{"id":145744,"date":"2026-05-07T18:40:07","date_gmt":"2026-05-07T18:40:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/145744\/"},"modified":"2026-05-07T18:40:07","modified_gmt":"2026-05-07T18:40:07","slug":"tomahawk-stimmt-es-dass-europa-us-marschflugkoerper-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/145744\/","title":{"rendered":"Tomahawk: Stimmt es, dass Europa US-Marschflugk\u00f6rper braucht?"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-05\/tomahawk-marschflugkoerper-usa-europa-militaer\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1Stimmt es, dass Europa US-Marschflugk\u00f6rper braucht?<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-05\/tomahawk-marschflugkoerper-usa-europa-militaer\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Europas \u00bbSonderweg\u00ab ger\u00e4t an seine Grenzen<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Boris Pistorius ist besorgt. Nicht wegen der US-Ank\u00fcndigung, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-05\/us-soldaten-deutschland-teilabzug#was-wuerde-das-fuer-die-sicherheit-deutschlands-und-der-nato-bedeuten\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">5.000 Soldaten oder mehr aus Deutschland abzuziehen<\/a>: \u00bbAbsehbar\u00ab sei das gewesen, sagte der Verteidigungsminister. Deutlich andere Worte w\u00e4hlte der SPD-Politiker hingegen in Bezug auf eine Einheit, die die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> nicht etwa abziehen, sondern gar nicht erst in Deutschland stationieren wollen: ein mit Marschflugk\u00f6rpern des Typs Tomahawk bewaffnetes Bataillon. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-05\/usa-tomahawk-stationierung-deutschland-boris-pistorius\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00bbSehr schade und nachteilig f\u00fcr uns\u00ab sei Donald Trumps Absage an die Stationierung dieser Waffen in Deutschland<\/a>, sagte Pistorius. Anders als im Fall des Truppenabzugs werde Deutschlands \u00bbAbschreckungsl\u00fccke\u00ab durch diese Entscheidung eindeutig gr\u00f6\u00dfer.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Stationierung von Tomahawks \u2013 Flugk\u00f6rpern mit einer Reichweite von mehr als 1.600 Kilometern \u2013 war im Sommer 2024 angek\u00fcndigt worden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2024-07\/usa-marschflugkoerper-stationierung-deutschland-nato\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich mit Trumps Vorg\u00e4nger Joe Biden<\/a> auf diese erste Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland seit dem Kalten Krieg geeinigt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das Ziel: Wladimir Putin soll gar nicht erst auf die Idee kommen, mit einem Einsatz seiner in Kaliningrad stationierten Iskander-Raketen zu drohen, die binnen weniger Minuten Warschau, Berlin und Kopenhagen erreichen k\u00f6nnen. Die Tomahawks \u2013 und weitere perspektivisch noch zu entwickelnde Hyperschallwaffen, die k\u00fcnftig ebenfalls in Deutschland aufgestellt werden sollten \u2013 w\u00e4ren die designierte Antwort. Und ihre Stationierung angesichts <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/russland-laesst-iskander-raketen-in-kaliningrad-auffahren-a-1206355.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">der von Russland schon 2018 nach Kaliningrad verlegten Raketen<\/a> \u00fcberf\u00e4llig, argumentierten Bef\u00fcrworter.\n<\/p>\n<p>                            Eine russische Iskander-Raketenvorrichtung am 9. Mai auf dem Roten Platz. In der Exklave Kaliningrad wurden die Systeme schon Jahre vor dem Angriff auf die Ukraine stationiert.            \u00a9\u00a0Kirill Kudryavtsev\/\u200bAFP via Getty Images<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Waffen wie der Tomahawk werden f\u00fcr sogenannte Deep Precision Strikes eingesetzt \u2013 pr\u00e4zise Angriffe auf Hochwertziele in der Tiefe des gegnerischen Gebiets, wie Kommandozentren, Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze und R\u00fcstungsfabriken. In der 2023 ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.nationalesicherheitsstrategie.de\/Sicherheitsstrategie-DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Nationalen Sicherheitsstrategie<\/a> werden Deep Precision Strikes als \u00bbZukunftsf\u00e4higkeit\u00ab beschrieben; im <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/resource\/blob\/6093766\/01b1718498c25db9010ea13724d7a37a\/dl-gesamtkonzeption-der-militaerischen-download-deu-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00f6ffentlich einsehbaren Teil<\/a> der j\u00fcngst fertiggestellten deutschen Milit\u00e4rstrategie ist der Ausbau von \u00bbF\u00e4higkeiten zur weitreichenden pr\u00e4zisen Wirkung\u00ab einer der zentralen Punkte.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. 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Das International Institute for Strategic Studies (IISS) verweist in einer <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/research-paper\/2025\/11\/deep-precision-strike-europes-quest-for-long-range-missile-capabilities\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Analyse zu Langstreckenf\u00e4higkeiten europ\u00e4ischer Armeen<\/a> auf die besonders deutlich ausformulierte franz\u00f6sische Doktrin: Deep Precision Strikes zeichnen sich demnach unter anderem dadurch aus, \u00bbeine direkte politische Wirkung auf den Gegner\u00ab erzielen zu k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die politische Wirkung, die der F\u00e4higkeit zu solchen Angriffen zugeschrieben wird, kann immens sein. Wenn <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/boris-pistorius\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pistorius<\/a> von einer \u00bbAbschreckungsl\u00fccke\u00ab durch den Entfall der Tomahawk-Stationierung spricht, hei\u00dft das nichts anderes als: Er erhofft sich von solchen Waffen, sie k\u00f6nnten allein durch ihre Pr\u00e4senz einen gegnerischen Angriff verhindern \u2013 und nicht nur einen milit\u00e4rischen Vorteil in bereits laufenden Konflikten bieten. \u00bbSich verteidigen k\u00f6nnen, um sich nicht verteidigen zu m\u00fcssen\u00ab: Die mit Hunderten Milliarden Euro finanzierte Aufr\u00fcstung der Bundeswehr wird immer wieder mit diesem Gedanken begr\u00fcndet.\n<\/p>\n<p>        \u00bbVerweigerung\u00ab oder \u00bbBestrafung\u00ab?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch geht das nicht \u00fcber die defensive Ausrichtung der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/bundeswehr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundeswehr<\/a> hinaus? Ist die M\u00f6glichkeit, einen Marschflugk\u00f6rper mehr als 1.000 Kilometer tief in gegnerisches Gebiet hineinzusteuern, noch von diesem Ansatz gedeckt? Brauchen europ\u00e4ische L\u00e4nder wirklich derartige Waffen, um sich sicher f\u00fchlen zu k\u00f6nnen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das h\u00e4ngt davon ab, welches Abschreckungskonzept man verfolgt. Hierbei wird vor allem zwischen deterrence by denial (\u00bbAbschreckung durch Verweigerung\u00ab) und deterrence by punishment (\u00bbAbschreckung durch Bestrafung\u00ab) unterschieden. Ersteres bedeutet, einem potenziellen Gegner durch die Art der eigenen Bewaffnung zu signalisieren, dessen Angriffe zuverl\u00e4ssig abwehren zu k\u00f6nnen, ihnen dadurch den Sinn zu entziehen und den Gegner glauben zu lassen, dass er seine Ziele mit einem Angriff nicht wird erreichen k\u00f6nnen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Deterrence by punishment bezeichnet hingegen das Vorgehen, den potenziellen Aggressor schwere Konsequenzen in Form eines Gegenschlags auf strategisch relevante Ziele erwarten zu lassen. Stehen konventionelle Waffen zur Verf\u00fcgung, die dazu in der Lage sind, kann dieser Ansatz gew\u00e4hlt werden, ohne dass der ungewisse Eskalationspfad nuklearer Drohungen beschritten wird.