{"id":174532,"date":"2026-05-23T05:25:10","date_gmt":"2026-05-23T05:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/174532\/"},"modified":"2026-05-23T05:25:10","modified_gmt":"2026-05-23T05:25:10","slug":"hantavirus-risiko-in-europa-steigt-durch-klima-und-lebensraumwandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/174532\/","title":{"rendered":"Hantavirus-Risiko in Europa steigt durch Klima- und Lebensraumwandel"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Monat sind erneut \u00c4ngste vor einer weltweiten Pandemie aufgeflammt. Ausl\u00f6ser ist das Kreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem ein t\u00f6dlicher Hantavirus-Ausbruch seinen Ausgang nahm.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Im j\u00fcngsten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Krankheitsausbr\u00fcchen hei\u00dft es, dass bis zum 13. Mai insgesamt elf F\u00e4lle gemeldet wurden, darunter drei Todesf\u00e4lle. <\/p>\n<p>Fachleute rechnen mit weiteren F\u00e4llen. Auf einem Schiff kann sich ein Erreger leicht ausbreiten, zudem ist die Inkubationszeit des Virus lang. Die WHO betont jedoch, dass es bislang keine Hinweise auf einen \u201egr\u00f6\u00dferen Ausbruch\u201c gibt. <\/p>\n<p>Hantavirus: Was ist das und wie verbreitet es sich?<\/p>\n<p>Berichte \u00fcber sich selbst isolierende Passagiere und Bilder von Rettungskr\u00e4ften in voller Schutzausr\u00fcstung wecken Erinnerungen an die COVID-Pandemie. Die WHO versucht diese Sorge immer wieder zu d\u00e4mpfen und verweist darauf, dass sich beide Krankheiten sehr unterschiedlich \u00fcbertragen. <\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht das Coronavirus\u201c, sagte Maria van Kerkhove, Direktorin f\u00fcr die Vorbereitung auf Epidemien und Pandemien bei der WHO, nachdem der Tod der ersten Passagierin bekannt geworden war. \u201eIch m\u00f6chte das unmissverst\u00e4ndlich klarstellen: Das ist nicht SARS-CoV-2 und nicht der Beginn einer COVID-Pandemie.\u201c<\/p>\n<p>Hantaviren tragen ihren Namen nach einem Fluss in S\u00fcdkorea. Es handelt sich nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um eine ganze Virusfamilie. Es sind mehr als 20 verschiedene Hantaviren bekannt, fast alle stehen im Zusammenhang mit Infektionen durch Nagetiere wie Ratten und M\u00e4use.<\/p>\n<p>Die meisten Hantaviren werden nicht von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen. Es gibt jedoch seltene F\u00e4lle mit dem Andes-Virus-Stamm, der auch hinter dem aktuellen Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff steckt. <\/p>\n<p>Die \u00dcbertragung erfolgt dennoch nur bei sehr engem Kontakt. So ging etwa ein Ausbruch in Argentinien im Jahr 2018 auf eine einzige Feier zur\u00fcck. Eine infizierte Person soll dort insgesamt 34 Menschen angesteckt haben; elf von ihnen starben.<\/p>\n<p>Hantavirus-Ausbruch: Ist der Klimawandel schuld?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/05\/12\/super-el-nino-was-bei-rekordhitze-uberschwemmungen-und-durren-auf-die-welt-zukommt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimawandel<\/a> und Infektionskrankheiten bringen Wissenschaftler seit Langem miteinander in Verbindung. <\/p>\n<p>Das Klima spielt eine wichtige Rolle f\u00fcr Verbreitung und Ausbreitung von Organismen. Dazu geh\u00f6ren Krankheitstr\u00e4ger wie Tiere, die Erreger beherbergen oder weitergeben k\u00f6nnen, Vektoren wie M\u00fccken und Zecken sowie die eigentlichen Erreger wie Viren oder Bakterien.<\/p>\n<p>Einer <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-022-01426-1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Studie aus dem Jahr 2022 (Quelle auf Englisch)<\/a> in der Fachzeitschrift \u201eNature\u201c zufolge reagieren mehr als die H\u00e4lfte aller Infektionskrankheiten des Menschen auf das Klima \u2013 darunter auch Hantaviren. <\/p>\n<p>\u201eImmer wenn eine Krankheit klimasensibel ist, kann der Klimawandel ihre Epidemiologie beeinflussen \u2013 also Verbreitung, Muster und Auswirkungen auf Menschen\u201c, sagt Kris Murray, Professor an der Medical Research Council Unit The Gambia an der London School of Hygiene &amp; Tropical Medicine, zu Euronews Earth. <\/p>\n<p>\u201eIm Fall des Hantavirus kann das Klima und der Klimawandel die Pr\u00e4senz oder