{"id":185696,"date":"2026-05-29T07:57:13","date_gmt":"2026-05-29T07:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/185696\/"},"modified":"2026-05-29T07:57:13","modified_gmt":"2026-05-29T07:57:13","slug":"kunst-von-elmgreen-dragset-diese-ausstellung-macht-meisterwerke-ploetzlich-zur-nebensache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/185696\/","title":{"rendered":"Kunst von Elmgreen &#038; Dragset: Diese Ausstellung macht Meisterwerke pl\u00f6tzlich zur Nebensache"},"content":{"rendered":"<p>Stolperfalle zeitgen\u00f6ssische Kunst: Das Duo Elmgreen &amp; Dragset schafft es immer wieder, uns aus der Fassung zu bringen. Dabei kann man sie nicht mal ausstellen. Das St\u00e4del Museum versucht es trotzdem.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Immer muss die Kunst noch einen draufsetzen. Holbeins toter Christus ist gruselig genug. Jahrhunderte sp\u00e4ter hat Franz von Stuck dem Leichnam eine trauernde Maria beigegeben und beide mit derart dunkelwolkigem Pathos versiegelt, dass wir an dem Bild im Frankfurter St\u00e4delmuseum immer gern vorbeigehuscht sind. Jetzt muss man stehenbleiben, weil Elmgreen &amp; Dragset eine Tragetasche mit puppigem Baby vor der \u201ePiet\u00e0\u201c abgestellt haben. Schlimm. Schlimm, das Bild. Schlimm, das \u201eForgotten Baby\u201c. Immer muss die Kunst noch alles schlimmer machen.<\/p>\n<p>Michael Elmgreen und Ingar Dragset, K\u00fcnstlerduo. Treten stets gemeinsam auf. Nie wei\u00df man, wer wof\u00fcr zust\u00e4ndig ist und wie man sich die Ideenproduktion als sozialen Akt vorzustellen hat. Es ist wie beim legend\u00e4ren Paar Fischli\/Weiss, das sich jedes Mal kaputtgelacht hat, wenn man es in seinem Atelier nach dem Autor seiner skulpturalen Witze fragen wollte.<\/p>\n<p>Wohl werden sie jetzt gleich anr\u00fccken, die verst\u00e4ndnisinnigen Sinnproduzenten, werden abgr\u00fcndige Denkbr\u00fccken zwischen Tod und Leben spannen, zwischen fahlem Leichnam und schreiunf\u00e4higem Kunstkind. Es ist noch nie anders gewesen: Elmgreen und Dragset liefern Steilvorlagen f\u00fcr die hohe Interpretationskunst. Begn\u00fcgen wir uns mit der Einsicht, dass wir wohl aus demselben Grund stehenbleiben, aus dem die K\u00fcnstler stehengeblieben sind. <\/p>\n<p>Ein Einfall, ein Reflex, ein Ideenblitz, der auch in der Ausf\u00fchrung kein bisschen von seiner Unergr\u00fcndlichkeit, seiner kuriosen, grotesken, befremdlichen, verst\u00f6renden Unaufl\u00f6sbarkeit verliert. Wenn es sie \u00fcberhaupt gibt, die Methode Elmgreen und Dragset, dann besteht sie aus hochsensiblen Reaktionen, neugieriger Lebensumschau, verwunderter Weltbegegnung, aus lauter k\u00fcnstlichen Haltesignalen im Lauf der Dinge, Stolperstellen in der Museumsroutine: \u201eForgotten Baby\u201c vor der Andachtsikone.<\/p>\n<p>Ein Werk im Sinne eines sch\u00f6pferischen Ganzen, ein Werk, das von genialischem Formbewusstsein vorangetrieben w\u00fcrde, hat das d\u00e4nisch-norwegische Zweierteam nicht vorzuweisen. Man kann die K\u00fcnstler nicht ausstellen, wie man Maler, Zeichner oder Bildhauer ausstellt. Man l\u00e4dt sie ein mit der freundlichen Aufforderung, etwas f\u00fcr diesen Raum, f\u00fcr diese Gelegenheit, f\u00fcr diese Situation zu schaffen. <\/p>\n<p>Wenn die Einladung so gro\u00dfz\u00fcgig ausf\u00e4llt wie jetzt vom <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.staedelmuseum.de\/de\/elmgreen-dragset\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.staedelmuseum.de\/de\/elmgreen-dragset&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Frankfurter St\u00e4del und die Elmgreen-und-Dragset-B\u00fchne<\/a> geradezu stra\u00dfen\u00fcbergreifende Dimensionen annimmt, dann darf man sicher sein, dass man oben auf der Dachterrasse auf eine akrobatische Kletterfigur trifft, die die Skyline der Stadt genie\u00dft, und man mitten im ehrw\u00fcrdigen Skulpturensaal des Liebighauses einem versteckten Knaben begegnet, der selbst versteckt hinter seiner VR-Brille den bezwingenden Eindruck macht, dass die ganze hehre Umgebung ihn einen Schei\u00df angeht. <\/p>\n<p>Die K\u00fcnstler brauchen den Widerpart der dingverstopften