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Vor allem die deutsche Reaktion auf den Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 war von deterrence by denial gepr\u00e4gt. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2022-03\/verteidigung-bundesregierung-raketenschutzschild-arrow-drei\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Schon wenige Wochen nach Kriegsbeginn<\/a> geh\u00f6rten israelische Raketenabwehrsysteme des Typs Arrow 3 zu den ersten bedeutenden Investitionen Deutschlands im Zuge der sogenannten Zeitenwende. Und noch im selben Jahr machte sich die Bundesregierung <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2022-10\/12\/deutschland-startet-initiative-fuer-neue-luftverteidigung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit der European Sky Shield Initiative<\/a> f\u00fcr den Aufbau einer europaweit verbesserten Luftverteidigung stark.\n<\/p>\n<p>        Man kann sich auch in den \u00f6konomischen Ruin sch\u00fctzen        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch zugleich zeigen die Erfahrungen des Ukrainekriegs die Grenzen beim Ansatz einer solchen \u00bbVerweigerung\u00ab. Die russischen Raketenangriffe k\u00f6nnen von der Ukraine trotz der dorthin gelieferten Abwehrsysteme stets nur teilweise abgewehrt werden \u2013 zu viele Raketen setzt <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> ein. F\u00fcr den Einsatz gegen Hunderte russische Angriffsdrohnen pro Tag wiederum sind Flugabwehrraketen viel zu teuer.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dasselbe zeigten auch die Kriege im Nahen Osten seit Herbst 2023. Bei iranischen Raketenangriffen auf Israel \u00bberreichte selbst das mehrschichtige israelische System, unterst\u00fctzt von den USA (&#8230;), nur eine Abfangrate von rund 86 Prozent\u00ab, <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/online-analysis\/military-balance\/2025\/08\/deutschlands-ruckkehr-ins-raketenzeitalter\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">schreibt das IISS<\/a>.  Und das trotz der weltweit einzigartigen Dichte der israelischen Luftverteidigung und des vergleichsweise kleinen von ihr gesch\u00fctzten Staatsgebiets.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die USA und die Golfstaaten wiederum haben zur Abwehr der iranischen Gegenangriffe nach Kriegsbeginn binnen weniger Wochen \u00fcber 1.000 Patriot-Abfangraketen aufgebraucht, mehr als eine Jahresproduktion. Die USA sollen laut einer <a href=\"https:\/\/www.csis.org\/analysis\/last-rounds-status-key-munitions-iran-war-ceasefire\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Sch\u00e4tzung des Thinktanks CSIS<\/a> zudem zwischen 190 und 290 Abfangraketen f\u00fcr THAAD, ihr modernstes Verteidigungssystem, verbraucht haben. Das sind gut 50 bis 80 Prozent des mutma\u00dflichen Vorkriegsbestands. Den wieder aufzuf\u00fcllen, d\u00fcrfte mindestens vier Jahre dauern.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">All das zeigt: Deterrence by denial kann sogar bei bestm\u00f6glicher Bewaffnung versagen. Denn ein Gegner mit vielen Raketen und Drohnen kann getrost davon ausgehen, selbst die beste Flugabwehr zu durchbrechen. Eine wirklich l\u00fcckenlose Luftverteidigung w\u00e4re unbezahlbar: Eine Patriot-Abfangrakete kostet etwa drei Millionen Euro, eine Abfangrakete f\u00fcr THAAD mehr als 13 Millionen. Eher sch\u00fctzte man sich in den \u00f6konomischen Ruin, als dass man mit Abwehrf\u00e4higkeit allein ausreichend abschrecken k\u00f6nnte. Denn Flugabwehr kann nur gegnerische Waffen bek\u00e4mpfen, nicht jedoch die Abschussvorrichtungen, die sie abfeuern, oder die Fabriken, die sie produzieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Stimmt es, dass Europa US-Marschflugk\u00f6rper braucht? 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