{"id":153843,"date":"2026-05-12T08:58:08","date_gmt":"2026-05-12T08:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/153843\/"},"modified":"2026-05-12T08:58:08","modified_gmt":"2026-05-12T08:58:08","slug":"brustkrebs-rueckfall-warum-manche-tumorzellen-weiterleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/153843\/","title":{"rendered":"Brustkrebs-R\u00fcckfall: Warum manche Tumorzellen weiterleben"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer erfolgreichen Brustkrebsbehandlung beginnt f\u00fcr viele Frauen eine lange Phase der Unsicherheit. Die Therapie ist abgeschlossen, die Kontrollen werden seltener, der Alltag kehrt zur\u00fcck. Trotzdem bleibt oft die belastende Frage, ob der Krebs Jahre sp\u00e4ter wiederkommen kann. Vor allem bei hormonabh\u00e4ngigem Brustkrebs ist diese Sorge berechtigt, denn R\u00fcckf\u00e4lle treten oft nicht fr\u00fch, sondern erst nach langer Zeit auf.<\/p>\n<p>Forscher des <a href=\"https:\/\/www.garvan.org.au\/news-resources\/news\/targeting-a-newly-identified-pathway-in-metastatic-breast-cancer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Garvan Institute of Medical Research<\/a> haben nun einen m\u00f6glichen Grund f\u00fcr diese sp\u00e4ten R\u00fcckf\u00e4lle genauer untersucht. Ihre im Fachjournal Nature Communications ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-026-70683-x\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie<\/a> deutet darauf hin, dass manche Krebszellen nach der Therapie nicht vollst\u00e4ndig verschwinden. Sie fallen nicht in einen v\u00f6lligen Ruhezustand, sondern teilen sich \u00fcber Jahre hinweg extrem langsam weiter \u2013 so unauff\u00e4llig, dass sie lange unentdeckt bleiben. Auf diese Weise k\u00f6nnen winzige Metastasen entstehen, die erst viel sp\u00e4ter auffallen.<\/p>\n<p>Brustkrebs-R\u00fcckfall kommt oft erst viele Jahre sp\u00e4ter<\/p>\n<p>Etwa 75 Prozent aller Brustkrebsf\u00e4lle sind ER-positiv. Das bedeutet, dass das Hormon \u00d6strogen das Tumorwachstum antreibt. Nach einer Operation erhalten viele Patientinnen deshalb \u00fcber f\u00fcnf bis zehn Jahre eine antihormonelle Behandlung mit Medikamenten wie Tamoxifen oder Aromatasehemmern.<\/p>\n<p>Diese <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/car-t-zelltherapie-forscher-erzeugen-immunzellen-im-koerper\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Therapie<\/a> senkt das R\u00fcckfallrisiko deutlich. Trotzdem entwickeln laut der Arbeit bis zu 30 Prozent der Patientinnen sp\u00e4ter einen therapieresistenten R\u00fcckfall. Rund die H\u00e4lfte dieser R\u00fcckf\u00e4lle tritt erst nach mehr als f\u00fcnf bis zehn Jahren auf. Besonders diese sp\u00e4ten R\u00fcckf\u00e4lle verursachen viele Todesf\u00e4lle, weil sie oft erst entdeckt werden, wenn bereits Metastasen entstanden sind.<\/p>\n<p>Bisher ging die Medizin vor allem davon aus, dass einzelne Krebszellen in eine Art Tiefschlaf fallen und irgendwann wieder \u201eaufwachen\u201c. Die neue Arbeit beschreibt noch einen anderen Weg: Manche Zellen h\u00f6ren nie ganz auf zu wachsen. Sie teilen sich weiter, nur extrem langsam.<\/p>\n<p>Langsame Tumorzellen bleiben gef\u00e4hrlich<\/p>\n<p>\u201eWir sind sehr gut darin geworden, prim\u00e4ren Brustkrebs zu behandeln, aber sp\u00e4te R\u00fcckf\u00e4lle bleiben eine gro\u00dfe Herausforderung\u201c, sagt Studienleiterin <a href=\"https:\/\/www.garvan.org.au\/people\/researchers\/liz-caldon\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Liz Caldon<\/a>. Statt vollst\u00e4ndig stillzustehen, w\u00fcrden manche Zellen \u201eim Hintergrund extrem langsam weiterwachsen, bis aus einem winzigen Punkt ein Steinchen wird\u201c.<\/p>\n<p>Im Labor isolierte das Team \u00fcber lange Zeit Brustkrebszellen, die trotz Therapie nur sehr langsam weiterwuchsen. Danach setzten die Forscher diese Zellen in pr\u00e4klinischen Mausmodellen ein und verglichen sie mit schnell wachsenden Krebszellen. Das Ergebnis fiel \u00fcberraschend aus: Die langsamen Zellen bildeten zwar seltener und kleinere Prim\u00e4rtumoren, konnten sich aber trotzdem im K\u00f6rper ausbreiten.