{"id":157474,"date":"2026-05-14T06:34:09","date_gmt":"2026-05-14T06:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/157474\/"},"modified":"2026-05-14T06:34:09","modified_gmt":"2026-05-14T06:34:09","slug":"wiener-erzbischof-wir-werden-weniger-aber-nicht-weniger-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/157474\/","title":{"rendered":"Wiener Erzbischof: Wir werden weniger, aber nicht weniger wichtig"},"content":{"rendered":"<p>Seit knapp vier Monaten ist der <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/68037-gruenwidl-zoelibat-tolle-lebensform-aber-offen-fuer-veraenderungen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wiener Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl<\/a> im Amt. Am Montag wurde er <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/68528-erzbischof-gruenwidl-erstmals-zur-audienz-bei-papst-leo-xiv\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erstmals von Papst Leo XIV. in Privataudienz empfangen<\/a>. \u00dcber das rund halbst\u00fcndige Gespr\u00e4ch wurde Vertraulichkeit vereinbart. Doch im Interview gibt Gr\u00fcnwidl (63) Einblicke in seine Hauptanliegen als Seelsorger, seine Art, sich am Klavier und in der Natur zu entspannen und seine Ideen zur Zukunft der Kirche.<\/p>\n<p>Frage: Herr Erzbischof Gr\u00fcnwidl, wie war Ihre Begegnung mit Papst Leo XIV.?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Es war f\u00fcr mich ein sehr beeindruckendes Erlebnis, mit dem Papst pers\u00f6nlich sprechen zu k\u00f6nnen. Ich habe Papst Leo heute erlebt als einen Mann, der mir das Gef\u00fchl gegeben hat, er ist ganz f\u00fcr mich da, nimmt mich ernst, h\u00f6rt mir zu. Auch wenn der Papst sehr viel zu tun hat und noch viele Termine kommen \u2013 jetzt, in dieser halben Stunde, ist er ganz f\u00fcr mich da.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht m\u00f6chte ich mir ein Beispiel an Papst Leo nehmen und ich denke, das k\u00f6nnte auch f\u00fcr viele andere ein Impuls sein zum kritischen Nachdenken \u00fcber die Selbstpr\u00e4senz. Und dar\u00fcber, wie wir f\u00fcr andere da sind \u2013 oder ob wir an ihnen vorbeileben.<\/p>\n<p>Frage: Was wollten Sie dem Papst vorrangig mitteilen?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Mir war es wichtig, ihm die Lage in der Erzdi\u00f6zese Wien mit ihren unterschiedlichen Lebensrealit\u00e4ten zwischen der Hauptstadt und den l\u00e4ndlichen Regionen Nieder\u00f6sterreichs zu schildern. Wir haben hier unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Erosion des christlichen und des kirchlichen Lebens.<\/p>\n<p>Es war mir wichtig, auch in dieser Zeit der Transformation, in der sich eine neue Kirchengestalt entwickelt und eine altvertraute Kirchengestalt an pr\u00e4gender Kraft verliert, immer wieder darauf hinzuweisen: Es gibt Grund zur Hoffnung. Gott umarmt uns im Heute. Wir sollen n\u00fcchtern die Realit\u00e4t anschauen und mit Hoffnung und Zuversicht das tun, was uns m\u00f6glich ist und auch neue Wege beschreiten.<\/p>\n<p>Frage: Was erhoffen Sie sich k\u00fcnftig in Sachen Synodalit\u00e4t, also der Teilhabe aller Gl\u00e4ubigen, f\u00fcr die Kirche in \u00d6sterreich, aber mehr noch von der Weltkirche?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/67781-das-erbe-von-franziskus-wie-geht-es-weiter-mit-der-synodalitaet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Papst Franziskus hat das Thema Synodalit\u00e4t<\/a> immer betont als ein Gebot der Stunde, und es geht wirklich um einen Kulturwandel in der Kirche. Ich erwarte mir f\u00fcr uns in \u00d6sterreich, dass wir dieses gro\u00dfe Wort Synodalit\u00e4t durchbuchstabieren und sozusagen auf den Boden bringen, es wirklich auch konkret machen. Und das erwarte ich mir auch von der Weltkirche.<\/p>\n<p>Es sind jetzt sicher Schritte notwendig, um das noch einmal durchzudenken, theologisch zu reflektieren. Und wenn es zu synodalen Schritten kommt, etwa zu st\u00e4rkerer Partizipation von Getauften \u2013 Frauen und M\u00e4nnern \u2013 auch auf Entscheidungsebenen, dann muss das in Richtlinien, in Kirchengesetze gegossen werden, so dass Synodalit\u00e4t konkret gelebt werden kann.<\/p>\n<p>Frage: \u00d6sterreichs Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen hat Leo XIV. unl\u00e4ngst in Rom eingeladen, nach \u00d6sterreich zu kommen. Kamen Sie darauf zu sprechen?