine \u2013 es produziert auch eine ganz neue Molek\u00fclklasse: Peptideine. Diese protein\u00e4hnlichen Biomolek\u00fcle bestehen aus Aminos\u00e4uren, sind aber viel k\u00fcrzer als g\u00e4ngige Proteine. Gut 1700 dieser Peptideine hat ein internationales Forschungsprojekt jetzt erstmals identifiziert. Welche biologische Funktion diese Molek\u00fcle haben, ist noch unklar. Sie k\u00f6nnten aber eine Rolle im Immunsystem und bei Krankheiten spielen, wie die Forschenden in \u201eNature\u201c berichten.<\/p>\n<p>Unser Erbgut besteht nur zu zwei Prozent aus proteinkodierenden Genen. Diese Abschnitte enthalten die Bauanleitung f\u00fcr die rund 19.500 Proteine, die f\u00fcr unsere Zellfunktionen unverzichtbar sind. Doch was macht der gro\u00dfe Rest unserer DNA? Lange galten diese Sequenzen unbekannter Funktion als blo\u00dfe Genkopien oder funktionslose Relikte. Doch inzwischen ist klar, dass viele dieser nichtkodierenden DNA-Abschnitte wichtige Funktionen haben, beispielsweise f\u00fcr die Genregulation. Einige dieser DNA-Sequenzen werden zudem von der Zellmaschinerie abgelesen und m\u00f6glicherweise auch in Molek\u00fcle \u201e\u00fcbersetzt\u201c.<\/p>\n<p>Spurensuche im \u201eDunklen Proteom\u201c<\/p>\n<p>Doch bisher blieb unklar, in welchem Ma\u00dfe die au\u00dferhalb der Gene liegenden \u201enichtkanonischen offenen Leserahmen\u201c (ncORF) unseres Erbguts Molek\u00fcle produzieren und welche. Es gab aber erste Hinweise darauf, dass aus Aminos\u00e4uren aufgebaute Peptidketten darunter sein k\u00f6nnten. \u201eDiese ncORFs und die von ihnen kodierten Polypeptide gelten daher auch als Teil des \u201aDunklen Proteoms\u2018\u201c, erkl\u00e4ren Eric Deutsch vom Institute for Systems Biology in Seattle und seine Kollegen.<\/p>\n<p>Um mehr Licht in dieses \u201eDunkle Proteom\u201c zu bringen, haben Deutsch und seine Kollegen 7264 dieser nichtkanonischen offenen Leserahmen in der menschlichen DNA genauer untersucht. Im Rahmen des internationalen TransCODE-Konsortiums sequenzierten sie die DNA-Abschnitte, analysierten die in Zellkulturen daraus abgelesenen und erzeugten Molek\u00fcle und suchten nach m\u00f6glichen biologischen Funktionen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-05-07-proteom2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-344805 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-344805\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/26-05-07-proteom2-295x300.jpg\" alt=\"Peptideine im Vergleich\" width=\"295\" height=\"300\"  \/><\/a>Zahl der Peptideine aus nichtkanonischen offenen Leserahmen (ncORF) in Zellen verschiedener Organe und Gewebe, darunter Zahl der bekannten, kanonischen Peptide. Ganz unten: Anteil der ncORF-Peptide an der Peptidgesamtzahl. \u00a9 Deutsch et al.\/ Nature, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC-by 4.0<\/a>1.785 zuvor unbekannte Mikroproteine<\/p>\n<p>Das Ergebnis: \u201eRund 25 Prozent der von uns untersuchten nichtkanonischen offenen Leserahmen bringen detektierbare Peptide hervor\u201c, berichten die Forschenden. Die zuvor als weitgehend funktionslos betrachteten DNA-Abschnitte enthalten demnach die Bauanleitung f\u00fcr 1.785 zuvor unbekannte Mikroproteine \u2013 Molek\u00fcle aus aneinandergereihten Aminos\u00e4uren. Die meisten dieser Peptidketten sind allerdings deutlich k\u00fcrzer als bei normalen Proteinen \u2013 zwei Drittel von ihnen enthalten weniger als 50 Aminos\u00e4uren.<\/p>\n<p>\u201eWir wussten schon vorher, dass die bekannten Proteine uns nicht das volle Bild zeigen\u201c, sagt Co-Autor Sebastiaan van Heesch vom Princess M\u00e1xima Center f\u00fcr P\u00e4diatrische Onkologie in Utrecht. \u201eJetzt enth\u00fcllt unsere Studie, dass tausende bisher unbeachtete DNA-Sequenzen zu unserem Proteom beitragen: Sie erzeugen eine ganz neue Klasse von protein\u00e4hnlichen Molek\u00fclen, die zuvor \u00fcbersehen wurden.