{"id":192037,"date":"2026-06-01T17:22:57","date_gmt":"2026-06-01T17:22:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/192037\/"},"modified":"2026-06-01T17:22:57","modified_gmt":"2026-06-01T17:22:57","slug":"klarheit-im-stimmengewirr-werden-hoergeraete-kuenftig-von-der-eigenen-aufmerksamkeit-gesteuert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/192037\/","title":{"rendered":"Klarheit im Stimmengewirr: Werden H\u00f6rger\u00e4te k\u00fcnftig von der eigenen Aufmerksamkeit gesteuert?"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCHpa\"><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/reden-sie-ruhig-uber-das-wetter-smalltalk-ist-weniger-langweilig-als-viele-befurchten-15470106.html?icid=in-text-link_15629729\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Small Talk<\/a> ist so eine Sache, vor allem in Gruppen. Es gilt, dranzubleiben, um vielleicht selbst eine passende Anekdote beisteuern zu k\u00f6nnen. Dabei zu sein und nicht au\u00dfen vor. Wenn aber mehrere Menschen auf einmal reden, wird das schwierig.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\"><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesundheit\/die-laute-seite-des-stadtlebens-warum-uns-larm-auf-dauer-krank-macht-15311364.html?icid=in-text-link_15629729\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schwerh\u00f6rige Menschen<\/a> sind in solchen Situationen schnell au\u00dfen vor. Ihr Sprachverst\u00e4ndnis leidet, wenn es im Gespr\u00e4ch schnell und durcheinander geht und sich Gesprochenes \u00fcberlagert. Zwar k\u00f6nnen H\u00f6rger\u00e4te manche St\u00f6rger\u00e4usche unterdr\u00fccken, aber Redebeitr\u00e4ge verst\u00e4rken die meisten gleicherma\u00dfen, auch Stimmengewirr. Neue Technologien sollen helfen.<\/p>\n<p> Anstrengende Gespr\u00e4che <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Das Gehirn kann zu einem gewissen Grad dagegenhalten und aus dem Gespr\u00e4chsstrom herausfiltern, was eine Person sagt. Das wird bisweilen als \u201eCocktail-Party-Effekt\u201c bezeichnet. Jetzt haben Forschende an der Columbia University in New York eine Technologie entwickelt und mit Menschen getestet, die den Effekt f\u00fcr Schwerh\u00f6rige nutzbar machen soll.<\/p>\n<p>Was das beste H\u00f6rger\u00e4t ist, ist komplett individuell.<\/p>\n<p class=\"tspCKph\">Kriemhild Egermann, Gesundheits- und sozialpolitische Referentin, Deutscher Schwerh\u00f6rigenbund e.V.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">\u201eWir haben ein System entwickelt, das wie eine neuronale Erweiterung funktioniert\u201c, sagt der leitende Autor Nima Mesgarani. In Zukunft k\u00f6nnte die Technologie dazu beitragen, das selektive H\u00f6rverm\u00f6gen von h\u00f6rbeeintr\u00e4chtigten Menschen wiederherzustellen, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41593-026-02281-5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">berichtete<\/a> Mesgaranis Team k\u00fcrzlich in der Fachzeitschrift \u201eNature Neuroscience\u201c.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Doch um f\u00fcr h\u00f6rbeeintr\u00e4chtigte Menschen gut zu funktionieren, m\u00fcssen H\u00f6rger\u00e4te viele Aufgaben erf\u00fcllen k\u00f6nnen, sagt Kriemhild Egermann vom <a href=\"https:\/\/schwerhoerigen-netz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Deutschen Schwerh\u00f6rigenbund<\/a>, selbst beidseitig H\u00f6rger\u00e4ttr\u00e4gerin. Wer sich H\u00f6rger\u00e4te zulegen wolle, solle zuerst verschiedene Modelle testen, um das Beste f\u00fcr sich zu finden. \u201eDas ist komplett individuell\u201c, sagt Egermann.<\/p>\n<p>H\u00f6rbeeintr\u00e4chtigte in Deutschland<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Nach <a href=\"https:\/\/schwerhoerigen-netz.de\/oeffentlichkeitsarbeit\/statistiken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Angaben<\/a> des Deutschen Schwerh\u00f6rigenbunds ist in Deutschland etwa jeder f\u00fcnfte Mensch \u00fcber 14 Jahre h\u00f6rbeeintr\u00e4chtigt. Das sind \u00fcber 13 Millionen Menschen.