{"id":149964,"date":"2026-05-10T06:46:08","date_gmt":"2026-05-10T06:46:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/149964\/"},"modified":"2026-05-10T06:46:08","modified_gmt":"2026-05-10T06:46:08","slug":"dgim-2026-kardiovaskulaere-praevention-im-alltag-herausforderungen-der-intersektoralen-versorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/149964\/","title":{"rendered":"DGIM 2026: Kardiovaskul\u00e4re Pr\u00e4vention im Alltag: Herausforderungen der intersektoralen Versorgung"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" class=\"articleimage lazy-load\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/besprechung-aerzte.webp\" alt=\"Besprechung \u00c4rzte\" title=\"Besprechung \u00c4rzte\"\/> <\/p>\n<p>Pr\u00e4vention erfordert Zusammenarbeit im gesamten Versorgungssystem<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4vention kardiovaskul\u00e4rer Erkrankungen geh\u00f6rt zu den zentralen Aufgaben der modernen Medizin. Neben evidenzbasierter Pharmakotherapie ist eine koordinierte Versorgung \u00fcber verschiedene medizinische Disziplinen hinweg entscheidend.<\/p>\n<p>In der klinischen Realit\u00e4t betreuen h\u00e4ufig mehrere Akteure denselben Patienten: Haus\u00e4rzte, Fach\u00e4rzte, Kliniken, Rehabilitationszentren, Apotheken oder Pflegeeinrichtungen. Gerade bei \u00e4lteren multimorbiden Patienten entsteht dadurch ein komplexes Versorgungsnetz.<\/p>\n<p>Auf dem Symposium \u201eDer Internist und nat\u00fcrlich auch die Internistin als Dirigent: hohes kardiovaskul\u00e4res Risiko fr\u00fch erkennen und konsequent behandeln\u201c der Firma <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/hersteller\/Amgen-GmbH_676\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amgen<\/a> im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin (DGIM) thematisierte Frau Prof. Rona Reibis aus Potsdam in ihrem Vortrag \u201eGleichklang im Orchester: das internistische Behandlungsteam \u00fcber Fach- und Sektorengrenzen\u201c, warum diese Zusammenarbeit h\u00e4ufig nicht optimal funktioniert \u2013 und welche Ans\u00e4tze die Versorgung verbessern k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Multimorbide Patienten ben\u00f6tigen koordinierte Betreuung<\/p>\n<p>Ein typischer kardiologischer Patient ist h\u00e4ufig \u00e4lter und leidet an mehreren chronischen Erkrankungen. Neben der <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/krankheiten\/koronare-herzkrankheit-khk\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">koronaren Herzkrankheit<\/a> treten h\u00e4ufig <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/krankheiten\/diabetes-mellitus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diabetes mellitus<\/a>, arterielle <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/krankheiten\/hypertonie-bluthochdruck\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hypertonie<\/a> oder Nierenfunktionsst\u00f6rungen auf.<\/p>\n<p>Solche Patienten befinden sich regelm\u00e4\u00dfig in Behandlung bei verschiedenen Fach\u00e4rzten. Idealerweise \u00fcbernimmt der Hausarzt eine koordinierende Rolle innerhalb des Behandlungsteams.<\/p>\n<p>In der Praxis gelingt diese Koordination jedoch nicht immer. Therapieentscheidungen werden teilweise isoliert getroffen, ohne dass alle beteiligten \u00c4rzte eingebunden sind.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Perspektiven zwischen Haus\u00e4rzten und Fach\u00e4rzten<\/p>\n<p>Ein wichtiger Grund f\u00fcr Abstimmungsprobleme liegt in den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Fachgruppen.<\/p>\n<p>Kardiologen orientieren sich h\u00e4ufig stark an klinischen Studien und Leitlinienempfehlungen. Der Fokus liegt dabei auf der Reduktion kardiovaskul\u00e4rer Ereignisse und der Umsetzung evidenzbasierter Therapien.