{"id":196900,"date":"2026-06-04T03:45:17","date_gmt":"2026-06-04T03:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/196900\/"},"modified":"2026-06-04T03:45:17","modified_gmt":"2026-06-04T03:45:17","slug":"administrative-ki-in-der-augenheilkunde-konkret-angewendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/196900\/","title":{"rendered":"Administrative KI in der Augenheilkunde\u00a0&#8211; konkret angewendet"},"content":{"rendered":"<p>Die Augenheilkunde gilt als Vorreiterin der klinischen KI \u2013 doch w\u00e4hrend sie in der Diagnostik schon Standard ist, hinkt die Organisation des Praxisalltags noch oft hinterher. Wie auch hier KI konkret und niedrigschwellig helfen kann, zeigen zwei Beispiele aus dem Betrieb einer Praxis im Sauerland.<\/p>\n<p>Kaum ein medizinisches Fachgebiet hat die klinischen M\u00f6glichkeiten k\u00fcnstlicher Intelligenz so fr\u00fch und so konsequent erschlossen wie die Augenheilkunde.\u00a0Einsatzszenarien wie die automatisierte Analyse von OCT-Aufnahmen zur Fr\u00fcherkennung der altersabh\u00e4ngigen Makuladegeneration, KI-gest\u00fctzte Screening-Systeme f\u00fcr die diabetische Retinopathie\u00a0oder\u00a0die algorithmische Auswertung von Fundusfotografien bei Glaukomverdacht haben in Klinik und Praxis l\u00e4ngst ihren Platz gefunden und das diagnostische Repertoire der Ophthalmologie substanziell erweitert.\u00a0<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die KI am Befundmonitor bereits Routine ist, bleibt\u00a0die Organisation der Patientenstr\u00f6me im\u00a0augen\u00e4rztlichen Alltag\u00a0hinter den Diagnostikstandards zur\u00fcck.\u00a0Dabei ist der Handlungsdruck sp\u00fcrbar. Ophthalmologische Praxen und Ambulanzen versorgen ein Patientenklientel mit hoher Terminfrequenz: Chronisch kranke Patienten mit AMD, Glaukom oder diabetischer Retinopathie kommen nicht einmal, sondern \u00fcber Monate und Jahre regelm\u00e4\u00dfig wieder. Fehlbuchungen, \u00fcberlastete Telefonleitungen und unstrukturierte Terminw\u00fcnsche erzeugen in diesem Umfeld erheblichen Folgeaufwand: R\u00fcckfragen, Umplanungen, besetzte Untersuchungspl\u00e4tze zur falschen Zeit.\u00a0Wie KI auch hier wirksam und gleichzeitig niedrigschwellig eingesetzt werden kann, zeigen zwei Anwendungsbeispiele aus dem laufenden Praxisbetrieb.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Praxisbeispiel\u00a01: KI-gest\u00fctzte Terminvereinbarung\u00a0<\/p>\n<p>Wer als Patientin oder Patient online einen Termin bucht, w\u00e4hlt diesen h\u00e4ufig nach Verf\u00fcgbarkeit und pers\u00f6nlicher Pr\u00e4ferenz. Insbesondere in der Augenheilkunde mit vielen spezialisierten Untersuchungen und Terminarten, besteht ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Fehlbuchungen: Ein Patient bucht bspw. einen \u201eAugencheck\u201d, meint aber eine Sehsch\u00e4rfenbestimmung zur Brillenanpassung oder umgekehrt. R\u00fcckfragen, Umbuchungen und verschwendete Untersuchungskapazit\u00e4ten sind die Folge.\u00a0<\/p>\n<p>Um solche Szenarien fr\u00fchzeitig zu unterbinden, beantworten Patientinnen und Patienten bei der KI-gest\u00fctzten Terminvereinbarung verschiedene Freitextfragen zum Besuchsgrund und bekommen anschlie\u00dfend passende Terminarten vorgeschlagen. Die Antworten werden dabei semantisch analysiert \u2013 also nicht nach Schl\u00fcsselw\u00f6rtern, sondern nach dem inhaltlichen Bedeutungsgehalt der Anfrage. Gibt eine Patientin bspw. ein \u201eMein Auge tr\u00e4nt seit Wochen und ich habe Druck dahinter\u201d, erkennt das System mehrere m\u00f6gliche klinische Kontexte und schl\u00e4gt ein passendes Terminangebot vor.