<\/p>\n<p>Nur 6 von 10 Tieren mit langsam wachsenden Zellen entwickelten einen tastbaren Prim\u00e4rtumor, also 60 Prozent. Bei den schnell wachsenden Zellen war das bei allen 10 M\u00e4usen der Fall. Trotzdem fanden die Forscher bei allen 10 Tieren mit den langsamen Zellen Metastasen in der Lunge. Das zeigt: Ein Tumor muss also nicht schnell wachsen, um gef\u00e4hrlich zu sein. Manche Zellen bleiben unauff\u00e4llig und schaffen es dennoch, sich in anderen Organen festzusetzen.<\/p>\n<p>Warum Brustkrebs-R\u00fcckf\u00e4lle trotz Therapien entstehen<\/p>\n<p>\u201eEine langsame Uhr bedeutet nicht, dass die Uhr stehen geblieben ist.\u201c Die Krebszellen wanderten sogar in Organe wie Knochen und Lunge, erkl\u00e4rt die Forscherin <a href=\"https:\/\/www.garvan.org.au\/people\/researchers\/kristine-fernandez\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Kristine Fernandez<\/a>. \u201eGeschwindigkeit ist also nicht alles, wenn es um Metastasen geht.\u201c<\/p>\n<p>Im Inneren dieser Zellen fanden die Forscher einen auff\u00e4lligen Signalweg: das sogenannte P-Rex1\/Rac1-System. Rac1 beeinflusst unter anderem, wie sich Zellen bewegen, \u00fcberleben und ihre Form ver\u00e4ndern. P-Rex1 hilft dabei, diesen Signalweg zu aktivieren.<\/p>\n<p>In den langsam wachsenden Krebszellen war P-Rex1 deutlich st\u00e4rker aktiv als in schnell wachsenden Vergleichszellen. Auch in Gewebeproben von Patientinnen zeigte sich dieses Muster.<\/p>\n<p>Ein Marker k\u00f6nnte sp\u00e4te R\u00fcckf\u00e4lle besser erkl\u00e4ren<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig war: Hohe P-Rex1-Werte traten h\u00e4ufiger bei sp\u00e4ter wiederkehrendem ER-positivem Brustkrebs auf. In einer untersuchten Patientengruppe wurden Metastasen bei hohem P-Rex1 im Median nach sieben Jahren entdeckt. Bei niedrigem P-Rex1 geschah das schon nach etwa 4,5 Jahren.<\/p>\n<p>Klassische Marker helfen oft vor allem bei fr\u00fchen <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/wie-krebszellen-den-rueckfall-vorbereiten-und-therapien-ueberlisten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">R\u00fcckf\u00e4llen<\/a>. Sie erkennen eher schnell wachsende Tumoren. Langsame, fast unsichtbare Krebszellen entgehen solchen Vorhersagen h\u00e4ufig. P-Rex1 k\u00f6nnte deshalb k\u00fcnftig helfen, das Risiko sp\u00e4ter R\u00fcckf\u00e4lle besser einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Hoffnung durch neue Medikamente<\/p>\n<p>Die Forscher testeten au\u00dferdem Wirkstoffe, die den Rac1-Signalweg bremsen sollen. Dazu geh\u00f6rten NSC23766 und R-Ketorolac. In Zellversuchen verringerte sich dadurch die Zahl der Tumorzellen. Auch ihre Beweglichkeit nahm ab.<\/p>\n<p>In einem patientenabgeleiteten Modell kombinierten die Wissenschaftler diese Wirkstoffe mit Tamoxifen. Der Tumor schrumpfte st\u00e4rker als unter Tamoxifen allein. Das Modell stammte von einer Patientin, deren Krebs trotz mehrerer Hormontherapien weitergewachsen war.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Klinikalltag ist das noch Zukunftsmusik. Die Ergebnisse stammen aus Labor- und Tiermodellen, nicht aus gro\u00dfen Studien mit Patientinnen. Trotzdem liefern sie einen wichtigen Hinweis darauf, warum sp\u00e4te R\u00fcckf\u00e4lle entstehen \u2013 und wie man sie vielleicht eines Tages fr\u00fcher stoppen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Caldon erkl\u00e4rt: \u201eWenn wir die besondere Biologie dieser langsam wachsenden Zellen verstehen, k\u00f6nnten wir irgendwann besser verfolgen, ob eine zehnj\u00e4hrige Hormontherapie wirklich wirkt \u2013 und R\u00fcckf\u00e4lle verhindern, bevor sie gef\u00e4hrlich werden.\u201c<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Bei ER-positivem Brustkrebs k\u00f6nnen manche Krebszellen trotz Therapie im K\u00f6rper bleiben und sich \u00fcber Jahre extrem langsam weiter teilen, statt vollst\u00e4ndig zu verschwinden.