{"id":196956,"date":"2026-06-04T04:50:09","date_gmt":"2026-06-04T04:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/196956\/"},"modified":"2026-06-04T04:50:09","modified_gmt":"2026-06-04T04:50:09","slug":"attacken-auf-glaeubige-und-kirchen-eu-darf-christenfeindliche-gewalt-in-europa-nicht-ignorieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/196956\/","title":{"rendered":"Attacken auf Gl\u00e4ubige und Kirchen: EU darf christenfeindliche Gewalt in Europa nicht ignorieren"},"content":{"rendered":"<p>\n  Von&amp;nbspAnja Tang, Direktorin der Beobachtungsstelle f\u00fcr Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC Europe) mit Sitz in Wien.\n<\/p>\n<p>\n         Zuerst ver\u00f6ffentlicht am<br \/>\n            04\/06\/2026 &#8211; 6:25 MESZ\n            <\/p>\n<p>\n        Die in diesem Artikel ge\u00e4u\u00dferten Meinungen sind die der Autoren und stellen in keiner Weise die redaktionelle Position von Euronews dar.\n            <\/p>\n<p>Heute ist <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2022\/06\/16\/feiertag-am-16-juni-wofur-steht-fronleichnam-oder-corpus-christi\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fronleichnam<\/a>, ein Hochfest der katholischen Kirche, also ein f\u00fcr den Glauben besonders wichtiges Fest, meist begangen mit Fronleichnamsprozessionen. In vielen europ\u00e4ischen St\u00e4dten ziehen darum Gl\u00e4ubige durch die Stra\u00dfen. Monstranzen, Fahnen und Blasmusik m\u00f6gen f\u00fcr manche anachronistisch wirken, doch Fronleichnamsprozessionen erinnern an ein Grundrecht, das zu den Fundamenten Europas geh\u00f6rt: die Freiheit, seinen Glauben \u00f6ffentlich zu leben.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Auch in Europa: Sorge um Sicherheit christlicher Gemeinschaften<\/p>\n<p>Dieses Recht erscheint heute selbstverst\u00e4ndlich. Tats\u00e4chlich ist es das keineswegs. Weltweit werden Christen in vielen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/30\/syrien-al-scharaa-berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">L\u00e4ndern<\/a> verfolgt, diskriminiert oder aus dem \u00f6ffentlichen Raum verdr\u00e4ngt. Auch in Europa w\u00e4chst die Sorge um die Sicherheit christlicher Gemeinschaften. W\u00e4hrend dies in der \u00f6ffentlichen Debatte oft kaum wahrgenommen wird, besch\u00e4ftigen sich Kirchen, Sicherheitsbeh\u00f6rden und internationale Organisationen zunehmend mit dem Thema.<\/p>\n<p>Vergangene Woche kamen in Rom Vertreter von Regierungen, Polizeibeh\u00f6rden, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu einer Fachtagung des Menschenrechtsb\u00fcros der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE\/ODIHR) zusammen. Anlass war die neue OSZE-Richtlinie zum Verst\u00e4ndnis christenfeindlicher Hassverbrechen und zum Schutz christlicher Gemeinschaften. Schon die Tatsache, dass eine solche Richtlinie heute notwendig erscheint, sollte zu denken geben.<\/p>\n<p>Neben grunds\u00e4tzlichen Fragen zur besseren methodischen Erfassung solcher Straftaten wurden im Rahmen der Konferenz konkrete Fallbeispiele aus Westeuropa diskutiert. Und von solchen gibt es mehr, als manche annehmen w\u00fcrden. Die Vorf\u00e4lle reichen von einem Tr\u00e4nengasangriff auf einen Gottesdienst in Frankreich \u00fcber die jihadistisch-motivierte Ermordung eines christlichen Fl\u00fcchtlings in Lyon bis zu den wiederholten Angriffen auf einen \u00e4gyptischen Christen in Wien, der arabische Bibeln verteilte. In Spanien wurde eine Christin angegriffen, nachdem der T\u00e4ter ihre religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit erkannt hatte. In Polen ergab eine aktuelle Studie, dass viele solcher F\u00e4lle allerdings nicht den Beh\u00f6rden gemeldet werden. In einer Befragung gab etwa die H\u00e4lfte der katholischen Priester an, innerhalb eines Jahres verbale oder k\u00f6rperliche Aggressionen erlebt zu haben \u2013 die gro\u00dfe Mehrheit von ihnen meldeten die Vorf\u00e4lle jedoch nicht der Polizei.