{"id":19335,"date":"2026-03-01T08:34:09","date_gmt":"2026-03-01T08:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/19335\/"},"modified":"2026-03-01T08:34:09","modified_gmt":"2026-03-01T08:34:09","slug":"europas-reparaturroboter-im-all-wie-sie-defekte-satelliten-retten-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/19335\/","title":{"rendered":"Europas Reparaturroboter im All: Wie sie defekte Satelliten retten sollen"},"content":{"rendered":"<p>Satellitenbetreiber haben heute nur wenige M\u00f6glichkeiten, wenn ihren Satelliten der Treibstoff ausgeht, die Solarpaneele besch\u00e4digt sind oder Fehlermeldungen den Betrieb lahmlegen.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Manche Softwareprobleme lassen sich von der Erde aus beheben, f\u00fcr bestimmte Hardware-Macken finden Ingenieurinnen und Ingenieure Umgehungsl\u00f6sungen. Doch wenn ein Satellit gewartet werden muss, gibt es im All im Grunde keinen Pannendienst, den man rufen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Folge: Viele ausgediente Satelliten landen in sogenannten Friedhofsorbits. Im schlimmsten Fall trudeln sie unkontrolliert durchs All, gef\u00e4hrden andere Raumfahrzeuge und vergr\u00f6\u00dfern den Schrottg\u00fcrtel im Orbit.<\/p>\n<p>Angesichts der rasant wachsenden Zahl von Raumfahrzeugen arbeiten Europas Ingenieurteams an Robotern, die \u00e4ltere Satelliten l\u00e4nger einsatzf\u00e4hig halten oder funktionslose Exemplare gezielt aus stark genutzten Umlaufbahnen schieben sollen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist wie ein Abschleppwagen auf der Autobahn\u201c, sagt St\u00e9phanie Behar-Lafen\u00eatre, Projektleiterin bei Thales Alenia Space f\u00fcr die von der Europ\u00e4ischen Union finanzierte Mission European Robotic Orbital Support Services (EROSS).<\/p>\n<p>Ihr Ziel: Im Jahr 2028 soll ein kleiner, in Europa gebauter Satellit mit einem Roboterarm zu einer Demonstrationsmission starten.<\/p>\n<p>Dort soll er sein Ziel ansteuern, den Satelliten umfliegen und so zun\u00e4chst eine Inspektion aus der N\u00e4he durchf\u00fchren. Anschlie\u00dfend will das Team zeigen, dass der Roboter den Satelliten einfangen und betanken kann. Thales Alenia Space entwickelt au\u00dferdem universelle Andockpunkte nach USB-Vorbild, mit denen sich Bauteile im All leichter zusammensetzen lassen.<\/p>\n<p>Ab Anfang der drei\u00dfiger Jahre sollen EROSS-Abschleppdienste dann zahlenden Kundinnen und Kunden zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>\u201eDie Idee ist, dass man einfach einen Dienst bestellt \u2013 zum Abschleppen an einen anderen Ort, f\u00fcr eine Reparatur oder zum Betanken. Wir wollen Services f\u00fcr Raumfahrzeuge anbieten, die daf\u00fcr urspr\u00fcnglich gar nicht vorgesehen waren\u201c, sagt sie im Gespr\u00e4ch mit Euronews Next.<\/p>\n<p>Genau das ist der entscheidende Punkt. Die meisten Satelliten im Erdorbit wurden nie f\u00fcr Wartung ausgelegt. Man ging davon aus, dass sie nach dem Start eigenst\u00e4ndig arbeiten, bis der Treibstoff verbraucht ist oder ein kritischer Defekt auftritt.<\/p>\n<p>Heute umkreisen jedoch fast 15.000 aktive Satelliten die Erde, dazu kommen mehrere Tausend ausgefallene Systeme. Klar ist: Wartung direkt im Orbit wird zu einem eigenen Gesch\u00e4ftsfeld \u2013 inklusive Technik, die auch \u201eunkooperative\u201c Raumfahrzeuge einfangen und reparieren kann.<\/p>\n<p>Jean-Luc Maria, Mitgr\u00fcnder und Chef des franz\u00f6sischen Unternehmens ExoTrail, sieht darin einen logischen Schritt: Fr\u00fcher galten Satelliten als Werkzeuge f\u00fcr Forschung und Exploration, heute z\u00e4hlen sie zur kritischen Infrastruktur des Alltags.<\/p>\n<p>\u201eErreicht diese Infrastruktur eine gewisse kritische Masse, entstehen neue Bed\u00fcrfnisse, n\u00e4mlich sie effizient zu managen\u201c, sagt der Ingenieur zu Euronews Next. \u201eIm Grunde ist es einfach: So wie Autobahnen und Mobilfunkmasten Wartungsteams brauchen, brauchen Satelliten sie auch.\u201c<\/p>\n<p>Unvorbereitete Satelliten einfangen<\/p>\n<p>Die technischen H\u00fcrden f\u00fcr Wartung im Orbit sind enorm. \u201eWir m\u00fcssen etwas identifizieren und greifen, das keinerlei daf\u00fcr vorgesehene Struktur hat\u201c, erkl\u00e4rt Behar-Lafen\u00eatre. Beim EROSS-Einsatz zielt das Roboterschiff deshalb auf den Metallring, \u00fcber den der Satellit urspr\u00fcnglich mit der Tr\u00e4gerrakete verbunden war.