{"id":180459,"date":"2026-05-26T16:39:09","date_gmt":"2026-05-26T16:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/180459\/"},"modified":"2026-05-26T16:39:09","modified_gmt":"2026-05-26T16:39:09","slug":"enhanced-games-was-in-der-umstrittensten-nacht-des-sports-geschah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/180459\/","title":{"rendered":"Enhanced Games: Was in der umstrittensten Nacht des Sports geschah"},"content":{"rendered":"<p>Las Vegas ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Inszenierungen, die immer noch eine Spur gr\u00f6\u00dfer ausfallen. Schwergewichtsk\u00e4mpfe, Megakonzerte, die Formel 1.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Doch die Enhanced Games am Sonntagabend k\u00f6nnten alles bisher Dagewesene \u00fcbertroffen haben \u2013 mit einer eigens gebauten Arena am Strip, Athletinnen und Athleten auf einem Cocktail verbotener Substanzen und dem Versprechen einer Flut gebrochener Weltrekorde. So umstritten und waghalsig war wohl noch keine Show in dieser Stadt.<\/p>\n<p>Die von Milliard\u00e4ren wie Peter Thiel und Donald Trump Jr. finanzierte Veranstaltung inszenierte sich als neues Sportmodell: leistungssteigernde Mittel sollen erlaubt, reguliert und gefeiert werden. Ziel ist es, den menschlichen K\u00f6rper an seine \u00e4u\u00dferste Grenze zu treiben.<\/p>\n<p>Die Athletinnen und Athleten k\u00e4mpften um 250.000 Dollar pro Sieg und um einen Bonus von 1 Million Dollar f\u00fcr einen Weltrekord.<\/p>\n<p>\u201eWir sind im Mainstream angekommen\u201c, behauptete der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Enhanced Games, Maximilian Martin. \u201eWir bleiben. Wir haben heute Nacht die Welt ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Event, das sich selbst an Weltrekorden misst, war das ein gewagter Satz. Denn die Rekorde blieben gr\u00f6\u00dftenteils aus.<\/p>\n<p>Was ist passiert?<\/p>\n<p>Die Wettk\u00e4mpfe des Abends umfassten Schwimmen, Gewichtheben und Leichtathletik. F\u00fcr den st\u00e4rksten Auftritt sorgte der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev: Er gewann den 50-Meter-Freistil in 20,81 Sekunden, nur 0,07 Sekunden schneller als der regul\u00e4re Weltrekord des Australiers Cameron McEvoy aus dem M\u00e4rz dieses Jahres. Gkolomeev strich daf\u00fcr den Weltrekord-Bonus von 1 Million Dollar ein.<\/p>\n<p>\u201eDas wird mein Leben auf jeden Fall zum Guten ver\u00e4ndern\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Offiziell wird diese Bestmarke jedoch nicht anerkannt. Gkolomeev nutzte von der Welt Anti-Doping-Agentur WADA verbotene Mittel und einen untersagten Polyurethan-Anzug. Beides gilt als Leistungsplus von rund zwei Prozent.<\/p>\n<p>Im Netz folgte prompt Widerspruch: Hobby-Ermittlerinnen und -Ermittler auf Instagram behaupteten, Gkolomeev habe die Wand erst ber\u00fchrt, nachdem die 20,81 bereits auf der Anzeigetafel aufgeleuchtet war. Sie zweifelten die Zeitmessung an.<\/p>\n<p>Die Enhanced Games wiesen die Vorw\u00fcrfe als \u201ev\u00f6llig haltlosen Internet-Quatsch\u201c zur\u00fcck. Die Zeitmessung sei vom Unternehmen Primetime Timing betrieben worden \u2013 \u201eein anerkanntes, seri\u00f6ses, ISO-zertifiziertes System, das bei zahllosen anderen internationalen Wettk\u00e4mpfen eingesetzt wird und noch nie infrage gestellt wurde\u201c.