{"id":165792,"date":"2026-05-18T18:42:07","date_gmt":"2026-05-18T18:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/165792\/"},"modified":"2026-05-18T18:42:07","modified_gmt":"2026-05-18T18:42:07","slug":"europa-muss-staerker-handlungsfaehiger-eigenstaendiger-resilienter-und-selbstbewusster-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/165792\/","title":{"rendered":"\u201eEuropa muss st\u00e4rker, handlungsf\u00e4higer, eigenst\u00e4ndiger, resilienter und selbstbewusster werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am heutigen Montagabend fand der Er\u00f6ffnungsfestakt anl\u00e4sslich \u201e30 Jahre Europa-Forum Wachau\u201c statt. Landeshauptfrau Johanna Mikl Leitner er\u00f6ffnete gemeinsam mit Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen im Schloss Grafenegg diese besondere Europawoche.<\/p>\n<p>\u201eDiese Woche wird Nieder\u00f6sterreich zur B\u00fchne f\u00fcr Europas zentrale Zukunftsfragen\u201c, sagte die Landeshauptfrau zu Beginn und unterstrich, dass man mit dem heutigen Europatag zum Ausdruck bringen m\u00f6chte, wie wichtig uns Europa ist. Zugleich merkte sie an, dass die Welt derzeit im Wandel sei, \u201eso sehr, dass viele das Gef\u00fchl haben: Die Welt ist aus dem Gleichgewicht geraten.\u201c Man stehe heute vor den gr\u00f6\u00dften Ver\u00e4nderungen und Krisen seit dem Ende des Kalten Krieges. \u201eUnd da m\u00fcssen wir uns ehrlich fragen: Was bedeutet das f\u00fcr unser gemeinsames Europa? Denn es muss uns allen klar sein: Europa hat in der Vergangenheit zu oft reagiert, statt selbst zu gestalten. Ich gebe schon zu: das bisherige Modell hat lange funktioniert. Billige Energie aus Russland, billige Produkte aus China und vor allem Sicherheit aus Amerika\u201c, so die Landeshauptfrau. Dieses Modell habe 30 Jahre lang Stabilit\u00e4t und Wachstum gebracht, aber: \u201eDie n\u00e4chsten 30 Jahre werden wir damit nicht durchkommen\u201c, unterstrich sie. Es gelte daher, so Mikl-Leitner, \u201eEuropa st\u00e4rker, handlungsf\u00e4higer, eigenst\u00e4ndiger, resilienter und selbstbewusster zu machen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs liegt an uns, was die n\u00e4chsten 30 Jahre Europas sein werden: Ein R\u00fcckzugsgefecht oder eine Erfolgsgeschichte. Und ich bin \u00fcberzeugt, wenn wir den Mut haben, gemeinsam entschlossen zu handeln, dann werden auch die n\u00e4chsten 30 Jahre eine europ\u00e4ische Erfolgsgeschichte. F\u00fcr Frieden, f\u00fcr Freiheit, f\u00fcr Wohlstand. Und vor allem f\u00fcr die beste Zukunft unserer Kinder\u201c, f\u00fchrte sie aus und erinnerte in ihrer Festansprache auch an ihre eigene Kindheit: \u201eIch bin im n\u00f6rdlichen Weinviertel aufgewachsen \u2013 direkt am Eisernen Vorhang. Europa war damals ein geteilter Kontinent, Grenzen waren real \u2013 im Alltag, im Denken, im Leben der Menschen. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit: an die vielen Warnungen meiner Eltern, an das kalte Licht der Schweinwerfer auf den bewachten Feldern, an das Gef\u00fchl, dass die Welt hinter der Grenze f\u00fcr uns zu Ende ist.\u201c Dann kam der Fall des Eisernen Vorhanges und wenig sp\u00e4ter \u00d6sterreichs Beitritt zur EU. \u201eDamit ist Nieder\u00f6sterreich vom Rand Europas ins Herzen Europas ger\u00fcckt: geografisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>Zudem appellierte sie, dass \u201ewir unsere Sicherheit selbst in die Hand nehmen m\u00fcssen.\u201c Denn Sicherheit sei nicht nur eine verteidigungspolitische Aufgabe, sondern auch eine wirtschaftliche Chance.\u201c Daher brauche es ein \u201epatriotisches Vergaberecht\u201c, wodurch R\u00fcstungsauftr\u00e4ge nicht \u00fcberwiegend an Konzerne gehen d\u00fcrfen, die au\u00dferhalb Europas liegen. \u201eEs darf nicht nur der billigste Preis z\u00e4hlen, sondern es muss auch um regionale Wertsch\u00f6pfung und Autonomie gehen\u201c, f\u00fchrte sie aus und erg\u00e4nzte: \u201eDenn wenn Europa Milliarden f\u00fcr Sicherheit und Verteidigung ausgibt, dann muss dieses Geld auch bei den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern Europas ankommen.\u201c<\/p>\n<p>Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen betonte in seiner Festrede, dass das Europa Forum Wachau dazu beigetragen habe, \u201eEuropa zu einem Ort zu machen, um den uns sehr viele Menschen auf der Welt beneiden. Auch daf\u00fcr geb\u00fchrt dem Europaforum ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n. \u00d6sterreich und auch Nieder\u00f6sterreich hat stark von dieser Europ\u00e4ischen Union &#8211; und auch von diesem Zusammenwachsen \u2013 profitiert. Heute existiert der Eiserne Vorhang nicht mehr. Die Kontraste zwischen Ost und West innerhalb der Europ\u00e4ischen Union sind nicht verschwunden, aber sie sind verblasst. Menschen, Ideen und Waren bewegen sich frei. Millionen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er leben und arbeiten quer \u00fcber den Kontinent. Das Europa von heute braucht von uns also etwas Anderes als das Europa von damals.