{"id":159283,"date":"2026-05-15T06:30:12","date_gmt":"2026-05-15T06:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/159283\/"},"modified":"2026-05-15T06:30:12","modified_gmt":"2026-05-15T06:30:12","slug":"staatsoper-saenger-jubel-und-regie-buhs-fuer-perlenfischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/159283\/","title":{"rendered":"Staatsoper: S\u00e4nger-Jubel und Regie-Buhs f\u00fcr &#8222;Perlenfischer&#8220;"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Aus der Wiener Staatsoper ist die Shoppingmall Carmen geworden; mit einer freundlichen, aber bestimmten Durchsage bittet der Direktor bei Ladenschluss zum Ausgang. Am Donnerstag staunte man nicht schlecht, als sich der Vorhang zum zweiten Akt von Georges Bizets &#8222;Die Perlenfischer&#8220; hob und dabei nicht nur eine Melodie seiner &#8222;Carmen&#8220;, sondern auch die Stimme von Bogdan Ro\u0161\u010di\u0107 zu h\u00f6ren war. Die Zukunft des Hauses am Ring sah man damit trotz aller Geldprobleme hoffentlich nicht.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Aber vielleicht konnte das, was diese Erstauff\u00fchrung des Bizet-Jugendwerks an der Staatsoper bot, ein wenig das erahnen lassen, was schon bald auf der Staatsopernb\u00fchne zu sehen sein wird: Ersan Mondtag gab mit dieser Regie, die auch die Ausstattung umfasste, hier erstmals seine Visitkarte ab. Der deutsche Gesamtkunstwerker, der vor zwei Jahren auch den Deutschland-Pavillon der Kunstbiennale Venedig bespielte, gilt vielen in der Branche als kommender &#8222;Ring&#8220;-Regisseur des Hauses. Und da tr\u00fcbte der Eindruck der &#8222;Perlenfischer&#8220; die Vorfreude auf den Mann, der das deutsche Theater durch extreme und extrem formbewusste Deutungen aufgemischt hat, ein wenig.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Mondtag h\u00e4lt das von Kitsch und Exotik-Klischees \u00fcberladene Libretto von Michel Carr\u00e9 und Eug\u00e8ne Cormon f\u00fcr eigentlich unspielbar &#8211; und tut es doch. Den Schauplatz an der K\u00fcste Ceylons, wo die Perlenfischer von einer verschleierten Priesterin Beistand bei ihren Gebeten an die G\u00f6tter erbitten, verlegt er in eine F\u00e4rberei, deren Personal an Lageruniformen erinnernde Arbeitskleidung tr\u00e4gt. Den ersten Akt hat er mit einer riesigen, anorektischen Schaufensterpuppe, einem um sie herum in die H\u00f6he f\u00fchrenden Turm und umliegenden Hausfassaden so gestaltet, als gelte es, auf der Seeb\u00fchne von Bregenz zu bestehen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die von ihm und dem Dramaturgen Till Briegleb beschworene Kritik an der ausbeuterischen Textilindustrie wird im zweiten und dritten Akt weitergef\u00fchrt, in dem statt der Ruinen eines indischen Tempels ein marmorstrotzender Konsumtempel zur Schlaf- und Zufluchtsst\u00e4tte der Priesterin wird. Hier, in der Shoppingmall Carmen, haben Luxusmarken wie &#8222;Guggi&#8220; und &#8222;Versasse&#8220; ihre Filialen und patrouillieren mit Maschinenpistolen bewaffnete Wachen in bunten Fantasie-Outfits, als k\u00e4men sie gerade vom Karneval in Venedig.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die vor dem Hintergrund eines abenteuerlichen Religions-Mischmaschs spielende Story der Rivalit\u00e4t zweier M\u00e4nner, die sich in dieselbe Frau verliebt haben, fordert heute wohl zu Regie-Eingriffen heraus. Vor zw\u00f6lf Jahren hat die heutige Volksopern-Direktorin Lotte de Beer die &#8222;Perlenfischer&#8220; im Theater an der Wien recht schl\u00fcssig als Reality-TV-Show inszeniert, bei der am Ende das Voting \u00fcber Tod oder Leben entscheidet. Mondtags konsumkritisches Luxusmarken-Bashing wirkt dagegen aufgesetzt und hat mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun. Dazu kommt, dass Personenregie nur in Spurenelementen auszunehmen ist.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Mondtags Gl\u00fcck ist, dass der (inklusive Pause) zweieinhalbst\u00fcndige Abend auf der musikalischen Seite viele gro\u00dfe Pluspunkte aufweist. Die Musik des 24-j\u00e4hrigen Georges Bizet ist bereits au\u00dferordentlich, melodisch, ja einschmeichelnd. Dirigent Daniele Rustioni legt dem Staatsopernorchester bei seinem Hausdeb\u00fct keinerlei Z\u00fcgel an &#8211; was vor allem dem blendend einstudierten Chor zugute kommt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Zwei der vier Solisten k\u00f6nnen da nicht nur intensit\u00e4ts-, sondern auch lautst\u00e4rkenm\u00e4\u00dfig mithalten. Die Sopranistin Kristina Mkhitaryan begeistert als verliebte und am Ende zum Opfer bereite Priesterin Leila nicht nur in den Spitzent\u00f6nen, Ludovic T\u00e9zier, der mit m\u00e4chtigem Bariton seinen Zurga ganz unforciert mit Autorit\u00e4t und Selbstzweifeln ausstattet, wird zurecht gefeiert. Gegen diese beiden wirkt der Dritte im Bunde, der elegante Tenor Juan Diego Fl\u00f3rez, als um die Gunst der Priesterin siegreicher Rivale geradezu filigran. Solide: der bulgarische Bass Ivo Stanchev als Nourabad.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Gro\u00dfen Premierenjubel gab&#8217;s f\u00fcr die Solisten, den Dirigenten, Chor und Orchester, gleicherma\u00dfen Buhs und Bravos f\u00fcr Ersan Mondtag. Die gefischte Perle hat eine weniger gl\u00e4nzende Fassung erhalten als erhofft. Doch das echte Schmuckst\u00fcck wartet noch. Der Ring muss erst geschmiedet werden.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">(Von Wolfgang Huber-Lang\/APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus der Wiener Staatsoper ist die Shoppingmall Carmen geworden; mit einer freundlichen, aber bestimmten Durchsage bittet der Direktor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":159284,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[75,4311,40,41,1434,805,39,38,182],"class_list":{"0":"post-159283","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-europa","9":"tag-musiktheater","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-newsticker","13":"tag-oper","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-top-meldungen","16":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116577188060921499","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/159283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=159283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/159283\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/159284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=159283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=159283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=159283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}