{"id":14555,"date":"2026-02-26T13:15:11","date_gmt":"2026-02-26T13:15:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/14555\/"},"modified":"2026-02-26T13:15:11","modified_gmt":"2026-02-26T13:15:11","slug":"father-mother-sister-brother-besuch-bei-der-familie-keiner-kommt-heil-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/14555\/","title":{"rendered":"&#8222;Father Mother Sister Brother&#8220;: Besuch bei der Familie \u2013 keiner kommt heil davon"},"content":{"rendered":"<p>\n        26. Februar 2026<\/p>\n<p>              R\u00fcdiger Suchsland<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Master_Ruediger-c9456aeddc1bd031.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\"><a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/326117\/bilder\/?cmediafile=9001972238\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Bild<\/a>: Copyright Vague Nation \/ Atsushi Nishijima<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Drei Episoden, ein Gef\u00fchl \u2013 famili\u00e4re Leere. Zwischen Tom Waits, Charlotte Rampling und stiller Grausamkeit erz\u00e4hlt Jim Jarmusch vom Unbehaustsein.<\/p>\n<p>Eigentlich muss man sich diesen Film schon deswegen im englischen Original anschauen, weil man sonst die wunderbare Stimme von Tom Waits verpassen w\u00fcrde. Oder die Original-Stimmen von Charlotte Rampling, Cate Blanchett und Vicky Krieps, wenn sie mal Englisch sprechen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Der US-Independent-Regisseur Jim Jarmusch. ist der Autor so unvergesslicher Werke wie &#8222;Stranger Than Paradise&#8220;, &#8222;Down by Law&#8220;, &#8222;Night on Earth&#8220;, &#8222;Ghost Dog&#8220;: Aber erst im letzten Jahr gewann er schlie\u00dflich beim Filmfestival von Venedig den bedeutendsten Preis seiner Karriere: &#8222;Father Mother Sister Brother&#8220; war ein umstrittener Gewinner des Goldenen L\u00f6wen.<\/p>\n<p>Es geht in diesem neuen Jarmusch-Film um Beziehungen, die Beziehungen erwachsener Geschwister zueinander und zu ihren alt gewordenen Eltern.<\/p>\n<p>\u00dcber die Freuden und die Schrecken der Familie: Jim Jarmusch betont die Wiederholung von Verhaltensmustern seiner Figuren, um den Familienmythos zu demontieren und die Unf\u00e4higkeit aufzuzeigen, das bereits Zerst\u00f6rte, Nichtexistente zu reparieren. &#8222;Father, Mother, Sister, Brother&#8220; macht uns zu Zeugen von Begegnungen an unterschiedlichen Orten, jedoch mit denselben Szenarien und Konflikten.<\/p>\n<p>Kurzgeschichten aus der Bourgeoise<\/p>\n<p>Schon der Titel ruft in seiner eing\u00e4ngigen Schlichtheit lose aneinandergereihte Kurzgeschichten aus der Bourgeoise in den Sinn, in simpler unaufgeregter Handlungsstruktur, durchzogen von sentimentaler Stilisierung der klassischen Kernfamilie: Vater, Mutter, Kind. Es geht um die Allt\u00e4glichkeit und Banalit\u00e4t des Lebens.<\/p>\n<p>      <a class=\"grossbild cbox_gallery akwa-inline-img__link\" data-grossbildsrc=\"https:\/\/www.telepolis.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Bild_1_Ruediger-f677affd2c20d725.jpg\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Bild_1_Ruediger-f677affd2c20d725.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"432\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 800 \/ 432; object-fit: cover;\" width=\"800\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\n            (Bild:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/326117\/bilder\/?cmediafile=9001972240\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Bild<\/a>: Copyright Vague Nation \/ Frederick Elmes)<\/p>\n<p>Dies ist ein Episodenfilm, in dieser Hinsicht Jim Jarmuschs &#8222;Night on Earth&#8220; (1991) am \u00e4hnlichsten \u2013 ein Film voller Geheimnisse und nur lose verbunden.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Alles beginnt mit einem alten, von Tom Waits gespielten Vater in der ersten und witzigsten Episode. Das Leben entgleitet diesem Alten, der allein in einer abgelegenen, heruntergekommenen H\u00fctte auf dem Land lebt, wo er von seinen Kindern Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) besucht wird.