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Mehr als die H\u00e4lfte davon sind leichtgradig schwerh\u00f6rig. Sie verstehen normale Gespr\u00e4che, h\u00f6ren jedoch leise Ger\u00e4usche wie Fl\u00fcstern, Bl\u00e4tterrauschen oder Uhrenticken nicht mehr. Sie haben auch Schwierigkeiten, bei Hintergrundger\u00e4uschen Gespr\u00e4chen zu folgen.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Etwa ein Drittel ist mittelgradig und etwa sieben Prozent sind hochgradig schwerh\u00f6rig. Sie k\u00f6nnen T\u00fcrklingeln \u00fcberh\u00f6ren und ohne Hilfsmittel keine Telefongespr\u00e4che mehr f\u00fchren. Bei knapp zwei Prozent der Betroffenen grenzt die Schwerh\u00f6rigkeit an Taubheit.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Wie gut die Ger\u00e4te H\u00f6rverluste ausgleichen k\u00f6nnen, ist auch situationsabh\u00e4ngig. Im Gruppengespr\u00e4ch k\u00f6nnte man H\u00f6rger\u00e4te lauter stellen, sagt Egermann, und neue \u2013 meist auch teure \u2013 Ger\u00e4te k\u00f6nnten in eine Richtung ausgerichtet werden und Ger\u00e4usche aus anderen unterdr\u00fccken. \u201eAber es ist extrem anstrengend, sich auf die eine Person zu konzentrieren\u201c, sagt Egermann.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Co-Autor der Studie Vishal Choudhari nennt zwei Probleme mit dieser Herangehensweise: Die Ausrichtung basiere auf der Annahme, dass man der Person, der man zuh\u00f6ren m\u00f6chte, das Gesicht zuwendet. \u201eIn echten Situationen blickt man sich aber \u00f6fter um oder in eine andere Richtung, obwohl man sich weiter mit einer Person unterh\u00e4lt.\u201c Zudem k\u00e4men die Ger\u00e4te an Grenzen, wenn mehrere Stimmen aus der gleichen Richtung kommen, etwa von der anderen Tischseite bei einem gemeinsamen Essen.<\/p>\n<p> Mit der Kraft der Gedanken <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">\u201eWir wollen von richtungsbasierten zu absichtsbasierten H\u00f6rhilfen gelangen\u201c, sagt Choudhari. Per Computer zu automatisieren, dass ein H\u00f6rger\u00e4t das in Gedanken gew\u00fcnschte Signal verst\u00e4rkt, w\u00e4hrend es andere unterdr\u00fcckt, k\u00f6nnte gleichzeitig das Sprachverst\u00e4ndnis verbessern und die Anstrengung mindern.<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">F\u00fcr ihre Experimente haben Mesgarani und Choudhari mit Chirurgen und Epilepsiepatienten und -patientinnen zusammengearbeitet. Diese trugen bereits Elektroden im Kopf, die ihnen implantiert worden waren, um Anf\u00e4lle aufzuzeichnen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/unbenannt.jpeg\"   alt=\"A hearing system monitoring this man\u2019s brain activity amplifies a conversation played on his left while quieting one on his right, based on which conversation his brainwaves suggest he is paying attention to. (Vishal Choudhari \/ Mesgarani lab \/ Columbia\u2019s Zuckerman Institute)\" aria-labelledby=\"caption-15630114\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAXi2\"\/> Die Probanden steuerten im Experiment mit ihren Gedanken, ob das Gespr\u00e4ch aus dem linken oder das aus dem rechten Lautsprecher lauter gestellt wurde. <\/p>\n<p class=\"tspXfj\"> \u00a9 Vishal Choudhari \/ Mesgarani lab \/ Columbia\u2019s Zuckerman Institute <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Die Forschenden nutzten die Elektroden, um die Gehirnaktivit\u00e4ten der Probanden zu messen, w\u00e4hrend diese versuchten, einem von zwei gleichzeitig abgespielten Gespr\u00e4chen zu folgen: eines aus einem Lautsprecher links, das andere aus einem Lautsprecher rechts \u2013 munter durcheinander, wie im echten Leben. <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Das von den Forschenden entwickelte, auf einem Computer laufende System erkannte anhand der Hirnwellen in den meisten F\u00e4llen richtig, welchem Gespr\u00e4ch der Proband