{"id":182032,"date":"2026-05-27T12:18:07","date_gmt":"2026-05-27T12:18:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/182032\/"},"modified":"2026-05-27T12:18:07","modified_gmt":"2026-05-27T12:18:07","slug":"schakale-in-europa-sie-nutzen-menschen-als-schutzschild-vor-woelfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/182032\/","title":{"rendered":"Schakale in Europa: Sie nutzen Menschen als Schutzschild vor W\u00f6lfen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDer Goldschakal (Canis aureus) erobert Europa im Eiltempo. Urspr\u00fcnglich war der mittelgro\u00dfe Wildhund, der in festen Familienverb\u00e4nden lebt, nur an den s\u00fcd\u00f6stlichen R\u00e4ndern des Kontinents heimisch. Doch seit den 1980er Jahren breiten sich die Tiere rasant aus und erreichen auf ihren Wanderungen mittlerweile sogar Westeuropa und den Norden Norwegens. Auch in Deutschland werden immer wieder Einzeltiere nachgewiesen, da unser Land geografisch mitten in der Ausbreitungslinie liegt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWissenschaftler wollten nun genauer untersuchen, warum dieser Siegeszug des Schakals so reibungslos verl\u00e4uft. Ein internationales Team um den Forscher Nathan Ranc untersuchte anhand von fast 9.000 sogenannten Rufstationen in 13 L\u00e4ndern, welche Faktoren die Pr\u00e4senz des Schakals beg\u00fcnstigen. Bei den Rufstationen handelt es sich um festgelegte Standorte im Gel\u00e4nde, an denen Forscher nachts die aufgezeichneten Rufe von Schakalgruppen \u00fcber Megafone abspielen, um durch die darauffolgenden akustischen Antworten der Tiere deren Pr\u00e4senz nachzuweisen. Dabei stie\u00dfen die Forscher auf ein \u00fcberraschendes Dreiecksverh\u00e4ltnis zwischen dem Schakal, dem nach Europa zur\u00fcckkehrenden Wolf und dem Menschen.\n<\/p>\n<p>Das R\u00e4tsel der Raubtier-Rangordnung<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn der \u00d6kologie gilt der Grauwolf als sogenannter Spitzenpredator \u2013 also als das oberste Glied der Nahrungskette, das kleinere J\u00e4ger dominiert. Da W\u00f6lfe den kleineren Goldschakal als Konkurrenten ansehen, attackieren und t\u00f6ten sie ihn oft. Wenn aber das gro\u00dfe Raubtier durch menschliche Verfolgung wegf\u00e4llt und sich die mittleren Raubtiere explosionsartig vermehren, sprechen Biologen vom Ph\u00e4nomen der &#8222;Mesopr\u00e4datoren-Entlastung&#8220;. Das ist hier der Fall und erkl\u00e4rt auch, warum das historische Verschwinden der W\u00f6lfe im vergangenen Jahrhundert den Schakalen \u00fcberhaupt erst den Weg nach Europa ebnete.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nHeute jedoch erholen sich die Wolfsbest\u00e4nde in Europa und auch in Deutschland rasant. Eigentlich m\u00fcsste dies die Ausbreitung des Goldschakals massiv ausbremsen. Tats\u00e4chlich zeigt das statistische Modell der Forschungsgruppe, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr ein Schakalvorkommen dort am geringsten ist, wo stabile Wolfsrudel ihre Kernreviere haben. Doch der Schakal hat eine Ausweichstrategie entwickelt, bei der ausgerechnet wir Menschen die Hauptrolle spielen.\n<\/p>\n<p>Ein Schutzwall aus H\u00e4usern und Asphalt<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Forscher wiesen nach, dass die N\u00e4he zu menschlichen Siedlungen die biologische Unterdr\u00fcckung des Schakals durch den Wolf fast vollst\u00e4ndig aufhebt. Sie nennen das in der Studie einen menschlichen Schutzschild (&#8222;human shield&#8220;). Da W\u00f6lfe den Menschen und seine Infrastruktur strikt meiden, fl\u00fcchten Schakale in Wolfsgebieten ganz bewusst in die N\u00e4he von D\u00f6rfern und St\u00e4dten. In einem Radius von weniger als 500 Metern um menschliche Bebauungen verliert der Wolf seine abschreckende Wirkung vollst\u00e4ndig.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nOhne die Bedrohung durch den Wolf verh\u00e4lt sich der Goldschakal \u00fcbrigens genau umgekehrt: Wo keine W\u00f6lfe leben, meidet er den Menschen und h\u00e4lt gro\u00dfen Sicherheitsabstand zu Siedlungen. Auf diese Weise minimiert er das Risiko, von J\u00e4gern geschossen oder auf Stra\u00dfen \u00fcberfahren zu werden. Der Schakal w\u00e4gt Gefahren also pr\u00e4zise ab: Ist der Wolf da, wird der Mensch zum unfreiwilligen Bodyguard. Ist der Wolf weg, bleibt der Mensch die gr\u00f6\u00dfte Gefahr.\n<\/p>\n<p>Bereit f\u00fcr die Ankunft in Deutschland<\/p>\n<p class=\"text\">\nF\u00fcr Deutschland und Mitteleuropa liefert die Studie eine bemerkenswerte Prognose: Das Modell bescheinigt unseren Landschaften eine hervorragende Eignung als Schakal-Lebensraum. Insgesamt k\u00f6nnten Goldschkale langfristig bis zu 75 Prozent der europ\u00e4ischen Landfl\u00e4che besiedeln. Neben dem menschlichen Schutzschild spielt ihnen dabei auch der Klimawandel in die Karten. Mildere Winter mit k\u00fcrzeren Schneeperioden erleichtern den Tieren die Fortbewegung und die Nahrungssuche im Winter enorm, was ihre Wanderung nach Westen weiter beschleunigt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Ankunft des neuen Mitbewohners bringt f\u00fcr das heimische \u00d6kosystem sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Auf der einen Seite fungiert der Goldschakal als hocheffiziente &#8222;Gesundheitspolizei&#8220;, da er als Allesfresser gro\u00dfe Mengen an Aas und Schlachtabf\u00e4llen beseitigt. Zudem erbeutet er massenhaft Nagetiere und hilft so der Landwirtschaft bei der Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung. Auf der anderen Seite warnt die Forschungsgruppe vor &#8222;wirtschaftlichen Verlusten durch den Raub von ungesch\u00fctztem Nutzvieh&#8220;. Schafe, vor allem L\u00e4mmer, sind also wie beim Wolf gef\u00e4hrdet. Ein vorausschauendes Wildtiermanagement und effektiver Herdenschutz werden daher unverzichtbar sein, um ein konfliktfreies Nebeneinander auch mit dem Goldschakal zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Goldschakal (Canis aureus) erobert Europa im Eiltempo. 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