H\u00e4ufigkeit von Wirtsarten wie verschiedenen Nagetierarten direkt beeinflussen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Ver\u00e4nderung der Niederschlagsmuster kann zum Beispiel Fortpflanzungszeitpunkt und Fortpflanzungserfolg der Nagetierwirte beeinflussen. Murray warnt, dass dies \u201eFolgewirkungen\u201c auf die Belastung des Menschen haben kann. <\/p>\n<p>Zerst\u00f6rte Lebensr\u00e4ume beg\u00fcnstigen zoonotische Ausbr\u00fcche<\/p>\n<p>Lebensraumverlust, -zerst\u00f6rung oder -verschlechterung \u2013 oft durch vom Menschen vorangetriebene Abholzung \u2013 k\u00f6nnen die Krankheits\u00fcbertragung direkt und indirekt beeinflussen. <\/p>\n<p>\u201eIn Regionen, in denen zoonotische Wirte vorkommen, k\u00f6nnen das Entfernen von Vegetation oder andere zerst\u00f6rerische Eingriffe infekti\u00f6se Erreger mobilisieren\u201c, erkl\u00e4rt Murray. <\/p>\n<p>\u201eBeim Hantavirus infizieren sich Menschen h\u00e4ufig, wenn sie Bereiche aufw\u00fchlen, in denen Nagetiere leben \u2013 sie sind das nat\u00fcrliche Reservoir dieser Viren. Das Hantavirus wird \u00fcber Kot und Urin ausgeschieden, die in der Umwelt eine Zeit lang \u00fcberdauern k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Werden solche Umgebungen gest\u00f6rt, k\u00f6nnen sich die Erreger in der Luft verteilen. Menschen in der N\u00e4he k\u00f6nnen sie dann einatmen und sich infizieren. <\/p>\n<p>\u201eFragmentierte \u00d6kosysteme beg\u00fcnstigen oft anpassungsf\u00e4hige Reservoirarten wie Nagetiere, Flederm\u00e4use oder Zecken. Gleichzeitig schw\u00e4chen sie die nat\u00fcrlichen \u00f6kologischen Gleichgewichte, die die Ausbreitung von Erregern regulieren\u201c, sagt Professor J\u00f6rg Schelling, ehemaliger Direktor des Instituts f\u00fcr Allgemeinmedizin am Universit\u00e4tsklinikum der LMU M\u00fcnchen, gegen\u00fcber Euronews Earth.<\/p>\n<p>Die WHO geht derzeit von der Hypothese aus, dass die Ansteckungen bereits vor dem Einschiffen der Passagiere stattfanden. Seit Juli vergangenen Jahres meldete Argentinien 101 Hantavirus-F\u00e4lle, davon 32 mit t\u00f6dlichem Ausgang. Damit liegen die Zahlen deutlich \u00fcber dem Zeitraum 2024 bis 2025, als 64 F\u00e4lle und 14 Todesf\u00e4lle registriert wurden.<\/p>\n<p>Fachleute warnen, der Anstieg stehe im Zusammenhang mit der schweren D\u00fcrre, die Argentinien 2023 und 2024 traf. In den Jahren danach setzte vermehrter Regen ein. Dadurch wuchs die Vegetationsdecke, es gab mehr Nahrung f\u00fcr Wirte wie Ratten. <\/p>\n<p>Hantavirus: Wie gro\u00df ist die Gefahr f\u00fcr Europa?<\/p>\n<p>Hantaviren gibt es in Europa schon lange, bevor sie Anfang dieses Monats Schlagzeilen machten. Der erste dokumentierte Ausbruch wurde 1934 in Schweden registriert.<\/p>\n<p>Eine Studie aus dem Jahr 2009, ver\u00f6ffentlicht in der <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/19604276\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">National Library of Medicine (Quelle auf Englisch)<\/a>, zeigt, dass h\u00f6here Temperaturen in West- und Mitteleuropa mit h\u00e4ufigeren Puumala-Hantavirus-Ausbr\u00fcchen zusammenh\u00e4ngen. Ursache sind hohe Samenproduktion und eine starke Vermehrung der R\u00f6telmaus. <\/p>\n<p>Andererseits haben milde Winter in Skandinavien die Best\u00e4nde dieser M\u00e4use schrumpfen lassen, weil die sch\u00fctzende Schneedecke fehlt.<\/p>\n<p>Das Puumala-Virus ist in Europa die h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr Hantavirus-Infektionen. Menschen stecken sich an, wenn sie staubige Luft einatmen, die mit Urin, Kot oder Speichel infizierter R\u00f6telm\u00e4use verunreinigt ist. Das Virus l\u00f6st eine milde Form des h\u00e4morrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom aus. Die Symptome reichen von pl\u00f6tzlichem Fieber und Kopfschmerzen bis zu R\u00fccken- und Bauchschmerzen. <\/p>\n<p>T\u00f6dliche Verl\u00e4ufe sind jedoch selten. Eine \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. <\/p>\n<p>\u201eHantaviren kommen weltweit vor, auch in Europa. Es ist denkbar, dass der Klimawandel neue oder zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten schafft, wie sie auf den Menschen \u00fcberspringen\u201c, erkl\u00e4rt Murray. \u201eWir m\u00fcssen jedoch noch besser verstehen, welches Risiko von den einzelnen Wirtsarten ausgeht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWichtig ist bei Hantaviren: Sie verursachen zwar immer wieder Erkrankungen beim Menschen, \u00fcberall auf der Welt. Eine ausgepr\u00e4gte Mensch-zu-Mensch-\u00dcbertragung zeigen sie aber in der Regel nicht\u201c, sagt er. \u201eGenau das unterscheidet seltene, meist isolierte F\u00e4lle von gr\u00f6\u00dferen Clustern Erkrankter, wie wir sie im aktuellen Ausbruch sehen.