{"id":202623,"date":"2026-06-07T09:48:08","date_gmt":"2026-06-07T09:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/202623\/"},"modified":"2026-06-07T09:48:08","modified_gmt":"2026-06-07T09:48:08","slug":"gemeinsame-risiken-warum-europa-auf-indopazifik-schaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/202623\/","title":{"rendered":"Gemeinsame Risiken: Warum Europa auf Indopazifik schaut"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Der australische Verteidigungsminister Richard Marles w\u00e4hlte drastische Worte. Der Meeresboden sei zu einem &#8222;Schlachtfeld&#8220; geworden, sagte er Ende Mai auf dem <a href=\"https:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/kriege-krisen-mehr-geld-f%C3%BCr-122700670.html\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:Shangri-La-Dialog;itc:0;sec:content-canvas;outcm:mb_qualified_link;_E:mb_qualified_link;ct:story;\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;Shangri-La-Dialog&quot;}\" class=\"link  yahoo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Shangri-La-Dialog<\/a> in Singapur. <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/unterseekabel-achillesferse-unserer-digitalen-welt\/a-71431881\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:Angriffe auf Unterseekabel;itc:0;sec:content-canvas\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;Angriffe auf Unterseekabel&quot;}\" class=\"link \">Angriffe auf Unterseekabel<\/a> h\u00e4tten ein historisch beispielloses Ausma\u00df erreicht.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Tats\u00e4chlich verbindet kaum etwas Europa und den Indopazifik heute st\u00e4rker als die Sorge um jene Infrastruktur, die den globalen Datenverkehr, die Kommunikation und gro\u00dfe Teile der Weltwirtschaft zusammenh\u00e4lt. Am Rande des Dialogs k\u00fcndigten Australien, Gro\u00dfbritannien und die USA unbemannte Systeme zum Schutz dieser Unterwasserinfrastruktur an.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Die Debatte verweist auf eine lange untersch\u00e4tzte Entwicklung: Europa und die Staaten im Indopazifiks teilen zunehmend dieselben strategischen Verwundbarkeiten. Das franz\u00f6sische Institut f\u00fcr Internationale Beziehungen (IFRI) spricht von einer neuen Sicherheitsrealit\u00e4t, in der die Interessen Europas und Ostasiens enger zusammenr\u00fccken als jemals zuvor. Dabei versch\u00e4rft sich der Druck: China <a href=\"https:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/us-sicherheitsstrategie-china-gr%C3%B6%C3%9Fter-herausforderer-111100909.html\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:weitet seine milit\u00e4rische Expansion aus;itc:0;sec:content-canvas;outcm:mb_qualified_link;_E:mb_qualified_link;ct:story;\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;weitet seine milit\u00e4rische Expansion aus&quot;}\" class=\"link  yahoo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weitet seine milit\u00e4rische Expansion aus<\/a>, flankiert durch eine geo\u00f6konomische Bewaffnung von Handelswegen.<\/p>\n<p>&#8222;Europa spielt in Asien sicherheitspolitisch keine Rolle&#8220;<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Besonders sichtbar wird diese Verwundbarkeit bei den <a href=\"https:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/unterseekabel-ostasien-gef%C3%A4hrdete-kommunikation-055200177.html\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:Unterseekabeln;itc:0;sec:content-canvas;outcm:mb_qualified_link;_E:mb_qualified_link;ct:story;\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;Unterseekabeln&quot;}\" class=\"link  yahoo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Unterseekabeln<\/a>. &#8222;Die Sicherheit dieser Kabel ist ein globales Gemeinschaftsgut&#8220;, sagt Christian Wirth von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im DW-Interview. Die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur sei heute eine gemeinsame Herausforderung, sei es durch Russland in der Ostsee oder durch Akteure im Indopazifik. Vorf\u00e4lle m\u00fcssten als systemisches Risiko gewertet werden, das den globalen Handel fl\u00e4chendeckend gef\u00e4hrde, sagt er. Die Taiwanstra\u00dfe sei in diesem Kontext nicht nur ein lokales Problem, sondern ein entscheidender Faktor f\u00fcr die globalen Sicherheitsinteressen.