<\/p>\n<p>2025: Mehr als 90 Brandanschl\u00e4ge auf Kirchen in Europa<\/p>\n<p>Bei der Mehrzahl christenfeindlicher Straftaten handelt es sich jedoch um Angriffe auf religi\u00f6se St\u00e4tten. Laut den Zahlen der <a href=\"https:\/\/hatecrime.osce.org\/reporting\/germany\/2024\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">OSZE <\/a>sind christliche Religionsst\u00e4tten in Europa davon besonders h\u00e4ufig betroffen. Allein im vergangenen Jahr dokumentierte unsere Organisation mehr als 90 Brandanschl\u00e4ge auf Kirchen und christliche Einrichtungen. In Deutschland warnte die katholische Bischofskonferenz, die kaum daf\u00fcr bekannt ist, bei diesem Thema zu \u00fcbertreiben, angesichts von verbrannten Bibeln, enthaupteten Statuen und Sch\u00e4ndungen von Kirchen davor, dass beim <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2018\/08\/06\/santjago-de-compostela-weltkulturerbe-mit-farbe-beschmiert\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kirchenvandalismus <\/a>mittlerweile \u201ealle Tabus gefallen\u201c seien.<\/p>\n<p>Hinzu kommen Entwicklungen, die weniger sichtbar sind als Vandalismus oder Brandstiftung. Aus mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern h\u00e4ufen sich Berichte \u00fcber christliche Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die in mehrheitlich muslimischen Klassengemeinschaften aufgrund ihres Glaubens gemobbt oder eingesch\u00fcchtert werden. Konvertiten aus dem Islam berichten regelm\u00e4\u00dfig von Bedrohungen. Gleichzeitig beobachten viele Kirchen eine zunehmende Selbstzensur unter Gl\u00e4ubigen, die religi\u00f6se \u00dcberzeugungen lieber f\u00fcr sich behalten, um Konflikte zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u00dcbergriffe gegen Christen werdemn ausgeblendet oder relativiert<\/p>\n<p>Dass diese Entwicklungen nicht nur innerhalb der Kirchen wahrgenommen werden, zeigen aktuelle Umfragen. In einer aktuellen repr\u00e4sentativen Erhebung in Deutschland gaben knapp die H\u00e4lfte der unter 30-J\u00e4hrigen an, dass feindselige Einstellungen gegen\u00fcber Christen in Deutschland weit verbreitet seien. <\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dabei, dass das Problembewusstsein unter Sicherheitsbeh\u00f6rden h\u00e4ufig deutlich weiter entwickelt ist als in Teilen der politischen Debatte. Die neue OSZE-Richtlinie stellt unmissverst\u00e4ndlich fest, dass christenfeindliche Hassverbrechen eine reale Herausforderung darstellen und die Sicherheit christlicher Gemeinschaften beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Dennoch scheint diese Erkenntnis auf politischer Ebene bei Weitem nicht \u00fcberall angekommen zu sein.<\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr sind ideologische Scheuklappen. Im politischen Umfeld h\u00e4lt sich teilweise bis heute die Vorstellung, dass <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/05\/28\/hass-im-netz-wer-ist-in-europa-am-starksten-betroffen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hassverbrechen<\/a> oder Diskriminierung nur Minderheiten treffen k\u00f6nnen. Gerade in Teilen des linken politischen Spektrums f\u00fchrt die Einteilung gesellschaftlicher Gruppen in vermeintliche T\u00e4ter- und Opferkollektive bisweilen dazu, dass \u00dcbergriffe gegen Christen ausgeblendet oder relativiert werden. Das zeigt sich beispielsweise in Spanien, wo christenfeindliche Straftaten bis heute nicht gesondert ausgewertet werden, obwohl dies f\u00fcr antisemitische und antimuslimische Straftaten selbstverst\u00e4ndlich geschieht. Stattdessen werden sie unter der Kategorie \u201eandere religi\u00f6s motivierten Delikten\u201c erfasst \u2013 und das obwohl diese regelm\u00e4\u00dfig die h\u00f6chsten Fallzahlen aufweist.