{"id":157413,"date":"2026-05-14T05:40:08","date_gmt":"2026-05-14T05:40:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/157413\/"},"modified":"2026-05-14T05:40:08","modified_gmt":"2026-05-14T05:40:08","slug":"linz-brucknerhaus-ak-classics-iv-symphonien-von-ingo-ingensand-und-antonin-dvorak-bruckner-orchester-linz-unter-marcus-merkelonline-merker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/157413\/","title":{"rendered":"\u00bb LINZ\/ Brucknerhaus: AK CLASSICS IV \u2013 Symphonien von Ingo Ingensand und Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k. Bruckner Orchester Linz unter Marcus MerkelOnline Merker"},"content":{"rendered":"<p>Linz: \u201eAK Classics IV\u201c \u2013 Konzert im Brucknerhaus Linz, Gro\u00dfer Saal, 13. 05.2026<\/p>\n<p>Symphonien von Ingo Ingensand und Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/p>\n<p>Bruckner Orchester Linz unter Marcus Merkel<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-465086\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/ingo2.jpg\" alt=\"ingo2\" width=\"589\" height=\"559\"  \/><br \/>Ingo Ingensand, Rudolf Aigm\u00fcller. Foto: P.&amp; H, Huber)<\/p>\n<p>Der vor wenigen Tagen 75 Jahre gewordene, geb\u00fcrtige Hannoveraner Ingo Ingensand ist seit Jahrzehnten mit dem Bruckner Orchester Linz verbunden, dem er auch einige Jahre als Chefdirigent vorstand. An sich hatte er, schon als 12-j\u00e4hriger Stipendiat in seiner Heimatstadt, eine Komponistenkarriere (u. a. mit Boris Blacher und Erhard Gro\u00dfkopf) angestrebt, aber: \u201eUm 1970 war die musikalische Avantgarde radikal. Verlor sich eine Terz in ein Werk, kollaborierte der Autor mit den musikalischen Museenverwaltern. Ich empfand dies nur als unn\u00f6tige Einschr\u00e4nkung. Unsinnig fand ich auch die seitenlangen Texteinf\u00fchrungen f\u00fcr wenige Sekunden Musik, die mir dann trotzdem r\u00e4tselhaft blieb. Sollte Musik nicht auch deshalb Musik sein, weil ihre Aussage eben nicht in Worte zu fassen ist?\u201c (<a href=\"http:\/\/www.ingo-ingensand.at\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.ingo-ingensand.at<\/a>)<\/p>\n<p>So verlegte er sich f\u00fcr 30 Jahre aufs Dirigieren \u2013 als Sch\u00fcler u. a. von Carl Melles, Zubin Mehta und Herbert v. Karajan \u2013 und gelangte nach Engagements in Deutschland, Schweiz und Italien nach Linz, wo er als 1. Kapellmeister am Landestheater wirkte. Besonders in Erinnerung sind uns seine Dirigate von \u201eHoffmanns Erz\u00e4hlungen\u201c 2009 oder von 2013 \u201eCarmina Burana\u201c, als Tanzst\u00fcck von Mei Hong Lin. Neben seiner Lehrverpflichtung an der Bruckner-Privatuniversit\u00e4t widmete und widmet er sich auch der Volksbildung mit hochklassigen Veranstaltungen f\u00fcr die Arbeiterkammer.<\/p>\n<p>Nach 2003 fand er Antworten auf die 1970 offen gebliebenen Fragen, und, ermutigt u. a. von Dennis Russell Davies, damit auch wieder Laune und Zeit f\u00fcrs Komponieren. Inzwischen liegt eine eindrucksvolle Liste vor: 15 kammermusikalische Werke, 10 f\u00fcr gro\u00dfes Orchester; eine Oper ist ebenfalls im Werden. Die 1. Symphonie (op. 3) wurde am 5. Mai 2010 vom Bruckner Orchester uraufgef\u00fchrt, die 2. (op. 20) im Oktober des Vorjahres in der Linzer Friedenskirche durch die Sinfonia Christk\u00f6nig, einer von den Wiener Philharmonikern unterst\u00fctzten Gemeinschaft, die weit \u00fcber Kirchenmusik hinausgreift. Wie Georgina Szeless von der UA berichtete (<a href=\"https:\/\/onlinemerker.com\/linz-friedenskirche-konzert-sinfonia-christkoenig-eine-neue-symphonie-in-der-friedenskirche\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00bb LINZ\/ Friedenskirche: KONZERT SINFONIA CHRISTK\u00d6NIG \u2013 eine neue Symphonie in der FriedenskircheOnline Merker<\/a>), hatte sich Herr Ingensand u. a. von Mendelssohns \u201eLobgesang\u201c anregen lassen. Sein kompositorisches Leitbild zielt auf Austausch, Empathie und Dialektik ab; schockieren, Sensationen um ihrer selbst willen schaffen oder entfremden will er nicht.<\/p>\n<p>Am Pult steht heute mit dem Berliner Marcus Merkel ein 40 Jahre sp\u00e4ter geborener Mann, dessen Karriere (Komposition, Dirigat, Klavier, Gesang) noch fr\u00fcher begonnen hat als die Ingensands. In \u00d6sterreich hat er in Graz wesentliche Spuren hinterlassen, u. a. mit einigen wichtigen Premieren an der Oper. Aktuell ist er Chefdirigent am Theater Koblenz<\/p>\n<p>Das Konzert wurde von ORF-Redakteur Rudolf Aigm\u00fcller einmoderiert, der auch Kurator der pro Saison 4 Konzerte umfassenden AK-Reihe ist. Er befragte nat\u00fcrlich auch den Komponisten zu seiner Arbeitsweise: \u201eDie Themen sind alle zw\u00f6lft\u00f6nig, aber singbar \u2013 mitunter tr\u00e4llern sie Orchestermitglieder am Weg nach Hause von der Probe\u201c. Somit bleibt er seiner Einstellung von 1970 treu. Und das l\u00e4\u00dft sich auch durchwegs \u00fcber die ca. 40-min\u00fctige 2. Symphonie in drei S\u00e4tzen heraush\u00f6ren.