{"id":1900,"date":"2026-02-20T03:25:07","date_gmt":"2026-02-20T03:25:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/1900\/"},"modified":"2026-02-20T03:25:07","modified_gmt":"2026-02-20T03:25:07","slug":"sicherheitsexpertin-niehus-warum-europa-jetzt-mehr-mut-und-eigene-staerke-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/1900\/","title":{"rendered":"Sicherheitsexpertin Niehus: Warum Europa jetzt mehr Mut und eigene St\u00e4rke braucht"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nAll das f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu einem unglaublichen Riss im B\u00fcndnis, wenn der gr\u00f6\u00dfte Alliierte schlicht abdriftet. Und das, was es fundamental besch\u00e4digt hat, ist das, was eigentlich die Nato ausmacht: n\u00e4mlich das Vertrauen der Alliierten ineinander.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDenn man kann strategische Themen, sei es Russland, sei es die Ukraine, sei es die europ\u00e4ische strategische Verantwortung in einer solchen Nato schlicht nicht diskutieren. Und es wird nicht diskutiert. Bestes Beispiel: Als diese ganze Gr\u00f6nland-Krise eskalierte, war keine Debatte \u00fcber das Thema im Nato-Rat in Br\u00fcssel. Sie fand nicht statt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn unserer Befragung hat sich die Mehrheit der Befragten eine EU-Armee gew\u00fcnscht. Ist das auch eine Option?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas kommt immer darauf an, wie man so eine EU-Armee ausf\u00fcllt. Denn Armen sind typischerweise sehr national gef\u00fchrt und gepr\u00e4gt. Der Weg von diesen einzelnen nationalen Armeen zu einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Truppe mit einer entsprechenden gemeinsamen F\u00fchrung ist ein sehr, sehr weiter Weg. Aber wenn der notwendige politische Wille da ist, ist das machbar.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nRein quantitativ haben wir genug Soldaten. Wir haben um die zwei Millionen Soldaten, also mehr als die USA. Aber sie sind nicht daran gew\u00f6hnt, wirklich miteinander verzahnt zu agieren. Und auch da sollte man sich \u00fcberlegen: Was brauchen wir eventuell auch an neuen F\u00fchrungsstrukturen, um das hinzukriegen?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDann schauen wir mal auf den Ausl\u00f6ser, wenn man so will: Zum vierten Mal j\u00e4hrt sich der Angriff Russlands auf die Ukraine. Immer wieder gibt es Versuche, \u00fcber einen Frieden zu verhandeln. Aber der Optimismus h\u00e4lt sich in Grenzen. Das zeigt auch unser Stimmungsbild aus Mitteldeutschland: MDRfragt wollte wissen: Glauben Sie an ein Kriegsende im Jahr 2026? <a name=\"d\">Das<\/a> Ergebnis ist nicht  \u00fcberraschend. Was denken Sie als Optimistin, die sich Sorgen macht: Ist ein Verhandlungsfrieden realistisch in diesem Jahr?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nNein. Ich halte das f\u00fcr sehr, sehr unwahrscheinlich. Grundlage ist die Tatsache, dass Pr\u00e4sident Putin schlicht nicht an einem Frieden interessiert ist, weil die weitere Existenz seines Regimes auch von der Fortf\u00fchrung dieses Krieges abh\u00e4ngt. Au\u00dferdem spielt die Zeit f\u00fcr ihn, weil er hat in Trump jemanden, der ihm hilft. Trump ist nicht wirklich an einem gerechten Frieden interessiert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nTrump ist daran interessiert, dieses aus seiner Sicht St\u00f6rende der russischen Aggression gegen die Ukraine aus dem Weg zu schaffen \u2014 relativ egal zu welchem Preis \u2014 weil er m\u00f6chte gerne mit Russland wieder in gro\u00dfem Stile Gesch\u00e4fte machen. Auch vor diesem Hintergrund sind die Chancen auf einen gerechten, nachhaltigen Frieden in der Ukraine sehr gering.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIch w\u00fcrde trotzdem gerne mit Ihnen einen optimistischen Blick in die Zukunft werfen. <a name=\"c\">Wie<\/a> k\u00f6nnte es wieder weniger Krieg geben oder kurzfristig zu einer De-Eskalation kommen? Sehen Sie da irgendeine Chance?\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKurzfristig glaube ich gar nichts. Aber langfristig, wenn wir lernen, dass eine Politik des Mutes uns aus diesen Sackgassen rausbringt. Wir m\u00fcssen uns vor Augen f\u00fchren: Jedes Land in Europa ist wirklich zu klein. Wir haben nur eine Chance uns in dieser Auseinandersetzung der Gewaltmenschen \u2014 hei\u00dfen sie nun Putin, Trump oder Xi \u2014zu behaupten, wenn wir zusammenhalten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">Eine Politik des Mutes weist Perspektive auf und liefert F\u00fchrung.<\/p>\n<p>Gerlinde Niehus<br \/>\nSicherheitsexpertin<\/p>\n<p class=\"text\">\nSonst sind wir weiter Opfer. Aber wir sind dann eben auch Opfer unserer eigenen Unt\u00e4tigkeit und unseres eigenen Mangels an Mut. Insofern w\u00fcnschte ich mir, dass wir alle mutiger sind und auch unsere Politiker auffordern, eine Politik des Mutes zu verfolgen. Eine Politik des Mutes weist Perspektive auf und liefert F\u00fchrung.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch das ist etwas, was wir wieder lernen m\u00fcssen. Aber wir k\u00f6nnen das alles: Von den Ressourcen her, von unseren gesellschaftlichen Strukturen her ist das alles machbar. Wir m\u00fcssen es nur tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"All das f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu einem unglaublichen Riss im B\u00fcndnis, wenn der gr\u00f6\u00dfte Alliierte schlicht abdriftet. 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