<\/p>\n<p>Auf der Bahn lief der US-Sprinter Fred Kerley, der im Vorfeld angek\u00fcndigt hatte, er werde Usain Bolts Weltrekord von 9,58 Sekunden \u201ezerst\u00f6ren\u201c, die 100 Meter in 9,97 Sekunden. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen in Paris vor zwei Jahren lief Kerley 9,81 Sekunden und holte Bronze. Mit 9,97 w\u00e4re er damals Letzter im Finale geworden.<\/p>\n<p>Der Lauf wurde allerdings viermal wegen Fehlstarts und eines offenen Schn\u00fcrsenkels unterbrochen. Kerley, der angab, ohne leistungssteigernde Mittel gestartet zu sein, kassierte trotzdem 250.000 Dollar f\u00fcr seinen Sieg. F\u00fcr 9,97 Sekunden Arbeit ist das kein schlechter Lohn.<\/p>\n<p>Die Sprinterin Tristan Evelyn aus Barbados, die ebenfalls nach eigenen Angaben ohne Doping antrat, gewann die 100 Meter der Frauen in eher bescheidenen 11,25 Sekunden und sagte danach: \u201eDas zeigt, dass Siegen mehr erfordert als Chemie.\u201c<\/p>\n<p>Der britische Schwimmer und Olympia-Zweite Ben Proud, der mehrere Substanzen einnahm, gewann die 50 Meter Schmetterling in 22,32 Sekunden \u2013 nur 0,05 Sekunden \u00fcber dem Weltrekord. \u201eWir wissen alle, warum wir hier sind. Und das sind Weltrekorde. So knapp daran vorbeizuschrammen, ist frustrierend\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Angesichts dessen, dass drei Athletinnen und Athleten, die nach eigenen Angaben sauber blieben, ihre Wettk\u00e4mpfe gewannen, stellen die Resultate das Kernversprechen der Enhanced Games infrage: dass pharmakologische Freiheit \u00fcbermenschliche Leistungen freisetzt.<\/p>\n<p>Welche Mittel kamen zum Einsatz \u2013 und wie?<\/p>\n<p>Die Organisatoren ver\u00f6ffentlichten eine \u00dcbersicht \u00fcber die Substanzen, die die Teilnehmenden in den acht Wochen Vorbereitung einnahmen.<\/p>\n<p>Unter den dopenden Athletinnen und Athleten nutzten 91 Prozent Testosteron oder Testosteron-Ester, 79 Prozent Wachstumshormon, 62 Prozent Stimulanzien wie Adderall und 41 Prozent EPO \u2013 jenes Ausdauerpr\u00e4parat, das seit Jahren mit Doping-Skandalen im Radsport verbunden ist.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Veranstalter waren alle Pr\u00e4parate von der US-Arzneimittelbeh\u00f6rde FDA zugelassen.<\/p>\n<p>Die Muttergesellschaft der Enhanced Games vertreibt viele dieser Mittel auch an die \u00d6ffentlichkeit und argumentiert, Verbote w\u00fcrden das Potenzial der Sportlerinnen und Sportler ausbremsen.<\/p>\n<p>Das Internationale Olympische Komitee IOC und die WADA erkl\u00e4rten die Resultate jedoch f\u00fcr unzul\u00e4ssig. Der Schwimm-Weltverband World Aquatics sprach von einem \u201eZirkus, der auf Abk\u00fcrzungen beruht\u201c.<\/p>\n<p>Was sagen Gesundheitsexpertinnen und -experten?<\/p>\n<p>Die Fachwelt verfolgt das Geschehen mit einer Mischung aus Alarmiertheit und, mancherorts, widerwilliger Neugier.