folgen wollte. Es hob dann dessen Lautst\u00e4rke an, w\u00e4hrend es das andere leiser machte. F\u00fcr eine Freiwillige war die Erfahrung unglaublich. Sie ging fest davon aus, dass die Forschenden die Lautst\u00e4rken heimlich anpassten, berichtet Choudhari. <\/p>\n<p> Rechtzeitig testen <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">\u201eEs ist bemerkenswert, wie das System die Signale in Echtzeit deutete und damit die Anlage steuerte\u201c, sagt Tim J\u00fcrgens von der Technischen Hochschule L\u00fcbeck, der nicht an der Studie beteiligt war. In seinem Forschungsprojekt \u201ealltagsnahe H\u00f6rger\u00e4te-Evaluation mittels virtueller Akustik\u201c (<a href=\"https:\/\/www.th-luebeck.de\/forschung-und-transfer\/forschung\/projekte\/aheva\/uebersicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">AHEVA<\/a>) geht seine Arbeitsgruppe der Frage nach, wie H\u00f6rger\u00e4te unter Bedingungen getestet werden k\u00f6nnen, die dem Alltag wirklich nahekommen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/newsimage421178.jpeg\"   alt=\"Im Rahmen von AHEVA wurde ein neuartiger Sprachtest entwickelt, der auf alltagsnahen Dialogen basiert. Quelle: TH L\u00fcbeck\" aria-labelledby=\"caption-15630115\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAXi2\"\/> Mit sph\u00e4risch angeordneten Lautsprechern k\u00f6nnen im AHEVA-Labor allt\u00e4gliche Ger\u00e4uschsituationen wie etwa vorbeifahrende Autos realistisch nachgestellt werden.   <\/p>\n<p class=\"tspXfj\"> \u00a9 TH L\u00fcbeck <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Mit den Elektroden sei es in dem Experiment m\u00f6glich gewesen, abzuleiten, wie man eine Richtungsfilterung einstellt, sodass nur das den Nutzer interessierende Signal verst\u00e4rkt wird. Aber als operativer Eingriff kommen Elektrodenverpflanzungen f\u00fcr die meisten Schwerh\u00f6rigen nicht infrage. Mesgeranis Team h\u00e4lt Elektroden au\u00dferhalb der Sch\u00e4deldecke f\u00fcr einen weiterf\u00fchrenden Ansatz. Aber von einem tragbaren Ger\u00e4t ist die Technik noch weit entfernt. <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">J\u00fcrgens sieht eine Erweiterungsm\u00f6glichkeit, die bereits in H\u00f6rger\u00e4ten genutzt wird: Gyrosensoren, die Informationen dar\u00fcber liefern, wie H\u00f6rger\u00e4tetragende ihren Kopf halten. \u201eWenn man solche Signale mit Richtungsfilterungen kombiniert, k\u00f6nnten H\u00f6rger\u00e4te auf das Verhalten der Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger reagieren und selektiv Signale verst\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">H\u00f6rger\u00e4tetr\u00e4gerin Egermann freut sich \u00fcber die Ideen und technischen Neuerungen. \u201eAber letztlich werden es die Abnehmer sein, die dar\u00fcber entscheiden, was sich durchsetzt.\u201c<\/p>\n<p>Mehr zum Thema H\u00f6ren<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesundheit\/standig-larm-im-ohr-wie-eine-betroffene-mit-einem-tinnitus-zu-leben-lernte-15492304.html?icid=topic-list_15629729___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" 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noopener\" target=\"_blank\">H\u00f6rtests machen<\/a>, auch um den Folgen von Schwerh\u00f6rigkeit vorzubeugen. Schwerh\u00f6rigkeit sei f\u00fcr viele schambehaftet, sie k\u00f6nne Betroffene aber auch in die Einsamkeit f\u00fchren, Depressionen verursachen und ohne geeignete Behandlung zu Demenz beitragen. <\/p>\n<p class=\"tspCHpa\">Egermann selbst merkte, dass sie etwas tun musste, als sie sogar Personen, die direkt neben ihr sa\u00dfen, nicht mehr verstand. Vor allem, wenn nebenher der Fernseher lief. \u201eDa h\u00e4tten mir gute H\u00f6rger\u00e4te bestimmt schon zwei Jahre zuvor helfen k\u00f6nnen\u201c, sagt sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Small Talk ist so eine Sache, vor allem in Gruppen. 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