{"id":170743,"date":"2026-05-21T07:53:09","date_gmt":"2026-05-21T07:53:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/170743\/"},"modified":"2026-05-21T07:53:09","modified_gmt":"2026-05-21T07:53:09","slug":"ploetzlich-hoeren-menschen-diese-songs-und-sehen-mich-damit-filiah-im-mica-interview-mica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/170743\/","title":{"rendered":"\u201ePL\u00d6TZLICH H\u00d6REN MENSCHEN DIESE SONGS UND SEHEN MICH DAMIT\u201c \u2013 FILIAH IM MICA-INTERVIEW &#8211; mica"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen \u00dcberforderung und Loslassen, zwischen Wut, Verletzlichkeit und Selbstbeobachtung bewegt sich FILIAH auf ihrem neuen Album \u201eA Deep Breath Out\u201c (V\u00d6: 5.6.). Hinter dem Projekt der Wiener Musikerin, die eigentlich NINA SCHWARZOTT hei\u00dft, steckt l\u00e4ngst nicht mehr nur klassischer Singer-Songwriter-Folk, sondern ein Sound, der Intimit\u00e4t mit Bewegung verbindet und dabei bewusst Raum f\u00fcr Widerspr\u00fcche offenl\u00e4sst. Viele der Songs begleiten FILIAH bereits seit Jahren, andere sind erst kurz vor Fertigstellung des Albums entstanden \u2013 gemeinsam formen sie ein pers\u00f6nliches Zeitdokument ihrer Zwanziger und ein bewusstes Ausatmen nach einer langen Phase der Unsicherheit. Im Interview mit Ania Gleich spricht FILIAH unter anderem \u00fcber das Bed\u00fcrfnis, Dinge loszulassen, \u00fcber ADHS und Masking, die Angst vor Sichtbarkeit und dar\u00fcber, wie sich Songs mit der Zeit immer wieder ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.<br \/>Seit deinem letzten Interview im September ist extrem viel passiert \u2013 im Oktober kam erst deine letzte EP und jetzt erscheint am 5. Juni bereits dein Album \u201eA Deep Breath Out\u201c . Wie f\u00fchlt sich dieses Tempo gerade f\u00fcr dich an?<\/p>\n<p>Filiah: Ja, es ist gerade ein bisschen intensiv. Drei Songs von der EP sind auch am Album, aber insgesamt ist wahnsinnig viel entstanden. Der 5. Juni ist auch mein Geburtstag und f\u00e4llt dieses Jahr auf einen Freitag, also auf einen klassischen Release-Tag. Au\u00dferdem begleitet mich die Zahl 27 schon lange. Ich bin jetzt 27, habe einen Song auf meinem ersten Album, der \u201e27\u201c hei\u00dft, und referenziere die Zahl auch in anderen Songs. Dieses Jahr f\u00fchlt sich f\u00fcr mich einfach so an, als w\u00fcrde ich all die Musik, die lange herumgelegen ist, endlich abschlie\u00dfen. Nach dem Motto: Bevor ich 28 werde, muss das noch raus.<\/p>\n<p>Das passt eigentlich perfekt zu meiner ersten Frage. Dein Album tr\u00e4gt dieses starke Atemmotiv in sich \u2013 was genau atmest du mit dem Album aus?<\/p>\n<p>Filiah: Vor allem vieles von dem, womit ich mich in den letzten Jahren besch\u00e4ftigt habe. Ich habe mich intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt und mit gewissen Mustern in meinem Verhalten. Zeitweise ging es mir auch nicht besonders gut. Ich habe viel mit Depressionen und Angst zu k\u00e4mpfen gehabt. Dar\u00fcber sind sehr viele Songs entstanden. Das Album f\u00fchlt sich f\u00fcr mich deshalb an wie dieser Moment nach einem wirklich guten Gespr\u00e4ch, in dem pl\u00f6tzlich alles gesagt ist. Dieses tiefe Ausatmen. Ich lasse vieles los, das lange auf mir gelegen ist, und auch viel Wut. Deshalb bedeutet mir das Album so viel. Es hat \u00fcber die Jahre unglaublich viele Formen angenommen, mehrere Konzepte gehabt, Songs sind dazugekommen und wieder verschwunden. Obwohl es jetzt relativ kurz nach der EP erscheint, ist es eigentlich seit sechs oder sieben Jahren in Arbeit. Der \u00e4lteste Song ist entstanden, als ich ungef\u00e4hr 20 war, der neueste erst im Dezember. Dadurch ist das Album f\u00fcr mich auch ein sch\u00f6nes Zeitdokument meiner Zwanziger geworden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild der Musikerin Filiah\" class=\"wp-image-175985\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Filiah-\u00a9-Sophie-Loew-2-1024x684.