<\/p>\n<p>Professor Rob Aughey, Leiter des Fachbereichs Sport- und Bewegungswissenschaft an der Federation University Australia, bezeichnete die Veranstaltung als \u201egef\u00e4hrlichen Stunt, der im Sport keinen Platz hat\u201c. Er warnte vor Risiken wie \u201eBluthochdruck, gef\u00e4hrlich vergr\u00f6\u00dfertem Herzmuskel, Sch\u00e4den bis hin zum Versagen von Nieren und Leber, Muskelzerrungen und -rissen\u201c \u2013 sowie vor psychischen Folgen wie \u201eAbh\u00e4ngigkeit, Psychosen, Aggressionen, Stimmungsschwankungen\u201c.<\/p>\n<p>Die Ern\u00e4hrungswissenschaftlerin Dr. Catherine Norton, au\u00dferordentliche Professorin f\u00fcr Sport- und Ern\u00e4hrungswissenschaft an der University of Limerick, verwies auf die besondere Gefahr, wenn mehrere Wirkstoffe in hoher Dosierung kombiniert werden. \u201eDas Risiko steigt, wenn Substanzen im Mix eingesetzt werden, oft in Dosen weit jenseits der therapeutischen Empfehlungen \u2013 und in einem Umfeld, in dem der Druck, Grenzen st\u00e4ndig zu verschieben, im System selbst angelegt ist.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch fordern nicht alle, die Spiele einfach abzubrechen. Der Sportwissenschaftler Kagan Ducker, Programmleiter f\u00fcr Exercise Science an der Curtin University, spricht eine unbequeme Wahrheit an.<\/p>\n<p>\u201eDie Enhanced Games bieten eine einzigartige Gelegenheit zu beobachten, wie illegale Methoden und Substanzen die sportliche Leistung beeinflussen. In Wirklichkeit kennen wir die Effekte vieler dieser verbotenen Mittel und Verfahren auf die Leistungsf\u00e4higkeit kaum, weil sie im Sport untersagt sind und dadurch das Forschungsinteresse sowie die M\u00f6glichkeit, sie zu untersuchen, eingeschr\u00e4nkt sind.\u201c<\/p>\n<p>Zugleich betont er ein klares ethisches Problem: \u201eAthletinnen und Athleten, von denen viele nur wenig mit ihrem Sport verdienen, mit solchen Angeboten zu locken, gleicht dem Versuch, Menschen aus sozial schw\u00e4cheren Gruppen mit Geld in riskante Studien zu ziehen \u2013 das ist nach jedem Ma\u00dfstab zutiefst unethisch.\u201c<\/p>\n<p>Wird die Spritze zur Normalit\u00e4t?<\/p>\n<p>Die vielleicht wichtigste Frage nach diesem Sonntagabend lautet: Wie geht es jetzt weiter? Nicht in Las Vegas, sondern in Fitnessstudios, Umkleiden und Feeds in sozialen Netzwerken \u00fcberall auf der Welt.<\/p>\n<p>Dr. Norton beschreibt die Entwicklung, die ihr am meisten Sorgen bereitet. \u201eSoziale Medien und Fitnesskultur erzeugen schon heute enormen Druck auf Aussehen und Leistung. Wenn k\u00f6rperliche Erscheinungen und Leistungen, die nur mit Hilfe von Substanzen m\u00f6glich sind, weiter normalisiert oder vermarktet werden, kann das bei jungen Menschen und Freizeitsportlerinnen und -sportlern v\u00f6llig unrealistische Erwartungen wecken.\u201c<\/p>\n<p>Sie f\u00fcgt hinzu: \u201eWir sollten sehr vorsichtig sein, wenn wir Umfelder schaffen, in denen Gesundheit hinter \u00c4sthetik, Viralit\u00e4t oder kurzfristigen Erfolgen zur\u00fccksteht. Es besteht ein reales Risiko, dass das Streben nach \u201aOptimierung\u2018 das Wohlbefinden zunehmend verdr\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Las Vegas ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Inszenierungen, die immer noch eine Spur gr\u00f6\u00dfer ausfallen. 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