<\/p>\n<p>EU muss auch Struktur gegen Christenhass schaffen<\/p>\n<p>Noch bemerkenswerter ist die Situation auf EU-Ebene. W\u00e4hrend Br\u00fcssel erhebliche Ressourcen f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung antisemitischer und antimuslimischer Hasskriminalit\u00e4t bereitstellt \u2013 und das v\u00f6llig zu Recht \u2013, wird christenfeindliche Gewalt in den Berichten der EU-Grundrechteagentur ausgeblendet. Und die Kommission, die seit Jahren \u00fcber Koordinatorinnen f\u00fcr Antisemitismus und antimuslimischen Hass verf\u00fcgt, hat bis heute trotz zahlreicher Forderungen keine vergleichbare <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/welt\/news\/2026-02\/comece-europa-eu-bischoefe-christen-hass-politik-parlament.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Struktur<\/a> f\u00fcr christenfeindliche \u00dcbergriffe geschaffen.<\/p>\n<p>Die Debatte leidet allerdings auch unter ideologischen Reflexen auf der politischen rechten Seite, wo christenfeindliche Gewalt gelegentlich \u00fcberzeichnet oder vorschnell ausschlie\u00dflich islamistischen Motiven zugeschrieben wird. Die Daten geben ein deutlich komplexeres Bild her. Hinter den Taten stehen unterschiedliche Motive \u2013 von religi\u00f6sem Extremismus \u00fcber politische Radikalisierung bis hin zu antireligi\u00f6sen und antikirchlichen Einstellungen. Wer ernsthaft L\u00f6sungen finden will, braucht Fakten statt ideologischer Reflexe.<\/p>\n<p>Genau deshalb ist die Arbeit von Polizei, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Dokumentationsstellen so wichtig. Verl\u00e4ssliche Daten helfen dabei, ein sensibles Thema zu entpolitisieren und auf einer sachlichen Grundlage zu diskutieren. Die erste Empfehlung der neuen OSZE-Richtlinie and die Regierungen ist bemerkenswert schlicht: Das Problem anzuerkennen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re auch f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union ein guter Anfang. Denn Religionsfreiheit bedeutet nicht, einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen. Sie bedeutet, jeden Menschen vor Hass und Gewalt aufgrund seines Glaubens zu sch\u00fctzen. Wer christenfeindliche \u00dcbergriffe ignoriert, verteidigt nicht die Gleichheit. Er untergr\u00e4bt sie.<\/p>\n<p>Anja Tang ist Expertin f\u00fcr Menschenrechte mit Schwerpunkt Religionsfreiheit. F\u00fcr die Beobachtungsstelle OIDAC Europe, die sie seit Oktober 2023 leitet, arbeitet Tang mit internationalen Organisationen zusammen und ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig Berichte und Medienbeitr\u00e4ge zur Religionsfreiheit von Christen in Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von&amp;nbspAnja Tang, Direktorin der Beobachtungsstelle f\u00fcr Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC Europe) mit Sitz in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":196957,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[6777,13018,76,75,74,11607,55932,4699,2859],"class_list":["post-196956","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-christentum","tag-diskriminierung","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-euroviews","tag-hate-speech","tag-katholische-kirche","tag-papst-leo-xiv"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116690041358703345","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=196956"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/196956\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/196957"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=196956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=196956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=196956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}