\u00a0<\/p>\n<p>In der Arztpraxis Spieren &amp; Kollegen im Sauerland konnte die Zahl der Fehlbuchungen durch die KI-gest\u00fctzte Terminvereinbarung\u00a0von samedi\u00a0halbiert werden und liegt nur noch bei\u00a010-15 % statt vorher 30 %.\u00a0R\u00fcckfragen an das Praxisteam nahmen ab und Patienten bewerteten den Buchungsvorgang als deutlich unkomplizierter als zuvor. F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sowie MFAs bleibt dabei volle Transparenz gewahrt: Die KI-Vorschl\u00e4ge sind nachvollziehbar und das Modell wurde in der Pilotphase anhand\u00a0realer Anfragen aus dem Praxisalltag kontinuierlich weiterentwickelt.\u00a0<\/p>\n<p>Praxisbeispiel\u00a02: KI-Telefonassistent mit verbindlicher Terminbuchung\u00a0<\/p>\n<p>Das Telefon ist in der augen\u00e4rztlichen Praxis nach wie vor der meistgenutzte Kommunikationskanal \u2013 besonders bei der \u00e4lteren Patientengruppe, die einen Gro\u00dfteil des Klientels ausmacht. Gleichzeitig bindet es \u00fcberproportional viel Personalzeit: Anrufe w\u00e4hrend der Sprechstunde, Warteschleifen,\u00a0zwingend notwendige Beantwortung der Anrufe in Echtzeit.\u00a0<\/p>\n<p>Ein KI-gest\u00fctzter Telefonassistent \u00fcbernimmt die Erstannahme eingehender Anrufe und vereinbart direkt und verbindlich Termine, die in Echtzeit in den\u00a0samedi\u00a0Terminkalender eingebucht werden. L\u00e4sst sich ein Anliegen nicht sofort\u00a0am Telefon\u00a0abschlie\u00dfen, wird automatisch eine strukturierte Aufgabe im System angelegt: f\u00fcr R\u00fcckrufe, Folgerezepte, \u00dcberweisungsanfragen oder\u00a0Nachfragen zum Befund. Diese Aufgaben k\u00f6nnen\u00a0anschlie\u00dfend gezielt verf\u00fcgbaren Mitarbeitenden\u00a0zugewiesen werden.\u00a0<\/p>\n<p>In der\u00a0Arztpraxis Spieren &amp; Kollegen\u00a0zeigte sich\u00a0nach mehr als\u00a03.000\u00a0Anrufen \u00fcber den Telefonassistenten: Rund 70 % der Telefonanfragen betreffen Terminvereinbarungen und werden vollst\u00e4ndig durch den Assistenten abgeschlossen. Die verbleibenden 30 % m\u00fcnden in Aufgaben, die das Team asynchron und strukturiert bearbeitet \u2013 ohne R\u00fcckruflisten auf Papier, ohne verlorene Notizen. Patienten erreichen die Praxis zu jeder Zeit und erhalten eine verl\u00e4ssliche R\u00fcckmeldung. Das entlastet das MFA-Team gerade in intensiven Sprechstundenphasen sp\u00fcrbar und verbessert die Erreichbarkeit ohne zus\u00e4tzlichen Personalaufwand.\u00a0<\/p>\n<p>Einordnung: Was das f\u00fcr die Augenheilkunde bedeutet\u00a0<\/p>\n<p>Beide Anwendungen teilen eine entscheidende Eigenschaft: Sie docken an bestehende Systeme und Abl\u00e4ufe an und verbessern\u00a0diese,\u00a0anstatt sie zu ersetzen. Der Aufwand f\u00fcr Implementierung und Schulung bleibt \u00fcberschaubar, der Nutzen ist im laufenden Betrieb\u00a0schnell sp\u00fcrbar.\u00a0Ein Aspekt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Der datenschutzkonforme Umgang mit Gesundheitsdaten. Ophthalmologische Patientendaten geh\u00f6ren zu den sensibelsten Kategorien personenbezogener Daten\u00a0nach DSGVO. KI-Systeme, die Gespr\u00e4chsinhalte verarbeiten, Freitexte analysieren oder Termininformationen speichern, m\u00fcssen auf Basis einer tragf\u00e4higen Rechtsgrundlage betrieben werden \u2013 in der Regel einer ausdr\u00fccklichen Einwilligung oder eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung mit dem Anbieter. Serverseitige Verarbeitung innerhalb der EU, klare L\u00f6schfristen und transparente Datenweitergabe sind dabei keine optionalen Details, sondern Voraussetzung f\u00fcr den rechtssicheren Betrieb. Praxen und Kliniken sollten dies bei der Anbieterwahl fr\u00fchzeitig pr\u00fcfen und dokumentieren.