Welt, die bedenkliche Kulisse des designten Lebens. Sie brauchen das Gep\u00e4ckband, auf dem unser Rollk\u00f6fferchen verschwindet oder anr\u00fcckt. Sie transportieren es direkt vom Flughafen ins Museum. Man wird der Solo-Tragetasche, die dort in Endlosschleife kreist, gewiss keine \u00fcberirdische Botschaft entnehmen wollen, und doch wird man bei jedem k\u00fcnftigen Flughafenbesuch ans geduldige Taschenkreisen im Elmgreen-und-Dragset-Museum denken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mager, aber magisch \u2013 das ist ihre Art der Szenoplastik. Man braucht die vielen Stellen gar nicht zu verraten, an denen die Einrichtungsgegenst\u00e4nde des St\u00e4delreichs aus dem Schlaf ihres mal banalen, mal grandiosen Daseins erweckt werden. Auff\u00e4llig aber, dass sich die Kunstbaustellen bevorzugt an unauff\u00e4lligen Stellen befinden, dort also, wo sich ohne viel Rhetorik Auff\u00e4lligkeit generieren l\u00e4sst. Anstelle reputierlicher Selbstbildnisse markieren sie zwei vergilbte Wandpl\u00e4tze mit Haken. <\/p>\n<p>Man muss dem Reiz-Reaktions-Schema dieser Kunst nicht gleich mit unverbr\u00fcchlicher Anh\u00e4ngerschaft folgen. Dass die K\u00fcnstler da und dort virtuelle Gespr\u00e4chssituationen mit St\u00fccken der Sammlung simulieren, ist wohl dem erhabenen Ort geschuldet, aber nicht so zum Stehenbleiben animierend wie das finstere Gro\u00dfraumb\u00fcro mit leeren Arbeitszellen, das zu allem Ungl\u00fcck noch den verhei\u00dfungsvollen Titel \u201eGarden of Eden\u201c tr\u00e4gt. Was ist da los? Streik? Insolvenz?<\/p>\n<p>Als wir die K\u00fcnstler einmal in ihrem Berliner Atelier besuchten, sagte Ingar Dragset mitten ins Schweigen hinein: \u201eIt\u2019s fiction, not a reality show.\u201c Und sagte noch: \u201eWir stellen nur dumme Fragen, wir haben keine Antworten.\u201c Michael Elmgreen nickte dazu und sagte nichts, weil es doch nur wie eine Antwort w\u00e4re. Weshalb die Elmgreen-&amp;-Dragset-Geschichten nie ein befriedigendes Ende finden und uns immer allein lassen mit unseren wuchernden Fantasien. Sollen wir davon erz\u00e4hlen, dass uns der tote Christus und die trauernde Maria weiter abhanden gekommen sind, w\u00e4hrend das \u201eForgotten Baby\u201c doch noch aufgefunden wurde und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus69f060f7129bffc049ee15b8\/lastenrad-und-kinderanhaenger-huetet-euch-vor-den-saenftenkindern-den-paschas-von-morgen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus69f060f7129bffc049ee15b8\/lastenrad-und-kinderanhaenger-huetet-euch-vor-den-saenftenkindern-den-paschas-von-morgen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">l\u00e4ngst im Babboe-Cargorad<\/a> durch die kunstlose Welt transportiert wird?<\/p>\n<p>\u201eElmgreen &amp; Dragset. Stillleben mit Gem\u00fcse\u201c, bis 17. Januar, St\u00e4del Museum, Frankfurt\/Main<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stolperfalle zeitgen\u00f6ssische Kunst: Das Duo Elmgreen &amp; Dragset schafft es immer wieder, uns aus der Fassung zu bringen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":185697,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26],"tags":[158,157,46,42,12280,159,56375,56377,147,56376,161,160,3842,44,56374,210,148],"class_list":["post-185696","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-art","tag-art-and-design","tag-at","tag-austria","tag-bildende-kunst","tag-design","tag-dragset","tag-elmgreen","tag-entertainment","tag-ingar","tag-kunst","tag-kunst-und-design","tag-michael","tag-oesterreich","tag-staedel-museum-frankfurt","tag-texttospeech","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116656802788254505","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/185696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=185696"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/185696\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/185697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=185696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=185696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=185696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}