<\/p>\n<p>Diese langsam wachsenden Zellen k\u00f6nnen sp\u00e4ter Metastasen in Organen wie Lunge oder Knochen bilden und so einen sp\u00e4ten Brustkrebs-R\u00fcckfall ausl\u00f6sen, obwohl der Prim\u00e4rtumor lange als behandelt galt.<\/p>\n<p>Der Signalweg P-Rex1\/Rac1 hilft diesen Zellen beim \u00dcberleben; er k\u00f6nnte k\u00fcnftig helfen, R\u00fcckf\u00e4lle fr\u00fcher zu erkennen und gezielter zu behandeln.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend manche Tumorzellen jahrelang fast unsichtbar im K\u00f6rper bleiben, kann ein Bluttest schon nach vier Wochen zeigen, ob eine Brustkrebs-Therapie \u00fcberhaupt wirkt. Winzige DNA-Spuren im Blut liefern fr\u00fch Hinweise auf R\u00fcckfallrisiko und Behandlungserfolg. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/brustkrebs-bluttest-zeigt-nach-vier-wochen-ob-eine-therapie-wirkt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/User:F%C3%A6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fae<\/a> \/ National Cancer Institute via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Breast_cancer_cell_(2).jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wikimedia<\/a> unter <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Public_domain\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Public Domain<\/a><\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/brustkrebs\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brustkrebs<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/forschung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Forschung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/gesundheit\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesundheit<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/koerper\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">K\u00f6rper<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/krebs\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krebs<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/krebszellen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krebszellen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/metastasen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Metastasen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/rezidiv\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rezidiv<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/rueckfall\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">R\u00fcckfall<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/smart-up-news\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Smart Up News<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/therapie\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Therapie<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/tumor\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tumor<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/zellen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zellen<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach einer erfolgreichen Brustkrebsbehandlung beginnt f\u00fcr viele Frauen eine lange Phase der Unsicherheit. Die Therapie ist abgeschlossen, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":153844,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,694,610,124,123,2687,206,11031,49717,44,49718,49719,43409,7551,23470,12565],"class_list":{"0":"post-153843","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-brustkrebs","11":"tag-forschung","12":"tag-gesundheit","13":"tag-health","14":"tag-koerper","15":"tag-krebs","16":"tag-krebszellen","17":"tag-metastasen","18":"tag-oesterreich","19":"tag-rezidiv","20":"tag-rueckfall","21":"tag-smart-up-news","22":"tag-therapie","23":"tag-tumor","24":"tag-zellen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116560783062080472","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153843\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/153844"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}