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Wie konkret diese Verwundbarkeit geworden ist, zeigte sich bereits mehrfach in der <a href=\"https:\/\/de.nachrichten.yahoo.com\/meeresengen-waffen-052500080.html\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:Taiwanstra\u00dfe;itc:0;sec:content-canvas;outcm:mb_qualified_link;_E:mb_qualified_link;ct:story;\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;Taiwanstra\u00dfe&quot;}\" class=\"link  yahoo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Taiwanstra\u00dfe<\/a>. Allein 2025 wurden in der Meeresenge zwischen dem chinesischen Festland und der Insel Taiwan mehrere Unterseekabel besch\u00e4digt. In einem Fall hielt 2025 die taiwanische K\u00fcstenwache ein Frachtschiff fest, nachdem dieses eine wichtige Kommunikationsverbindung zwischen Taiwan und den Penghu-Inseln vor der chinesischen K\u00fcste, die aber unter taiwanesischer Verwaltung stehen, zerst\u00f6rt hatte. Das Schiff fuhr unter der Flagge des westafrikanischen Lands Togo. Acht Besatzungsmitglieder war aber alle Festlandchinesen. Der Kapit\u00e4n wurde 2025 von einem taiwanesischen Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt. Ob technische Defekte oder gezielte Sabotage dahinter standen, blieb umstritten.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">F\u00fcr viele Sicherheitsexperten sind solche Vorf\u00e4lle jedoch Beispiele f\u00fcr sogenannte &#8222;Grauzonen&#8220;-Operationen unterhalb der Schwelle eines offenen milit\u00e4rischen Konflikts. Marc Saxer, Geopolitikexperte der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Bangkok, sagt, dass Europa die technologische Innovationskraft Ostasiens aus sicherheitspolitischer Sicht neu kalibrieren m\u00fcsse. &#8222;Die Freiheit der Seewege ist ein sicherheitspolitisches Interesse Deutschlands&#8220;, so Saxer zur DW. Besonders die <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sierens-china-die-stra\u00dfe-von-malakka-eine-verwundbare-hauptschlagader\/a-52121593\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" data-ylk=\"elm:link;elmt:article_link;slk:Stra\u00dfe von Malakka;itc:0;sec:content-canvas\" data-yga=\"{&quot;yLinkElement&quot;:&quot;context_link&quot;,&quot;yModuleName&quot;:&quot;content-canvas&quot;,&quot;yLinkText&quot;:&quot;Stra\u00dfe von Malakka&quot;}\" class=\"link \">Stra\u00dfe von Malakka<\/a> sei f\u00fcr deutsche Lieferketten zentral. Allerdings gelte auch etwas anderes: &#8222;Ostasien liegt jenseits der sicherheitspolitischen Machtprojektionskapazit\u00e4ten Europas. Deswegen spielt Europa dort sicherheitspolitisch keine Rolle.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Fenster der Verletzbarkeit&#8220;<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Sicherheitsfragen in Europa, im Nahen Osten und in Ostasien m\u00fcssten immer im Zusammenhang beantwortet werden. &#8222;Wir beobachten gegenw\u00e4rtig die Ausbildung einer Welt, die in drei geopolitische Konfliktzonen zerf\u00e4llt&#8220;, sagt Saxer. W\u00fcrden Ressourcen in einer Region gebunden, fehlten sie an anderer Stelle.