{"id":161971,"date":"2026-05-16T15:59:14","date_gmt":"2026-05-16T15:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/161971\/"},"modified":"2026-05-16T15:59:14","modified_gmt":"2026-05-16T15:59:14","slug":"danke-dafuer-cannes-notizen-1-special","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/161971\/","title":{"rendered":"Danke daf\u00fcr \u2013 Cannes-Notizen (1) | Special"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n  &#13;<\/p>\n<p>Ein Pariser Rentner wird in Cannes zum ersten Highlight. Die Filme hingegen lassen es eher gem\u00e4chlich an. Pierre Salvadoris Er\u00f6ffnungsfilm l\u00e4dt zum Kaffee-Kr\u00e4nzchen, Pawel Pawlikowski verfilmt ein besseres ChatGPT-Script und Ashgar Farhadi bekommt das Kunstst\u00fcck hin, franz\u00f6sische Top-Schauspieler nutzlos zu verbraten.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n  <a href=\"https:\/\/www.critic.de\/special\/danke-dafuer-cannes-notizen-1-4856\/bilder\/279344\/\" title=\"\" class=\"bild-full\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/la-venus-electrique-2-2e4f2.jpg\" width=\"581\"   alt=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>Cannes meint es nicht gut mit mir dieses Jahr. Flug von Frankfurt ewig versp\u00e4tet, erstes Screening verpasst, ein wurzelbehandelter Zahn zieht komisch, die morgendliche Ticketreservierung um 07:00 Uhr gleicht einem High-Risk-Crypto-Investment. Immerhin: Ein lieber Kollege, Christoph Petersen von filmstarts.de, hat vorab mein Badge f\u00fcr mich abgeholt, so musste ich das erste Screening am Donnerstag nicht f\u00fcrs Anstehen im Service-Center opfern.&#13;<\/p>\n<p>In der Hauptstadt der mittelm\u00e4\u00dfigen aber \u00fcberteuerten Kulinarik angekommen, klagte uns beim abendlichen Spaziergang sogleich der Pariser Rentner Emmanuel sein Leid. Er wollte seinen Lebensabend an der Cote d\u2019Azure genie\u00dfen, aber hier g\u00e4be es ja nur Sonne und Meer, sonst nichts zu tun und kein gutes Essen. Den Abschied aus Paris bereut er bitter. Zum Trost f\u00fcr das geduldige Zuh\u00f6ren bedankte er sich bei uns mit einer gesegneten Medaille aus der Pariser Kirche zur Medaille Miraculeuse, nach Notre Dame, dem Louvre und Tour Eiffel wohl der viertgr\u00f6\u00dfte Touristenmagnet der Stadt. Dennoch ein hidden gem gewisserma\u00dfen, ich war bei meinem letzten Paris-Trip auch da. Der versammelte globale S\u00fcden betet dort zur Jungfrau Maria. Eine etwas andere Paris experience, f\u00fcr alle, die daf\u00fcr offen sind. Aber zur\u00fcck zu Cannes.&#13;<\/p>\n<p>Elektrische K\u00fcsse an einsame M\u00e4nner&#13;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.critic.de\/special\/danke-dafuer-cannes-notizen-1-4856\/bilder\/279345\/\" title=\"\" class=\"bild-full\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/la-venus-electrique-3-71b73.jpg\" width=\"581\"   alt=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>Suzanne (Anais Demoustier) ist die titelgebende <a href=\"https:\/\/www.critic.de\/film\/the-electric-kiss-20170\/trailer\/\" title=\"Opens external link in new window\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"nofollow noopener\">La Venus El\u00e9ctrique<\/a> (Au\u00dfer Konkurrenz) des diesj\u00e4hrigen Er\u00f6ffnungsfilms. Auf einem Rummelplatz im Frankreich der 1920er Jahre vergibt sie elektrische K\u00fcsse an einsame M\u00e4nner, bis sich der trauernde Witwer und Maler Antoine (Pio Marmai) bei ihr verirrt und sie f\u00fcr ein Medium h\u00e4lt. Um ihr mageres Gehalt aufzubessern, l\u00e4sst sie sich auf das Spiel ein, ruft den Geist seiner verstorbenen Frau Ir\u00e8ne herbei, tr\u00f6stet Antoine und wird dabei von Armand (Gilles Lellouche) unterst\u00fctzt. Dieser ist n\u00e4mlich Kunsth\u00e4ndler und will seinen Starmaler gef\u00e4lligst wieder arbeiten sehen.&#13;<\/p>\n<p>Was sich in der Zusammenfassung wie ein relativ biederes Verwechslungsspiel anh\u00f6rt, f\u00e4ngt tats\u00e4chlich ziemlich farblos an. Ich hatte bei dem Titel und dem Poster zumindest eine mittlere Ausstattungsorgie mit stakkatoartigem Schnitt erwartet. \u00dcber das von Regisseur Pierre Salvadori inszenierte Kaffekr\u00e4nzchen am Nachmittag war ich anfangs ziemlich verwundert. Doch der Film verdichtet sich dank eines sehr intelligenten, differenzierten Drehbuchs immer mehr zu einer klugen Reflexion \u00fcber Wahrnehmung, Erinnerung und die Wechselwirkung zwischen Realit\u00e4t und Fiktion. Das ist in letzter Instanz vielleicht etwas allzu auserz\u00e4hlt geraten und h\u00e4tte den ein oder anderen knalligen Moment vertragen. Aber ich bin \u00fcber jeden Film dankbar, der Emotion und Intellekt gleicherma\u00dfen anspricht und sich dabei nicht unn\u00f6tig aufplustert. Schauspieler. wie Demoustier, Lellouche und Marmai nonchalant und absolut \u00fcberzeugend bei der Arbeit zuzusehen ist dann nur das Sahneh\u00e4ubchen. Sehenswert.