{"id":208364,"date":"2026-06-10T09:34:15","date_gmt":"2026-06-10T09:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/208364\/"},"modified":"2026-06-10T09:34:15","modified_gmt":"2026-06-10T09:34:15","slug":"die-werkstatt-im-weltraum-wie-europa-satelliten-im-orbit-reparieren-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/208364\/","title":{"rendered":"Die Werkstatt im Weltraum: Wie Europa Satelliten im Orbit reparieren will"},"content":{"rendered":"<p>Europa entwickelt In-Orbit-Services: Satelliten reparieren, betanken und ihre Lebensdauer verl\u00e4ngern. Ein Blick auf Technik, Akteure und Milliardenmarkt.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Screenshot-2026-05-25-at-14.56.50-e1780926674740-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Zwei Satelliten in einer Computerdarstellung kurz vor dem Docken.\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>D-Orbit aus Italien z\u00e4hlt zu den Vorreitern bei Dockingtechnologien. Erstmals will das Unternehmen das Greifen 2028 demonstrieren. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: D-Orbit<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/d275f8b54cb541b69bfc025b7916586c.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Mai 2023. Der US-amerikanische Satellitenbetreiber Viasat l\u00e4sst seinen riesigen Satelliten Viasat-3 F1 starten. Eine Wochen sp\u00e4ter gibt es beim Entfalten der gro\u00dfen Reflektorantenne im Geostation\u00e4ren Orbit (GEO) in 35.800\u2005km Bahnh\u00f6he eine Anomalie: Eine Antenne klemmt und f\u00e4hrt nicht aus. Vom Boden aus l\u00e4sst sich das Problem nicht l\u00f6sen. Der Satellit kommt deshalb auf nicht einmal 10\u2005% seines regul\u00e4ren Datendurchsatzes. Es ist einer der gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4den der Satellitenwirtschaft, der \u00adSatellit hat ann\u00e4hernd 700\u2005Mio.\u2005$ gekostet.<\/p>\n<p>35.250\u2005km niedriger fliegen in 550\u2005km Bahnh\u00f6he <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/raumfahrt\/starlink-oder-projekt-kuiper-amazon-startet-satelliten-offensive-gegen-musk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Konstellationen wie Starlink<\/a> mit Tausenden ann\u00e4hernd gleichen Satelliten. Die Satellitenbetreiber rechnen offenbar mit enormen Ausfallraten; zwischen 10\u2005% und 20\u2005% sind eingeplant. Diese Zahlen sind nicht \u00f6ffentlich, man erz\u00e4hlt sie sich hinter vorgehaltener Hand, wenn man mit Kollegen aus der Branche spricht.<\/p>\n<p>Zwei F\u00e4lle, die \u2013 bei allen Unterschieden \u2013 eines verbindet: Sie machen den Wegwerfcharakter der \u00adSatellitenindustrie deutlich. Einmal gestartet, sind die teuren Satelliten jedem Zugriff entr\u00fcckt. Die einen \u2013 das sind Unternehmen wie Viasat \u2013 st\u00f6hnen, wenn es sie trifft. Die anderen \u2013 SpaceX &amp; Co. \u2013 rechnen den Schwund von vornherein mit ein. <\/p>\n<p>Beide Strategien sind problematisch. \u201eDie Wegwerfmentalit\u00e4t in den \u00adOrbits wird nicht mehr lange anhalten. Wir brauchen dringend eine Service-Infrastruktur\u201c, sagt Alin Albu-Sch\u00e4ffer, Leiter des DLR-Instituts f\u00fcr Robotik und Mechatronik.<\/p>\n<p>Was spricht f\u00fcr das In-Orbit Servicing?<\/p>\n<p>Und genau diese Infrastruktur entsteht aktuell. Aus zwei wesentlichen Gr\u00fcnden. <\/p>\n<p>Erstens werden die Orbits immer voller, im Jahr 2030 k\u00f6nnte die Zahl der aktiven Satelliten erstmals sechsstellig sein. Schrottvermeidung ist unumg\u00e4nglich, vor allem in den erdnahen Orbits.<br \/>\nZweitens sind immer mehr Betreiber bereit, Geld f\u00fcr Servicing zu bezahlen, vor allem im GEO. Studien zufolge k\u00f6nnte der Markt bis 2034 auf 6,9\u2005Mrd.