{"id":201538,"date":"2026-06-06T15:14:12","date_gmt":"2026-06-06T15:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/201538\/"},"modified":"2026-06-06T15:14:12","modified_gmt":"2026-06-06T15:14:12","slug":"starlink-alternativen-wie-europa-unabhaengiger-werden-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/201538\/","title":{"rendered":"Starlink-Alternativen: Wie Europa unabh\u00e4ngiger werden will"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Ein Modell eines Satelliten aus der Eutelsat-OneWeb-Konstellation auf einer Messe\" alt=\"Ein Modell eines Satelliten aus der Eutelsat-OneWeb-Konstellation auf einer Messe\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/oneweb-satellit-europa-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Europas bisher wichtigste bestehende Alternative zu Starlink, aber kein Ersatz: OneWeb des franz\u00f6sischen Staellitenbetreibers Eutelsat (picture alliance \/ NurPhoto \/ Joan Cros)<\/p>\n<p>Tausende Starlink-Satelliten kreisen um die Erde. Damit stellt SpaceX, das US-Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, einen Gro\u00dfteil der funktionierenden Satelliten im Orbit. Auch bei Raketenstarts ist das Unternehmen f\u00fchrend.<\/p>\n<p>Im Ukrainekrieg zeigt sich, welche Macht in dieser Infrastruktur steckt. Starlink versorgt die ukrainischen Streitkr\u00e4fte mit Internet an der Front: f\u00fcr Kommunikation, Aufkl\u00e4rungsdaten und Drohneneins\u00e4tze. F\u00fcr Kiew ist das System l\u00e4ngst zu einer Art Lebensader geworden. <\/p>\n<p>Doch Europas Abh\u00e4ngigkeit von einem einzigen privaten US-Unternehmen ist heikel. In Europa und konkret auch in Deutschland wird deshalb an Alternativen gearbeitet. <\/p>\n<p>Elon Musks Unternehmen SpaceX hat nicht nur einzelne gro\u00dfe Satelliten ins All gebracht, sondern eine riesige Konstellation aus vielen kleinen Satelliten im niedrigen Erdorbit aufgebaut, dem Low Earth Orbit (LEO). Dort kreisen sie nicht in 36.000 Kilometern H\u00f6he wie klassische geostation\u00e4re Kommunikationssatelliten, sondern nur 550 Kilometer \u00fcber der Erde. Im niedrigen Erdorbit braucht es zwar viele Satelliten f\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Versorgung, daf\u00fcr ist die Daten\u00fcbertragung deutlich schneller, nahezu in Echtzeit.<\/p>\n<p>In der Ukraine wurde das System extrem wichtig, nachdem Russland zu Beginn des Angriffs die ukrainischen Kommunikationsnetze ausgeschaltet hatte. \u00dcber Starlink konnten die ukrainischen Soldaten weiter miteinander kommunizieren, Aufkl\u00e4rungsdaten austauschen und moderne Drohnen einsetzen. \u00dcber Starlink l\u00e4uft fast die gesamte Kommunikation der ukrainischen Streitkr\u00e4fte. Starlink h\u00e4lt Verbindungen selbst aufrecht, wenn die bodengest\u00fctzten Netzwerke schon l\u00e4ngst ausgefallen oder durch Cyberangriffe gest\u00f6rt sind. <\/p>\n<p>Hinzu kommt die schiere Masse. Nach Einsch\u00e4tzung der Branche gibt es derzeit grob 11.000 bis 12.000 funktionierende Satelliten im Orbit, etwa 10.000 davon werden SpaceX zugerechnet. Und es werden noch mehr: Genehmigt sind bereits bis zu 15.000 Satelliten, langfristig strebt Elon Musk sogar 42.000 Systeme im All an. <\/p>\n<p>Doch Starlink gilt nicht mehr als uneingeschr\u00e4nkt geopolitisch verl\u00e4sslich. Denn die Satelliten geh\u00f6ren nicht einem Staat oder einem B\u00fcndnis, sondern SpaceX: einem privaten US-Raumfahrtunternehmen des Tech-Milliard\u00e4rs und Donald-Trump-Vertrauten Elon Musk. Im Ukrainekrieg wurde bereits sichtbar, wie weit sein Einfluss reicht: Musk blockierte zwischenzeitlich die Nutzung des Systems, unter anderem in umk\u00e4mpften Gebieten und bei bestimmten milit\u00e4rischen Operationen. Es stellt sich daher die Frage: Wie w\u00e4re das im Krisenfall in Europa? <\/p>\n<p>Laut der Weltraumsicherheitsexpertin Antje N\u00f6tzold