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Filiah-\u00a9-Sophie-Loew-2-1024x684.jpg\" alt=\"Bild der Musikerin Filiah\" class=\"wp-image-175985\"  \/>Filiah \u00a9 Sophie L\u00f6w<\/p>\n<p>Das klingt fast so, als w\u00e4re das Album nicht nur ein Zeitdokument deiner Zwanziger, sondern auch eine Art Abschluss davon \u2013 ein Versuch, gewisse Dinge loszulassen oder zumindest anders mit ihnen umzugehen?<\/p>\n<p>Filiah:\u00a0 F\u00fcr mich ist dieses Album wirklich ein Loslassen bestimmter Dinge. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass man einen Song schreibt und danach pl\u00f6tzlich \u00fcber alles hinweg ist. So funktioniert das nicht. Aber das waren Songs, die ich schreiben musste: in Momenten, in denen es gar nicht anders ging, als diese Gef\u00fchle irgendwie in Musik zu verwandeln.<\/p>\n<p>Es ist spannend, dass jetzt Songs auf dem Album sind, die sogar \u00e4lter sind als dein Deb\u00fct von 2022. Wie hast du entschieden, welche Songs letztendlich reinkommen?<\/p>\n<p>Filiah: Es musste sich einfach richtig anf\u00fchlen. Die Songs mussten thematisch zusammenpassen, aber auch musikalisch miteinander funktionieren. Das erste Album war noch sehr folkig und komplett in meinem Wohnzimmer aufgenommen. Ich habe damals alles alleine gemacht. Diesmal steckt unglaublich viel Liebe von anderen Menschen darin \u2013 vor allem von meinen besten Freund:innen. Zum ersten Mal hatte ich das Gef\u00fchl, mit Leuten zu arbeiten, bei denen ich wirklich aufgehoben bin. Menschen, bei denen ich mich nicht verstecken oder st\u00e4ndig beweisen muss. Gerade als Frau, die produziert und generell in der Musikwelt aktiv ist, hat man oft das Gef\u00fchl, viermal so gut sein zu m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt ernst genommen zu werden. Und diesmal war es zum ersten Mal anders. Ich hatte das Gef\u00fchl, einfach ich selbst sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eES IST SCH\u00d6N, WENN MAN MANCHMAL GAR NICHTS ERKL\u00c4REN MUSS UND DER ANDERE TROTZDEM GENAU VERSTEHT, WAS GEMEINT IST\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Du hast deine Leute im letzten Interview sogar als Chosen Family beschrieben.<\/p>\n<p>Filiah: Ja, das stimmt immer noch total. Es ist wichtig, sich so einen Safe Haven aufzubauen \u2013 mit Menschen, die ehrliches und gutes Feedback geben. Zum Beispiel mit Thomas B\u00f6ck, mit dem ich gemeinsam produziere. Ich nenne ihn gerne die H\u00e4lfte meiner letzten Gehirnzelle. Es ist sch\u00f6n, wenn man manchmal gar nichts mehr erkl\u00e4ren muss und der andere trotzdem genau versteht, was gemeint ist. Diese musikalische Kommunikation f\u00fchlt sich sehr selbstverst\u00e4ndlich an. Eigentlich wollte ich schon viel fr\u00fcher mit ihm arbeiten, habe mich aber lange nicht getraut zu fragen. Vor ungef\u00e4hr drei Jahren haben wir dann begonnen, gemeinsam Songs von mir neu zu produzieren. Einige \u00e4ltere St\u00fccke haben es letztendlich auch auf das Album geschafft.<\/p>\n<p>Was steckt jetzt auf dem Album, das auf der EP vielleicht erst angeteasert wurde? Und wie f\u00fchlt sich das Album im Vergleich zur EP an?