<\/p>\n<p>F\u00fcr das \u201eLento \u2013 Allegro agitato e con violenza\u201c schrieb Ingensand eine zarte, feingliedrige Einleitung: hohe Holzbl\u00e4ser, reduzierte Streicher, Vibraphon, dann akzentuierte \u00dcberleitung in eine fugenartige Durchf\u00fchrung, die in eindrucksvolle Steigerungen m\u00fcndet. Der Satz klingt aber mit gaaaanz leisen Pauken (Leonhard Schmidinger, immer pr\u00e4zise und ausdrucksstark), Solovioline (die neue Konzertmeisterin Ruth Elisabeth M\u00fcller) und Vibraphon (vmtl. Nico Gerstmayer) aus. Schon der Beginn ist also, trotz der zeitgem\u00e4\u00dfen Behandlung der Harmonien und Tonreihen, durchaus zug\u00e4nglich, spannend und macht Lust auf die Fortsetzung.<\/p>\n<p>Das Andante f\u00e4ngt ruhig an \u2013 Streicher, Holzbl\u00e4ser (dominierend die Oboe). Die Musik l\u00e4dt zur Versenkung und Kontemplation ein, welche Stimmung auch nicht gebrochen wird, wenns lauter wird. In diesem Satz wird das Vibraphon durch das \u2013 fragiler klingende \u2013 Xylophon ersetzt. Ein Bl\u00e4serchoral leitet das breite Finale in ged\u00e4mpften Farben ein, das Assoziationen zum Stadt- und Flu\u00dfpanorama weckt, das man aus dem Foyer des Brucknerhauses genie\u00dfen kann. Wiederholt ert\u00f6nen Blechsignale \u00fcber einem zarten, leisen Streicherbordun.<\/p>\n<p>Munter bewegt beginnt der dritte Satz, Allegro con spirito. Wieder l\u00e4uft eine Fuge durch, flankiert von Akzenten \u2013 aber nicht schroff, alles bleibt im Flu\u00dfss und unter Spannung. \u00a0<\/p>\n<p>Zum Finale hin ein gro\u00dfer, durchaus an Bruckner gemahnender Choral, bevor nach einem kurzen Durchatmen ein kr\u00e4ftiger, pr\u00e4ziser Schlag den Schlusspunkt setzt.<\/p>\n<p>Nach dieser frischen, spannenden und trotz ihrer entschiedenen Heutigkeit zug\u00e4nglichen Symphonie gab es gut 5 Minuten lang kr\u00e4ftigen Applaus und Bravorufe f\u00fcr die rund 70 Orchestermitglieder, den pr\u00e4zisen und musikalisch empfindsamen Dirigenten und den Komponisten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-465088\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/ingo1.jpg\" alt=\"ingo1\" width=\"636\" height=\"299\"  \/><br \/>Schlussapplaus Orchester. Foto: P.&amp; H. Huber)<\/p>\n<p>Nach der Pause folgt einer der gr\u00f6\u00dften Schlager unter allen Symphonien, n\u00e4mlich Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks op. 95, die Symphonie Nr. 9 \u201eAus der neuen Welt\u201c. Mutig von Ingo Ingensand, dass er sich diesem Vergleich stellt \u2013 aber vielleicht hat er nicht nur \u00e4u\u00dferlich eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit Clint Eastwood? F\u00fcr das Orchester ist diese Symphonie nat\u00fcrlich eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, aber ohne Dirigent funktioniert das auch nicht. Marcus Merkel l\u00e4\u00dft das Orchester traumhaft transparent, feingliedrig und strahlend musizieren, dirigiert t\u00e4nzerisch und steckt damit das Orchester mit Leichtigkeit und Eleganz an. Einziger Einwand: an ein paar Stellen im 3. und 4. Satz, wenn die Violinen die Melodie f\u00fchren, sind die akzentuierenden und begleitenden Trompeten zu laut; andererseits pa\u00dft die Balance, wenn das Blech f\u00fchrt. Zu dem Thema gibt es \u00fcbrigens von Richard Strauss leicht malizi\u00f6se \u201eStammbucheintragungen f\u00fcr junge Kapellmeister\u201c von 1922\u2026 Ber\u00fcckend sch\u00f6n (um eine von vielen herausragenden Individualleistungen hervorzuheben): das Englischhornsolo zum Beginn des 2. Satzes von Margret Bruschke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-465087\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/ingo24.jpg\" alt=\"ingo24\" width=\"633\" height=\"360\"  \/><br \/>Schlussapplaus Marcus Merkel und Orchester. Foto: P..&amp;.H. Huber)<\/p>\n<p>Ber\u00fcckend auch der Gesamteindruck der Dvo\u0159\u00e1k-Auff\u00fchrung, der dem Publikum fast 10-min\u00fctigen Jubel wert ist. Und eins ist auch klar: Ingo Ingensands Mut war nicht \u00fcbertrieben!<\/p>\n<p>Petra und Helmut Huber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Linz: \u201eAK Classics IV\u201c \u2013 Konzert im Brucknerhaus Linz, Gro\u00dfer Saal, 13. 05.2026 Symphonien von Ingo Ingensand und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32797,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[46,42,184,44],"class_list":{"0":"post-157413","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-linz","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-linz","11":"tag-oesterreich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116571329467676996","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=157413"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157413\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=157413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=157413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=157413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}