von der Universit\u00e4t der Bundeswehr hat Musk durch die dominierende Stellung von Starlink auf dem Markt gro\u00dfen Einfluss gewonnen, \u201enicht nur auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine, sondern generell auf den Weltraummarkt\u201c, so N\u00f6tzold. <\/p>\n<p>Auch die Bundeswehr sei \u201cnicht autark\u201c. Um Drohnen steuern zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse auch Deutschland auf die LEO-Konstellationen zur\u00fcckgreifen. <\/p>\n<p>Hinzu kommt ein weiteres Risiko: die Verwundbarkeit des Starlink-Systems. So sollen schon etliche Starlink-Terminals von russischen Einheiten gehackt, erbeutet oder anderweitig genutzt worden sein. Dadurch habe Russland zeitweise Vorteile im Drohnenkrieg gehabt. <\/p>\n<p>Starlink ist au\u00dferdem an das normale Internet angeschlossen. In einem Konflikt k\u00f6nnten laut Experten Gegner versuchen, Unterseekabel zu kappen, \u00fcber die die weltweite Internetkommunikation l\u00e4uft \u2013 mit dem Ziel, den Gegner \u201cblind\u201d zu machen. Das w\u00fcrde auch Starlink betreffen. Um solch ein Szenario zu verhindern, m\u00fcsste ein Satellitennetz anders aufgebaut sein. <\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr Breitbandverbindungen gibt es aktuell im niedrigen Erdorbit \u00fcberhaupt nur zwei Konstellationen, die fliegen: Starlink und uns\u201c, sagt Joanna Darlington, Sprecherin des franz\u00f6sischen Satellitenbetreibers Eutelsat. Mit \u201euns\u201c meint sie OneWeb: Europas bisher wichtigste bestehende Alternative zu Starlink. <\/p>\n<p>Ein Ersatz ist OneWeb aber nur bedingt. Die Konstellation umfasst rund 600 Satelliten und ist damit deutlich kleiner als Starlink. <\/p>\n<p>Starlink-Terminals sind au\u00dferdem vergleichsweise klein, mobil und schnell einsetzbar. OneWeb-Terminals sind dagegen gr\u00f6\u00dfer und weniger handlich. Und SpaceX erweitert seine Konstellation in hohem Tempo, w\u00e4hrend die europ\u00e4ische Alternative deutlich kleiner bleibt. \u00dcber der Ukraine seien die verf\u00fcgbaren OneWeb-Kapazit\u00e4ten bereits vollst\u00e4ndig verkauft, sagt Darlington. OneWeb ist damit kein echter Starlink-Ersatz. <\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfere europ\u00e4ische Antwort soll deshalb IRIS\u00b2 werden. Die EU plant damit ein eigenes Kommunikationsnetz aus knapp 300 Satelliten. IRIS\u00b2 soll der EU und ihren Mitgliedstaaten sichere Verbindungen erm\u00f6glichen, aber auch Breitbanddienste f\u00fcr Beh\u00f6rden, Unternehmen und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bereitstellen. Au\u00dferdem soll das System schnelles Internet in Regionen bringen, die bisher schlecht angebunden sind, hei\u00dft es auf der Website der Europ\u00e4ischen Kommission. <\/p>\n<p>Den Auftrag f\u00fcr den Aufbau hat Br\u00fcssel an das Konsortium SpaceRise vergeben, zu dem Eutelsat, der luxemburgische Anbieter SES und das spanische Unternehmen Hispasat geh\u00f6ren. Nach Angaben von Eutelsat-Sprecherin Joanna Darlington ist IRIS\u00b2 ein Projekt von rund 10,6 Milliarden Euro. Die EU finanziert davon etwa sechs Milliarden Euro. In Betrieb gehen soll IRIS\u00b2 nach Angaben der EU-Kommission 2029. Doch ob das gelingt, ist offen. <\/p>\n<p>Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, sagt, IRIS\u00b2 allein werde f\u00fcr die deutschen Bedarfe nicht ausreichen. Deshalb plane die Bundeswehr SATCOMBw Stufe 4, ein eigenes milit\u00e4rischen Satellitennetz im niedrigen Erdorbit mit etlichen Satelliten. Der Vorteil eines solchen Systems: Auch wenn einer der Satelliten ausf\u00e4llt, hat das nicht gleich gravierende Folgen. Denn bei einem LEO-Netzwerk mit hundert oder mehr Satelliten ist es viel schwieriger, das ganze Netzwerk durch einen Angriff auszuschalten. \u201eDiversit\u00e4t schafft Resilienz\u201d, so Traut. <\/p>\n<p>Als Konkurrenz zu