<\/p>\n<p>Haus\u00e4rzte hingegen haben einen ganzheitlichen Blick und m\u00fcssen ein breiteres Spektrum ber\u00fccksichtigen. Neben medizinischen Parametern spielen f\u00fcr sie auch Faktoren wie:<\/p>\n<p>Multimorbidit\u00e4t,Pflegebed\u00fcrftigkeit,psychosoziale Aspekte,funktionelle Einschr\u00e4nkungen,Sturzrisiko oder Lebensqualit\u00e4t<\/p>\n<p>eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Diese unterschiedlichen Priorit\u00e4ten k\u00f6nnen zu divergierenden Therapieans\u00e4tzen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Dass dadurch Umsetzungsl\u00fccken in der Praxis gro\u00df sind, zeigen aktuelle Daten:\u00a0<br \/>Beispielsweise bestimmen nur rund 20\u00a0% der Kardiologen Lipoprotein(a), dieser Anteil liegt bei Allgemeinmedizinern sogar bei lediglich 3\u00a0%.<\/p>\n<p>Leitlinienempfehlungen werden unterschiedlich interpretiert<\/p>\n<p>Ein weiteres Spannungsfeld entsteht durch unterschiedliche Leitlinien.<\/p>\n<p>Internationale Leitlinien, etwa der Europ\u00e4ischen Gesellschaft f\u00fcr Kardiologie (ESC), empfehlen h\u00e4ufig eine m\u00f6glichst intensive Pr\u00e4vention. Ziel ist es, jedes vermeidbare kardiovaskul\u00e4re Ereignis zu verhindern.<\/p>\n<p>Nationale Versorgungsleitlinien (NVL) verfolgen teilweise einen pragmatischeren Ansatz und ber\u00fccksichtigen st\u00e4rker die Umsetzbarkeit im Praxisalltag.<\/p>\n<p>Haus\u00e4rztliche Leitlinien der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) wiederum betonen h\u00e4ufig eine individualisierte Behandlung und warnen vor \u00dcbertherapie bei vulnerablen Patienten.<\/p>\n<p>Diese unterschiedlichen Empfehlungen k\u00f6nnen im klinischen Alltag zu Widerspr\u00fcchen und Unsicherheiten f\u00fchren.<\/p>\n<p>Kommunikation zwischen Versorgern bleibt h\u00e4ufig unzureichend<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen in der intersektoralen Versorgung ist die Kommunikation.<\/p>\n<p>Idealerweise sollten medizinische Informationen schnell und vollst\u00e4ndig zwischen den beteiligten \u00c4rzten ausgetauscht werden. In der Realit\u00e4t geschieht dies jedoch h\u00e4ufig nur unzureichend.<\/p>\n<p>Zu den h\u00e4ufig genannten Problemen geh\u00f6ren:<\/p>\n<p>Fehlende digitale Schnittstellen,eingeschr\u00e4nkter Zugang zu elektronischen Patientenakten (ePa),zeitaufwendige telefonische R\u00fccksprachen,verz\u00f6gerte Arztbriefe.<\/p>\n<p>Gerade bei komplexen Patienten kann dies zu Informationsverlusten und Therapieinkonsistenzen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Strukturelle Barrieren erschweren Pr\u00e4ventionsarbeit<\/p>\n<p>Neben Kommunikationsproblemen existieren auch strukturelle Hindernisse.<br \/>Das Verg\u00fctungssystem im Gesundheitswesen belohnt in vielen F\u00e4llen kurative Eingriffe st\u00e4rker als pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen. F\u00fcr invasive Verfahren stehen h\u00e4ufig klar definierte Abrechnungsstrukturen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>F\u00fcr koordinierende T\u00e4tigkeiten oder pr\u00e4ventive Beratung existieren hingegen oft weniger Anreize. Dadurch kann Pr\u00e4vention im Versorgungsalltag in den Hintergrund treten.<br \/>Auch unterschiedliche Verg\u00fctungsmodelle zwischen ambulanter Versorgung, Klinik und Rehabilitation erschweren eine koordinierte Betreuung.<\/p>\n<p>Neben finanziellen Fehlanreizen erschweren zudem der grassierende Personalmangel und die damit verbundenen zeitlichen Barrieren eine engmaschige intersektorale Abstimmung zwischen den einzelnen Facharztgruppen und Praxen.<\/p>\n<p>Praktische Strategien zur Verbesserung der Zusammenarbeit<\/p>\n<p>Trotz dieser Herausforderungen gibt es verschiedene Ans\u00e4tze, um die intersektorale Zusammenarbeit zu verbessern.