{"id":166610,"date":"2026-05-19T06:10:19","date_gmt":"2026-05-19T06:10:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/166610\/"},"modified":"2026-05-19T06:10:19","modified_gmt":"2026-05-19T06:10:19","slug":"tablette-hilft-gegen-schlafapnoe-wissenschaft-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/166610\/","title":{"rendered":"Tablette hilft gegen Schlafapnoe &#8211; wissenschaft.de"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer unter obstruktiver Schlafapnoe leidet, muss bisher Nacht f\u00fcr Nacht eine Atemmaske tragen. Die Behandlung ist wirkungsvoll, aber unbequem und unbeliebt. Doch bald k\u00f6nnte es eine Alternative geben: Eine vor dem Schlafen einzunehmende Tablette soll die Muskulatur im Rachen stimulieren und verhindern, dass die Atemwege im Schlaf kollabieren. In einer klinischen Phase-3-Studie reduzierte das Medikament namens AD109 die Zahl der n\u00e4chtlichen Atemaussetzer und verbesserte die Sauerstoffversorgung. Nun hat der Hersteller in den USA eine Zulassung beantragt.<\/p>\n<p>Bei Schlafapnoe erschlafft im Schlaf die Zungen- und Rachenmuskulatur, sodass die Atemwege vorr\u00fcbergehend kollabieren und es zu Atemaussetzern kommt. Dadurch f\u00e4llt die Sauerstoffs\u00e4ttigung im Blut ab und der K\u00f6rper schaltet in den Alarmmodus. Der Herzschlag beschleunigt sich und Betroffene wachen h\u00e4ufig auf, , sodass ihr Schlaf weniger erholsam ist. Zudem steigt das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere gesundheitliche Probleme. Als Goldstandard-Therapie gilt bislang eine kontinuierliche \u00dcberdruckbeatmung (CPAP). Dazu m\u00fcssen die Betroffenen Nacht f\u00fcr Nacht eine Atemmaske tragen, die die Atemwege mit leichtem \u00dcberdruck offen h\u00e4lt. Obwohl diese Therapie bei richtiger Anwendung gut hilft, empfinden viele Patienten die Maske als st\u00f6rend und unpraktisch und berichten von Problemen bei der Nutzung. Die geringe Akzeptanz f\u00fchrt dazu, dass viele Betroffene bisher keine geeignete Therapie erhalten.<\/p>\n<p>Weniger Atemaussetzer<\/p>\n<p>Doch bald k\u00f6nnte ein neues Medikament Abhilfe schaffen: Eine Tablette, die t\u00e4glich vor dem Schlafen eingenommen wird, soll die Atemwegsmuskulatur stabilisieren und so die Atemwege offen halten. Wie ein Team um Patrick Strollo von der University of Pittsburgh berichtet, f\u00fchrte das Medikament namens AD109 in einer klinischen Phase-3-Studie zu einer deutlichen Reduktion der Atemaussetzer und einer verbesserten Sauerstoffversorgung. Die Ergebnisse decken sich mit denen aus fr\u00fcheren klinischen Studien.<\/p>\n<p>An der Studie nahmen 646 Menschen an 69 Zentren in den USA und Kanada teil, die eine CPAP-Behandlung nicht vertragen oder abgelehnt hatten. Die Schweregrade der Schlafapnoe variierten bei den Teilnehmenden von leichten Formen mit f\u00fcnf bis 15 n\u00e4chtlichen Atemaussetzern pro Stunde bin hin zu schweren Formen mit mehr als 30 Atemaussetzern pro Stunde. Bei den Personen, die AD109 erhielten, traten nach einer Behandlungszeit von 26 Wochen durchschnittlich 3,3 Atemaussetzer weniger pro Stunde auf, in der Placebo-Gruppe 0,7 Aussetzer mehr. Bei rund 40 Prozent der Behandelten halbierte sich die Zahl ihrer n\u00e4chtlichen Atemaussetzer und 22,3 Prozent brachten es sogar auf unter f\u00fcnf Atemaussetzer pro Stunde, was dem Normalwert ohne Schlafapnoe entspricht.<\/p>\n<p>Kombinierte Wirkung<\/p>\n<p>Auch weitere Messwerte verbesserten sich: So stieg die Sauerstoffs\u00e4ttigung im Blut an und die hypoxische Belastung sank. Das galt sowohl f\u00fcr normalgewichtige Personen, als auch f\u00fcr Menschen mit \u00dcbergewicht oder Adipositas. Die Nebenwirkungen waren \u00fcberwiegend mild. Am h\u00e4ufigsten berichteten die Testpersonen \u00fcber Mundtrockenheit, \u00dcbelkeit, Schlaflosigkeit und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Rund 21 Prozent der Freiwilligen aus der Behandlungsgruppe und drei Prozent aus der Placebogruppe brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab. Im Rahmen der Studie war es nicht vorgesehen, die Dosis zu reduzieren. In der klinischen Praxis best\u00fcnde dagegen die M\u00f6glichkeit, die Dosis individuell einzustellen und auf diese Weise Nebenwirkungen wom\u00f6glich zu reduzieren, wie das Team erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse liefern ermutigende Hinweise darauf, dass die gezielte Behandlung neuromuskul\u00e4rer Dysfunktionen zu bedeutenden klinischen Ergebnissen f\u00fchren kann, was mit unserem sich weiterentwickelnden Verst\u00e4ndnis der Krankheitsbiologie \u00fcbereinstimmt\u201c, sagt Strollo. Das Medikament AD109 kombiniert zwei Wirkstoffe: Aroxybutynin, das die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin blockiert, sowie den selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin, der unter anderem zur Behandlung von ADHS zum Einsatz kommt. Gemeinsam sorgen beide Wirkstoffe daf\u00fcr, dass die Muskelspannung in den oberen Atemwegen w\u00e4hrend des Schlafs nicht zu stark abf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Zulassung beantragt<\/p>\n<p>Aus Sicht von Strollo und seinen Kollegen k\u00f6nnte die Anti-Apnoe-Pille eine einfach anzuwendende Alternative f\u00fcr Menschen mit Schlafapnoe bieten, die mit der CPAP-Schlafmaske nicht zurechtkommen und deshalb bisher unbehandelt bleiben. \u201eEine Tablette, die auf die zugrunde liegenden neuromuskul\u00e4ren Ursachen des Atemwegskollapses w\u00e4hrend des Schlafs abzielt, k\u00f6nnte helfen, diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen und das Spektrum wirksamer Optionen f\u00fcr Patienten zu erweitern\u201c, sagt Strollo.<\/p>\n<p>In den USA hat der Hersteller Apnimed nun die Zulassung f\u00fcr AD109 beantragt. Wenn die US Food and Drug Administration (FDA) die Genehmigung erteilt, k\u00f6nnte das Medikament in den USA bereits Anfang 2027 auf den Markt kommen. Ob und wann AD109 auch in Europa zugelassen wird, ist bislang noch unklar.<\/p>\n<p>Quelle: Patrick Strollo (University of Pittsburgh, Pennsylvania, USA), American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, doi: <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/ajrccm\/advance-article\/doi\/10.1093\/ajrccm\/aamag215\/8680221\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">10.1093\/ajrccm\/aamag215<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer unter obstruktiver Schlafapnoe leidet, muss bisher Nacht f\u00fcr Nacht eine Atemmaske tragen. 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