{"id":156443,"date":"2026-05-13T15:39:09","date_gmt":"2026-05-13T15:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/156443\/"},"modified":"2026-05-13T15:39:09","modified_gmt":"2026-05-13T15:39:09","slug":"rechte-parteien-bieten-die-umverteilung-von-leid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/156443\/","title":{"rendered":"Rechte Parteien bieten \u201edie Umverteilung von Leid\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Orb\u00e1n-Regime wurde eine der zentralen Institutionen der globalen Rechten abgew\u00e4hlt. Autor Richard Seymour \u00fcber m\u00f6gliche Folgen, wieso die Rechte derzeit global einen Aufstieg erlebt und gewerkschaftliche Strategien dagegen. . <\/p>\n<p>\tMit der Abwahl des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orb\u00e1n im April haben rechte Parteien einen D\u00e4mpfer erlebt, doch die Kr\u00e4fte dahinter bleiben intakt. Im Gespr\u00e4ch beschreibt der Autor Richard Seymour, der sich in seinen B\u00fcchern unter anderem mit Nationalismus auseinandersetzt, wie mit digitaler Erregung und Abstiegsangst weiterhin politisch mobilisiert wird.<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>Richard Seymour ist ein Autor aus Nordirland, Betreiber des Blogs \u201eLenin\u2019s Tomb\u201d, und hat u.a. die B\u00fccher \u201eCorbyn: The Strange Rebirth of Radical Politics\u201c und \u201eDisaster Nationalism. The Downfall of Liberal Civilization\u201c publiziert.<\/p>\n<p>Viktor Orb\u00e1n erlitt bei den Parlamentswahlen Mitte April eine krachende Niederlage. Welche Schl\u00fcsse ziehen Sie daraus?<\/p>\n<p>Richard Seymour:\u00a0Es liegt die Versuchung nahe, sehr zynisch und skeptisch zu sein. P\u00e9ter Magyar (der designierte ungarische Ministerpr\u00e4sident; Anm. d. Red.) unterscheidet sich politisch gar nicht so stark von Orb\u00e1n. Er ist ein Abtr\u00fcnniger aus dem Fidesz-Lager. Die Linke in Ungarn ist schwach und es gab keine breite zivilgesellschaftliche Opposition.<\/p>\n<p>Und Ihr Grund f\u00fcr Optimismus?<\/p>\n<p>Die enorme Wahlbeteiligung. Ich glaube, viele Menschen, die keine Unterst\u00fctzer:innen <a href=\"https:\/\/www.arbeit-wirtschaft.at\/wahl-in-ungarn-wer-ist-oppositionsfuehrer-peter-magyar\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Magyars<\/a> sind, gingen zur Wahl, weil sie darin eine Chance sahen, politischen Raum f\u00fcr eine echte Opposition zu schaffen \u2013 f\u00fcr Demokratisierung und daf\u00fcr, die Fidesz-Funktion\u00e4r:innen aus dem ungarischen Staat zu verdr\u00e4ngen. Was mich wiederum beunruhigt, ist, dass Magyars Sieg von <a href=\"https:\/\/www.arbeit-wirtschaft.at\/europaeische-union-verstehen-eu-uebersicht-einfach-erklaert\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen und anderen Akteur:innen wirtschaftlicher und politischer Eliten sofort begr\u00fc\u00dft wurde. Sie sind vor allem deshalb begeistert, weil er stark rechts steht. Sie sehen in ihm eine Chance, zu ihrer Normalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren. Aber die Menschen wollen nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Was Orb\u00e1n in den vergangenen 16 Jahren an der Macht getan hat, war, sich selbst, seine Familie und seine Oligarchenfreunde zu bereichern, w\u00e4hrend das Land immer \u00e4rmer wurde. Wie konnte er so lange an der Macht bleiben?<\/p>\n<p>Man kann das unter dem Blickwinkel materieller Interessen betrachten. Das Regime nutzte den Sozialstaat, um bestimmte W\u00e4hlergruppen mit Leistungen zu unterst\u00fctzen, vor allem \u00e4ltere, eher konservative W\u00e4hler:innen aus l\u00e4ndlichen Regionen. Aber, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass das der Kern der Sache ist. Der Philosoph Alberto Toscano sagt, dass es dem heutigen Faschismus weniger um ein wirtschaftliches Angebot geht (Anm. d. Red.: Gemeint ist damit keine Gleichsetzung mit dem Faschismus zwischen 1919 und 1945. Toscano beschreibt vielmehr heutige autorit\u00e4re und rechte Bewegungen, die etwa die pers\u00f6nliche Freiheit st\u00e4rker hervorheben als der Faschismus der Zwischenkriegszeit. Statt fester Massenbewegungen sieht er lose Gruppen, die sich \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.arbeit-wirtschaft.at\/digitalisierung-einfach-erklaert-alles-wissenswerte-in-der-uebersicht\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">soziale Medien<\/a> organisieren. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2536\/begegnung\/einfach-antifaschistin-sein-reicht-nicht\/!SAWGY7JA8B1F\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Begegnung: Einfach Antifaschist:in sein reicht nicht | WOZ Die Wochenzeitung<\/a>)<\/p>\n<p>Worum dann?<\/p>\n<p>Im Zentrum stehen Kulturk\u00e4mpfe, Ideologie und soziale Medien. Wenn man sich diese Bewegungen und Figuren wie Orb\u00e1n oder Javier Milei in Argentinien ansieht, dann stehen sie f\u00fcr ein bestimmtes Muster: Weg mit all dem Woke-Kram, weg mit politischer Korrektheit, weg mit den Einschr\u00e4nkungen, lasst den Kapitalismus von der Leine, bohren wir, beuten wir \u00d6l aus, bringen wir die Menschen wieder dazu, Auto zu fahren! So etwas lindert keine Leiden, aber es ist eine Umverteilung von Leid in der Gesellschaft. Diese Bewegungen versprechen nicht \u201eDu wirst nicht leiden\u201c. Sie versprechen: \u201eWir werden daf\u00fcr sorgen, dass dieser andere Mensch viel st\u00e4rker leidet als du. Und du kannst mitmachen, du kannst uns helfen.\u201c Das ist sehr m\u00e4chtig. Das mobilisiert.<\/p>\n<p>Warum ist es attraktiv, jemanden zu dem\u00fctigen, w\u00e4hrend ich selbst nicht einmal meine Miete zahlen kann?<\/p>\n<p>Ich glaube, die \u00c4rmsten interessieren sich am wenigsten f\u00fcr diese Art von Politik. Darauf deutet jedenfalls die internationale Evidenz hin. Es sind eher Menschen, die \u00fcber Jahre hinweg oder gar \u00fcber eine Generation soziale Abstiegserfahrungen gemacht. Wir leben seit 40 Jahren in einer neoliberalen Ordnung und viele haben das Gef\u00fchl, auf sich allein gestellt zu sein. Es entsteht der Eindruck, man k\u00f6nnte niemandem trauen, denn jede:r k\u00f6nnte einem in den R\u00fccken fallen. Das ist eine zutiefst paranoide Gesellschaft.<\/p>\n<p lang=\"\">Am Sonntag w\u00e4hlt Ungarn. Und erstmals seit Jahren gibt es eine echte Alternative: P\u00e9ter Magyar und seine Partei Tisza fordern den langj\u00e4hrigen Regierungschef Viktor Orb\u00e1n heraus.<\/p>\n<p>Doch wer ist dieser Mann, dem ein Erdrutschsieg prognostiziert wird?<\/p>\n<p>\u270d\ufe0f @florianbayer.at\u200b<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/did:plc:fr6ktu4acflst4ehta2kbu7l\/post\/3mj7bdkltjz2h?ref_src=embed\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">[image or embed]<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Arbeit&amp;Wirtschaft Magazin (<a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/did:plc:fr6ktu4acflst4ehta2kbu7l?ref_src=embed\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">@aundwmagazin.bsky.social<\/a>) <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/did:plc:fr6ktu4acflst4ehta2kbu7l\/post\/3mj7bdkltjz2h?ref_src=embed\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">11. April 2026 um 09:01<\/a><\/p>\n<p>Wie kann gewerkschaftliche Arbeit dem entgegenwirken?<\/p>\n<p>Vielleicht spricht da der einstige Trotzkist aus mir, aber ich denke, wir brauchen mehr Kampfbereitschaft. Das k\u00f6nnte die extreme Rechte aus dem Tritt bringen. Ich glaube, sobald sie mit echtem <a href=\"https:\/\/www.arbeit-wirtschaft.at\/verteilungsgerechtigkeit-inflation-vermoegensungleichheit-lohn-dividende-herbstlohnrunde\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klassenkampf<\/a> konfrontiert ist, wird ihr Gerede von der \u201everlassenen wei\u00dfen Arbeiterschicht\u201c als das entlarvt, was sie ist: ein hohles Schlagwort.<\/p>\n<p>Mehr lesen<\/p>\n<p>            Sie brauchen einen Perspektivenwechsel?<\/p>\n<p>Dann melden Sie sich hier an und erhalten einmal w\u00f6chentlich aktuelle Beitr\u00e4ge zu Politik und Wirtschaft aus Sicht der Arbeitnehmer:innen.<\/p>\n<p>                Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.<br \/>\n                Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten f\u00fcr den Zweck der Versendung und Verwaltung des Newsletters sowie des Gewinnspiels zu. Diese Zustimmung kann jederzeit widerrufen werden. Details dazu finden Sie in unseren <a href=\"https:\/\/wien.arbeiterkammer.at\/Datenschutz.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzbestimmungen<\/a>.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/newsletter.png\" class=\"lazyload\" bad-src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/newsletter.png\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit dem Orb\u00e1n-Regime wurde eine der zentralen Institutionen der globalen Rechten abgew\u00e4hlt. 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