<\/p>\n<p>Dieser Ring ist zwar weder genormt noch bei allen Modellen vorhanden, er steckt aber in rund drei Vierteln aller Raumfahrzeuge \u2013 und er ist immer besonders stabil konstruiert.<\/p>\n<p>\u201eSobald man ihn gepackt hat, kann man den Satelliten abschleppen\u201c, so Behar-Lafen\u00eatre.<\/p>\n<p>\u201eDann \u00fcbernehmen wir die Lage- und Bahnkontrolle und k\u00f6nnen ihn in eine andere Umlaufbahn bringen. Wir k\u00f6nnen all die Funktionen ersetzen, zu denen das Raumfahrzeug selbst nicht mehr in der Lage ist\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Einige Satellitenkonstellationen bereiten sich bereits gezielt auf k\u00fcnftige Wartung vor. Die Eutelsat-OneWeb-Satelliten tragen zum Beispiel eine seitliche Magnetplatte.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein sehr gutes Beispiel\u201c, sagt Maria. \u201eWir wissen, dass wir theoretisch eine Gegenplatte konstruieren k\u00f6nnten, um einen OneWeb-Satelliten anzudocken, der irgendwann gewartet werden muss.\u201c<\/p>\n<p>ExoTrail bietet schon heute erste Dienste f\u00fcr andere Satellitenbetreiber an \u2013 mit einem Raumfahrzeug, das das Unternehmen \u201eSpacevan\u201c nennt.<\/p>\n<p>Die Plattform flog erstmals im Jahr 2023 mit einer SpaceX-Rakete ins All. Sie nimmt kleine Satelliten auf und bringt jeden einzelnen pr\u00e4zise in seine Zielbahn \u2013 \u00e4hnlich wie ein Lieferdienst, der Pakete bei Haushalten und Unternehmen absetzt.<\/p>\n<p>Maria spricht von \u201efr\u00fchen Services\u201c, einer Art Mitfahrgelegenheit im All f\u00fcr die letzte Etappe der Reise. Nun arbeitet ExoTrail an einem deutlich ambitionierteren Ziel: vollst\u00e4ndige Rendezvous- und Andockman\u00f6ver, die Inspektionen, Lebensdauerverl\u00e4ngerung, Betankung und am Ende echte Reparaturen im Orbit erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Gesch\u00e4ftsbereich ist f\u00fcr ExoTrail das gezielte Absenken von Satellitenbahnen. Dabei dr\u00fcckt der Dienstleister den Satelliten seines Kunden kontrolliert in Richtung einer abgelegenen Meeresregion. Im vergangenen Monat gab das Unternehmen eine Partnerschaft mit der japanischen Raumfahrtfirma Astroscale bekannt. Gemeinsam wollen sie bis 2030 demonstrieren, wie sich Satelliten so pr\u00e4zise entsorgen lassen.<\/p>\n<p>Rechtliche H\u00fcrden und ein unsicherer Markt<\/p>\n<p>Neben der Technik bleibt auch der rechtliche Rahmen unklar. Was passiert, wenn bei einem Wartungseinsatz zwei Satelliten kollidieren \u2013 wer haftet? Und welche Gesetze gelten, wenn ein franz\u00f6sisches Servicemodul an einem japanischen Satelliten andockt? Solche Fragen diskutieren Frankreich, Japan und andere Staaten derzeit, etwa im Rahmen eines EU-Weltraumrechts und bilateraler Abkommen.<\/p>\n<p>Offen ist zudem, wer die Dienste im Orbit bezahlt und wie gro\u00df der Markt tats\u00e4chlich wird. \u201eDas ist schwer abzusch\u00e4tzen, es ist ein klassisches Henne-Ei-Problem\u201c, r\u00e4umt Behar-Lafen\u00eatre ein. \u201eMan muss erst beweisen, dass man es kann, damit \u00fcberhaupt Interesse entsteht, den Service zu kaufen.\u201c<\/p>\n<p>Am klarsten zeichnet sich der erste Markt weit \u00fcber unseren K\u00f6pfen ab, in mehr als 35.000 Kilometern H\u00f6he: der geostation\u00e4re Orbit. Dort betreiben Telekommunikationsunternehmen alternde Flotten, die sie lieber pflegen als komplett ersetzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Mit neuen Mega-Konstellationen im niedrigen Erdorbit, die alternative Telekommunikationsdienste anbieten, verliert der geostation\u00e4re Orbit an Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Frischstarts. Umso interessanter werden dort Services, die die Lebensdauer bestehender Satelliten verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Wartung im All hat zudem eine stark milit\u00e4rische Dimension \u2013 und damit potenziell eine robuste Nachfrage. Die F\u00e4higkeit, Satelliten im Orbit zu inspizieren, anzufliegen und zu manipulieren, gilt im Verteidigungsbereich als Schl\u00fcsseltechnologie.