{"id":170055,"date":"2026-05-20T22:09:10","date_gmt":"2026-05-20T22:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/170055\/"},"modified":"2026-05-20T22:09:10","modified_gmt":"2026-05-20T22:09:10","slug":"mechanismus-fuer-pathologische-gefaessneubildung-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/170055\/","title":{"rendered":"Mechanismus f\u00fcr pathologische Gef\u00e4\u00dfneubildung entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>Ein internationales Forscherteam unter Mannheimer Leitung hat Lipidmetaboliten als zentralen Treiber krankhafter Gef\u00e4\u00dfbildung im Auge identifiziert. Ein potenzieller Ansatzpunkt f\u00fcr Therapien der diabetischen Retinopathie oder AMD. <\/p>\n<p>Die krankhafte Neubildung von Blutgef\u00e4\u00dfen im Auge ist ein zentraler Faktor bei Erkrankungen der Netzhaut wie der diabetischen Retinopathie oder der altersbedingten Makuladegeneration, die zu einem dauerhaftem Sehverlust und Erblindung f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Dr. Jens Kroll von der Medizinischen Fakult\u00e4t Mannheim der Universit\u00e4t Heidelberg hat nun einen bislang unbekannten molekularen Mechanismus aufgekl\u00e4rt, der zur krankhaften Neubildung von Blutgef\u00e4\u00dfen im Auge beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler vermuten, dass dies ein Ansatzpunkt f\u00fcr neue, zielgerichtete Therapien sein k\u00f6nnte. Da es bereits f\u00fcr andere Erkrankungen zugelassene Medikamente gibt, die an diesem Mechanismus angreifen, erscheint dieser Ansatz als sehr vielversprechend. Die Ergebnisse der internationalen Studie wurden aktuell im Fachjournal Nature Communications ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Sphingosin-1-Phosphat im Fokus<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht Sphingosin-1-Phosphat (S1P), ein Botenstoff aus der Gruppe der Sphingolipide, der eine Schl\u00fcsselrolle in der Regulation von Gef\u00e4\u00dfwachstum, Entz\u00fcndungsprozessen und Gewebereparatur einnimmt. W\u00e4hrend die Funktionen von S1P selbst bereits gut untersucht sind, war bislang unklar, ob auch seine Stoffwechselprodukte eine Rolle spielen k\u00f6nnten. Die Forscher konnten nun zeigen, dass ein kleines reaktives Lipidaldehyd namens 2-Hexadecenal (2-HD) eine entscheidende Rolle bei der Entstehung krankhafter Gef\u00e4\u00dfneubildung spielt.<\/p>\n<p>Neue Einblicke in die Pathogenese von Augenerkrankungen<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Forschung nutzten sie das Zebrafischmodell und Daten von Patienten mit krankhaften Neubildungen von Blutgef\u00e4\u00dfen im Auge. Um die Funktion von 2-HD zu untersuchen, schalteten die Forscher ein Enzym (ALDH3b1) aus, das 2-HD \u201eentgiftet\u201c. Fische, denen ALDH3b1 fehlte, entwickelten spezifisch im Auge ein Gef\u00e4\u00dfmuster, das dem sp\u00e4ten Stadium der Netzhauterkrankungen im Menschen \u00e4hnelte. Dieser Prozess war umkehrbar, wenn die Wirkungen von 2-HD geblockt wurden. Als Schalter identifizierten sie den S1P-Rezeptor 5 (S1PR5), einen von f\u00fcnf bekannten S1P-Rezeptoren, die sich auf der Oberfl\u00e4che von Immunzellen finden. S1PR5 wird gezielt von 2-HD gehemmt, was zur Fehlregulation der Gef\u00e4\u00dfbildung f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Durch die Kombination von Genaktivit\u00e4tsprofilen und detaillierten chemischen Analysen konnten die Forscher auch auf den zugrundeliegenden Mechanismus schlie\u00dfen. Sie fanden heraus, dass ein \u00dcberschuss an 2-HD den Eisenhaushalt der Zellen st\u00f6rte und sie in Richtung Ferroptose trieb, einer eisenbedingten Form des Zelltods, der durch eine au\u00dfer Kontrolle geratene Lipidperoxidation gekennzeichnet ist. Diese pathologischen Prozesse tragen direkt zur Sch\u00e4digung der Blutgef\u00e4\u00dfe bei, die die Netzhaut des Auges versorgen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse liefern erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen einem S1P-Metaboliten und der Regulation von Gef\u00e4\u00dfwachstum im Auge. Damit erweitern sie das bisherige Verst\u00e4ndnis der molekularen Grundlagen von Gef\u00e4\u00dferkrankungen des Auges erheblich.<\/p>\n<p>Potenzial f\u00fcr neue Therapieans\u00e4tze<\/p>\n<p>Aktuelle Therapien, etwa die Hemmung des vaskul\u00e4ren endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF), sind zwar wirksam, weisen jedoch Einschr\u00e4nkungen wie Nebenwirkungen oder die Notwendigkeit wiederholter invasiver Behandlungen auf. Die neu identifizierte Signalachse rund um 2-Hexadecenal und S1PR5 er\u00f6ffnet alternative medikament\u00f6se Therapieans\u00e4tze, die entweder \u00fcber die gezielte Hemmung von 2-HD wirken oder \u00fcber die Stabilisierung des S1PR5-Rezeptors. Dabei ist besonders vielversprechend, dass f\u00fcr die Behandlung der Multiplen Sklerose S1PR5-Rezeptor Modulatoren im klinischen Alltag eingesetzt werden, es also bereits zugelassene Medikamente gibt, die an diesem Mechanismus ansetzen.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Ansprechpartner:<\/p>\n<p>Prof. Dr. rer. nat. Jens Kroll<br \/>European Center for Angioscience<br \/>Abteilung Vaskul\u00e4re Biologie<br \/>Medizinische Fakult\u00e4t Mannheim der Universit\u00e4t Heidelberg<br \/>E-Mail: jens.kroll@medma.uni-heidelberg.de<\/p>\n<p>Quelle: Uni Heidelberg, Fakult\u00e4t Mannheim<\/p>\n<p>Foto: KI generierte Darstellung eines gesunden und eines DR-Auges. <\/p>\n<p>Adobe Stock \/ DrWD40<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein internationales Forscherteam unter Mannheimer Leitung hat Lipidmetaboliten als zentralen Treiber krankhafter Gef\u00e4\u00dfbildung im Auge identifiziert. 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