{"id":192003,"date":"2026-06-01T17:02:30","date_gmt":"2026-06-01T17:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/192003\/"},"modified":"2026-06-01T17:02:30","modified_gmt":"2026-06-01T17:02:30","slug":"gehirne-im-tank-overton-magazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/192003\/","title":{"rendered":"Gehirne im Tank | Overton Magazin"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56121 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/gehirn.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"574\"  \/><a href=\"https:\/\/www.ccnull.de\/foto\/anatomische-darstellung-des-menschlichen-gehirns\/1102696\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bild<\/a>: Marco Verch\/ccnull.de\/<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CC BY-2.0<\/a><\/p>\n<p>Das amerikanische Unternehmen Bexorg hatte schon vor ein paar Jahren auf sich aufmerksam gemacht, als es erkl\u00e4rte, es habe eine Technik entwickelt, um Schweinegehirne au\u00dferhalb des K\u00f6rpers 36 Stunden lang am Leben zu halten. Die Technik von BrainEx erm\u00f6gliche, so ein <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-019-1099-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nature-Artikel<\/a>, eine \u201eErholung vom Sauerstoffmangel und verringert Reperfusionssch\u00e4den (bei Wiederherstellung des Blutflusses), beugt \u00d6demen vor und deckt den Energiebedarf des Gehirns\u201c von Schweinen, die vier Stunden zuvor geschlachtet wurden.<\/p>\n<p>Das ist schon ein wenig unheimlich, aber <a href=\"https:\/\/bexorg.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bexorg<\/a> ist einen Schritt weitergegangen und arbeitet nun mit physiologisch intakten menschlichen Gehirnen, die verstorbenen entnommen und <a href=\"https:\/\/endpoints.news\/rebooting-dead-human-brains-biotech-seeks-to-reinvent-drug-testing-work\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wiederbelebt<\/a> wurden. Ziel des Unternehmens ist, Therapien f\u00fcr Gehirnerkrankungen und -sch\u00e4digen entwickeln und besser testen zu k\u00f6nnen sowie das Gehirn zu entschl\u00fcsseln: \u201eDie erste auf K\u00fcnstlicher Intelligenz und dem gesamten menschlichen Gehirn basierende Plattform f\u00fcr die Wirkstoffforschung, die entwickelt wurde, um klinische Misserfolge im Bereich des Zentralnervensystems zu beenden.\u201c Angeblich w\u00fcrden 985 Prozent der Medikamente f\u00fcr das ZNS scheitern, weil die zur Verf\u00fcgung stehenden Modelle die Komplexit\u00e4t des menschlichen Gehirns nicht erfassen.<\/p>\n<p>Nach einem <a href=\"https:\/\/www.science.org\/content\/article\/not-alive-not-dead-disembodied-human-brains-used-drug-testing\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> in Science hat das Startup bereits mehr als 700 menschliche Gehirne, die dem K\u00f6rper von Verstorbenen entnommen wurde, an das BrainEx-System angeschlossen. Das versorgt das Gehirn mit Blutersatzmitteln und Sauerstoff. Die meisten der wichtigen Funktionen seien intakt, die elektrische Aktivit\u00e4t, die Bewusstsein erm\u00f6glichen k\u00f6nnte, wird mit Propofol bet\u00e4ubt, w\u00e4hrend mit zahlreichen Sensoren die Reaktion auf Medikamente erfasst wird.<\/p>\n<p>\u201eNicht lebendig, aber auch nicht tot\u201c, sagt Science-Autorin Sara Reardon zur\u00fcckhaltend, m\u00f6glicherweise auch deswegen, weil noch das Gehirn nach 24 Stunden sterben darf und in Hunderten von Schnitten zur genaueren Analyse zerlegt wird. Bald auch von einem Roboterarm, um in einem Jahr 1600 Gehirne aufzuschneiden und jeweils 11.000 Proteine zu untersuchen. In Zukunft will man Gehirne auch zwei Wochen lang am Leben erhalten oder wie man diesen Zustand nennen mag. Mit der KI NeuroLens werden die gewonnenen Daten zu Gehirnmodellen aufbereitet, um auch virtuell neue Medikamente testen zu k\u00f6nnen. Reardon, die dem Startup wohlwollend gesinnt ist, schreibt: \u201eIn dieser virtuellen Form werden die umsorgten Gehirne in Bexorgs Labor auch dann weiterleben, wenn ihre lebenserhaltenden Ma\u00dfnahmen eingestellt werden.