{"id":158407,"date":"2026-05-14T17:27:09","date_gmt":"2026-05-14T17:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/158407\/"},"modified":"2026-05-14T17:27:09","modified_gmt":"2026-05-14T17:27:09","slug":"cd-johannes-brahms-variationen-ueber-ein-thema-von-haydn-op-56a-konzert-und-probe-symphonieorchester-des-bayerischen-rundfunks-herbert-blomstedt-dirigent-liveaufnahme-muenchen-herkulessaal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/158407\/","title":{"rendered":"\u00bb CD: Johannes Brahms Variationen \u00fcber ein Thema von Haydn, op. 56a Konzert und Probe Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Herbert Blomstedt Dirigent Liveaufnahme: M\u00fcnchen, Herkulessaal der Residenz, 13.\/14.02.2014 BR-Klassik: 900216Online Merker"},"content":{"rendered":"<p>Herbert Blomstedt und die Kunst der lebendigen Form<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-465159\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/blom.jpg\" alt=\"blom\" width=\"387\" height=\"398\"  \/><\/p>\n<p>Manchmal gleicht der Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz einer hochpr\u00e4zisen Uhrmacherwerkstatt. Nur dass hier nicht an Zahnr\u00e4dern, sondern an Klangfarben, Atemphasen und musikalischen B\u00f6gen gefeilt wird. Wer Johannes Brahms\u2019 Variationen \u00fcber ein Thema von Joseph Haydn f\u00fcr ein solides, etwas angestaubtes Repertoirest\u00fcck h\u00e4lt, wird durch diese Ver\u00f6ffentlichung von BR-Klassik eines Besseren belehrt. Herbert Blomstedt, der gro\u00dfe schwedische Grandseigneur, zeigt mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dass dieses Werk ein atmender, lebendiger Organismus ist.<\/p>\n<p>Der eigentliche Schatz dieser Aufnahme liegt im ausf\u00fchrlichen Probenmitschnitt. Hier erlebt man Blomstedt nicht als entr\u00fcckten Meister, sondern als leidenschaftlichen Handwerker und mitrei\u00dfenden Vermittler. Er spricht Musiker mit Namen an, singt vor, malt Bilder und erkl\u00e4rt die Architektur der Partitur mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkt. Man sp\u00fcrt: F\u00fcr ihn ist Musik keine noble Freizeitbesch\u00e4ftigung, sondern eine existentielle Notwendigkeit. Sein Humor, seine Genauigkeit und seine F\u00e4higkeit, Formstrenge und Gef\u00fchl miteinander zu verbinden, machen diese Proben zu einem seltenen Einblick in die Werkstatt gro\u00dfer Interpretation.<\/p>\n<p>Im Konzertmitschnitt selbst entfaltet sich dann die Frucht dieser Arbeit. Blomstedt w\u00e4hlt f\u00fcr den Sankt-Antoni-Choral ein Tempo von gro\u00dfer W\u00fcrde, ohne in falsche Feierlichkeit zu verfallen. Die Dynamik atmet, die Struktur ist kristallklar. Schon in der ersten Variation bl\u00fchen die Streicher organisch auf und stecken die Bl\u00e4ser an. Man h\u00f6rt f\u00f6rmlich, wie die Gruppen miteinander musizieren, sich B\u00e4lle zuwerfen und gemeinsam atmen.<\/p>\n<p>Besonders reizvoll geraten die kontrastreichen mittleren Variationen: die pointierten Sforzati der zweiten, der gesangliche Ton der Holzbl\u00e4ser in der dritten und das einladend t\u00e4nzerische Vivace der f\u00fcnften. Die H\u00f6rner der sechsten Variation zwinkern vergn\u00fcgt, w\u00e4hrend die siebte eine anmutige Leichtigkeit entfaltet. Blomstedt h\u00e4lt die Z\u00fcgel stets in der Hand, l\u00e4sst den Musikern aber genug Raum zum Atmen. So entsteht kein streng durch kalkuliertes Uhrwerk, sondern ein lebendiges, atmendes Ganzes.<\/p>\n<p>Die Spannung steigt kontinuierlich bis zum feierlichen Finale. Wenn am Ende alle Register gezogen werden, wirkt es nicht triumphal, sondern als logische Kr\u00f6nung einer langen, gemeinsamen Reise. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt mit Hingabe und Klangsch\u00f6nheit, die selbst bei diesem Standardwerk selten zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p>Blomstedt macht h\u00f6rbar, dass Brahms diese Variationen in einer Phase des k\u00fcnstlerischen Aufbruchs schrieb \u2013 kurz vor der ersten Sinfonie. Er zeigt nicht den schweren Melancholiker, sondern den brillanten Konstrukteur von Licht und Schatten. Die Kombination aus Probenarbeit und Konzertmitschnitt macht diese Ver\u00f6ffentlichung zu einem wertvollen Dokument: Man lernt nicht nur, was Brahms geschrieben hat, sondern wie gro\u00dfe Musik entsteht.<\/p>\n<p>Eine Sternstunde bayerischer Orchesterkultur und ein beeindruckendes Zeugnis daf\u00fcr, dass mit fast neunzig Jahren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch immer eine Energie und eine k\u00fcnstlerische Neugier m\u00f6glich sind, die viele J\u00fcngere vermissen lassen. Diese CD ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das genaue Hinh\u00f6ren \u2013 und f\u00fcr alle, die verstehen wollen, wie das Herz eines Orchesters wirklich schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dirk Schau\u00df, im Mai 2026<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Johannes Brahms<br \/>Variationen \u00fcber ein Thema von Haydn, op. 56a<br \/>Konzert und Probe<br \/>Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks<br \/>Herbert Blomstedt Dirigent<br \/>Liveaufnahme: M\u00fcnchen, Herkulessaal der Residenz, 13.\/14.02.2014<br \/>BR-Klassik: 900216<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herbert Blomstedt und die Kunst der lebendigen Form Manchmal gleicht der Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz einer hochpr\u00e4zisen Uhrmacherwerkstatt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32797,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,44,148],"class_list":{"0":"post-158407","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-oesterreich","12":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116574109960543755","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=158407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158407\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=158407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=158407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=158407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}