{"id":191589,"date":"2026-06-01T13:15:10","date_gmt":"2026-06-01T13:15:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/191589\/"},"modified":"2026-06-01T13:15:10","modified_gmt":"2026-06-01T13:15:10","slug":"michael-tojner-im-interview-grosse-technologien-entstehen-nicht-ohne-risiko-leadersnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/191589\/","title":{"rendered":"Michael Tojner im Interview &#8211; &#8222;Gro\u00dfe Technologien entstehen nicht ohne Risiko&#8220; \u00bb Leadersnet"},"content":{"rendered":"<p>\n\t\t\t|\u00a0Bernhard F\u00fchrer\u00a0\n\t\t<\/p>\n<p>\n\t\t|<br \/>\n\t\t\t\t\t01.06.2026\t\t\t<\/p>\n<p>Investor und Unternehmer Michael Tojner spricht im\u00a0LEADERSNET-Interview \u00fcber Europas industrielle Schw\u00e4chen, globale Wachstumschancen in Aerospace und Energieinfrastruktur. Au\u00dferdem erkl\u00e4rt er, warum Europa die Batteriezukunft verschlafen hat, weshalb Robotik und Defence zum Milliardenmarkt werden, warum er das umstrittene Heumarkt-Projekt mit 70 nicht mehr bauen wird und wieso er das Forbes-Milliard\u00e4rs-Ranking nicht mag.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET:\u00a0Sehr geehrter Herr Tojner, Sie sind als Unternehmer und Investor in unterschiedlichsten Branchen aktiv \u2013 von Batterietechnologie bis Immobilien. Was treibt Sie an, immer wieder neue Felder zu erschlie\u00dfen?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Michael Tojner: Wir sind in den Bereichen Aerospace, Space und Defence, Maschinenbau, Energie\u00fcbertragung sowie Batterietechnologie t\u00e4tig und dabei global aufgestellt. Mein Grundgedanke kommt aus dem Venture-Capital-Bereich, wor\u00fcber ich in jungen Jahren auch meine Dissertation geschrieben habe. Inzwischen bin ich aber unternehmerisch viel langfristiger engagiert, m\u00f6chte marktf\u00fchrende Nischenplayer entwickeln. Es geht darum, Potenziale zu identifizieren, die besten Teams zusammenzustellen und anschlie\u00dfend eine Finanzierung f\u00fcr Innovation und Wachstum aufzustellen. Dieses Entdecken, Gestalten und Ver\u00e4ndern ist mein Antrieb und das h\u00e4lt mich auch jung.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Sie sprechen vom Entdecken und Gestalten als Ihrem Antrieb \u2013 und das seit nunmehr 35 Jahren. Wie hat sich in dieser Zeit Ihr Blick auf Risiko ver\u00e4ndert, und gibt es fr\u00fche Investments, die Sie heute schlicht nicht mehr t\u00e4tigen w\u00fcrden?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: R\u00fcckblickend ist man immer kl\u00fcger und hat einen klaren Blick auf gute und weniger gute Entscheidungen. Ich h\u00e4tte mir zum Beispiel eine Baufirma oder den Club &#8222;Mekka&#8220; sparen k\u00f6nnen. Beides waren Investments, die ich nicht unter voller Kontrolle hatte. Insofern waren es trotzdem wichtige unternehmerische Stationen, weil ich daraus viel Erfahrung mitgenommen habe. Und ich kann meinen Kindern erz\u00e4hlen, dass ich eine legend\u00e4re Disco in Wien hatte.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Aus Fehlern lernen \u2013 das klingt leichter, als es im globalen Wettbewerb oft ist. Die Varta AG, an der Sie ma\u00dfgeblich beteiligt sind, steht exemplarisch f\u00fcr Europas Ambitionen in der Batterietechnologie. Wie realistisch sch\u00e4tzen Sie unsere Chancen ein, gegen\u00fcber China und den USA noch aufzuholen?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Ich war gerade in China und Vietnam und musste leider feststellen, dass wir als Europ\u00e4er in der Batterietechnologie \u2013 wie bei anderen wichtigen Technologien \u2013 sehr viel verschlafen haben. W\u00e4hrend China \u00fcber 100 Batteriezellhersteller mit F\u00f6rderungen, g\u00fcnstigen Krediten und niedrigen Energiepreisen aufgebaut hat, haben wir uns in Europa vor allem selbst reguliert und dabei zugesehen, wie die asiatischen Player weit an uns vorbeigezogen sind. Das Rennen um die Batterietechnologie haben wir aus meiner Sicht verloren \u2013 was besonders schlimm ist, wenn die europ\u00e4ischen Autohersteller mit ihren Elektroautos voll abh\u00e4ngig