{"id":146835,"date":"2026-05-08T09:04:10","date_gmt":"2026-05-08T09:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/146835\/"},"modified":"2026-05-08T09:04:10","modified_gmt":"2026-05-08T09:04:10","slug":"kino-nolans-odyssee-was-der-trailer-verraet-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/146835\/","title":{"rendered":"Kino: Nolans \u201eOdyssee\u201c \u2013 was der Trailer verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Spannend, wie anschlussf\u00e4hig das Pathos der Antike heute wieder ist. Die stolze Heldenpose in Sandalen erlebt so ein erstaunliches Comeback. In den gro\u00dfartigen, klar auf \u00dcberw\u00e4ltigung hin konstruierten Bildern von Christopher Nolans \u201eOdyssee\u201c, von der soeben der erste richtige Trailer erschienen ist, sieht unsere mythisierte Antike aus wie die ferne Zukunft von Denis Villeneuves \u201eDune\u201c, nur mit riesigen Rittern statt b\u00f6se herabschwebender Sardaukar. Die \u00c4sthetik ist himmelweit entfernt von albernen, selbstironischen Takes wie in David Lynchs campem \u201eDune\u201c. Interessant \u00fcbrigens, dass die ganze Postmoderne Homer weitr\u00e4umig umschiffte: Die letzte ma\u00dfgebliche Verfilmung \u201eDie Fahrten des Odysseus\u201c mit <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article205642171\/Nachruf-auf-Kirk-Douglas-Als-die-Heldenpose-erschoepft-war.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article205642171\/Nachruf-auf-Kirk-Douglas-Als-die-Heldenpose-erschoepft-war.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kirk Douglas<\/a> ist von 1954 \u2013 auch episch gro\u00dfes Seemannsgarn ohne Draht zu Parodie und Witzelei.<\/p>\n<p>Matt Damon als Odysseus wirkt irgendwie wie ein Fremdk\u00f6rper \u2013 zu wenig elegant f\u00fcr einen altgriechischen Feldherrn, zu vierschr\u00f6tig und kurz gebaut. Er guckt meist sehr niedergeschlagen und variiert in seinen \u00c4u\u00dferungen den immer gleichen Wunsch, dass er \u201enach Hause\u201c will. Ein wenig hat er was von einem Kind, das aus dem B\u00e4lleparadies abgeholt werden m\u00f6chte. Kirk Douglas war da ein anderes Kaliber. <\/p>\n<p>Aber gut, jetzt wird es halt \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article157522385\/Jason-Bourne-Warum-es-Unsinn-ist-ueber-ihn-zu-reden-Trailer-und-Rezension-zum-Filmstart.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article157522385\/Jason-Bourne-Warum-es-Unsinn-ist-ueber-ihn-zu-reden-Trailer-und-Rezension-zum-Filmstart.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bourne<\/a>\u201c im Trojanischen Krieg. Immerhin darf der Mann auf seiner ewigen Heimfahrt offenbar in W\u00fcrde altern und mit ergrautem Rauschebart und von vielen Jahrzehnten Hellas-Sonne gegerbter Haut (Sonnencreme war noch nicht erfunden) schon mal die Wasser testen, in denen sein Freund George Clooney l\u00e4ngst entspannt planscht. Demn\u00e4chst kommt sicher auch die Werbung f\u00fcr eine italienische Kaffeemarke \u2013 oder wird es eher ein Schafsk\u00e4se?<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/video167820217\/Charlize-Theron-als-eiskalte-Spionin-in-Atomic-Blonde.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/video167820217\/Charlize-Theron-als-eiskalte-Spionin-in-Atomic-Blonde.