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Ich habe die Einladung wiederholt und dem Papst gesagt, dass wir uns sehr freuen w\u00fcrden, wenn er nach \u00d6sterreich kommt, wohl wissend, dass wir weltkirchlich gesehen zahlenm\u00e4\u00dfig eine sehr kleine Kirche sind. Angeblich leben nur 0,3 Promille der Katholiken weltweit in \u00d6sterreich. Doch von der historischen Bedeutung f\u00fcr Europa ist \u00d6sterreich und Wien sicher in einem anderen Rang. Zu der Einladung hat sich der Papst nicht ge\u00e4u\u00dfert, er hat sich bedankt. Mein Eindruck ist, dass \u00d6sterreich jetzt nicht ganz oben auf seinen Reiseziellisten steht.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/kna_260511-0916-000077_gruenwidl_papst_leo.jpg\" alt=\"Der Wiener Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl pr\u00e4sentiert Papst Leo XIV. ein Buch\"\/>&#13;<br \/>\n    &#13;<br \/>\n        Bild: \u00a9<a href=\"\" target=\"_self\">KNA\/Vatican Media\/Romano Siciliani<\/a>&#13;<\/p>\n<p class=\"bildbeschreibung\">&#13;<br \/>\n            Das erste Zusammentreffen mit Papst Leo XIV. war f\u00fcr den neuen Wiener Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl ein beeindruckendes Erlebnis. Er m\u00f6chte sich ein Beispiel am Kirchenoberhaupt nehmen.&#13;\n        <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n    &#13;<\/p>\n<p>Frage: Was erhoffen Sie, als Erzbischof von Wien auf weltkirchlicher Ebene in Rom einbringen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: In der Erzdi\u00f6zese Wien gibt es zurzeit etwas mehr als eine Million Katholiken. Das ist eine beachtliche, wenngleich abnehmende Zahl. Das hei\u00dft: Wir werden weniger, aber nicht weniger wichtig. Weil wir mit dem Evangelium eine Botschaft von Frieden, Vers\u00f6hnung, Liebe, Gemeinschaft, Erl\u00f6sung und Ausblick auf Vollendung haben. Diese Botschaft ist das Beste, was wir anbieten k\u00f6nnen und was die Welt f\u00fcr ein gutes Miteinander braucht.<\/p>\n<p>Unsere St\u00e4rke liegt im \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Miteinander, zum Beispiel im Wiener Rat der Religionen. Dadurch, dass es pers\u00f6nliche Beziehungen gibt zu Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften und Kirchen, wird auch manches m\u00f6glich \u2013 einfach, weil wir einander kennen und miteinander im Gespr\u00e4ch sind.<\/p>\n<p>Frage: Gab es in Ihren ersten knapp vier Monaten als Erzbischof von Wien etwas, das Sie \u00fcberrascht hat und Ihnen besonderen Respekt einfl\u00f6\u00dft?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Ich habe mich etwas gewundert und auch gefreut \u00fcber das gro\u00dfe mediale Interesse rund um meine Ernennung und Bischofswahl. Aber ich betone immer, ich bin nicht der Vorsitzende der \u00d6sterreichischen Bischofskonferenz, <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/58763-erzbischof-lackner-spreche-schoenborn-noch-immer-mit-eminenz-an\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das ist Erzbischof Franz Lackner<\/a>. Andererseits ist mir jetzt im Gespr\u00e4ch mit dem Dikasterium f\u00fcr Kultur und Erziehung noch einmal klar geworden, welchen Status Wien etwa als Universit\u00e4tsstadt hat und, dass es auch von Rom und weltkirchlich als ein wichtiger Player betrachtet wird.<\/p>\n<p>Frage: Im Juni werden Sie <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/62312-anders-als-franziskus-papst-leo-xiv-legt-pallien-wieder-selbst-an\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aus den H\u00e4nden von Papst Leo XIV. das Pallium<\/a> empfangen, das alle Erzbisch\u00f6fe von Wien erhalten. Was bedeutet das f\u00fcr Sie?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Das Pallium wird aus der Wolle der L\u00e4mmer der heiligen Agnes gemacht und ist damit ein Symbol f\u00fcr die Schafherde des guten Hirten. Dieses Wollband mit den schwarzen Kreuzen erinnert mich noch st\u00e4rker an die Aufgabe und an das Geschenk, Hirte f\u00fcr die Menschen sein zu d\u00fcrfen. Auch ist es ein Symbol der tiefen Verbundenheit mit dem Heiligen Vater.<\/p>\n<p>Frage: Sie werden von Vatikanbeobachtern immer wieder als k\u00fcnftiger Kardinal gehandelt. Wie denken Sie dar\u00fcber?