{"id":209477,"date":"2026-06-10T21:05:14","date_gmt":"2026-06-10T21:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/209477\/"},"modified":"2026-06-10T21:05:14","modified_gmt":"2026-06-10T21:05:14","slug":"wortlaut-predigt-von-papst-leo-xiv-sagrada-familia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/209477\/","title":{"rendered":"Wortlaut: Predigt von Papst Leo XIV., Sagrada Fam\u00edlia"},"content":{"rendered":"<p>Die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Messe in der Sagrada Fam\u00edlia in Barcelona am Mittwochabend k\u00f6nnen Sie hier in der deutschen \u00dcbersetzung nachlesen. <\/p>\n<p>Alle offiziellen \u00dcbersetzungen der Papstansprachen finden Sie auf <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/travels\/2026\/documents\/spagna-6-12giugno2026.html\" target=\"_blank\" rel=\"external nofollow noopener\">www.vatican.va<\/a>, der Internetseite des Heiligen Stuhls.<\/p>\n<p>Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Leo XIV. nach Spanien<\/p>\n<p>6. bis 12. Juni 2026<\/p>\n<p>Nr. 16 \u2013 Homilie des Heiligen Vaters<\/p>\n<p>HEILIGE MESSE<\/p>\n<p>Basilika Sagrada Fam\u00edlia, Barcelona<\/p>\n<p>10. Juni 2026<\/p>\n<p>\u00bbHerr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!\u00ab (Ps 8,2.10). Mit dem Lobgesang dieses Psalms, der so voller Freude und Staunen ist, gr\u00fc\u00dfe ich euch alle, liebe Br\u00fcder und Schwestern. Ich spreche Euren Majest\u00e4ten meine Dankbarkeit aus und danke Kardinal Juan Jos\u00e9 Omella, Erzbischof von Barcelona, sowie den anderen Br\u00fcdern im Bischofsamt und all jenen, die sich unserem Gebet anschlie\u00dfen: den Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen. An diesem Abend, einem Festtag f\u00fcr die ganze Stadt Barcelona und das Volk, richte ich meinen dankbaren Gru\u00df an die nationalen, regionalen und lokalen Beh\u00f6rden sowie an die Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften und anderer Religionen, die an unserer Danksagung teilnehmen.<\/p>\n<p>\u201eDieses Gotteshaus l\u00e4sst uns zu einer vom Herrn geliebten Familie werden, die er durch sein eigenes Leben in der Eucharistie n\u00e4hrt\u201c<\/p>\n<p>Heute empf\u00e4ngt uns die Basilika Sagrada Fam\u00edlia in dieser sch\u00f6nen Stadt und \u00f6ffnet ihre T\u00fcren wie weit ausgebreitete Arme, um jeden an diesen Altar einzuladen und um das Wort Gottes zu h\u00f6ren. Dieses Gotteshaus l\u00e4sst uns zu einer vom Herrn geliebten Familie werden, die er durch sein eigenes Leben in der Eucharistie n\u00e4hrt. So versammeln sich die Stadt Barcelona und ganz Katalonien in diesem Gotteshaus als einem Zeichen der Einheit und der Eintracht, und erheben die Augen, um dem Antlitz Gottes, des Vaters, zu begegnen, das in seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus erstrahlt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir dem Herrn f\u00fcr seine G\u00fcte uns gegen\u00fcber danken, preisen wir ihn f\u00fcr das, was er in unserem Leben wirkt. Wir danken ihm insbesondere f\u00fcr diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Basilika, die Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010 geweiht hat, und erinnern daran, dass sie ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes ist, zu dessen Ehre ihre T\u00fcrme emporragen (vgl. Predigt zur Weihe, 7. November 2010). In Fortf\u00fchrung des Gebets meines Vorg\u00e4ngers werde ich gleich den h\u00f6chsten Turm segnen, den Christusturm.<\/p>\n<p>\u201eWir alle sind die lebendigen Steine dieses Bauwerks, das Christus als Fundament und H\u00f6hepunkt, als Anfang und Ende hat. Die Basilika Sagrada Fam\u00edlia ist weit mehr als nur ein Denkmal\u201c<\/p>\n<p>Diese Kirche ist ein einziges Geb\u00e4ude, das aus vielen Steinen besteht. Ein Haus, das im Laufe der Jahre stetig w\u00e4chst, nach einem einheitlichen Entwurf. Wir alle sind die lebendigen Steine dieses Bauwerks, das Christus als Fundament und H\u00f6hepunkt, als Anfang und Ende hat. Die Basilika Sagrada Fam\u00edlia ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist bis heute ein Bauwerk im Entstehen, das uns daran erinnert, dass das christliche Leben stets ein Weg ist, denn es handelt sich um ein Projekt, das Gott verwirklicht.