<\/p>\n<p>Filiah: F\u00fcr mich war die EP vor allem ein Neuanfang. Ich bin eigentlich ein totaler Album-Mensch \u2013 ich h\u00f6re wahnsinnig gerne Alben und habe meistens das Gef\u00fchl, viel zu viel sagen zu wollen, um das in einer EP unterzubringen. Gleichzeitig ist ein Album machen zu k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch ein riesiges Privileg. Ohne den Musikfonds h\u00e4tte ich mir das gar nicht leisten k\u00f6nnen. Die EP war deshalb erst einmal ein vorsichtiger erster Schritt. Gerade nach der l\u00e4ngeren Pause war es gut, wieder langsam hineinzufinden und zu schauen, wie es sich anf\u00fchlt, \u00fcberhaupt wieder etwas zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>So ein erster Schritt zur\u00fcck in die \u00d6ffentlichkeit?<\/p>\n<p>Filiah: Genau. Das Album war damals noch nicht in dieser Form geplant. Aber ab dem Moment, in dem ich erfahren habe, dass ich die F\u00f6rderung bekomme, war ich sofort: Okay, jetzt geht\u2019s los. Die EP war f\u00fcr mich trotzdem extrem angsteinfl\u00f6\u00dfend. Ich hatte wahnsinnig Angst davor, wieder Musik zu releasen. Gleichzeitig war sie aber ein guter Weg, um mit diesem Gef\u00fchl umzugehen. Beim Album ist das jetzt ganz anders. Ich freue mich einfach unglaublich darauf. Ich bin extrem stolz darauf und liebe die Musik, die da entstanden ist. Und ich habe gerade gar nicht mehr das Gef\u00fchl, Angst davor zu haben, all das zu zeigen. Sobald die Songs drau\u00dfen sind, geh\u00f6ren sie irgendwie nicht mehr nur mir. Das f\u00fchlt sich total angenehm an. Im Moment freue ich mich einfach nur darauf, dass sie endlich erscheinen. Fast so, als w\u00e4re ich nur das Mittel gewesen, damit sie ihren Weg nach drau\u00dfen finden.<\/p>\n<p>Eigentlich sch\u00f6n \u2013 als w\u00e4re die EP das Einatmen gewesen und das Album jetzt das Ausatmen.<\/p>\n<p>Filiah: Voll. Wobei die EP eher eine Kurzatmigkeit war. Es war schon intensiv, wieder Musik zu ver\u00f6ffentlichen. Ich habe v\u00f6llig untersch\u00e4tzt, was das emotional mit mir machen w\u00fcrde. Pl\u00f6tzlich h\u00f6ren Menschen diese Songs und sehen mich damit: das war sch\u00f6n, aber gleichzeitig auch extrem \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n<p>Im letzten Interview hast du erz\u00e4hlt, dass sich die Bedeutung deiner Songs oft erst im Nachhinein entfaltet. Gibt es auf dem Album auch Tracks, die du heute ganz anders verstehst als beim Schreiben?<\/p>\n<p>Filiah: Ja, total viele sogar. Gerade die \u00e4lteren Songs. Es gibt einen Song, der \u201eIf I Leave It All Behind\u201c hei\u00dft. Der erscheint allerdings nicht direkt mit dem Album, sondern sp\u00e4ter auf einem Extra-Release \u2013 wahrscheinlich im Herbst. Der Song hat im Lauf der Zeit ganz unterschiedliche Bedeutungen bekommen. Zuerst ging es darin f\u00fcr mich darum, Musik hinter mir zu lassen. Dann war er pl\u00f6tzlich \u00fcber eine bestimmte Person. Und irgendwann wurde er fast wie ein Brief an mich selbst. Das entwickelt sich st\u00e4ndig weiter. Das Lustige daran ist auch, dass das der einzige Song auf dem Album ist, den ich komplett alleine produziert habe. Alles andere ist gemeinsam mit Thomas entstanden. Der \u00e4lteste Song am Album ist \u201eHurricane\u201c. Und ein anderer sehr alter Song hei\u00dft \u201ePeople Just Change\u201c. Der Titel erkl\u00e4rt sich eh fast von selbst. Inhaltlich bleibt der f\u00fcr mich eigentlich immer \u00e4hnlich, aber ich f\u00fchle ihn trotzdem noch genauso stark wie damals.<\/p>\n<p>Ich glaube, das ist wahrscheinlich etwas, das man sein Leben lang f\u00fchlen wird.