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Die europ\u00e4isch-indopazifischen Beziehungen bef\u00e4nden sich in einer neuen Phase, sagt Christian Wirth. Diese sei gepr\u00e4gt durch eine disruptive US-Politik, bei der die Vereinigten Staaten Truppen und Waffen zwischen Krisenherden verlagern m\u00fcssen &#8211; insbesondere jene Raketentypen, die sowohl in der Ukraine als auch in Taiwan oder S\u00fcdkorea dringend ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Diese Dynamik verdeutliche schmerzlich, dass die USA als stabiler verl\u00e4sslicher Sicherheitsgarant f\u00fcr beide Regionen zunehmend wegbrechen. Auch das Pariser EU Institute for Security Studies (EUISS) warnt: Die gegenw\u00e4rtigen Belastungen k\u00f6nnten Europas &#8222;Fenster der Verletzbarkeit&#8220; vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p>Diplomatie und industrielle Realit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Ein zentraler Punkt bleibt die ordnungspolitische Zusammenarbeit. &#8222;Man m\u00f6chte mit Europa gemeinsam retten, was von der regelbasierten multilateralen Ordnung noch \u00fcbrig ist&#8220;, sagt Saxer. Er schr\u00e4nkt jedoch ein, dass f\u00fcr viele Staaten Asiens sowie den Globalen S\u00fcden die Weltordnung von 1945 nicht l\u00e4nger akzeptabel sei, sondern reformiert werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Hier zeigt sich ein Spannungsfeld: W\u00e4hrend das IFRI f\u00fcr eine st\u00e4rkere industrielle Eigenst\u00e4ndigkeit Europas und den Ausbau eigener Verteidigungsf\u00e4higkeiten pl\u00e4diert, mahnt Saxer zur Vorsicht vor einer sicherheitspolitischen \u00dcberdehnung. Er sieht die deutschen Interessen in einer Hierarchie, in der die Herausforderungen in Europa Vorrang h\u00e4tten. Wirth verweist erg\u00e4nzend auf die zunehmenden Zweifel an der Verl\u00e4sslichkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien und die Notwendigkeit gr\u00f6\u00dferer europ\u00e4ischer Handlungsf\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p><img alt=\"Die taiwanesische K\u00fcstenwache eskortiert ein verd\u00e4chtiges Frachtschiff &quot;Hongtai&quot; nach einer Kabelbesch\u00e4digung, 2025&lt;span class=&quot;copyright&quot;&gt;K\u00fcstenwache Taiwans\/dpa\/picture alliance&lt;\/span&gt;\" loading=\"lazy\" width=\"960\" height=\"540\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" class=\"rounded-lg\" style=\"color:transparent\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/c28224b38733440e1e6921db132e3433.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Die taiwanesische K\u00fcstenwache eskortiert ein verd\u00e4chtiges Frachtschiff &#8222;Hongtai&#8220; nach einer Kabelbesch\u00e4digung, 2025K\u00fcstenwache Taiwans\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Dass die sicherheitspolitische Verflechtung beider Regionen l\u00e4ngst \u00fcber diplomatische Erkl\u00e4rungen hinausreicht, zeigt auch die R\u00fcstungsindustrie. S\u00fcdkorea hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Lieferanten von R\u00fcstungsg\u00fctern f\u00fcr europ\u00e4ische Staaten entwickelt. Die sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen Europa und Ostasien werden damit zunehmend auch durch industrielle Kooperationen und gemeinsame Lieferketten gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"mb-4 text-lg md:leading-8 break-words\">Dass eine solche Neuausrichtung auch vor dem Hintergrund neuer diplomatischer Leitplanken &#8211; etwa der &#8222;konstruktiven strategischen Stabilit\u00e4t&#8220; zwischen den USA und China &#8211; relevant bleibt, darin sind sich Wirth und Saxer einig. Beide Beobachter unterstreichen, dass dieser globale Rahmen die europ\u00e4ischen Staaten nicht von der Aufgabe entbinde, ihre Handlungsf\u00e4higkeit durch eine diversifizierte Basis zu st\u00e4rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der australische Verteidigungsminister Richard Marles w\u00e4hlte drastische Worte. 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