<\/p>\n<p>Wir bewohnen also kein unvollendetes Werk, sondern ein Gotteshaus, das noch im Bau ist. Seine Unvollkommenheit ist kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern dr\u00fcckt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen. Unsere Dankbarkeit wird so zu einer Verpflichtung, w\u00e4hrend wir am Plan Gottes mitwirken, d. h. an dem Bauwerk, zu dem er uns selbst beruft. Da wir Tempel des Heiligen Geistes sind (vgl. 1 Kor 6,16.19), f\u00e4llt dieses Werk mit unserem Leben zusammen, das Gott als ein Meisterwerk versteht, das wir gemeinsam verwirklichen sollen.<\/p>\n<p>\u201eSeine Unvollkommenheit ist kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern dr\u00fcckt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen\u201c<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang bewahren wir das Wort, das der Herr an K\u00f6nig David richtete, in unserem Herzen: \u00bbDu willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?\u00ab (2 Sam 7,5). Im Gegenteil: \u00bbNun verk\u00fcndet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird\u00ab (V. 11). Mit dieser Verk\u00fcndigung sagt uns die Heilige Schrift, dass nicht wir es sind, die Gott einen Platz geben, als w\u00e4re er ein Element einer Reihe oder Teil eines Ganzen, das gr\u00f6\u00dfer ist als er selbst. Vielmehr ist es Gott, der uns einen Platz gibt, und der Ort, den er uns schenkt, ist sein eigenes Herz: der Ort des Sohnes f\u00fcr uns, die wir Fremde waren; der Ort des Geliebten f\u00fcr uns, die wir S\u00fcnder sind.<\/p>\n<p>Dieser Wille Gottes erf\u00fcllt sich durch Jesus: So k\u00f6nnen wir den Sinn dessen erfassen, was wir im Evangelium geh\u00f6rt haben, als der Herr zu den Pharis\u00e4ern sagte: \u00bbWenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren S\u00fcnden sterben\u00ab (Joh 8,24). Starke Worte, die keineswegs Drohungen oder Erpressung sind. Sie sind eine Einladung zur Erl\u00f6sung, d. h. ein Aufruf zur Freiheit seitens Christi, der f\u00fcr uns das endg\u00fcltige, ewige Gut will. Angesichts der Bedrohung durch das B\u00f6se ist der Herr immer bei uns, immer f\u00fcr uns da. \u201eIch bin\u201c: Das ist der heiligste Name, den Gott Mose aus dem brennenden Dornbusch heraus offenbart hat und damit seine unverbr\u00fcchliche Treue bekundet hat. Durch seine Menschwerdung wird er f\u00fcr uns zum Immanuel, zur Quelle der Gnade und der Vergebung, des Heils und des neuen Lebens. Meine Lieben, wir k\u00f6nnen nicht an Jesus glauben und Krieg f\u00fchren. Wir k\u00f6nnen nicht an Jesus glauben und Unschuldige t\u00f6ten. Wir k\u00f6nnen nicht an Jesus glauben und diejenigen im Stich lassen, die leiden, die weinen, die vor der Not fliehen.<\/p>\n<p>\u201eMeine Lieben, wir k\u00f6nnen nicht an Jesus glauben und Krieg f\u00fchren. Wir k\u00f6nnen nicht an Jesus glauben und Unschuldige t\u00f6ten\u201c<\/p>\n<p>Denken wir also heute Abend daran, dass das Kreuz Christi, das sich auf der Spitze dieser Basilika befindet, das Kreuz der Letzten ist, die die Ersten werden, der S\u00fcnder, die Heilige werden, der Toten, die auferstehen werden. Alle drei Fassaden der Sagrada Fam\u00edlia bezeugen dies: Der Erste wird f\u00fcr uns zum Letzten in seiner Geburt; durch sein Opfer erl\u00f6st er uns in der Passion; sein Tod schenkt uns das ewige Leben, indem er uns an der g\u00f6ttlichen Herrlichkeit teilhaben l\u00e4sst. Wenn wir den Christusturm bewundern, erheben wir unsere Augen zu ihm, zu ihm, der allein uns die Wahrheit Gottes und die Wahrheit \u00fcber uns selbst offenbart. Wenn wir auf Christus blicken, k\u00f6nnen wir die Welt mit neuen Augen sehen: Der Turm des Kreuzes wird dann zum Banner der N\u00e4chstenliebe, denn so liebt Gott uns, indem er ein Werkzeug des Todes in ein Zeichen der Hoffnung verwandelt. Im Kreuz Jesu erreicht unser Glaube seinen H\u00f6hepunkt, wie die Inschrift am Fu\u00df der Turmspitze bezeugt: Tu solus Sanctus, Tu solus Dominus, tu solus Altissimus. Dieses Kreuz strahlt am Tag, indem es das Sonnenlicht reflektiert, und es gl\u00e4nzt in der Nacht, indem es die Stadt wie ein Leuchtturm hin zum Mittelmeer erhellt.