\u00a0<\/p>\n<p>Filiah: Ja, genau. Und gleichzeitig ver\u00e4ndern sich die Songs auch jedes Mal, wenn ich sie live spiele. Die Songs von der EP habe ich anfangs noch total nerv\u00f6s gespielt. Man sagt zwar immer, dass niemand so genau auf die Texte h\u00f6rt, aber f\u00fcr mich steckt da einfach sehr viel drinnen und war anfangs schwierig, diese Dinge laut auszusprechen und so viel von mir preiszugeben. Mittlerweile macht es mir einfach wahnsinnig Spa\u00df, die Songs live zu spielen. Sie entwickeln sich mit der Band st\u00e4ndig weiter. Ich merke auch, wie viel gefestigter ich inzwischen in dieser Musik bin. Selbst wenn es dieselben Songs sind, steckt heute viel weniger Scham darin.<\/p>\n<p>Du hast vorher schon diese Wut angesprochen, die im Album steckt. Wie h\u00f6rt man diese emotionale Bandbreite deiner Meinung nach in den Songs heraus?<\/p>\n<p>Filiah: Das ist eine schwierige Frage, weil es f\u00fcr mich selbst ziemlich offensichtlich ist. Aber es gibt auf jeden Fall Songs, die sich ganz direkt damit auseinandersetzen \u2013 zum Beispiel \u201eThis Is Not Fun\u201c oder \u201eMethod Acting\u201c. Und man h\u00f6rt es, glaube ich, auch musikalisch. Viele Songs treiben st\u00e4rker nach vorne, sind energischer und w\u00fctender. Insgesamt bewegt sich das Album einfach mehr.<\/p>\n<p>\u201eMAN KANN DAZU TANZEN, WEINEN ODER BEIDES GLEICHZEITIG F\u00dcHLEN\u201c<\/p>\n<p>Das Album wirkt viel treibender und offener, als man vielleicht erwarten w\u00fcrde. War es eine bewusste Entscheidung, diese emotionalen Themen nicht nur \u00fcber klassische traurige Singer-Songwriter-Songs zu transportieren?<\/p>\n<p>Filiah: Ja, voll. Coole Frage. Ich tanze einfach wahnsinnig gerne und finde, dass das auch ein extrem gutes Ventil sein kann. Tanzen kann ein total sch\u00f6ner Release sein \u2013 selbst wenn darunter eigentlich ein sehr trauriger Song liegt. Man kann dazu tanzen, weinen oder beides gleichzeitig f\u00fchlen. Genau diese Bandbreite mag ich. Fr\u00fcher war ich, glaube ich, sehr verschlossen. Mittlerweile denke ich aber viel st\u00e4rker auch live. Ich finde es sch\u00f6n, wenn Leute tanzen, aber gleichzeitig trotzdem diese Momente haben, in denen sie kurz innehalten k\u00f6nnen. Oder wenn sie einfach einmal laut schreien k\u00f6nnen. Das mache ich live eh oft, dass wir gemeinsam einmal richtig laut werden. Ich mag diesen Kontrast. Dass vielleicht mehr hinter einem Song steckt, als man beim ersten H\u00f6ren sofort versteht. Gerade merke ich das auch bei den Reaktionen auf die Musik. Leute kommen zu mir und sagen: \u201eCool, dass du jetzt solche Musik machst.\u201c Mein Dad meinte zum Beispiel irgendwann: \u201eSuper, dass du endlich schnelle Musik machst.\u201c Das fand ich extrem s\u00fc\u00df. Aber ich mag vor allem die Vorstellung, dass jemand einen Song zuerst einfach cool findet und irgendwann sp\u00e4ter vielleicht doch den Text genauer liest und merkt: Oh shit, da steckt eigentlich viel mehr drin. Vielleicht erkennt man sich dann pl\u00f6tzlich selbst darin wieder.<\/p>\n<p>Tanzt du etwas Spezifisches?<\/p>\n<p>Filiah: Nein, eigentlich gar nicht. Einfach intuitiv. Meistens alleine in meinem Badezimmer oder irgendwo in der Wohnung. Ich w\u00fcrde gerne mehr machen, aber gerade habe ich \u00fcberhaupt keine Zeit f\u00fcr Hobbys. Aber ich finde Bewegung generell etwas total Sch\u00f6nes \u2013 auch bei Konzerten. Wenn Menschen sich sicher genug f\u00fchlen, sich wirklich zu bewegen, ist das etwas sehr Besonderes. Im Moment erlebe ich das bei den Liveshows zum ersten Mal richtig. Fr\u00fcher dachte ich immer, bei meinen Konzerten w\u00fcrden wahrscheinlich alle eher still dastehen und zuh\u00f6ren. Aber