\u00a0<\/p>\n<p>Gerade in der Augenheilkunde mit\u00a0einem spezifischen Mix aus hochfrequenten Kontrollpatienten, komplexen Behandlungspfaden und einem Patientenstamm,\u00a0von dem ein Gro\u00dfteil nicht zur Generation \u201cDigital Native\u201d z\u00e4hlt,\u00a0liegt\u00a0in der Nutzung von KI\u00a0ein Hebel, der bislang untersch\u00e4tzt wird.\u00a0Am Beispiel der KI-gest\u00fctzten Terminbuchung, sowie eines KI-Telefonassistenten mit verbindlicher Terminvergabe wird deutlich, wie sich administrative Prozesse in der Augenheilkunde mit KI optimieren lassen: entlastend f\u00fcr das Team, pr\u00e4ziser f\u00fcr den Patienten, effizienter f\u00fcr die gesamte Einrichtung.\u00a0<\/p>\n<p>Autorenkontakte:<\/p>\n<p>Prof. Dr. Alexander Alscher, Gr\u00fcnder &amp; Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer,\u00a0samedi\u00a0GmbH,\u00a0<a href=\"https:\/\/mgo-medizin.de\/ophthalmologie\/sonstiges-ophthalmologie\/administrative-ki-in-der-augenheilkunde-konkret-angewendet\/mailto:info@samedi.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">info@samedi.de<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.samedi.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.samedi.com<\/a>\u00a0\u00a0Dr. med. Bernhard Febrer Bowen, Leitender Augenarzt &amp; Augenchirurg,\u00a0Augerlin\u00a0Augen\u00e4rzte Berlin,\u00a0<a href=\"https:\/\/mgo-medizin.de\/ophthalmologie\/sonstiges-ophthalmologie\/administrative-ki-in-der-augenheilkunde-konkret-angewendet\/mailto:info@augerlin.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">info@augerlin.de<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.augerlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.augerlin.de<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0Stefan Spieren MBA, Facharzt f\u00fcr Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie, Arztpraxis Spieren &amp; Kollegen,\u00a0<a href=\"https:\/\/mgo-medizin.de\/ophthalmologie\/sonstiges-ophthalmologie\/administrative-ki-in-der-augenheilkunde-konkret-angewendet\/mailto:praxis@spieren.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">praxis@spieren.de<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.spieren.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.spieren.de<\/a>\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Erschienen in Concept Ophthalmologie 4-2026.<\/p>\n<p>Bild: Samedi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Augenheilkunde gilt als Vorreiterin der klinischen KI \u2013 doch w\u00e4hrend sie in der Diagnostik schon Standard ist,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":196901,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[58652,46,42,124,123,507,31508,44,6152],"class_list":["post-196900","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-administration","tag-at","tag-austria","tag-gesundheit","tag-health","tag-ki","tag-organisation","tag-oesterreich","tag-praxis"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116689785704329914","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=196900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196900\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/196901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=196900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=196900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=196900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}