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle spielt eine klare, strukturierte und horizontale Kommunikation zwischen den behandelnden \u00c4rzten. Dazu geh\u00f6rt insbesondere:<\/p>\n<p>Pr\u00e4gnante Arztbriefe mit klaren Anweisungen und Therapieempfehlungen,eindeutige Zielwertdefinitionen,transparente Dokumentation der Behandlungsstrategie,<\/p>\n<p>Am konkreten Beispiel einer <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/wirkstoffgruppen\/lipidsenker\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lipidtherapie<\/a> sollte als gemeinsamer Nenner f\u00fcr alle Fachgruppen sein, dass das LDL-Cholesterin prognostisch der wichtigste und zugleich am einfachsten zu beeinflussende Faktor ist.<\/p>\n<p>Wichtige Informationen wie LDL-Zielwerte und notwendige Therapieanpassungen sollten f\u00fcr eine effiziente Kommunikation im Arztbrief klar hervorgehoben werden, so Prof. Reibis.<\/p>\n<p>Netzwerke und pers\u00f6nliche Kontakte erleichtern die Abstimmung<\/p>\n<p>Neben formalen Strukturen kann auch pers\u00f6nlicher Austausch die Zusammenarbeit verbessern.<\/p>\n<p>Regionale Netzwerke zwischen Haus\u00e4rzten und Fach\u00e4rzten erleichtern h\u00e4ufig die Kommunikation und erm\u00f6glichen schnellere Abstimmungen im Behandlungsalltag.<\/p>\n<p>Ein gegenseitiges Verst\u00e4ndnis der jeweiligen Arbeitsbedingungen gilt dabei als wichtiger Faktor f\u00fcr eine erfolgreiche Kooperation.<\/p>\n<p>Intersektorale Versorgung bleibt eine zentrale Herausforderung<\/p>\n<p>Die Diskussion auf dem Symposium zeigt, dass die Umsetzung evidenzbasierter Pr\u00e4ventionsstrategien stark von funktionierenden Versorgungsstrukturen abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Selbst wenn wissenschaftliche Evidenz und Leitlinienempfehlungen eindeutig sind, k\u00f6nnen strukturelle Hindernisse eine optimale Patientenversorgung erschweren.<\/p>\n<p>Eine bessere Verzahnung der verschiedenen Versorgungssektoren k\u00f6nnte langfristig dazu beitragen, Pr\u00e4ventionsstrategien effektiver umzusetzen.<\/p>\n<p>Ausblick: Pr\u00e4vention braucht Systeml\u00f6sungen<\/p>\n<p>Die intersektorale Zusammenarbeit wird auch k\u00fcnftig eine zentrale Rolle in der kardiovaskul\u00e4ren Versorgung spielen.<\/p>\n<p>Die elektronische Patientenakte, st\u00e4rkere Digitalisierung von Prozessen (u. a. der digitale Arztbrief), verbesserte Kommunikationsstrukturen und angepasste Verg\u00fctungsmodelle k\u00f6nnten dazu beitragen, bestehende Barrieren abzubauen.<\/p>\n<p>Langfristig wird entscheidend sein, Pr\u00e4vention nicht nur als medizinische Aufgabe, sondern als strukturelle Herausforderung des Gesundheitssystems zu verstehen.<\/p>\n<p>Letztlich geht es darum, durch ein synchronisiertes Vorgehen aller Fachdisziplinen \u2013 vergleichbar mit einem harmonisch spielenden Orchester \u2013 den Patienten ein gesundes Altern zu erm\u00f6glichen, so Prof. Reibis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pr\u00e4vention erfordert Zusammenarbeit im gesamten Versorgungssystem Die Pr\u00e4vention kardiovaskul\u00e4rer Erkrankungen geh\u00f6rt zu den zentralen Aufgaben der modernen Medizin.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":149965,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,43482,124,48783,123,48782,48784,7594,44,5045,48781],"class_list":{"0":"post-149964","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-dgim-2026","11":"tag-gesundheit","12":"tag-hausarzt-facharzt-kommunikation","13":"tag-health","14":"tag-intersektorale-zusammenarbeit","15":"tag-kardiovaskulaere-versorgung","16":"tag-kongress","17":"tag-oesterreich","18":"tag-praevention","19":"tag-versorgungskoordination"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116548939607756325","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=149964"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/149964\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/149965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=149964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=149964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=149964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}