\u2005$ anwachsen.<\/p>\n<p>Satelliten k\u00f6nnten also in Zukunft in den Orbits zug\u00e4nglich sein. Die gro\u00dfen Raumfahrtagenturen und einige Unternehmen arbeiten daran, die n\u00f6tigen Technologien zu demonstrieren. Die Szenerie ist un\u00fcbersichtlich \u2013 auch, weil es im Verborgenen eine Schattenwelt von milit\u00e4rischen Missionen gibt. <\/p>\n<p>Ein zweiter Grund ist die Vielzahl an Labels. In-Orbit Servicing (dt.: Dienstleistungen im Orbit) ist vielleicht das gebr\u00e4uchlichste. Andere sprechen von On-Orbit Servicing, In-Space Operations and Services oder In-Space Servicing, Assembly and Manufacturing. Gemeint sind jeweils \u00e4hnliche Technologien, vor allem das <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/raumfahrt\/griff-nach-dem-milliardenmarkt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Greifen und Docken<\/a>.<\/p>\n<p>Ist das Docken an einem Satelliten schon einmal gelungen?<\/p>\n<p>China ist es offenbar gelungen, \u00adsowohl zu docken als auch im Orbit zu betanken. \u00dcber diese Missionen ist allerdings au\u00dferhalb milit\u00e4rischer Kreise nur wenig bekannt \u00adgeworden.<\/p>\n<p>Bislang ist es nur einem Unternehmen gelungen, eine kommerzielle Dienstleistung an einem Bestandssatelliten zu vollf\u00fchren. Northrop Grumman hat mit seinen Mission Extension Vehicles (MEVs) \u00adSatelliten im Geostation\u00e4ren Orbit zu einem k\u00fcnstlich verl\u00e4ngerten Leben verholfen. Die gro\u00dfen Telekommunikationssatelliten im GEO bringen sich am Ende ihres Lebens mit ihrem Resttreibstoff in einen Friedhofsorbit. Die MEVs dienen als eine Art externes Triebwerk: Sie schieben die Satelliten an und \u00fcbernehmen deren Lageregelung. Die Satelliten k\u00f6nnen noch ein paar Jahre auf Sendung gehen.<\/p>\n<p>Das ist die einfachste Dienstleistung: Docken und Abschleppen sind die Grundbausteine nahezu aller Servicing-Missionen. Das liegt auch daran, dass die Lebensverl\u00e4ngerung auch dann funktioniert, wenn der Zielsatellit f\u00fcr das Servicing gar nicht designt wurde. Bei fast allen bisherigen Satelliten ist das der Fall.<\/p>\n<p>Welche Dienstleistungen sind im Orbit noch denkbar?<\/p>\n<p>Satelliten k\u00f6nnten andere Satelliten betanken. Oder entsorgen. Sie k\u00f6nnten Komponenten au\u00dfen anflanschen, Antennen und Solarpaneele zum Beispiel. Apps und Updates aufspielen. Oder sie k\u00f6nnten \u2013 eine Stufe h\u00f6her auf der Komplexit\u00e4tsleiter \u2013 Module austauschen. Alte Batterie raus, neue rein, Lego im Weltraum. Das allerdings w\u00fcrde eine modulare Bauweise voraussetzen. Und schlie\u00dflich k\u00f6nnten Service-Satelliten auch Zielsatelliten reparieren.<\/p>\n<p>Wenn diese F\u00e4higkeiten im All demonstriert w\u00e4ren, lie\u00dfe sich darauf eine Servicing-Infrastruktur aufbauen. Mit kleinen Raumstationen, die als Ersatzteillager und Tankdepots dienen. Mit regelm\u00e4\u00dfigen Nachschublieferungen durch Raketen von der Erde. Vielleicht auch mit kleinen Raumgleitern, die Stationen und Servicer (Service-Satelliten) miteinander vernetzen. Manche verfolgen das ferne Ziel, dass sich diese Strukturen selbst aufbauen, dass es kleine Fabriken im Orbit geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>EU entwickelt Service-Infrastruktur<\/p>\n<p>Einen Entwurf f\u00fcr so eine Service-Infrastruktur l\u00e4sst derzeit die EU-Kommission ausarbeiten. Im <a href=\"https:\/\/defence-industry-space.ec.europa.eu\/space-operations-and-services-strategic-ability-future_en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Projekt ISOS4I<\/a> arbeiten sechs Konsortien an insgesamt vier Komponenten. Es gibt eine Station. Je zwei Konsortien arbeiten an den Servicern und den sogenannten \u00adSatapps. Das sind standardisierte Module, die an Satelliten angebracht oder getauscht werden k\u00f6nnen. Das sechste Konsortium besch\u00e4ftigt sich mit den Raumtransporten von der Erde in den Orbit.