{"id":205445,"date":"2026-06-08T21:39:09","date_gmt":"2026-06-08T21:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/205445\/"},"modified":"2026-06-08T21:39:09","modified_gmt":"2026-06-08T21:39:09","slug":"italien-vier-erntehelfer-ermordet-nach-streit-um-gerechnet-lohn-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/205445\/","title":{"rendered":"Italien: Vier Erntehelfer ermordet nach Streit um gerechnet Lohn &#8211; Panorama"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Taj Mohammad Alamyar hat \u00fcberlebt. Er hat den Kofferraum aufgestemmt, hat es nach drau\u00dfen geschafft, da waren seine Unterarme schon von den Flammen versengt. Alamyar, Afghane, 1991 geboren, konnte sich aus dem Auto befreien. Als Einziger. Aus dem Auto, das offenbar seine Bosse in Brand gesteckt hatten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vier Erntehelfer sind in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kalabrien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kalabrien<\/a> in S\u00fcditalien gestorben, nach allem, was man wei\u00df, wurden sie lebendig verbrannt. Mitten am Tag, an einer Tankstelle. Einer der Bosse habe Benzin im Wageninnern versch\u00fcttet, so wird Alamyar in italienischen Medien zitiert, und der andere es dann angez\u00fcndet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit Tagen sind im italienischen Fernsehen die Bilder aus Amendolara zu sehen, da, wo die Stiefelspitze Italiens in die Stiefelsohle \u00fcbergeht. Die Bilder des ausgebrannten Minivans. Und die der \u00dcberwachungskamera der Tankstelle. Man sieht, wie schwarze Flammen aus dem Minivan aufsteigen. Wie erst ein Mann die T\u00fcren zuh\u00e4lt und dann ein anderer. Wie das Auto wackelt, als w\u00fcrde im Inneren jemand k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Drei der Ermordeten kamen aus Pakistan, einer aus Afghanistan. Sie waren zwischen 19 und 29 Jahre alt und arbeiteten als Erntehelfer, in diesen Wochen pfl\u00fcckten sie Erdbeeren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Fall ersch\u00fcttert das Land nicht nur wegen seiner Grausamkeit. Sondern auch, weil er ein Licht auf die Bedingungen wirft, unter denen in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Italien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Italien<\/a> Obst und Gem\u00fcse geerntet wird, bevor es in den Superm\u00e4rkten des Landes und halb Europas verkauft wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/2e0f20ac-d286-43af-97b2-20b424a0d03a.jpg\"   alt=\"In diesem Minivan starben vier Saisonarbeiter. Ein f\u00fcnfter Mann konnte den Flammen entkommen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>In diesem Minivan starben vier Saisonarbeiter. Ein f\u00fcnfter Mann konnte den Flammen entkommen. ANSA\/dpa<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Durch das Tankstellen-Video und die Aussage des \u00dcberlebenden konnten die Ermittler zwei Tatverd\u00e4chtige ermitteln. Beide kommen ebenfalls aus Pakistan, beide schweigen bisher zu den Vorw\u00fcrfen. Der \u00dcberlebende Taj Mohammad Alamyar sagt den Berichten zufolge, es habe Streit um die Bezahlung gegeben. \u201eSie wollten uns umbringen, weil wir um Geld oder einen Arbeitsvertrag gebeten hatten\u201c, <a href=\"https:\/\/en.ilsole24ore.com\/art\/amendolara-verbal-massacre-they-wanted-to-kill-us-because-we-had-asked-for-a-contract-AIH6iCUD?refresh_ce&amp;nof\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zitiert die Zeitung <\/a><a href=\"https:\/\/en.ilsole24ore.com\/art\/amendolara-verbal-massacre-they-wanted-to-kill-us-because-we-had-asked-for-a-contract-AIH6iCUD?refresh_ce&amp;nof\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Il Sole 24 Ore<\/a><a href=\"https:\/\/en.ilsole24ore.com\/art\/amendolara-verbal-massacre-they-wanted-to-kill-us-because-we-had-asked-for-a-contract-AIH6iCUD?refresh_ce&amp;nof\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> aus seiner Aussage vor dem Ermittlungsrichter<\/a>. Vereinbart gewesen seien eigentlich 45 Euro pro Tag, f\u00fcr acht Stunden. Doch bezahlt worden seien sie zuletzt im April.