<\/p>\n<p>\u201eIm Kern ist das ein dualer Ansatz\u201c, sagt Maria. Russland, China und Indien haben in diesem Feld bereits beeindruckende F\u00e4higkeiten demonstriert. China versetzte im Jahr 2022 einen geostation\u00e4ren Satelliten um mehrere Tausend Kilometer, Indien zeigte vor wenigen Monaten ein Andockman\u00f6ver im All.<\/p>\n<p>\u201eEin langer Weg\u201c<\/p>\n<p>Ganz reibungslos verl\u00e4uft die Entwicklung nicht. Die US-Raumfahrtbeh\u00f6rde NASA stie\u00df mit ihrer Mission OSAM\u20111 (On\u2011orbit Servicing, Assembly, and Manufacturing) selbst auf das Henne-Ei-Problem. Sie strich das Projekt 2024, nachdem die Kosten explodierten und ein kommerzieller Markt f\u00fcr die Betankung unvorbereiteter Satelliten ausblieb.<\/p>\n<p>Der US-Konzern Northrop Grumman betreibt dagegen seit 2020 sogenannte Mission Extension Vehicles im geostation\u00e4ren Orbit, die die Lebensdauer von Intelsat-Satelliten verl\u00e4ngern. Das n\u00e4chste Missionsfahrzeug des Unternehmens, das noch in diesem Jahr starten soll, setzt auf weiterentwickelte Robotik: Es soll Module zur Lebensdauerverl\u00e4ngerung montieren, Inspektionen und Reparaturen durchf\u00fchren und sogar Weltraumschrott beseitigen.<\/p>\n<p>Neben Thales Alenia Space und ExoTrail arbeiten mehrere europ\u00e4ische Firmen an eigenen Wartungsdiensten.<\/p>\n<p>ClearSpace, ein Schweizer Start-up, hat von der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ESA einen Auftrag f\u00fcr die erste aktive Schrottbeseitigung im All im Jahr 2027 erhalten. Ihr System nutzt zwei Satelliten, die im Tandem arbeiten \u2013 bei der weltweit ersten kommerziellen Mission zur aktiven Beseitigung von Tr\u00fcmmern im niedrigen Erdorbit. Sp\u00e4ter in diesem Jahrzehnt will ClearSpace zudem demonstrieren, wie sich mit dieser Technologie ein Satellit im geostation\u00e4ren Orbit andocken und seine Lebensdauer verl\u00e4ngern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Akteur ist das italienische Unternehmen D\u2011Orbit. Es startete mit dem ION Satellite Carrier, einem Konzept \u00e4hnlich zu ExoTrails \u201eSpacevan\u201c, und arbeitet nun an einer \u201ezirkul\u00e4ren Weltraumwirtschaft\u201c, in der Weltraumschrott als Ressource dient. Im Jahr 2024 unterschrieb D\u2011Orbit mit der ESA einen Vertrag f\u00fcr die Mission RISE. Sie soll 2028 demonstrieren, wie ein Satellit im geostation\u00e4ren Orbit sicher angesteuert und angedockt werden kann, um seine Nutzungsdauer zu verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Bis 2030 d\u00fcrfte sich abzeichnen, welche Zukunft die Wartung im Orbit wirklich hat. In vielleicht zehn Jahren k\u00f6nnte eine Technologie, die heute noch nach Science-Fiction klingt, zum normalen Bestandteil des europ\u00e4ischen Weltraummanagements werden.<\/p>\n<p>Maria mahnt dennoch zur Bodenhaftung. \u201eWir brauchen ein schrittweises Vorgehen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Ein unkooperatives, schnell rotierendes Raumfahrzeug mitten im All einzufangen, bleibt vorerst Stoff f\u00fcr Hollywoodfilme. \u201eInsgesamt wird das f\u00fcr alle Unternehmen wahrscheinlich ein langer Weg\u201c, sagt er mit einem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Dennoch nimmt der einfache europ\u00e4ische Pannenwagen f\u00fcr den Orbit Gestalt an. Mit ihm w\u00e4chst die Aussicht, Raumfahrzeuge im Wert von Hunderten Millionen Euro zu betanken und zu retten \u2013 und damit die Lebensdauer der Infrastruktur zu verl\u00e4ngern, die unseren Planeten vernetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Satellitenbetreiber haben heute nur wenige M\u00f6glichkeiten, wenn ihren Satelliten der Treibstoff ausgeht, die Solarpaneele besch\u00e4digt sind oder Fehlermeldungen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19336,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,75,74,10345,254,9865],"class_list":{"0":"post-19335","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-europa","10":"tag-europe","11":"tag-satellit","12":"tag-technologie","13":"tag-weltall"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19335"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19335\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}