mittlerweile ist es total sch\u00f6n zu sehen, dass bei Filiah-Shows tats\u00e4chlich getanzt wird. Das h\u00e4tte ich mir vor eineinhalb Jahren niemals gedacht. Fr\u00fcher konnte ich mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen, irgendwann mit einer Band auf der B\u00fchne zu stehen. Einfach auch, weil alles so teuer ist. Dass das jetzt m\u00f6glich ist, funktioniert eigentlich nur, weil das meine besten Freund:innen sind und wir gemeinsam versuchen, das irgendwie auf die Beine zu stellen. Deshalb f\u00fchlt es sich gerade extrem sch\u00f6n an zu sehen, wie sich das Projekt entwickelt hat \u2013 auch wenn alles noch immer relativ klein ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"684\" height=\"1024\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild der Musikerin Filiah\" class=\"wp-image-175986\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Filiah-\u00a9-Sophie-Loew-3-684x1024.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"684\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Filiah-\u00a9-Sophie-Loew-3-684x1024.jpg\" alt=\"Bild der Musikerin Filiah\" class=\"wp-image-175986\"  \/>Filiah \u00a9 Sophie L\u00f6w<\/p>\n<p>Du hast vorher erz\u00e4hlt, dass viele Songs sehr intuitiv entstanden sind und einfach geschrieben werden mussten. Gab es aber auch Songs, gegen die du dich richtig gestr\u00e4ubt hast?<\/p>\n<p>Filiah: Ja, definitiv. \u201eThis Is Not Fun\u201c war zum Beispiel ein echter Kampf. Ich glaube, ich war noch nie so grantig dar\u00fcber, einen Song fertig schreiben zu m\u00fcssen. Thomas tut mir im Nachhinein fast leid, weil ich dabei wirklich anstrengend war. Ich bin einfach extrem stur, wenn ich etwas ganz genau vor mir h\u00f6re oder f\u00fchle. Manche Dinge brauchen Zeit, bis sie richtig werden, aber ich wollte mir diese Zeit damals \u00fcberhaupt nicht geben.<\/p>\n<p>Aber wahrscheinlich geh\u00f6rt genau dieser Widerstand dann auch irgendwie zum Prozess dazu, oder?<\/p>\n<p>Filiah: Voll. Entweder ich bin wahnsinnig stur oder ich gebe sofort auf. Gerade dieser Song war extrem anstrengend. Gleichzeitig ist es lustig, weil manche Songs sehr schnell entstehen und ich sie danach pl\u00f6tzlich \u00fcberhaupt nicht mehr mag. Ich bin generell sehr kritisch mit mir selbst, auch wenn das mittlerweile besser geworden ist. Es gab oft Momente, in denen wir einen Song fertig hatten und ich sofort dachte: Das ist furchtbar. Und eine Woche sp\u00e4ter habe ich pl\u00f6tzlich gemerkt: Okay, das ist vielleicht das Beste, was ich je gemacht habe. Vor allem wenn etwas extrem pers\u00f6nlich wird, entsteht in mir oft zuerst Widerstand \u2013 wahrscheinlich auch, weil ich wei\u00df, dass ich das irgendwann ver\u00f6ffentlichen werde. Aber gerade beim Album f\u00fchlt sich vieles inzwischen einfach okay an. Es ist ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt, dass diese Songs jetzt endlich rauskommen.<\/p>\n<p>In deinem Album geht es viel um Masken \u2013 also dar\u00fcber, wie sie gleichzeitig Schutz sein k\u00f6nnen, aber auch etwas, worin man sich verliert. Wie ist dieses Thema in deine Musik eingeflossen?