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zahlreiche Tagel\u00f6hner arbeiten auf den Feldern Italiens unter sklaven\u00e4hnlichen Bedingungen, die Sch\u00e4tzungen reichen von 200 000 bis 450 000 Menschen. Die meisten sind Immigranten, sie wohnen in vollkommen \u00fcberf\u00fcllten Unterk\u00fcnften und werden von sogenannten caporali \u00fcberwacht und zum Arbeitseinsatz gefahren. Auch die caporali sind mittlerweile oft selbst Immigranten, viele haben Verbindungen zur lokalen Mafia. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter m\u00fcssen gro\u00dfe Teile ihres ohnehin geringen Lohnes f\u00fcr Fahrten und Unterkunft abtreten. Selbst wer einen Vertrag hat, wird oft nach Gutd\u00fcnken bezahlt. In Berichten ist von Stundenl\u00f6hnen von zwei bis vier Euro die Rede.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Caporalato, diese spezielle Form der ausbeuterischen, illegalen Arbeitsvermittlung,\u00a0ist seit 2011 strafbar, aber immer noch Praxis. F\u00e4lle sind nicht nur aus der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Landwirtschaft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Landwirtschaft<\/a>, sondern auch aus dem Baugewerbe bekannt, und das Ph\u00e4nomen beschr\u00e4nkt sich nicht auf S\u00fcditalien. In Mailand laufen derzeit Ermittlungen wegen einer \u00e4hnlichen Form von Ausbeutung auf der Baustelle des k\u00fcnftigen US-Konsulats. Dort soll es um L\u00f6hne zwischen 1,43 Euro und 1,80 Euro pro Stunde gehen.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren verlor ein Saisonarbeiter einen Arm in einer Maschine, aber niemand rief den Notarzt<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In der norditalienischen Provinz Verona hat die Polizei vor zwei Jahren 33 Inder befreit, deren P\u00e4sse eingezogen worden waren und die unter Planen versteckt zu den Feldern transportiert wurden. Im Latium, s\u00fcdlich von Rom, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/italien-erntehelfer-toedlicher-unfall-kiwis-verhoehnung-empoerung-meloni-lux.GMSdFmvf3zQncUEXKLj6Ps\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">starb vor zwei Jahren ein Arbeiter nach einem Unfall.<\/a> Sein Arm war in eine Maschine geraten, und statt sofort Hilfe zu holen, brachte der Landwirt den Mann erst einmal zur nahe gelegenen Unterkunft, den abgetrennten Arm lieferte er in einer Kiste mit. Erst als andere Arbeiter den Rettungsdienst alarmierten, kam der Verletzte ins Krankenhaus, wo er zwei Tage sp\u00e4ter starb. Immer wieder werden auch Vorf\u00e4lle bekannt, in denen Arbeiter einfach verschwinden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nach dem Tod der vier Arbeiter in Amendolara hat Italiens Ministerpr\u00e4sidentin <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Giorgia_Meloni\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Giorgia Meloni<\/a> ihre Anteilnahme ausgedr\u00fcckt. \u201eItalien weicht angesichts von Gewalt und Barbarei nicht zur\u00fcck\u201c, <a href=\"https:\/\/x.com\/GiorgiaMeloni\/status\/2062205323243561405?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">schrieb sie auf der Plattform X<\/a> und forderte vollumf\u00e4ngliche Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In dem kalabrischen Ort demonstrierten am vergangenen Wochenende mehrere Tausend gegen Caporalato und erinnerten an die Get\u00f6teten. Auch Elly Schlein, Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei PD, trat bei der Demo auf und forderte eine Versch\u00e4rfung des Gesetzes. Gewerkschaftsf\u00fchrer Maurizio Landini sagte, es brauche eine \u201emoralische Revolte\u201c. Der Bischof der Region, Francesco Savino, \u00e4u\u00dferte sich bei mehreren Gelegenheiten ersch\u00fcttert. Er sagte, es brauche nun mehr als blo\u00dfe Rituale, kurze Aufregung gen\u00fcge nicht. Er forderte \u201eechte, kontinuierliche Kontrollen\u201c statt punktueller Ma\u00dfnahmen, vor allem aber ein Ende der Gleichg\u00fcltigkeit. Mit dem \u201eschmutzigen Schweigen der Bequemlichkeit\u201c m\u00fcsse jetzt Schluss sein, so Savino:\u00a0\u201eDer Mord stellt einen Punkt dar, an dem es kein Zur\u00fcck mehr gibt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Taj Mohammad Alamyar hat \u00fcberlebt. 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