von chinesischen Batteriezellen sind. Mit Varta k\u00f6nnen wir eine fokussierte Nischenstrategie umsetzen und dabei die deutsche Ingenieurskunst und das Know-how im Lithium-Ionen-Bereich n\u00fctzen. Aber bei gro\u00dfen Investments im internationalen Ma\u00dfstab k\u00f6nnen wir nicht mehr re\u00fcssieren. Wo wir hingegen sehr gut mithalten k\u00f6nnen im internationalen Wettlauf mit China oder den USA ist bei Aerospace und Defence sowie bei der Energie\u00fcbertragung. Die ASTA mit ihren Wurzeln in Nieder\u00f6sterreich ist als Kupferspezialist gerade der Schl\u00fcsselplayer beim Ausbau der internationalen Strom-Infrastruktur. Bis 2030 sind allein in Europa Investitionen von \u00fcber 580 Milliarden Euro notwendig und bis 2050 wird sich die globale Stromnetz-Infrastruktur verdoppeln.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Ein ern\u00fcchterndes Bild f\u00fcr Europa. Dennoch haben Sie mit Montana Tech Components bewiesen, dass gezielte Nischenstrategien funktionieren \u2013 Varta, Aluflexpack und Montana Aerospace sind Belege daf\u00fcr. Wo sehen Sie, abseits der Batteriedebatte, die n\u00e4chste untersch\u00e4tzte Industrie-Nische am Horizont?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Ich bin ein gro\u00dfer Bef\u00fcrworter von Kapitalm\u00e4rkten. Sie sind einer der ganz gro\u00dfen Wettbewerbsvorteile der USA, weil dort sehr viel Kapital mobilisiert werden kann \u2013 ob Unternehmen erfolgreich sind oder auch scheitern. Die b\u00f6rsennotierten Montana Divisions sind eine Erfolgsgeschichte \u2013 Montana Aerospace hatte beim B\u00f6rsengang 2021 eine Marktkapitalisierung von 440 Millionen Euro, die ASTA ging im J\u00e4nner 2026 an die Frankfurter B\u00f6rse und erzielte damit Bruttoemissionserl\u00f6se von 125 Millionen Euro f\u00fcr das weitere Wachstum.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Noch untersch\u00e4tzte Nischen sehe ich bei der Energieerzeugung und -\u00fcbertragung. Au\u00dferdem bei humanoiden Robotern und der Automatisierung im Maschinenbau, in der Flugzeugindustrie, der Raumfahrt und bei der R\u00fcstung.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Ihre Industriegruppe besch\u00e4ftigt \u00fcber 11.000 Mitarbeitende in 35 L\u00e4ndern. Wo sehen Sie die gr\u00f6\u00dften Unterschiede zwischen Ihren Technologieunternehmen wie Varta und dem Immobilien-Sektor der WertInvest \u2013 und welche F\u00fchrungsprinzipien gelten f\u00fcr alle Gesch\u00e4ftsbereiche gleicherma\u00dfen?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Unsere Industriegruppe erwirtschaftet mit rund 13.000 Mitarbeitenden einen Gesamtumsatz von mehr als 2,5 Milliarden Euro. Wir verfolgen dabei sehr teamorientierte F\u00fchrungsprinzipien, geben F\u00fchrungskr\u00e4ften Equity-Beteiligungen und investieren stark in Wachstum. Zusammenhalt und gemeinsam den Gipfel zu erreichen, das ist ein zentrales Element des Montana-Prinzips.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Das Heumarkt-Projekt sorgt seit Jahren f\u00fcr Diskussionen und wurde zuletzt durch die UVP-Pflicht weiter verz\u00f6gert. Welche Lehren ziehen Sie aus diesem Konflikt \u2013 und welchen Ausweg sehen Sie f\u00fcr das Projekt?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Das Hotel InterContinental und die UNESCO-Thematik sind Zeitzeugen daf\u00fcr, warum Europa zur\u00fcckf\u00e4llt. Seit mittlerweile \u00fcber zw\u00f6lf Jahren diskutieren wir \u00fcber ein Projekt, das 500 Arbeitspl\u00e4tze schaffen w\u00fcrde, ein Bauvolumen von \u00fcber EUR 200 Millionen mobilisieren k\u00f6nnte und Wien ein starkes Konferenzzentrum samt Eislaufplatz bringen w\u00fcrde. W\u00e4hrend solche Projekte in Asien oder den USA z\u00fcgig umgesetzt werden, diskutieren wir in Wien \u00fcber den historischen Blick vom oberen Belvedere, den ein Maler namens Canaletto vor \u00fcber 200 Jahren gemalt hat. Mehr brauche ich dazu eigentlich nicht zu sagen. Wir haben schon bei vielen Projekten gezeigt, wie verantwortungsvoll wir mit historischen Substanzen umgehen, aber eine Weltmetropole wie Wien muss neben dem Erhalten auch Gestalten, modern sein, Lebensqualit\u00e4t schaffen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Sie engagieren sich auch im Bereich Start-ups und Innovation. Gibt es eine Begegnung oder ein Projekt aus der Gr\u00fcnderszene, das Sie besonders inspiriert oder \u00fcberrascht hat?