<\/p>\n<p>In den kommenden zwei Jahren sollen die Konsortien die Technologien so weit entwickeln und auf der Erde testen, dass die Hardware im All demonstriert werden kann. In einem zweiten Schritt sollen dann Demonstratoren in den erdnahen Orbit (LEO, low earth orbit) gebracht werden. Das Fernziel ist der Aufbau der gesamten Servicing-\u00adInfrastruktur: International ist das Vorhaben einmalig.<\/p>\n<p>Wann k\u00f6nnte Europa Docking im Orbit demonstrieren?<\/p>\n<p>Bis vor Kurzem haben einige noch die Mission Eross SC vorne gesehen. Diese allerdings hat bei der letzten Finanzierungsrunde der EU-Kommission nicht die n\u00f6tigen Mittel erhalten; statt 80\u2005Mio.\u2005\u20ac kamen nur 50\u2005Mio.\u2005\u20ac zusammen. Eross SC ist jetzt eine der sechs potenziellen Missionen im ISOS4I-Programm.<\/p>\n<p>Bei Eross SC soll unter anderem das Docking mit einem kooperativen Satelliten demonstriert werden, an den der Servicer auch zus\u00e4tzliche Nutzlasten anbringen soll. Die Mission soll auch das Docking mit einem taumelnden Satelliten beinhalten. Unter idealen Bedingungen soll ein Start noch in diesem Jahrzehnt m\u00f6glich sein, ist im Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Was die ESA in der Rise-Mission plant<\/p>\n<p>Derzeit trauen viele der <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Space_Safety\/ESA_to_build_first_in-orbit_servicing_mission_with_D-Orbit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">ESA-Mission Rise<\/a> die Premiere zu. Im Rahmen von Rise soll 2028 ein Servicer einen ausrangierten Eutelsat-Satelliten im Friedhofsorbit in der N\u00e4he des GEO ansteuern. Nach dem Docking k\u00f6nnte der Servicer, Gea, den Satelliten zur\u00fcck in den GEO schleppen, eine Weile ein externes Triebwerk mimen und dem Satelliten so zu einem zweiten Leben verhelfen. Diese Option kursiert im Umfeld der Rise-Mission. Die Entscheidung, was passiert, liegt aber beim Satellitenbetreiber Eutelsat.<\/p>\n<p>Die ESA hat 119\u2005Mio.\u2005\u2005\u20ac f\u00fcr Rise bereitgestellt. Das federf\u00fchrende Unternehmen, D-Orbit aus Italien, steuert mindestens 24\u2005Mio.\u2005\u20ac an Eigenmitteln bei. Nach der Demonstrationsphase will D-Orbit den Servicer noch f\u00fcr sieben Jahre auf eigene Faust vermarkten.<\/p>\n<p>Was unterscheidet Rise von den MEV-Missionen des Northrop-Grumman-Konzerns?<\/p>\n<p>Der erste gro\u00dfe Unterschied ist der Servicer. Die MEVs basieren auf einer Plattform f\u00fcr geostation\u00e4re Satelliten. Gea hingegen wurde von vornherein als Servicer entwickelt. D-Orbit hat die Triebwerke zum Beispiel nicht im Hauptk\u00f6rper untergebracht, sondern in den beiden Roboterarmen. Die Avionik ist eine Eigenentwicklung und aufgrund der kurzen Lebensdauer des Vehikels deutlich g\u00fcnstiger als bei GEO-Satelliten \u00fcblich.<\/p>\n<p>Lesetipp: <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/raumfahrt\/satellitenkonstellation-gegen-den-blackout\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wie eine Satellitenkonstellation die Netzbetreiber im Sabotagefall sch\u00fctzen kann<\/a><\/p>\n<p>Zweitens ist der Servicer im Hinblick auf das Servicing designt. D-Orbit will auf Rise 2031 eine zweite Mission folgen lassen, Morph; f\u00fcr diese gibt es bereits einen Vorvertrag mit der ESA. Morph soll fortgeschrittene Services wie das Anbringen eines externen Moduls im Orbit demonstrieren. Das Demonstrationsobjekt ist: Rise. D-Orbit nutzt also seinen eigenen Servicer doppelt.