{"id":201881,"date":"2026-06-06T20:28:17","date_gmt":"2026-06-06T20:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/201881\/"},"modified":"2026-06-06T20:28:17","modified_gmt":"2026-06-06T20:28:17","slug":"kosmischer-strudel-wie-ein-schwarzes-loch-den-weltraum-mitreisst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/201881\/","title":{"rendered":"Kosmischer Strudel: Wie ein Schwarzes Loch den Weltraum mitrei\u00dft"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/shutterstock_2687003827-5bee5f2339b659fd.jpeg\"  width=\"4984\" height=\"2800\"  alt=\"Ein schwarzes Loch mit einer wirbelnden Akkretionsscheibe aus Gas und Sternen.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Ficta Stock \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/powerful-black-hole-swirl-fiery-orange-2687003827\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Astronomen beobachten erstmals, wie ein rotierendes Schwarzes Loch die Raumzeit mitrei\u00dft. Die Daten best\u00e4tigen eine \u00fcber 100 Jahre alte Vorhersage Einsteins.<\/p>\n<p>Einstein hatte recht \u2013 aber erst jetzt l\u00e4sst sich wirklich beobachten, wie dramatisch sich seine Vorhersage im Kosmos auswirkt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Nationalen Astronomischen Observatorien der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat den bislang \u00fcberzeugendsten Beleg daf\u00fcr geliefert, dass rotierende Schwarze L\u00f6cher die Raumzeit um sich herum regelrecht mitschleifen.<\/p>\n<p>Die im Fachmagazin Science Advances <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.ady9068\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichte Studie<\/a> dokumentiert ein Ph\u00e4nomen, das Einstein 1913 erstmals theoretisch beschrieb und das Josef Lense und Hans Thirring 1918 mathematisch fassten: die sogenannte Lense-Thirring-Pr\u00e4zession, auch Frame-Dragging genannt.<\/p>\n<p>Vereinfacht gesagt wirkt ein rotierendes Schwarzes Loch wie ein kosmischer R\u00fchrl\u00f6ffel. Es kr\u00fcmmt nicht nur die Raumzeit durch seine enorme Masse, sondern verdrillt sie zus\u00e4tzlich durch seine Drehung.<\/p>\n<p>Gas, Lichtstrahlen und ganze Umlaufbahnen werden dadurch in eine taumelnde Bewegung gezwungen \u2013 als w\u00fcrde ein Kreisel das Wasser um sich herum in einen Strudel ziehen.<\/p>\n<p>Ein zerrissener Stern als kosmisches Labor<\/p>\n<p>Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Gezeitenzerst\u00f6rungsereignis mit der Katalogbezeichnung AT2020afhd. Dabei geriet ein Stern dem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxie LEDA 145386 zu nahe und wurde von dessen Gezeitenkr\u00e4ften zerrissen.<\/p>\n<p>Die Tr\u00fcmmer formten eine gl\u00fchende Akkretionsscheibe, w\u00e4hrend gleichzeitig ein energiereicher Materiestrahl \u2013 ein sogenannter Jet \u2013 mit nahezu Lichtgeschwindigkeit ins All schoss. Das Schwarze Loch bringt es nach Angaben der Forscher auf rund f\u00fcnf Millionen Sonnenmassen .<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Wie die <a href=\"https:\/\/www.cardiff.ac.uk\/news\/view\/2990399-einsteins-theory-comes-wrapped-up-with-a-bow-astronomers-spot-star-wobbling-around-black-hole\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Cardiff University mitteilte<\/a>, beobachtete das Team rhythmische Helligkeitsschwankungen sowohl im R\u00f6ntgen- als auch im Radiobereich. Scheibe und Jet taumelten im Gleichtakt \u2013 mit einer Periode von 19,6 Tagen.<\/p>\n<p>Cosimo Inserra, Mitautor von der Cardiff University, erkl\u00e4rte dazu:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Unsere Studie liefert den bislang \u00fcberzeugendsten Beweis f\u00fcr die Lense-Thirring-Pr\u00e4zession \u2013 ein Schwarzes Loch, das die Raumzeit mit sich zieht, \u00e4hnlich wie ein Kreisel das Wasser um sich herum in einen Strudel zieht&#8220;. <\/p>\n<p>Sechs Teleskope f\u00fcr einen Nachweis<\/p>\n<p>Dass der Befund gelang, verdankt sich einer aufwendigen Beobachtungskampagne mit mehreren Instrumenten. Die R\u00f6ntgendaten stammen vom Neil Gehrels Swift Observatory und dem NICER-Teleskop auf der Internationalen Raumstation.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Radiosignale kombinierten die Astronomen Messungen des Karl G. Jansky Very Large Array (VLA), des Australia Telescope Compact Array (ATCA), des britischen e-MERLIN-Netzwerks und des Very Long Baseline Array (VLBA) .<\/p>\n<p>Erst diese dichte \u00dcberwachung in beiden Wellenl\u00e4ngenbereichen machte die synchronen Schwankungen sichtbar.<\/p>\n<p>Statistisch erreicht die 19,6-Tage-Periodizit\u00e4t im R\u00f6ntgenlicht eine Signifikanz von knapp 3,8 Sigma. Die Kreuzkorrelation zwischen R\u00f6ntgen- und Radiodaten liegt sogar bei 4,26 Sigma \u2013 noch unterhalb des F\u00fcnf-Sigma-Goldstandards der Teilchenphysik, aber f\u00fcr astrophysikalische Verh\u00e4ltnisse ein starkes Signal .<\/p>\n<p>Alternative Erkl\u00e4rungen wie instrumentelle Effekte, interstellare Szintillation oder Strahlungsdruckinstabilit\u00e4ten in der Scheibe pr\u00fcften die Forscher systematisch und schlossen sie aus.<\/p>\n<p>Langsam rotierendes Schwarzes Loch<\/p>\n<p>Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis: Das Schwarze Loch dreht sich offenbar vergleichsweise langsam. Die Modellierung ergab einen dimensionslosen Spinparameter von etwa 0,1 bis 0,35 .<\/p>\n<p>Das deutet auf eine Wachstumsgeschichte hin, in der das Schwarze Loch sein Material eher in vielen kleinen, ungeordneten Portionen aufsammelte, statt \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume gleichm\u00e4\u00dfig gef\u00fcttert zu werden.<\/p>\n<p>Zugleich zeigt der Befund, dass selbst bei moderatem Spin mild relativistische Jets entstehen k\u00f6nnen \u2013 die Magnetfeldgeometrie und der Aufbau der Scheibe spielen dabei offenbar eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Rotation selbst.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von Einsteins Allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie im starken Gravitationsfeld bedeutet die Beobachtung einen wichtigen Best\u00e4tigungspunkt. Die Daten sind konsistent mit der Kerr-Metrik, also der Beschreibung rotierender Schwarzer L\u00f6cher in der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie. Abweichungen davon h\u00e4tten sich in ver\u00e4nderten Pr\u00e4zessionsperioden bemerkbar gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Bild:\u00a0Ficta Stock \/ Shutterstock.com) Astronomen beobachten erstmals, wie ein rotierendes Schwarzes Loch die Raumzeit mitrei\u00dft. 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