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Ich unterrichte seit mehr als 20 Jahren an der WU Wien zu Venture Capital und Innovationsfinanzierung. Gemeinsam mit der B&amp;C Stiftung habe ich vor f\u00fcnf Jahren die eXplore!-Initiative gegr\u00fcndet. Dadurch sehe ich laufend neue Start-ups, die mich inspirieren und begeistern. Aktuell schaue ich mir im Bereich Drohnen einige Projekte an, ebenso KI-basierte L\u00f6sungen f\u00fcr den Maschinenbau. Ich besch\u00e4ftige mich gerne mit neuen Themen und Projekten.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Laut Forbes-Liste geh\u00f6ren Sie zu den reichsten \u00d6sterreichern. Wie definieren Sie pers\u00f6nlich Erfolg \u2013 und gibt es einen Moment, in dem Sie sich gefragt haben, ob der Preis f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg zu hoch war?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Tojner: Forbes-Listen kommen und gehen. Ich mag solche Rankings nicht, weil es mir nicht wichtig ist, was meine Beteiligungen gerade wert sind. Entscheidend ist, was wir aufbauen k\u00f6nnen, wie wir Innovation voranbringen Deshalb sind mir Ma\u00dfzahlen wie Mitarbeitende, Wachstumsinvestitionen oder Marktstellung viel wichtiger.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">LEADERSNET: Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zur\u00fcckblicken \u2013 gibt es eine Entscheidung, die Sie heute anders treffen w\u00fcrden? Und welchen Rat w\u00fcrden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geben, die in einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich sein wollen?<\/p>\n<p>Tojner: Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich viele Entscheidungen mit dem heutigen Wissen und den Erfahrungen anders treffen. Dem gegen\u00fcber stehen aber Gott sei Dank sehr viele richtige Entscheidungen, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute stehe. In einer komplexen Welt passieren Fehler und sie m\u00fcssen auch erlaubt sein. Nur so k\u00f6nnen wir uns weiterentwickeln, lernen, neue Wege finden.<\/p>\n<p>LEADERSNET: Vielen Dank.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.montana-aerospace.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.montana-aerospace.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.varta-ag.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.varta-ag.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wertinvest.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.wertinvest.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"|\u00a0Bernhard F\u00fchrer\u00a0 | 01.06.2026 Investor und Unternehmer Michael Tojner spricht im\u00a0LEADERSNET-Interview \u00fcber Europas industrielle Schw\u00e4chen, globale Wachstumschancen in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":191590,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[14],"tags":[46,42,95,90,89,57571,1423,91,94,57570,44,93,92,57572],"class_list":["post-191589","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-at","tag-austria","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-heumarkt","tag-interview","tag-markets","tag-maerkte","tag-michael-tojner","tag-oesterreich","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-varta"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116675040059936045","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/191589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=191589"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/191589\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/191590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=191589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=191589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=191589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}