<\/p>\n<p>Filiah: Das ist eine sehr intensive Frage. Ich bin vor drei Jahren relativ sp\u00e4t mit ADHS diagnostiziert worden. F\u00fcr mich war das Thema Masking deshalb extrem pr\u00e4sent. Ich hatte irgendwann das Gef\u00fchl, die ganze Zeit so zu sein, wie ich dachte, sein zu m\u00fcssen. Genau darum geht es in \u201eThis Is Not Fun\u201c auch sehr stark. Man entwickelt so viele Mechanismen, um irgendwie richtig zu funktionieren. Und irgendwann verliert man v\u00f6llig den Zugang dazu, wer man eigentlich wirklich ist. Man glaubt st\u00e4ndig, man macht Dinge falsch oder ist grunds\u00e4tzlich falsch. Ich habe dar\u00fcber lange nur indirekt gesprochen, obwohl das Thema eigentlich fast in meiner gesamten Musik steckt. Aber ich habe mich sehr lange nicht getraut, das wirklich auszusprechen. Ich wusste im Grunde schon seit ungef\u00e4hr zwei Jahren, dass ich ADHS habe, aber ich habe mich nicht getraut, es anzusprechen, bis meine Therapeutin es irgendwann selbst gesagt hat. Davor war ich immer in diesem Gedankenmuster von: Wahrscheinlich bilde ich mir das alles nur ein. Wahrscheinlich stelle ich mich einfach nur dumm an. Ich war wahnsinnig hart zu mir selbst. Die Wut dar\u00fcber hat sich lange komplett gegen mich gerichtet. Erst in den letzten Jahren lerne ich langsam, das abzulegen \u2013 auch, weil ich mittlerweile ein Umfeld habe, in dem ich mich sicher f\u00fchle und wirklich ich selbst sein kann.<\/p>\n<p>\u201eICH DACHTE WAHNSINNIG LANGE, ICH M\u00dcSSTE EINFACH ALLES AUSHALTEN\u201c<\/p>\n<p>Gerade bei Frauen bleibt ADHS oft lange unsichtbar, weil vieles \u00fcber Kompensation und Masking aufgefangen wird. Gleichzeitig wird das Thema heute oft so inflation\u00e4r diskutiert, dass viele Angst haben, nicht ernst genommen zu werden.<\/p>\n<p>Filiah: Ja, total. Dieses st\u00e4ndige Kompensieren und Anpassen. Man sagt ja oft auch, dass die Hyperaktivit\u00e4t bei vielen Frauen eher im Kopf stattfindet und das kann ich zu drei Milliarden Prozent best\u00e4tigen. Es ist nicht immer diese sichtbare Hyperaktivit\u00e4t nach au\u00dfen. Nat\u00fcrlich ist das wahrscheinlich auch ein Grund, warum ich Kunst mache. Aber gleichzeitig ist es auch extrem anstrengend und einschr\u00e4nkend. Ich dachte wahnsinnig lange, ich m\u00fcsste einfach alles aushalten. Dass ich mich nur mehr zusammenrei\u00dfen m\u00fcsste. Ich war komplett in diesem klassischen Muster gefangen von: Du bist einfach faul. Du bist anstrengend. Du kannst nicht gut mit Menschen umgehen.<\/p>\n<p>Um wieder ein bisschen den Bogen zur\u00fcckzuschlagen: Die EP war f\u00fcr dich dieser Wiedereinstieg. Was erwartest du dir jetzt vom Publikum beim Album? Mehr N\u00e4he? Mehr Konfrontation?<\/p>\n<p>Filiah: Ehrlich gesagt, erwarte ich mir gar nichts. Ich freue mich einfach extrem, wenn Leute die Musik h\u00f6ren und wenn sie irgendwie resoniert. Das hat sich eigentlich nicht ver\u00e4ndert. Ich versuche meine Erwartungen generell eher niedrig zu halten. Nat\u00fcrlich w\u00fcnsche ich mir, dass Menschen das Album h\u00f6ren. Gleichzeitig ist gerade einfach wahnsinnig viel los und ich bin auch nicht unbedingt die Person, die jeden Tag komplett selbstverst\u00e4ndlich Social Media bespielt. Und nat\u00fcrlich habe ich Angst, dass niemand zur Releaseshow kommt. Aber gleichzeitig freue ich mich auf dieses Konzert mehr als auf fast alles davor. Am sch\u00f6nsten ist es f\u00fcr mich, wenn Dinge passieren, die ich mir zwar w\u00fcnsche, aber nicht erwarte. Wenn jemand schreibt, dass ein Song etwas mit der Person gemacht hat. Dass er jemanden durch eine schwierige Phase begleitet hat \u2013 oder auch durch eine sch\u00f6ne. Oder wenn irgendwo ein kleines M\u00e4dchen sitzt, das sich \u00e4hnlich f\u00fchlt wie ich damals mit zwanzig, und sich in der Musik wiederfindet. Wenn das resoniert, dann bedeutet mir das wahnsinnig viel. Ich mache die Musik in erster Linie trotzdem f\u00fcr mich selbst. Um mich besser auszuhalten oder besser zu verstehen. Und ich versuche wirklich, den Gedanken festzuhalten, dass die Songs, sobald ich sie ver\u00f6ffentliche, nicht mehr nur mir geh\u00f6ren. Dann d\u00fcrfen sie ihr eigenes Leben bekommen.