\u201c Soll das Gehirnspender anlocken?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollen Ethiker die Vorgehensweise von Bexorg pr\u00fcfen und f\u00fcr korrekt befinden. K\u00f6nnen die wiederbelebten und am Leben gehaltenen Gehirne etwas empfinden, kriegen sie die Entleibung mit und nehmen sie wahr, dass sie nun \u201eGehirne im Tank\u201c sind? Das spielte einst der Philosoph Hilary Putnam nur als Gedankenexperiment \u00a0durch, um zu eruieren, ob Gehirne in einem Tank wissen k\u00f6nnen, dass sie in der Simulation leben.<\/p>\n<p>Aus dem Science-Bericht, der auf solche Fragen nicht eingehen will, geht nicht hervor, wie der Tod bei den Menschen festgestellt wird, deren Gehirne entnommen und BrainEx angeschlossen werden. Es wird sich um den umstrittenen Gehirntod handeln, dessen Feststellung in den 1960er Jahren eingef\u00fchrt wurde, um noch bedingt Lebenden, deren Gehirn irreversibel gesch\u00e4digt ist, weil eine Nulllinie im EEG vorliegt und eine Hirndurchblutung nicht mehr nachweisbar ist, Organe f\u00fcr Transplantationen entnehmen zu k\u00f6nnen. Nach dem Bericht erh\u00e4lt Bexorg Gehirne \u201ein Zusammenarbeit mit Organisationen, die gespendete Organe f\u00fcr Transplantationen beschaffen\u201c. Zvonimir Vrselja, Mitbegr\u00fcnder and CEO, sagt, \u201esobald die Familien den Prozess und die Ziele des Unternehmens verstehen, sei ihre Reaktion \u00fcberw\u00e4ltigend positiv\u201c. Das bleibt sch\u00f6n im Ungef\u00e4hren.<\/p>\n<p>Die Pharmafirma Biohaven, die mit Bexorg zusammenarbeit, startet demn\u00e4chst eine klinische Studie mit dem Medikament BHV-8100, das die Energieversorgung in neurogenerativ erkrankten Gehirn verbessern soll und teilweise auf Daten basiert, die an Bexorg-Gehirnen gewonnen wurden. Ziel von Bexorg ist es, nicht nur Medikamente f\u00fcr neurodegenerative Krankheiten am lebenden Gehirn zu testen, sondern auch Krebs und psychiatrische St\u00f6rungen ins Visier zu nehmen. Da k\u00f6nnte es durchaus sein, dass \u201eelektrische Aktivit\u00e4t\u201c erw\u00fcnscht w\u00e4re.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/roetzer-150x150.jpg\" alt=\"Florian R\u00f6tzer\" class=\"author-pic\"\/><\/p>\n<p>Florian R\u00f6tzer, geboren 1953, war Gr\u00fcnder des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer B\u00fccher, zuletzt <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/in-der-wueste-der-gegenwart.html?noloc=1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">In der W\u00fcste der Gegenwart<\/a>, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.<br \/><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/author\/florian-roetzer\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mehr Beitr\u00e4ge von Florian R\u00f6tzer \u2192<\/a><\/p>\n<p>\u00c4hnliche Beitr\u00e4ge:<img decoding=\"async\" class=\"wp-worthy-pixel-img \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/c13bfad08e81446098d9c7ab6df3d72a.gif\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\" height=\"1\" width=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bild: Marco Verch\/ccnull.de\/CC BY-2.0 Das amerikanische Unternehmen Bexorg hatte schon vor ein paar Jahren auf sich aufmerksam gemacht,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":192004,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,42,55579,10286,57653,124,123,44],"class_list":["post-192003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-austria","tag-bexorg","tag-gehirne","tag-gehirne-im-tank","tag-gesundheit","tag-health","tag-oesterreich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116675932930060155","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=192003"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192003\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/192004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=192003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=192003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=192003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}