<\/p>\n<p>Von dieser klarsten Geschichte bewegt sich der Film ins Terrain tieferer Ungewissheit.<\/p>\n<p>      <a class=\"grossbild cbox_gallery akwa-inline-img__link\" data-grossbildsrc=\"https:\/\/www.telepolis.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Ruediger_Bild_2-0cb5ed06985f42a9.jpg\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Ruediger_Bild_2-0cb5ed06985f42a9.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"432\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 800 \/ 432; object-fit: cover;\" width=\"800\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/326117\/bilder\/?cmediafile=9001972235\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Bild<\/a>: Copyright Vague Nation \/ Yorick Le Saux<\/p>\n<p>Die zweite Episode, &#8222;Mother&#8220; steht st\u00e4rker in der Tradition von Woody Allen, spielt mit scheinbaren Subtilit\u00e4ten und reichlich passiv-aggressiven Situationen.<\/p>\n<p>Beim obligatorischen Jahresbesuch im b\u00fcrgerlichen Heim der Mutter k\u00f6nnen die beiden T\u00f6chter den Tee nicht genie\u00dfen angesichts der Strenge und wertenden Haltung der Matriarchin gegen\u00fcber ihrem Lebensstil. Im Zentrum steht die grandiose Charlotte Rampling, deren unwiderstehlicher Blick schweigend ihre Umgebung vernichtet, voller Verachtung und Kontrolle.<\/p>\n<p>Die dritte Geschichte ist jene, in der Jarmusch am meisten auf Emotion setzt \u2013 doch hier hat der Film am wenigsten Ertrag. Schon die wenig inspirierte Darstellung von Indya Moore verhindert, dass der Film sich durch sie wirklich entfalten kann.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>So muss Luka Sabbat die Episode nahezu allein tragen, und obwohl zwischen beiden Chemie und Komplizenschaft auf der Leinwand sp\u00fcrbar sind, bleibt Moore in den entscheidenden Momenten hinter den Anforderungen zur\u00fcck. Der Film verliert viel durch diese deutlich n\u00fcchternere Episode, w\u00e4hrend die vorherigen vor Ironie und Leichtigkeit spr\u00fchen.<\/p>\n<p>Erzwungene Kommunikationsversuche<\/p>\n<p>&#8222;Father Mother Sister Brother&#8220; bietet eine Variation von &#8222;Tokyo Story&#8220; von Yasujir\u014d Ozu. Alle drei Geschichten stehen im Zeichen des Besuchs: die erste als Bestandsaufnahme; die zweite sporadischen Zwang; die dritte, eher gespenstisch als physisch, inszeniert das Wiedersehen zweier Zwillings-Geschwister, die mit der Abwesenheit ihrer Eltern konfrontiert sind.<\/p>\n<p>      <a class=\"grossbild cbox_gallery akwa-inline-img__link\" data-grossbildsrc=\"https:\/\/www.telepolis.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Ruediger_Bild_3-a14328378c7df0c2.jpg\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/imgs\/18\/5\/0\/3\/4\/8\/6\/5\/Ruediger_Bild_3-a14328378c7df0c2.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"432\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 800 \/ 432; object-fit: cover;\" width=\"800\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/326117\/bilder\/?cmediafile=9001912067\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Bild<\/a>: Copyright Vague Notion 2024_Frederick Elmes<\/p>\n<p>Es sind erzwungene, selten erwiderte Kommunikationsversuche. Jarmusch erzeugt eine Atmosph\u00e4re aus Spannung und Scham, so absurd und heuchlerisch, dass sie erhellt, wie sehr uns der \u00e4u\u00dfere Schein t\u00e4uschen kann.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken des Films ist seine unbestreitbare Aktualit\u00e4t. Jarmusch sperrt seine Figuren in Innenr\u00e4ume ein, in H\u00e4usern mit beinahe klaustrophobischen Einstellungen, um das Konzept des Zuhauses \u2013 eigentlich ein Ort der Sicherheit und Freiheit von Gefahren \u2013 infrage zustellen.<\/p>\n<p>An die Stelle des Wohlbefindens treten jedoch Einsamkeit und emotionale Entfremdung der Kinder. Begriffe, die heute allgegenw\u00e4rtig sind aber nur selten mit solcher Feinf\u00fchligkeit und Pr\u00e4zision innerhalb famili\u00e4rer Bindungen dargestellt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"26. 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