{"id":20296,"date":"2026-03-01T21:13:23","date_gmt":"2026-03-01T21:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/20296\/"},"modified":"2026-03-01T21:13:23","modified_gmt":"2026-03-01T21:13:23","slug":"opera-seria-wien-feiert-grosse-buehnen-persiflage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/20296\/","title":{"rendered":"&#8222;Opera seria&#8220;: Wien feiert gro\u00dfe B\u00fchnen-Persiflage"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleDate\"> 1. M\u00e4rz 2026, 11:26<\/p>\n<p>S\u00e4tze wie \u201eDie Oper hat ein D\u00e4mon erfunden, sie ist eine Geisel der Menschheit\u201c, sollten doch gerade in Wien, wo man in den 1980ern und 1990ern gl\u00fcckselig in Theaterskandalen schunkelte, auf einen fruchtbaren Boden fallen. Tats\u00e4chlich ist die Frage, \u201ewas soll das Theater?\u201c, nicht erst seit Thomas Bernhards \u201eTheatermacher\u201c f\u00fcr die B\u00fchne relevant. Schon das voraufkl\u00e4rerische 18. Jahrhundert ist voll von St\u00fccken, wo der Verfall der dramaturgischen Sitten beklagt wird. Epizentrum dieser Diskurse ist eigentlich Italien, wo nicht zuletzt Carlo Goldonis \u201eImpresario von Smyrna\u201c ein Ausrufezeichen in der Kritik an der eigenen Kunst darstellt. <\/p>\n<p>Der Wettstreit \u00fcber die Rangordnung der K\u00fcnste<\/p>\n<p>Auf der Musikb\u00fchne hatte die so genannte Opera Seria in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts nicht nur eine Neuordnung in der noch jungen Gattung der Oper gebracht. Sie katalysierte leider auch viel Verstockung in der Darbietungsform: Da erz\u00e4hlte das Rezitativ &#8211; und die Arie kolorierte danach den Affekt. Und wo Duett, dann doppelter Affekt, usw. <br \/>Unter der F\u00fchrung von Gestalten wie Pietro Metastasio, der immer noch gut einbalsamiert in der Wiener Michaelerkirche gegen\u00fcber des einstigen Burgtheaters ruht, durften sehr wohl die Dichter vom Anspruch der inhaltlichen F\u00fchrung einer Oper tr\u00e4umen. Und tats\u00e4chlich brach ja in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts, man denke nur an Gotthold Ephraim Lessings &#8222;Laokoon&#8220;, der Wettkampf \u00fcber die Rangordnung der K\u00fcnste aus &#8211; was im Bereich der Oper tats\u00e4chlich eine F\u00fclle von Traktaten provozierte. Florian Leopold Gassmann verleiteten diese Debatten zum Werk &#8222;Opera Seria&#8220;, in der er das Auseinandertreten der Disziplinen spielerisch aufs Korn nimmt. <\/p>\n<p>Mit Pietro Spagnoli (Fallito), Mattia Olivieri (Delirio), Giovanni Sala (Sospiro), Josh Lovell (Ritornello), Julie Fuchs (Stonatrilla), Andrea Carroll (Smorfiosa), Serena Gamberoni (Porporina), Alessio Arduini (Passagallo), Alberto Allegrezza (Bragherona), Lawrence Zazzo (Befana), Filippo Mineccia (Caverna). Les Talens Lyriques und Mitglieder des Orchesters der Mail\u00e4nder Scala; Dirigent: Christophe Rousset. Aufgenommen am 29. M\u00e4rz 2025 in der Mail\u00e4nder Scala.<\/p>\n<p>Die Premiere im MusikTheater an der Wien ist eine Koproduktion mit der Mail\u00e4nder Scala.<\/p>\n<p>Bissige Selbstkritik<\/p>\n<p>Dem Nachfolger von Gluck am Wiener Hof gelang mit dem 1769 uraufgef\u00fchrten Werk eine lebhafte Selbstkritik des damals schon hochentwickelten Opernbetriebs. Und im Grunde l\u00e4sst er unter der Hand des Impresarios, der allen r\u00e4t, doch die Finger von einer Unternehmung wie der Oper zu lassen, ein sehr einfach gebautes St\u00fcck: In drei Teilen, Opernerstellung, Probe, Auff\u00fchrung, l\u00e4sst er alle Fragen der Opernkunst aufeinanderprallen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7b63f32b0156c236f0030153465542c0f5d4fa1a.jpg\" alt=\"Performer auf der B\u00fchne\" title=\"WERNER KMETITSCH\"\/><\/p>\n<p class=\"flex-caption\">\n<p>Szenenbild aus \u201eL\u2019Opera seria\u201c am Musiktheater an der Wien\n<\/p>\n<p class=\"creditTop\">WERNER KMETITSCH<\/p>\n<p>In der nun in Wien erstmals seit der Urauff\u00fchrung pr\u00e4sentierten Neubearbeitung unter der musikalischen Leitung von Christophe Rousset mit den Talens Lyriques erlebt man eine kurzweilige Tour de Force durch den Kunstdiskurs der Zeit, der auch f\u00fcr heute seine G\u00fcltigkeit behaupten kann: Zuerst schmiert man sich Honig ums Maul, redet danach schlecht \u00fcber den anderen, bevor alle Konflikte direkt ausbrechen. Im Moment der Auff\u00fchrung selbst hat der Impresario, dem nat\u00fcrlich noch kein Kuratorium \u00fcber die Schulter schaut, l\u00e4ngst das Weite gesucht.  <\/p>\n<p>Laurent Pellys Inszenierung setzt bewusst auf Theaterhandwerk. Verlassen kann er sich auf eine starke Ensembleleistung, die nicht zuletzt sein Tempo mitzugehen wei\u00df. Wie oft hat man sich schon in einer Gluck-Oper in der Handschrift gro\u00dfer Regie am Ende doch gelangweilt. Hier wird der Mut zum Slapstick und einer B\u00fchnenhandschrift mit handwerklich gro\u00dfartigen Kost\u00fcmen und einer feinen Lichtregie belohnt. Theater mag kompliziert sein. In seiner Wirkung ist es im Grund eine einfache Kunstform.  <\/p>\n<p>Bereits am 11. Februar waren Dirigent Christophe Rousset und Dramaturg Kai We\u00dfler live zu Gast im ORF RadioCaf\u00e9. Sie erz\u00e4hlten vom Hintergrund des Opernstreichs, Tenor Josh Lovell gab, begleitet von Sobin Jo am Klavier, Kostproben seiner Rolle als S\u00e4nger Ritornello.<\/p>\n<p>Service<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theater-wien.at\/de\/spielplan\/saison2025-26\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theater an der Wien<\/a><\/p>\n<p>Gestaltung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"1. 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