<\/p>\n<p>Eine Wahl hat das Unternehmen nicht. Diego Garc\u00e9s des Marcilla, Business Development Manager f\u00fcr In-Orbit Services bei D-Orbit, spricht von einem \u201eHenne-Ei-Problem: Mangels Services gibt es keine Satelliten, die f\u00fcr das Servicing ausgelegt sind; und weil es die nicht gibt, lohnt sich kein Service\u201c. Das f\u00fcr Rise entwickelte Gea muss also zum Service-Kunden werden. \u201eWir erzeugen unseren eigenen Markt\u201c, sagt Garc\u00e9s des Marcilla.<\/p>\n<p>Welche Schnittstellen gibt es f\u00fcr Satelliten und Servicer?<br \/>\n<img loading=\"lazy\" width=\"2560\" height=\"1706\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/iSSI-intelligent-Space-System-Interface-Credit-iBOSS-scaled-e1779803098845.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-59872\"\/>Schnittstelle f\u00fcr Satelliten: Das Aachener Unternehmen Iboss hat Energie- und Datenlink im selben \u00adStecker untergebracht. Foto: Iboss GmbH<\/p>\n<p>Auf dem jungen Markt f\u00fcr In-Orbit Servicing gibt es einige Unternehmen, die an Steckern und Schnittstellen arbeiten. Eines, das seine Schnittstelle bereits auf der Internationalen Raumstation erprobt hat, ist die RWTH-Ausgr\u00fcndung Iboss aus Aachen. Iboss liefert die Schnittstellen f\u00fcr die Rise-Mission und ist in vier von sechs ISOS4I-Konsortien vertreten. \u201eUnsere Schnittstelle \u00ad(Issi, Anm. d. Red.) ist die einzige, die komplett flach ist. Alle Komponenten k\u00f6nnen in die Struktur eingefahren werden, sodass nichts hervorsteht oder h\u00e4ngen bleibt\u201c, sagt Thomas Schervan, Gr\u00fcnder und CEO von Iboss. Projektpartner sprechen auch vom \u201eWeltraum-USB\u201c, weil Datenverbindung und Energieversorgung in derselben Schnittstelle untergebracht sind.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit von Issi ist die optische Daten\u00fcbertragung. Die Schnittstelle wandelt das Signal in Infrarotstrahlung um, \u00fcbertr\u00e4gt diese und wandelt sie anschlie\u00dfend zur\u00fcck in ein elektrisches Signal. Das erm\u00f6glicht den Verzicht auf kleine Pins und kleine Stecker, die leicht abbrechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil ist laut Iboss, dass die Daten\u00fcbertragung bereits vor dem Docken beginnen kann. Die Infrarot\u00fcbertragung funktioniert bis zu einem Abstand von 10\u2005cm zwischen Servicer und Satellit. Schervan beschreibt das als \u201eeinen ersten H\u00e4ndedruck per Infrarot: Willst du mit mir docken?\u201c. Das ist ein Security-Feature, denn wenn es k\u00fcnftig standardisierte Schnittstellen gibt, dann sind diese auch ein Einfallstor f\u00fcr Angreifer. \u201eUnsere Issi-Konnektoren k\u00f6nnen sich sogar mechanisch gegen eine Verbindung sperren\u201c, sagt Schervan.<\/p>\n<p>Kann die Schnittstelle f\u00fcr das Betanken im Datenstecker untergebracht werden?<\/p>\n<p>Iboss arbeitet auch an der Ifex-Schnittstelle f\u00fcr das Betanken im Orbit. Ifex mit Issi zu kombinieren, sei eine schlechte Idee, sagt Schervan. Beim Betanken k\u00f6nne es zu Leckagen kommen, die die optischen Systeme besch\u00e4digen. Au\u00dferdem sei es ratsam, die 5-kW-Leitung und den Raketentreibstoff r\u00e4umlich zu trennen. Ein zweiter Grund ist das Design des Satelliten. Treibstoffleitungen sind schwer und deshalb nur an einer der sechs Seiten des Satelliten vorhanden. Daten-Schnittstellen machen hingegen an allen sechs Seiten Sinn; die daf\u00fcr n\u00f6tigen Kabel im Innern des Satelliten beanspruchen wenig Bauraum.