{"id":180905,"date":"2026-05-26T21:45:07","date_gmt":"2026-05-26T21:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/180905\/"},"modified":"2026-05-26T21:45:07","modified_gmt":"2026-05-26T21:45:07","slug":"verflucht-normal-filmdrama-ueber-das-leben-mit-tourette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/180905\/","title":{"rendered":"&#8222;Verflucht Normal&#8220;: Filmdrama \u00fcber das Leben mit Tourette"},"content":{"rendered":"<p>2019 erhielt John Davidson (heute 54) den Orden des British Empire. Und das in prunkvollem Ambiente, einem Palast in Edinburgh. Davidsons Reaktion? &#8222;Fuck the Queen!&#8220;<\/p>\n<p>Am Ende von der Queen geehrt<\/p>\n<p>Im Biopic \u00fcber Davidson (im Film verk\u00f6rpert von Robert Aramayo) steht diese Szene ganz am Anfang. Immerhin ist sie der Beleg einer eindrucksvollen Emanzipation. Und nicht nur des Preises wegen. Davidsons Beleidigung wird im Saal mit einem wohlwollenden L\u00e4cheln quittiert. Inzwischen wei\u00df jeder: Dieser Mann leidet am Tourette-Syndrom, einer neuropsychiatrischen Erkrankung, die motorische und verbale Tics mit sich bringt. <\/p>\n<p>Von der Queen wird er f\u00fcr seinen jahrelangen Einsatz geehrt, die Krankheit bekannt und den Betroffenen das Leben damit ertr\u00e4glicher zu machen. Denn, wie der Film in R\u00fcckblicken erz\u00e4hlt: Sein eigenes war lange Zeit unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Mit zw\u00f6lf Jahren entwickelt John im Schulunterricht pl\u00f6tzlich nerv\u00f6se Tics. Zusammenrei\u00dfen soll er sich, sagen Lehrkr\u00e4fte, Direktor und Eltern. Sie unterstellen ihm Ungezogenheit, schlechtes Benehmen. An Krankheit denken sie nicht, wenn einer zuckt, spuckt, um sich schl\u00e4gt und flucht.<\/p>\n<p>Tourette-Erkrankung lange nicht diagnostiziert<\/p>\n<p>Es ist fast schmerzhaft, diesem Missverst\u00e4ndnis zuzusehen. Zu sehen, wie John geh\u00e4nselt, bestraft, und als unverbesserlicher Freak ausgegrenzt wird, dem auch kein Schulabschluss mehr erm\u00f6glicht wird. Erst Jahre sp\u00e4ter, John ist inzwischen Mitte Zwanzig, bekommt er eine medizinische Erkl\u00e4rung f\u00fcr sein Verhalten.<\/p>\n<p>Zum Wendepunkt wird f\u00fcr ihn die Wiederbegegnung mit seinem alten Schulfreund Murray. Dessen Mutter Dottie hat als Krankenschwester in der Psychiatrie n\u00e4mlich bereits Erfahrung mit Tourette-Patienten. Sie ist die erste Person in Johns Leben, die ihn zu &#8222;nehmen&#8220; wei\u00df. <\/p>\n<p>Nicht nur erf\u00e4hrt John hier erstmals im Leben W\u00e4rme und Zuspruch. Die Krankheit wird nun \u2013 bei all ihrer Tragik \u2013 im Film auch von einer komischeren Seite gezeigt. Und mindestens genauso wichtig: John findet nun auch beruflich ein Zuhause \u2013 als Hausmeister-Gehilfe in einer Kirchengemeinde, mit dem verst\u00e4ndnisvollsten Chef, den man haben kann.<\/p>\n<p>Hauptdarsteller Aramayo bei den British Academy Film Awards geehrt<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Darstellung des John bekam Robert Aramayo im Februar bei den British Academy Film Awards den Preis als bester Hauptdarsteller. Zu Recht: Immerhin verk\u00f6rpert er ihn absolut glaubw\u00fcrdig. <\/p>\n<p>Man muss Regisseur Kirk Jones wirklich zugutehalten, dass er au\u00dferordentlich sensibel mit dem Thema umgeht. S\u00e4mtliche Tourette-Patienten in Nebenrollen sind mit tats\u00e4chlich Betroffenen besetzt. F\u00fcr die Hauptrolle w\u00fcnschte er sich allerdings einen professionellen Darsteller. Aramayo lie\u00df sich dann von John Davidson pers\u00f6nlich f\u00fcr die Rolle coachen.<\/p>\n<p>Am Ende ist &#8222;Verflucht normal&#8220; eine gelungene Verschmelzung des Realismus des britischen Sozialdramas mit der Leichtigkeit einer Brit-Kom\u00f6die. Die Lebensgeschichte von John Davidson, der aller Dem\u00fctigung und Abwertung zum Trotz die Kraft findet, f\u00fcr Akzeptanz zu k\u00e4mpfen, ist hier zutiefst ber\u00fchrend eingefangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2019 erhielt John Davidson (heute 54) den Orden des British Empire. 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