\u201c<\/p>\n<p>Schelling weist darauf hin, dass Klimaprojektionen insbesondere f\u00fcr Teile Nord- und Westeuropas zunehmend geeignete Bedingungen f\u00fcr Nagetierarten erwarten lassen, die als Hantavirus-Reservoir dienen. <\/p>\n<p>\u201eRegionen, die historisch ein k\u00e4lteres Klima hatten \u2013 etwa Teile Skandinaviens, des Baltikums oder h\u00f6her gelegene Gebiete in Mitteleuropa \u2013, k\u00f6nnten l\u00e4ngere \u00dcbertragungssaisons erleben und ver\u00e4nderte Nagetierbest\u00e4nde, wenn die Temperaturen steigen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Zugleich r\u00e4umt Schelling ein, dass die k\u00fcnftige r\u00e4umliche Verteilung von Hantaviren noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Er geht jedoch davon aus, dass sich die Landschaft zoonotischer Erkrankungen in Europa in den kommenden Jahrzehnten \u201eerheblich\u201c ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Hantavirus: Wie Europa gegensteuern kann<\/p>\n<p>Nach dem j\u00fcngsten <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/05\/19\/hantavirus-europa-gesundheitsbedrohungen-schutz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hantavirus-Ausbruch<\/a> dr\u00e4ngen Fachleute die Politik, \u00dcberwachungssysteme auszubauen, die epidemiologische, \u00f6kologische und Klimadaten zusammenf\u00fchren. <\/p>\n<p>\u201eDazu geh\u00f6rt, Faktoren wie Temperatur, Niederschlag, Vegetationsindizes, Landnutzungs\u00e4nderungen und Indikatoren f\u00fcr die Artenvielfalt parallel zur menschlichen Krankheits\u00fcberwachung zu beobachten\u201c, sagt Schelling. <\/p>\n<p>\u201eAuf nationaler Ebene nutzen einige L\u00e4nder bereits klima\u00adinformierte Prognosen f\u00fcr vektor\u00fcbertragene Krankheiten wie Dengue, Chikungunya, West-Nil-Virus oder FSME (durch Zecken \u00fcbertragene Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis). Diese Systeme k\u00f6nnen als Modelle f\u00fcr eine breitere \u00dcberwachung dienen.\u201c<\/p>\n<p>Nach Ansicht Schellings brauchen die Gesundheitssysteme in Europa mehr Investitionen in klimaresiliente Infrastruktur. Die Verh\u00fctung k\u00fcnftiger Ausbr\u00fcche h\u00e4nge nicht nur von besserer \u00dcberwachung ab, sondern auch davon, die Ursachen \u00f6kologischer Zerst\u00f6rung und des Klimawandels selbst anzugehen.<\/p>\n<p>Die Weltnaturschutzunion (IUCN) sieht im j\u00fcngsten Hantavirus-Ausbruch zudem einen Hinweis auf eine \u201eunerwartete L\u00f6sung\u201c: die Wiederherstellung von Natur. <\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0048969720354966?via%253Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Studie aus dem Jahr 2021 (Quelle auf Englisch)<\/a>, ver\u00f6ffentlicht in \u201eScience Direct\u201c, kommt zu dem Ergebnis, dass die Renaturierung tropischer Waldlandschaften die Best\u00e4nde von zwei wichtigen Reservoir-Nagetierearten verringern k\u00f6nnte. Das w\u00fcrde das \u00dcbertragungsrisiko f\u00fcr nahezu 2,8 Millionen Menschen in gef\u00e4hrdeten Regionen senken. <\/p>\n<p>\u201eRenaturierung sollte als gesundheitspolitische Ma\u00dfnahme anerkannt werden\u201c, sagt Paula Prist von der IUCN. \u201eIhre Rolle bei der Abschw\u00e4chung des Klimawandels und beim Wiederaufbau der Biodiversit\u00e4t ist gut belegt. Sie ist aber auch eine zentrale Strategie zum Schutz der menschlichen Gesundheit.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft sieht Murray gro\u00dfen Forschungsbedarf, um das Ausbruchsrisiko besser zu verstehen \u2013 besonders bei \u201eneu auftretenden Infektionen, die entweder erstmals beim Menschen auftreten oder sich anders verhalten als bisher\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In diesem Monat sind erneut \u00c4ngste vor einer weltweiten Pandemie aufgeflammt. 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