\u201c<\/p>\n<p>Der Bundespr\u00e4sident f\u00fchrte weiters aus, dass \u201eBr\u00fccken heute auch gebaut werden m\u00fcssen, aber anders. Nur wie? Was wollen wir eigentlich von Europa? Welche Vision von Europa, von der Europ\u00e4ischen Union, soll uns die n\u00e4chsten 30 Jahre leiten? Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass wir ein Europa wollen, das stark ist, das widerstandsf\u00e4hig, schneller und wendiger ist als heute. Ein Europa, in dem man gut leben kann. Wir wollen keine Welt, in der die Willk\u00fcr des St\u00e4rkeren gilt. Wir wollen keine Welt, in der das internationale V\u00f6lkerrecht ignoriert wird. Wir nehmen den Rechtsstaat ernst. Wir nehmen die Freiheit und Gleichberechtigung ernst. Genauso wie unsere Institutionen und unsere liberale Demokratie. Und wir wissen Vielfalt zu sch\u00e4tzen.\u201c Abschlie\u00dfend unterstrich er: \u201eLassen Sie uns stolz sein auf Europa. Lassen Sie uns da sein f\u00fcr dieses Europa. Dann wird Europa auch f\u00fcr uns da sein, wenn wir es brauchen. Die n\u00e4chsten 30 Jahre und dar\u00fcber hinaus. Das sind die Br\u00fccken, die wir heute bauen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Norbert Lammert, ehemaliger Pr\u00e4sident des Deutschen Bundestages, zeichnete in seiner Keynote ein eindringliches Bild der aktuellen geopolitischen Lage und sprach von einer historischen Zeitenwende f\u00fcr Europa. Dabei warnte er davor, spektakul\u00e4re Ereignisse isoliert zu betrachten, ohne die langfristigen Entwicklungen dahinter zu erkennen. Gleichzeitig verwies er auf zunehmende globale Tendenzen, internationale Regeln durch Machtpolitik und bilaterale \u201eDeals\u201c zu ersetzen. \u201eBitte verwechselt Deals und Regeln nicht. Deals sind nicht eine Variante von Regeln, sondern die Alternative zu Regeln\u201c, betonte er insbesondere gegen\u00fcber den jungen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern. Europa stehe deshalb vor der Aufgabe, die regelbasierte internationale Ordnung aktiv zu verteidigen. Diese Ordnung sei ein wesentliches Produkt der europ\u00e4ischen Zivilisation und m\u00fcsse gerade jetzt entschlossen weiterentwickelt werden. Gleichzeitig brauche Europa daf\u00fcr mehr politisches Gewicht, wirtschaftliche St\u00e4rke und sicherheitspolitische Handlungsf\u00e4higkeit. Mit Blick auf die globale Entwicklung unterstrich er, dass Europa zunehmend gefordert sei, eigenst\u00e4ndig Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Weder einzelne Nationalstaaten noch Europa insgesamt k\u00f6nnten sich darauf verlassen, dass andere M\u00e4chte dauerhaft Stabilit\u00e4t und Sicherheit garantieren. \u201eWir m\u00fcssen uns um unsere eigenen Angelegenheiten selber k\u00fcmmern\u201c, zitierte er den deutschen Altbundeskanzler Konrad Adenauer und stellte fest: \u201eDieser Augenblick ist offensichtlich gekommen.\u201c<\/p>\n<p>Jie Mei, Neurowissenschaftlerin sowie Gr\u00fcndungsprofessorin der Linzer International Transformation University, gab zur Zukunft der K\u00fcnstlichen Intelligenz ein Impulsstatement und schlug damit die ideale Br\u00fccke zur jungen Generation. Weiters zu Wort kamen Europa Forum Wachau Pr\u00e4sident Michael Linhart.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Festveranstaltung, bei der mehr als 400 Jugendliche teilnahmen, wurden Schulprojekte pr\u00e4miert, welche mit herausragenden Projekten die Werte und Ziele der Europ\u00e4ischen Union ins Zentrum ger\u00fcckt haben. Regionale Wertgutscheine ergingen an die drei Gewinner: die Landesberufsschule Theresienfeld, die Handelsakademie der Stadtgemeinde Tulln und die HLW Biedermannsdorf. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom European Union Youth Orchestra.<\/p>\n<p>Das Europa-Forum Wachau ist \u00d6sterreichs zentrale Plattform f\u00fcr den europapolitischen Diskurs. Seit 30 Jahren baut das Forum erfolgreich Br\u00fccken zwischen \u00d6sterreich und seinen europ\u00e4ischen Nachbarn und ist heute als mitteleurop\u00e4isches Zentrum des Dialogs zu gesamteurop\u00e4ischen Themen fest etabliert. Gegr\u00fcndet im Jahr 1995 anl\u00e4sslich des Beitritts \u00d6sterreichs zur Europ\u00e4ischen Union, entwickelte sich das Europa-Forum Wachau zum ma\u00dfgeblichen Impulsgeber der europ\u00e4ischen Verst\u00e4ndigung. Seither war es Gastgeber f\u00fcr \u00fcber 30 Premierministerinnen und Premierminister, mehr als 50 Au\u00dfen- und Europaministerinnen und -minister, zahlreiche EU-Kommissarinnen und -Kommissare sowie \u00fcber 13.000 G\u00e4ste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Diplomatie.<\/p>\n<p>Weitere Informationen und das Programm zum diesj\u00e4hrigen Europa Forum Wachau unter https:\/\/www.europaforum.at <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am heutigen Montagabend fand der Er\u00f6ffnungsfestakt anl\u00e4sslich \u201e30 Jahre Europa-Forum Wachau\u201c statt. 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