{"id":191682,"date":"2026-06-01T14:07:07","date_gmt":"2026-06-01T14:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/191682\/"},"modified":"2026-06-01T14:07:07","modified_gmt":"2026-06-01T14:07:07","slug":"die-essenz-des-tanzes-dokumentarfilm-ueber-germaine-acogny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/191682\/","title":{"rendered":"Die Essenz des Tanzes: Dokumentarfilm \u00fcber Germaine Acogny"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gruppe T\u00e4nzer am Strand. Nicht im Studio auf glattem Untergrund, sondern im Sand, verbunden mit der Erde, dem Meeresrauschen, den Trommelkl\u00e4ngen, der Luft. Die Lehrerin ist streng: Germaine Acogny, die &#8222;Mutter des zeitgen\u00f6ssischen afrikanischen Tanzes&#8220;. Mittlerweile ist sie 82 Jahre alt, doch sie unterrichtet immer noch.<\/p>\n<p>1944 im Benin geboren und im Senegal aufgewachsen ging Germaine Acogny Anfang der 60er Jahre nach Paris, dort lernte die ausgebildete Sportlehrerin den klassischen Tanz kennen, studierte Ballett und andere europ\u00e4ische Techniken und arbeitete mit dem Ballettchoreographen Maurice B\u00e9jart zusammen.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnderin der &#8222;Schule des Sandes&#8220;<\/p>\n<p>1977 \u00fcbernahm sie die k\u00fcnstlerische Leitung seiner Tanzschule Mudra Afrique in Dakar, sp\u00e4ter gr\u00fcndete sie eine eigene Tanzschule in Toulouse. 1998 ging Germaine Acogny endg\u00fcltig zur\u00fcck in die Heimat und gr\u00fcndete mit ihrem deutschen Ehemann ihre &#8222;\u00c9cole des Sables&#8220;, die &#8222;Schule des Sandes&#8220; &#8211; 50 km s\u00fcdlich von Dakar, zwischen Meer und Savanne.<\/p>\n<p>Immer ging es ihr in ihrer Arbeit um die Verbindung westafrikanischer Tanztraditionen mit Elementen des modernen europ\u00e4ischen B\u00fchnentanzes. Auf den ersten Blick scheinen Ballett und afrikanische T\u00e4nze wenig gemein zu haben, doch Acogny sagt, sie seien gar nicht so verschieden, weil wir uns alle nur in sechs Richtungen bewegen: nach vorn, nach hinten zu den beiden Seiten und diagonal.<\/p>\n<p>Die Beweglichkeit der Wirbels\u00e4ule<\/p>\n<p>&#8222;In der Acogny-Technik geht es um die Pr\u00e4zision der Bewegung, um die Pers\u00f6nlichkeit der T\u00e4nzer, und um die Beweglichkeit der Wirbels\u00e4ule und des Beckens.&#8220; Die Wirbels\u00e4ule sei die Schlange des Lebens erkl\u00e4rt sie. Tats\u00e4chlich sieht man den Takt der Musik in der Wirbels\u00e4ule der T\u00e4nzer, sie wirken dadurch ungemein weich, aber auch stark.<\/p>\n<p>Der Dokumentarfilm &#8222;Germaine Acogny &#8211; Die Essenz des Tanzes&#8220; von Greta-Marie Becker begleitet einen Workshop an der &#8222;\u00c9cole des Sables&#8220;: T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer aus \u00c4thiopien, Senegal, Burkina Faso, USA, Schweiz, Kongo, Benin, Belgien und vielen weiteren L\u00e4nder Afrikas und der Diaspora sind gekommen, um etwas vom Spirit der Meisterin aufzunehmen und die Acogny-Technik zu lernen.<\/p>\n<p>Politische Haltungen dr\u00fcckt sie mit Tanz aus<\/p>\n<p>Hinzu kommen Ausschnitte alter Choreografien, Preisverleihungen und Gespr\u00e4che mit ihr und ihren Mitarbeiterinnen. Einmal sieht man Germaine Acogny am Grab von Strawinsky in Venedig: Sie sch\u00fcttet Vodka auf die Marmorplatte und z\u00fcndet eine sehr dicke Zigarre f\u00fcr ihn an. Die Szene zeigt, wie sie auf die Welt reagiert: mit Sinnlichkeit. Sprache wird bei ihr Geste. Ideen, Ehrfurcht, aber auch Kritik, alles wird bei ihr Bewegung und Ritual &#8211; auch politische Haltungen dr\u00fcckt sie mit Tanz aus: 2010 antwortete sie mit einem zornigen Tanzst\u00fcck auf eine als rassistische kritisierte Ansprache, die Nicolas Sarkozy 2007 auf einer Reise in den Senegal von sich gegeben hatte. <\/p>\n<p>In &#8222;Fagaala&#8220; arbeitet sie mit japanischen Butoh-Elementen und l\u00e4sst m\u00e4nnliche T\u00e4nzer die vergewaltigten Opfer des V\u00f6lkermordes in Ruanda 1994 darstellen. Auch ein St\u00fcck gegen Polygamie hat sie entwickelt. Tanz ist bei ihr stets Befreiung auch vom kolonialen Blick der Zuschauer. Tanz ist Begegnung mit dem Anderen, sagt Germaine Acogny einmal im Film. Das Ziel sei es, den anderen mit dem eigenen Tanz in seinem Inneren zu ber\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Gruppe T\u00e4nzer am Strand. 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