<\/p>\n<p>Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass du dir Sorgen um die Releaseshow machen musst. Aber selbst wenn nur wenige Leute kommen w\u00fcrden \u2013 solche kleinen Shows k\u00f6nnen oft die sch\u00f6nsten sein?<\/p>\n<p>Filiah: Voll. Wir waren im M\u00e4rz auf Tour und hatten teilweise wirklich kleine Shows. Bei der am schlechtesten besuchten waren vielleicht zehn Leute da und wir sind selbst schon sechs Leute in der Band. F\u00fcr mich ist das emotional manchmal schwierig, weil es mir extrem wichtig ist, dass alle fair bezahlt werden. Ich kenne die Bedingungen als Musikerin einfach gut genug, weil ich selbst auch in anderen Bands spiele und wei\u00df, wie hart das oft ist. Aber gleichzeitig liebe ich diese kleinen Shows total. Wenn man den finanziellen Stress kurz ausblenden kann, sind das oft die intimsten und sch\u00f6nsten Konzerte. Fast wie Musikmachen unter Freund:innen. Das Sch\u00f6ne bei Filiah ist auch, dass ich flexibel sein kann. Ich kann solo spielen, im Duo, Trio oder mit kompletter Band. Man muss einfach immer schauen, was sich f\u00fcr welche Show sinnvoll umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und wahrscheinlich entstehen genau in diesen kleinen, unerwarteten Situationen oft die besonders sch\u00f6nen Konzertmomente.<\/p>\n<p>Filiah: Voll. Genau das meine ich. Wenn man es schafft, f\u00fcr einen Moment den Druck auszublenden, dann entsteht dort oft etwas total Besonderes. Trotz allem ist das f\u00fcr mich immer noch der sch\u00f6nste Job der Welt, weil ich einfach nichts so sehr liebe wie Musik zu machen.<\/p>\n<p>Das sind eigentlich perfekte Schlussworte. Danke dir f\u00fcr deine Zeit.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Die Release-Show zu \u201eA Deep Breath Out\u201c findet am 5. Juni im Porgy &amp; Bess in Wien statt.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Ania Gleich\u00a0<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Links: <br \/><a href=\"https:\/\/www.thisisfiliah.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Filiah (Website)<br \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/thisisfiliah\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Filiah (Instagram)<br \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@thisisfiliah\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Filiah (Youtube)<\/a><\/p>\n<p>\t\t<script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwischen \u00dcberforderung und Loslassen, zwischen Wut, Verletzlichkeit und Selbstbeobachtung bewegt sich FILIAH auf ihrem neuen Album \u201eA Deep&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":170744,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[22],"tags":[46,42,147,10248,622,44,148],"class_list":["post-170743","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unterhaltung","tag-at","tag-austria","tag-entertainment","tag-filiah","tag-niederoesterreich","tag-oesterreich","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116611488656119530","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/170743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=170743"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/170743\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/170744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=170743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=170743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=170743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}