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Papst Franziskus hat bei der Ernennung von Kardin\u00e4len einen neuen Kurs eingeschlagen, den ich auch sehr gut finde. Er sagte, das Kardinalskollegium sei immer noch europ\u00e4isch \u00fcberrepr\u00e4sentiert und entspreche damit nicht mehr der Realit\u00e4t der Weltkirche. Und er hat begonnen, die Erzbisch\u00f6fe in europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten wie Prag, Paris oder Berlin nicht mehr automatisch zu Kardin\u00e4len zu machen. Ich pers\u00f6nlich finde es klug, dass man im Kardinalskollegium versucht, die Realit\u00e4t der Weltkirche abzubilden. Aber das ist eine Entscheidung, die Papst Leo zu treffen hat.<\/p>\n<p>    &#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            \u201eIch pers\u00f6nlich finde es klug, dass man im Kardinalskollegium versucht, die Realit\u00e4t der Weltkirche abzubilden.\u201c&#13;\n        <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n            &#13;<br \/>\n                \u2014\u00a0 Zitat: Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl&#13;<br \/>\n            &#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Frage: In Deutschland gibt es derzeit <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/68249-ein-jahr-segenshandreichung-noch-immer-grund-fuer-diskussionen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diskussionen um das Thema Segensfeiern f\u00fcr homosexuelle Paare<\/a>. Wie blicken Sie darauf, und wie ist es in \u00d6sterreich?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: In \u00d6sterreich waren wir sehr froh \u00fcber die Erlaubnis des Vatikans, dass es Segnungen in ganz einfacher Form f\u00fcr irregul\u00e4re Paare geben soll und geben kann. Deutschland geht da einen direkteren Weg. Ich kommentiere nicht Entscheidungen der deutschen Bisch\u00f6fe, glaube aber, dass dieser von Papst Franziskus begonnene Kurs, auf Menschen zuzugehen, die um Segen bitten, und ihnen zu erm\u00f6glichen, Segen zu empfangen, ein richtiger und auch pastoral kluger Weg ist.<\/p>\n<p>Frage: Papst Leo f\u00e4hrt fast jeden Montagnachmittag nach Castel Gandolfo, wo er seinen freien Dienstag verbringt, um Kraft zu tanken. Wo haben Sie Ihre Oasen?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Mein freier Tag ist nicht wie bei Papst Leo der Dienstag, sondern der Montag, und wenn es irgendwie gelingt, versuche ich auch am Sonntagnachmittag rauszufahren aus Wien, aufs Land, um mich zur\u00fcckzuziehen. Ich bin dann wirklich oft sehr froh, wenn ich alleine f\u00fcr mich sein kann und irgendwo wandern oder spazieren gehen kann an der frischen Luft oder auch einfach nur in Ruhe lesen und etwas vorbereiten.<\/p>\n<p>Frage: Haben Sie noch Zeit, <a href=\"https:\/\/katholisch.de\/artikel\/20159-die-orgel-was-sie-ueber-die-koenigin-der-instrumente-wissen-muessen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">um Orgel zu spielen<\/a>?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Mein Orgelstudium an der Musikuniversit\u00e4t ist 35 Jahre her. Ich habe in den letzten Jahren kaum mehr gespielt. Aber ich habe ein Klavier in meiner Wohnung, und ab und zu am Abend, wenn Zeit ist und wenn ich noch Energie habe, setze ich mich ans Klavier und spiele f\u00fcr mich zur Entspannung. Sehr gerne Bach, aber auch Schubert, Beethoven, Mozart.<\/p>\n<p>Frage: 2027 wird der 200. Todestag Beethovens begangen, der bekannterma\u00dfen in Wien starb. Wie wird die Hauptstadt den Komponisten feiern?<\/p>\n<p>Gr\u00fcnwidl: Beethoven ist im kommenden Jahr sehr stark bei uns im Konzertprogramm vertreten. Unter anderem wird der Pianist Igor Levit mehrfach in Wien gastieren. Auch Beethovens einzige Oper Fidelio wird sicher aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Beethoven ein Komponist, der st\u00e4ndig bis an die Grenze geht und nicht selten dar\u00fcber hinaus, so dass man oft seine Tempoanweisungen nicht umsetzen kann, oder der auch S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern das \u00c4u\u00dferste abverlangt. Aber diese unb\u00e4ndige Gewalt und Kraft in seiner Musik beeindruckt mich.<\/p>\n<p>Allein seine Klaviersonaten sind ein eigener unergr\u00fcndlicher Kosmos. Da komme ich mir ganz klein mit Hut vor, denn gerade die sp\u00e4ten Klaviersonaten sind von technischen Anforderungen h\u00f6chsten Ausma\u00dfes gepr\u00e4gt, da komm ich dann als Hobbymusiker nicht mehr mit.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nVon\u00a0Sabine Kleyboldt (KNA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit knapp vier Monaten ist der Wiener Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl im Amt. 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