<\/p>\n<p>Sowohl f\u00fcr die Daten\u00fcbertragung als auch f\u00fcr das Betanken gibt es international eine wachsende Zahl an Anbietern. Beim Betanken ist das US-Unternehmen Orbit Fab f\u00fchrend. Wer fr\u00fch seine Hardware im Orbit demonstriert, hat gute Chancen, bei der Entwicklung von Branchenstandards eine Rolle zu spielen. Viele an ISOS4I beteiligte Firmen rechnen damit, dass die hier entstehende Technik die Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Normung bildet.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist der deutsche Anteil an den Servicing-Missionen?<\/p>\n<p>Deutsche Unternehmen liefern entscheidende Komponenten zu. So ist zum Beispiel das DLR-Institut f\u00fcr Robotik und Mechatronik f\u00fcr die robotischen Komponenten der Missionen Eross SC und Rise verantwortlich. Die DLR-Ausgr\u00fcndung Kinetik liefert den Rise-Roboterarm. Iboss gilt als europaweit f\u00fchrend bei den Schnittstellen. Allerdings ist \u2013 ISOS4I und Rise zusammengerechnet \u2013 nur bei einer von sieben Missionen Deutschland federf\u00fchrend: Die RWTH Aachen f\u00fchrt eines der beiden Satapp-Konsortien an. Das sorgt f\u00fcr Frust, auch wenn sich bei diesem Thema niemand zitieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Am deutlichsten wird das Problem im Steuergremium der sechs ISOS4I-Projekte. Hier ringen, so schildern es beteiligte Unternehmen, seit Monaten die sechs Konsortialf\u00fchrer um den Vorsitz, der mit Entscheidungsmacht verbunden ist. Es ist demnach ein Zweikampf zwischen der franz\u00f6sischen (Thales Alenia Space und ArianeGroup) und der italienischen Seite (Planetek und Leonardo). \u201eFrankreich und Italien versuchen jeweils, das Ruder an sich zu rei\u00dfen, w\u00e4hrend Deutschland in der Luft h\u00e4ngt\u201c, sagt ein Insider, der die Vorg\u00e4nge verfolgt.<\/p>\n<p>Was ist der lohnendere Markt: der GEO oder der LEO?<\/p>\n<p>Unternehmen wie Northrop Grumman und D-Orbit konzentrieren sich auf den GEO. Das liegt daran, dass die gro\u00dfen geostation\u00e4ren Satelliten in der Produktion 400\u2005Mio.\u2005\u20ac bis 800\u2005Mio.\u2005\u20ac kosten. Jedes zus\u00e4tzliche Jahr, das ein Servicer so einem Boliden verschaffen kann, ist f\u00fcr den Betreiber viel wert. Marktbeobachter rechnen damit, dass Servicemissionen schon bald f\u00fcr einen zweistelligen Millionenbetrag zu haben sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr den GEO spricht auch die Langlebigkeit der Satelliten. Diese sind in der Regel 15 Jahre und l\u00e4nger aktiv. Designphase und Fertigung eingerechnet, vergehen also 20 Jahre, bis der Satellit den Weg in den Friedhofsorbit antritt. Allerdings ver\u00e4ndert sich der Satellitenmarkt im GEO rapide: Das klassische Gesch\u00e4ft war das Satellitenfernsehen, dann erzwang das On-demand-Streaming den Wechsel zu neuen Satelliten mit komplexen Antennen. Aber LEO-Konstellationen wie Starlink haben auch dieses Gesch\u00e4ft bedroht. Rekonfigurierbarkeit k\u00f6nnte in Zukunft eine gro\u00dfe Rolle spielen.<\/p>\n<p>Lesetipp: <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/raumfahrt\/prometheus-erster-test-ueber-die-volle-brenndauer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Prometheus \u2013 Europas neues Raketentriebwerk auf dem Teststand<\/a><\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass es nur eine Bahnebene gibt; alle GEO-Satelliten fliegen aus bahndynamischen Gr\u00fcnden \u00fcber dem \u00c4quator. Jeder Servicer kann also eine gro\u00dfe Anzahl Zielsatelliten ansteuern. Die Kehrseite: Es ist nur Platz f\u00fcr wenige Servicer; wer zuerst seine F\u00e4higkeiten demonstrieren kann, hat die besten Chancen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europa entwickelt In-Orbit-Services: Satelliten reparieren, betanken und ihre Lebensdauer verl\u00e4ngern. Ein Blick auf Technik, Akteure und Milliardenmarkt. 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