{"id":161008,"date":"2026-05-16T02:27:12","date_gmt":"2026-05-16T02:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/161008\/"},"modified":"2026-05-16T02:27:12","modified_gmt":"2026-05-16T02:27:12","slug":"fire-von-sarah-engels-sie-passt-perfekt-zum-sound-des-wettbewerbs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/161008\/","title":{"rendered":"\u00bbFire\u00ab von Sarah Engels: Sie passt perfekt zum Sound des Wettbewerbs"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">\u00bbBoy, I\u2019m out of your league\u00ab, singt sie und liegt am Boden. Ihr Kleid bl\u00fctenwei\u00df, ihr Blick gefasst. Diese Frau will sagen: Es geht bergauf. Die Stiefel sind bereits angezogen. Sarah Engels liegt hier nicht auf irgendeinem Boden, sondern auf der B\u00fchne des gr\u00f6\u00dften Singwettbewerbs der Welt: dem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/22\/esc-2026-wien-benjamin-gedeon-cosmo-sarah-engels\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Eurovision Song Contest<\/a>, kurz ESC. Die S\u00e4ngerin vertritt in diesem Jahr Deutschland, das in den vergangenen Jahren h\u00e4ufig auf den hinteren Pl\u00e4tzen landete. Geht es diesmal tats\u00e4chlich bergauf?\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bei der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FpGjPN1E2DE&amp;list=RDFpGjPN1E2DE&amp;start_radio=1\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ersten Halbfinalshow<\/a> in der Wiener Stadthalle wummern Trommeln im Reggaeton-Rhythmus, w\u00e4hrend Engels singt. Ihre Stimme ist zwar nicht engelsgleich, aber wei\u00df, wo sie hinwill. Mit dem Song Fire wird sie am Samstagabend auch im Finale stehen. Durch die Qualifikation musste die S\u00e4ngerin erst gar nicht, schlie\u00dflich zahlt Deutschland gemeinsam <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/feuilleton\/musik\/2026-05\/boykott-eurovision-song-contest-2026-israel-teilnahme\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit Frankreich, Italien, Spanien und Gro\u00dfbritannien<\/a> am meisten Geld in die Europ\u00e4ische Rundfunkunion ein, die den Contest Jahr f\u00fcr Jahr veranstaltet.\n<\/p>\n<p>                            Bei den ersten Proben: Sarah Engels und ihre T\u00e4nzerinnen.            \u00a9\u00a0Sarah Louise Bennett\/\u200bEBU<\/p>\n<p>                            In Lack und Glitzer: Engels beim ersten Halbfinale in der Wiener Stadthalle.             \u00a9\u00a0Sarah Louise Bennett\/\u200bEBU<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Glaubt man denen, die Geld auf potenzielle Gewinner setzen, wird Engels\u2019 Fire<br \/>\n aber eher ein kleines Fl\u00e4mmchen als ein popkultureller Waldbrand. In<br \/>\nden Wettquoten der Buchmacher rangiert der Song in den unteren R\u00e4ngen.<br \/>\nDabei tritt diesmal sogar deutsche Prominenz an.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Interessiert man sich f\u00fcr<br \/>\n die Welt von Castingshows und Klatschpresse, ist Engels tats\u00e4chlich keine<br \/>\nUnbekannte: 2011 hatte sie bei der achten Staffel der Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS)<br \/>\n teilgenommen. Eine Staffel, die in Erinnerung blieb. Sie machte nicht<br \/>\nnur Engels, sondern auch den chaotischen R\u00fcpel-Charmeur Pietro Lombardi<br \/>\nzur Medienpers\u00f6nlichkeit. Die beiden wurden ein Paar, standen zusammen<br \/>\nim Finale und blieben \u00fcber mehr als ein Jahrzehnt in den Schlagzeilen<br \/>\ndes Boulevards. \u00bbI don&#8217;t want it, I don\u2019t need it, and I won\u2019t let you<br \/>\nrepeat it\u00ab, wird Engels auf der ESC-B\u00fchne in Wien ins Mikrofon singen, und damit wom\u00f6glich auch ihre zerfahrene Ex-Beziehung<br \/>\nres\u00fcmieren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zum ESC wird Engels erneut von einer Castingshow geschickt, und zwar von Das Deutsche Finale<br \/>\n im SWR. Entschieden hatte ein Publikumsvoting. Die 37 Staaten, die beim<br \/>\n ESC voten d\u00fcrfen, kennen Engels allerdings eher nicht schon von DSDS \u2013 da muss der<br \/>\n Song \u00fcberzeugen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In den besten Momenten erinnert Fire an<br \/>\n so manches \u00e4ltere Lied der in London aufgewachsenen Kosovo-Albanerin Dua Lipa. Auch sie erz\u00e4hlt in ihren Songs zu etwas abgeschmackten<br \/>\nPopkl\u00e4ngen von weiblicher Selbstbestimmung. In den schw\u00e4cheren<br \/>\nMomenten des Songs, und die \u00fcberwiegen, klingt Fire allerdings nach dem<br \/>\nKaufhaus-Pop lang vergangener Tage. Dann etwa, wenn zwei T\u00e4nzerinnen<br \/>\nEngels das wei\u00dfe Kleid vom Leib rei\u00dfen, darunter ein glitzerner Body zum Vorschein kommt, und sie den Refrain anstimmt.<br \/>\n\u00bbI\u2019m on fire, fire, you\u2019re a liar, liar\u00ab, tr\u00e4llert Engels in Schulenglisch. Die Melodien, so kommt es einem vor, hat man schon<br \/>\ntausendmal geh\u00f6rt. Dua Lipa ist jetzt weit weg. Daf\u00fcr meint man da jetzt<br \/>\n ein wenig Shakira und etwas Christina Aguilera zu erkennen, es klingt<br \/>\nnach Autoradio in den 2000ern. Nach Urlaub, aber eher Stau als Strand.<br \/>\nUnd vor allem: Nach einem klassischen Songcontest-Song. Denn Staub ist<br \/>\nbeim ESC nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die meisten Lieder hier erinnern an Musik, die ein paar Jahre zu lang im Schrank war.\n<\/p>\n<p>                            Eher ein Fl\u00e4mmchen als ein popkultureller Waldbrand: der Song \u00bbFire\u00ab.             \u00a9\u00a0Alma Bengtson\/\u200bEBU<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In der Regel gewinnen Songs, die entweder besonders<br \/>\nabgespeckt oder besonders aufgemotzt daherkommen. Im vergangenen Jahr Letzteres: Der Wiener JJ setzte sich mit einer pomp\u00f6sen Art Techno-Oper<br \/>\ndurch. Auch Schweden, ein beim ESC traditionell erfolgreiches Land,<br \/>\n geht den ESC mit dem Motto \u00bbMehr ist Mehr\u00ab an: Dort hat das<br \/>\nAuswahlverfahren die Gr\u00f6\u00dfe eines nationalen Sportereignisses, das<br \/>\ndementsprechend zu H\u00f6chstleistungen motiviert. Man erinnere sich an die<br \/>\nzweimalige Gewinnerin Loreen mit den Songs Euphoria (2012) und Tattoo<br \/>\n (2023), die Jahre sp\u00e4ter noch messerscharf modern klingen. In Italien<br \/>\nsetzt man hingegen auf das Gegenteil: Der traditionstr\u00e4chtige<br \/>\nMusikwettbewerb Sanremo schickt seit 2011 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger zum<br \/>\nESC, hier \u00fcberzeugt meist alte Schule und Italien belegt beim ESC damit<br \/>\noft die oberen Pl\u00e4tze. 2021 schaffte es etwa die Rockband M\u00e5neskin sogar<br \/>\n auf Platz eins.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Engels indes ist r\u00fchrend durchschnittlich. Sie<br \/>\nsticht nicht hervor. Da ist weder Innovation noch Tradition. Aber<br \/>\npeinlich, wie so manch anderer Kandidat, den Deutschland in den<br \/>\nvergangenen Jahren antreten lie\u00df, ist sie auch nicht. Zum Schluss ihrer<br \/>\nShow, in der sogenannten Dance-Break, wird es sogar endlich ein wenig<br \/>\nkontempor\u00e4r: Wild aalen sich die T\u00e4nzerinnen zu Bass und Flammen am<br \/>\nBoden. Beinahe erinnert das an zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstlerinnen wie Addison<br \/>\n Rae oder Tate McRae, bei deren Performances Tanz und Akrobatik genauso<br \/>\nwichtig sind wie der Gesang. Beide gelten damit als Popstars, deren<br \/>\nKunst in die Zukunft weist. Und auch Engels Einlage kann das.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nach etwas mehr als drei Minuten ist Fire<br \/>\n schlie\u00dflich vorbei. Was bleibt? Gewinnen wird dieses Lied<br \/>\nwahrscheinlich nicht. Aber der ultimative Tiefpunkt deutscher<br \/>\nESC-Geschichte ist es auch nicht. Ganz im Gegenteil: Engels passt<br \/>\nzu einem Wettbewerb, zu dessen DNA ein bisschen Kitsch ebenso geh\u00f6rt wie<br \/>\n schlechtes Schulenglisch. Der letzte Platz d\u00fcrfte Deutschland<br \/>\ndamit erspart bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbBoy, I\u2019m out of your league\u00ab, singt sie und liegt am Boden. 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