IRIS\u00b2 verstehe die Bundeswehr das eigene System ausdr\u00fccklich nicht. Die erste Teilkonstellation ist f\u00fcr 2029 geplant. Aktuell befindet sich SATCOMBw Stufe 4 aber noch in der Ausschreibung. Das hei\u00dft: Auch Deutschlands eigener Starlink-Ersatz wird fr\u00fchestens in einigen Jahren verf\u00fcgbar sein. <\/p>\n<p>Auch der Bundesnachrichtendienst will mit dem Projekt GEORG eigene optische Aufkl\u00e4rungssatelliten anschaffen. Sie sollen laut Weltraumexpertin N\u00f6tzold ein unabh\u00e4ngigeres Lagebild erm\u00f6glichen, also zeigen, was wo passiert und wie sich Situationen am Boden ver\u00e4ndern, und zwar unabh\u00e4ngig von kommerziellen Anbietern. <\/p>\n<p>Die deutsche Raumfahrtindustrie arbeitet ebenfalls an den Voraussetzungen f\u00fcr mehr Unabh\u00e4ngigkeit im All. Die klassische Raumfahrtindustrie wird \u201eOld Space\u201c genannt: Das sind gro\u00dfe Industrieunternehmen wie Airbus Defence and Space, Thales Alenia Space oder in Deutschland OHB. Sie bauen hochkomplexe Satelliten, oft als Einzelst\u00fccke und im Auftrag von Staaten. <\/p>\n<p>Das Gegenmodell ist \u201eNew Space\u201c, zu dem auch das Unternehmen Berlin Space Technologies (BST) in Berlin-Adlershof z\u00e4hlt. BST will nicht teure Einzelst\u00fccke bauen, sondern Satelliten nach Baukastenprinzip, perspektivisch bis zu 300 pro Jahr. Daf\u00fcr will die Universit\u00e4tsausgr\u00fcndung rund 50 Millionen Euro in einen neuen Produktionsstandort in Berlin investieren. Er soll Anfang 2027 er\u00f6ffnet werden. Eine Interimsfabrik gibt es schon. <\/p>\n<p>Doch auch wenn in Deutschland und Europa generell mehr Satelliten gebaut werden: Sie m\u00fcssen auch in den Orbit gelangen, eine weitere Herausforderung f\u00fcr Europa. Neben der Ariane-Rakete gelten New-Space-Anbieter wie Isar Aerospace oder die Rocket Factory Augsburg als Hoffnungstr\u00e4ger. Doch viele Systeme sind noch in der Erprobung. <\/p>\n<p>Was Europa au\u00dferdem fehlt, sind eigene weltraumgest\u00fctzte Fr\u00fchwarnsysteme f\u00fcr Raketenabwehr. Satelliten k\u00f6nnten im Ernstfall helfen zu erkennen, wo eine Rakete gestartet ist und wohin sie fliegt. Bisher verf\u00fcgen innerhalb der NATO nur die USA \u00fcber ein globales satellitengest\u00fctztes Fr\u00fchwarnsystem. <\/p>\n<p>In Europa gibt es zwar erste Projekte. Weltraumexpertin Juliana S\u00fc\u00df nennt das EU-Projekt \u201eODIN\u2019s EYE\u201c sowie \u201eJEWEL\u201c, ein 2025 von Frankreich und Deutschland ausgerufenes Vorhaben f\u00fcr weltraumgest\u00fctzte Sensorik. Doch auch hier ist ungewiss, bis wann Ergebnisse zu erwarten sind. \u201eBei beiden Projekten sind die Timelines momentan unklar\u201d, so S\u00fc\u00df. <\/p>\n<p>Radiobeitrag: Anna Loll, Onlinetext: Elena Matera <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europas bisher wichtigste bestehende Alternative zu Starlink, aber kein Ersatz: OneWeb des franz\u00f6sischen Staellitenbetreibers Eutelsat (picture alliance \/&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":201539,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[76,75,74,59486,3388,4213,1967,1334,2988],"class_list":["post-201538","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-raumfahrtindustrie","tag-satelliten","tag-sicherheit","tag-starlink","tag-verteidigung","tag-weltraum"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116703819676984876","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/201538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=201538"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/201538\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/201539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=201538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=201538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=201538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}