&#13;<\/p>\n<p>M\u00e4\u00dfig erfolgreiche Versuchsanordnung&#13;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.critic.de\/special\/danke-dafuer-cannes-notizen-1-4856\/bilder\/279347\/\" title=\"\" class=\"bild-full\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/nagi-notes-8f111.jpg\" width=\"581\"   alt=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>Im ersten offiziellen Wettbewerbsbeitrag, <a href=\"https:\/\/www.critic.de\/film\/nagi-notes-20186\/trailer\/\" title=\"Opens external link in new window\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"nofollow noopener\">Nagi Notes<\/a> von Koji Fukada, verbringt Yuri (Shizuka Ishibashi) einige Tage im l\u00e4ndlichen Japan, um als Modell f\u00fcr eine Skulptur ihre Schw\u00e4gerin Yuriko (Takako Matsu) zu stehen. Die Idylle wird von emotionalen Konflikten \u00fcberlagert, die l\u00e4ndliche Gemeinschaft kann nur durch die Kooperation mit einer Milit\u00e4rbasis \u00fcberleben, au\u00dferdem wirft in den Nachrichten der Ukraine-Krieg seine Schatten.&#13;<\/p>\n<p>Konzeptionell anspruchsvoll, allerdings sehr gem\u00e4chlich und ziemlich m\u00e4andernd setzt Fukada eine nur m\u00e4\u00dfig erfolgreiche Versuchsanordnung zusammen, die psychologisches Beziehungsportr\u00e4t, Geistergeschichte, philosophische Betrachtung und gesellschaftspolitischer Kommentar sein will, sich dabei aber zwischen ziemlich viele St\u00fchle setzt und letztlich verheddert. Mit deklamatorischen, oft umst\u00e4ndlichen, geradezu plumpen Dialoge trifft er dar\u00fcber hinaus eher selten den richtigen Ton. Auch wenn ihm immer wieder Momente eindr\u00fccklicher Sch\u00f6nheit gelingen \u2013 der Gesamteindruck bleibt durchwachsen.&#13;<\/p>\n<p>Der Mensch wei\u00df, das Tier nicht&#13;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.critic.de\/special\/danke-dafuer-cannes-notizen-1-4856\/bilder\/279175\/\" title=\"\" class=\"bild-full\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/vaterland-6c42a.jpg\" width=\"581\"   alt=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>Weniger durchwachsen und vielmehr ein Totalausfall ist der hei\u00df erwartete Vaterland von Pawel Pawlikowski mit Festivalliebling Sandra H\u00fcller in einer Hauptrolle als Erika Mann. Hier wird Thomas Manns Reise nach Deutschland 1949 zum Anlass genommen, um lehrbuchm\u00e4\u00dfig und p\u00e4dagogisch wertvoll \u00fcber Verantwortung der Kunst in Zeiten des Terrors zu sinnieren, blutleere Pressekonferenzen nachzustellen und mit Nazis kollaborierenden K\u00fcnstlerkollegen (hallo, Gustaf Gr\u00fcndgens) ins Gewissen zu reden. Das ist beflissen, langweilig und geht inhaltlich nie \u00fcber einen von ChatGTP geschriebenen Leitartikel hinaus. Sandra H\u00fcller bem\u00fcht sich, aber sie kann auch nicht retten, was nicht zu retten ist. Immerhin: Mit 82 Minuten ist das angenehm kurz und von Lukasz Zal gewohnt routiniert mit der Kamera eingefangen.&#13;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.critic.de\/special\/danke-dafuer-cannes-notizen-1-4856\/bilder\/279346\/\" title=\"\" class=\"bild-full\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/parallel-tales-64a16.jpg\" width=\"581\"   alt=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>Wo Pawlikowski dem Zuschauer wenigstens keine Zeit stiehlt, kennt Asghar Farhadi in Histories paralleles \/ Parallel Histories solche Bedenken nicht. In 140 lose auf Krzysztof Kieslowskis Dekalog 6 basierenden, gnadenlos \u00fcberfrachteten, wirr geschnittenen und stumpfsinnig langweiligen Minuten l\u00e4sst er seinen Cast, der es in sich hat, permanent \u00fcber Liebe, den Schaffensprozess und Voyeurismus sinnieren, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt irgend etwas Interessantes zu sagen. Au\u00dfer: Der Mensch wei\u00df, dass er sterben muss, ein Tier nicht. Danke daf\u00fcr.&#13;<\/p>\n<p>Wer es schafft, in einem Film Isabelle Huppert, Catherine Deneuve, Virginie Efira, Vincent Cassel und Pierre Niney nutzlos zu verbraten, hat mit Sicherheit den Preis der Filmkritik f\u00fcr Unverm\u00f6gen cum laude verdient. Es erwarten uns noch einige \u00dcberl\u00e4ngen-Klopper beim diesj\u00e4hrigen Festival. Hoffentlich ist keiner davon so langatmig und \u00f6de geraten wie Farhadis Beitrag.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n  &#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n   15.05.2026&#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n   <a href=\"https:\/\/www.critic.de\/autor\/pavao-vlajcic\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pavao  Vlajcic<\/a>&#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n   <a href=\"https:\/\/www.critic.de\/javascript:window.print()\" class=\"print\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Seite drucken<\/a>&#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n   &#13;<br \/>\n  &#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; &#13; Ein Pariser Rentner wird in Cannes zum ersten Highlight. 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