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charlize Theron<\/a> als Calypso hingegen: Obwohl sie den schiffbr\u00fcchigen Odysseus sieben Jahre auf der apokryphen Insel Ogygia beherbergt (manche sagen, gefangen h\u00e4lt), ist sie nur Sekundenbruchteile zu sehen. Auf den ersten Blick wirkt sie, als h\u00e4tte das Make-up-Department wenig zu tun gehabt. Warum auch? Bisschen Lidschatten, und fertig ist die sch\u00f6nste Frau der Welt. Helena von Troja, wenn sie denn je gezeigt wird (im Trailer jedenfalls nicht), muss sich warm anziehen. Aber Odysseus will nur nach Hause, zu seiner geliebten Penelope, gespielt von der aufs sanft Neurotische abonnierten Anne Hathaway. Also, wenn wir in Damons Sandalen steckten, w\u00fcrden wir noch ein paar Tage auf Ogygia dranh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Tom Holland als Odysseus\u2019 Sohn Telemachus: Der Mann ist inzwischen 29. In dem Alter waren die meisten altgriechischen M\u00e4nner schon auf dem Schlachtfeld gefallen oder gingen schwer auf die Vergreisung zu. Dank moderner Beauty-Produkte, \u201eSpider-Man\u201c-Crossfit und Baby-Face-Genen geht Holland aber notfalls als sch\u00fcchterner J\u00fcngling durch, der sich von Robert Pattinson als Freier seiner Mutter das Messer an die Gurgel setzen l\u00e4sst. \u201eIch will alle von denen tot sehen!\u201c, raunt Pattinson geradezu idealschurkenhaft, bevor er Hathaway mal wieder zu verklickern versucht, dass ihr Gatte garantiert nicht zur\u00fcckkommt. Aber die trennt, wie man von Homer wei\u00df, das Leichentuch, das sie tags\u00fcber webt, nachts wieder auf. Erst wenn es fertig ist, verspricht sie, w\u00fcrde sie Tinder installieren. Klingt f\u00fcr uns wie ein Cliffhanger in einer Dating-Kolumne.<\/p>\n<p>Nolan, dessen Herz f\u00fcr andere Arten von Kitsch schl\u00e4gt, zeigt stattdessen lieber massige Wellen, durch die sich Odysseus\u2019 Trireme, oder wie das Langboot hei\u00dft, soeben qu\u00e4lt. \u00dcbrigens ist auch Zendaya mit von der Partie. Im echten Leben ist sie mit Holland liiert. Sie ist Athene, G\u00f6ttin der Weisheit und des Krieges. Aber ihre Beziehung kann das drastische Machtgef\u00e4lle sicher verknusen. Im Gegensatz zu Telemachus ist Holland ja ein moderner Mann.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich die Monster: \u201eIch glaube, es schl\u00e4ft\u201c, fl\u00fcstert Damon einmal, tief im Inneren einer d\u00fcsteren H\u00f6hle. In der Sekunde gibt es nat\u00fcrlich ein f\u00fcrchterliches Ger\u00e4usch, irgendwo zwischen St\u00f6hnen und Steinschlag, und eine so horrorm\u00e4\u00dfig verschrumpelte wie kr\u00e4ftige Hand greift nach ihm. Man darf getrost davon ausgehen, dass Damon sich get\u00e4uscht hat. Einiges spricht daf\u00fcr, dass wir hier die Bekanntschaft eines Zyklopen machen, vielleicht sogar des ber\u00fchmten Deppen, der auf Odysseus\u2019 List, sich \u201eNiemand\u201c zu nennen, hereinf\u00e4llt. Die anderen Zyklopen, aufgescheucht durch sein Wehklagen, nachdem ihm der gemeine Odysseus das einzige Auge geblendet hat, gehen sauer wieder nach Hause, als sie h\u00f6ren, \u201eniemand\u201c habe das getan.<\/p>\n<p>Adorno als fr\u00fcher Klimaaktivist<\/p>\n<p>Adorno und Horkheimer beobachteten hier bekanntlich die Schlauheit des Menschen im Widerstreit mit einer tumben Natur, was aber nicht nur etwas Gutes ist. Die Frankfurter Schule liebt ja die Dialektik und sieht in allem auch sein Gegenteil. In Bezug auf Homer darf Adorno deshalb als fr\u00fcher Klimaaktivist gelten. Die Odyssee w\u00e4re demnach die Schneise der Verw\u00fcstung, die der keimende Kapitalismus durch eine Natur schl\u00e4gt, die vielleicht nicht gerade friedvoll ist, in der die verschiedenen Monster und ihre Opfer aber seit Urzeiten gut miteinander auskommen. Odysseus\u2019 absurder Mittelmeertourismus st\u00f6rt diese prek\u00e4re Balance. Das gilt f\u00fcr die Zyklopen wie f\u00fcr Skylla und Charybdis, Meeresungeheuer und gewaltiger Strudel, die historisierende Literaturwissenschaftler gern in der Stra\u00dfe von Messina vermuten.<\/p>\n<p>So, das sprengt jetzt allm\u00e4hlich den Rahmen des Trailers. Mehr davon, wenn der Film fertig ist. Startdatum ist der 16. Juli.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Spannend, wie anschlussf\u00e4hig das Pathos der Antike heute wieder ist. 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