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir auf Christus blicken, k\u00f6nnen wir die Welt mit neuen Augen sehen: Der Turm des Kreuzes wird dann zum Banner der N\u00e4chstenliebe, denn so liebt Gott uns, indem er ein Werkzeug des Todes in ein Zeichen der Hoffnung verwandelt\u201c<\/p>\n<p>Ja, das Licht Christi leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis ihn nicht aufgenommen hat (vgl. Joh 1,5.11). Diese Ablehnung l\u00e4sst jedoch die Liebe Gottes nicht erl\u00f6schen: \u00bbWenn ihr den Menschensohn erh\u00f6ht habt\u00ab, sagt der Herr, \u00bbdann werdet ihr erkennen, dass Ich es bin. Ihr werdet erkennen, dass ich nichts von mir aus tue, sondern nur das sage, was mich der Vater gelehrt hat\u00ab (Joh 8,28). Man muss durch das Leiden des Gekreuzigten gehen, um von der Herrlichkeit des Auferstandenen erleuchtet zu werden: Denn seit jeher lehrt der Vater, das Leben zu schenken, und der Sohn, der es von ihm empf\u00e4ngt, schenkt es allen in der Kraft des Heiligen Geistes. Deshalb ist gerade das Kreuz das leuchtende Zeichen seiner Liebe.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eEs ist gerade der Glaube, der den Steinen Gestalt verleiht und dem Geb\u00e4ude, in dem wir gemeinsam leben, Sinn gibt\u201c<\/p>\n<p>Es ist gerade der Glaube, der den Steinen Gestalt verleiht und dem Geb\u00e4ude, in dem wir gemeinsam leben, Sinn gibt. In unserem Gebet entdecken wir daher die urspr\u00fcngliche Verbindung der Dinge mit Gott, dem Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde: Er ist der K\u00fcnstler, der dem Kosmos seine Herrlichkeit eingepr\u00e4gt hat. Nach seinem Bild geschaffen, antwortet der Mensch auf das Werk Gottes mit seinem eigenen Einfallsreichtum: So verwandelt der K\u00fcnstler sein Talent in Lobpreis und seine Kreativit\u00e4t in ein Zeugnis f\u00fcr den Sch\u00f6pfer selbst. Als ein tief gl\u00e4ubiger Architekt hat der ehrw\u00fcrdige Diener Gottes Antoni Gaud\u00ed diese R\u00e4ume mit dem Wunsch entworfen, die Geheimnisse des Lebens des Herrn zu erz\u00e4hlen: Auf diese Weise hat er uns eine geistliche Pilgerreise vorgeschlagen, die zur Begegnung mit Christus f\u00fchrt, der f\u00fcr uns geboren wurde, gestorben und auferstanden ist. Gemeinsam mit Gaud\u00ed, dessen hundertsten Todestag wir begehen, gedenken wir heute Nachmittag all der F\u00f6rderer und Wohlt\u00e4ter, der K\u00fcnstler und Arbeiter, die am Bau eines architektonischen Meisterwerks mitwirken, das auch eine beredte Katechese aus Steinen, Farben und Licht ist, und danken ihnen. In ihrer Weisheit erneuert die Kirche so die Biblia pauperum der alten Kathedralen, die an sich schon sehr reichhaltige Botschaften der Evangelisierung sind. In dieser Zeit der Bilder wird noch deutlicher, wie sehr Kunst und Sch\u00f6nheit herausragende Kan\u00e4le der Evangelisierung sind.<\/p>\n<p>\u201eLiebe Br\u00fcder und Schwestern, die Sch\u00f6nheit dieses Gotteshauses ermutigt uns, von unserem Meister und Herrn immer mehr die Kunst zu lernen, nach seinem Evangelium zu leben\u201c<\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, die Sch\u00f6nheit dieses Gotteshauses ermutigt uns, von unserem Meister und Herrn immer mehr die Kunst zu lernen, nach seinem Evangelium zu leben. W\u00e4hrend wir unseren Blick zu ihm, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, erheben, verpflichten wir uns, das Gesicht derer emporzuheben, die im Staub liegen (vgl. 1 Sam 2,8). Und so zeigen wir, dass die Sagrada Fam\u00edlia die h\u00f6chste Kirche der Welt ist, aber nicht, um in weltlichen Ranglisten f\u00fchrend zu sein, sondern um die Schritte des pilgernden Volkes Gottes in dieser Region Katalonien zu leiten, mit dem Kreuz, das den Weg erhellt wie eine brennende Lampe in Erwartung der Wiederkunft des Br\u00e4utigams.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Messe in der Sagrada Fam\u00edlia in Barcelona am Mittwochabend k\u00f6nnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":209478,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[8],"tags":[7550,4699,6141,40,41,2859,7836,5346,39,935,38],"class_list":["post-209477","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-apostolische-reise","tag-katholische-kirche","tag-messe","tag-nachrichten","tag-news","tag-papst-leo-xiv","tag-predigt","tag-sakrale-kunst","tag-schlagzeilen","tag-spanien","tag-top-meldungen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116727848904772632","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209477\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/209478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=209477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=209477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}