\u201c<\/p>\n<p>Neue, dritte Kategorie der menschlichen DNA<\/p>\n<p>Das Team hat die neu entdeckte Molek\u00fclklasse \u201ePeptideine\u201c getauft. Sie erweitern die g\u00e4ngige Einteilung des menschlichen Genoms um eine dritte Kategorie: Neben proteinkodierenden Genen und nichtkodierenden DNA-Abschnitten bilden die Peptidein-produzierenden Sequenzen eine weitere Kategorie. Deutsch und seine Kollegen vermuten, dass es im menschlichen Erbgut noch weit mehr Abschnitte mit bislang unbekannten Produkten gibt als bekannt.<\/p>\n<p>\u201eDas Aufregende daran ist nicht nur, dass diese Molek\u00fcle existieren, sondern auch, was dies bedeutet: Die Peptideine deuten darauf hin, dass es unter der uns vertrauten Ebene des Genoms noch eine ganze, kaum erforschte Schicht von molekularen Akteuren gibt\u201c, sagt Co-Autor Robert Moritz vom Institute for Systems Biology. \u201eWir beginnen gerade erst damit, ihre funktionelle Rolle f\u00fcr Genregulation, Signalwege und das \u00dcberleben von Zellen in Ans\u00e4tzen zu erfassen.\u201c<\/p>\n<p>Biologische Funktion gr\u00f6\u00dftenteils noch ungekl\u00e4rt<\/p>\n<p>Noch ist f\u00fcr die meisten Peptideine unklar, wozu sie dienen: \u201eBei den meisten neu entdeckten Molek\u00fclen wissen wir noch nicht genau, was sie tun\u201c, sagt van Heesch. In Tests mit Zellkulturen scheinen aber zumindest einige dieser Mikroproteine eine Rolle f\u00fcr die Zellteilung und DNA-Reparatur zu spielen: Werden sie ausgeschaltet, leidet das Zellwachstum. Andere werden auf der Zelloberfl\u00e4che pr\u00e4sentiert und k\u00f6nnten vom Immunsystem erkannt werden, wie das Team berichtet.<\/p>\n<p>\u201eWir beginnen gerade erst zu erkennen, was das \u201adunkle Proteom\u2018 tut\u201c, sagt Co-Autor John Prensner von der University of Michigan. \u201eEs ist wie der Trailer zu einem Spielfilm. Wir erahnen bisher nur, dass wir hier einen echten Game-Changer f\u00fcr unsere Sicht der menschlichen Biologie vor uns haben.\u201c Die Forschenden hoffen, dass ihre Entdeckung und Klassifizierung der Peptideine nun auch Kollegen in aller Welt dazu anregt, diese neuen Molek\u00fcle n\u00e4her zu erforschen.<\/p>\n<p>\u201eDies ist nicht das Ende einer Suche, sondern der T\u00fcr\u00f6ffner zu einem weiten und fruchtbaren neuen Forschungsfeld f\u00fcr die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft\u201c, so Prensner. \u201eIch glaube, dass die Peptideine zu den vielseitigsten und folgenschwersten regulatorischen Molek\u00fclen geh\u00f6ren k\u00f6nnten, denen wir in der menschlichen Biologie bisher begegnet sind.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Eric Deutsch (Institute for Systems Biology, Seattle) et al., Nature, 2026; <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10459-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41586-026-10459-x<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zuwachs f\u00fcrs Proteom: Das menschliche Erbgut kodiert offenbar nicht nur Proteine \u2013 es produziert auch eine ganz neue&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":144758,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,47672,6704,22721,47673,124,123,40878,44,12317,47674,17782,47675,47676],"class_list":{"0":"post-144757","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-bauanleitung","11":"tag-dna","12":"tag-erbgut","13":"tag-genom","14":"tag-gesundheit","15":"tag-health","16":"tag-molekuel","17":"tag-oesterreich","18":"tag-peptid","19":"tag-peptidein","20":"tag-protein","21":"tag-proteom","22":"tag-zellbiologie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116532334276073320","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=144757"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144757\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/144758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=144757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=144757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=144757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}