{"id":209834,"date":"2026-06-11T03:23:30","date_gmt":"2026-06-11T03:23:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/209834\/"},"modified":"2026-06-11T03:23:30","modified_gmt":"2026-06-11T03:23:30","slug":"ecfr-umfrage-wem-europa-im-ernstfall-vertraut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/209834\/","title":{"rendered":"ECFR-Umfrage: Wem Europa im Ernstfall vertraut"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Seit <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/donald-trump\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> vor rund anderthalb Jahren ins Wei\u00dfe Haus eingezogen ist, br\u00f6ckelt das Vertrauen der Europ\u00e4er in die USA. Die Gewissheit der Nachkriegszeit, Amerika sei ein verl\u00e4sslicher Partner, verschwand. Trump drohte damit, Gr\u00f6nland zu annektieren. Er k\u00fcndigte an, US-Soldaten aus Europa abzuziehen. Er setzte Z\u00f6lle ein, um Verb\u00fcndete zu erpressen. Er drohte immer wieder damit, die Nato zu verlassen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Welche Schl\u00fcsse ziehen die Europ\u00e4er daraus? Der Thinktank\u00a0<a href=\"https:\/\/ecfr.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">European Council on Foreign Relations<\/a>\u00a0hat dazu im Mai 2026 insgesamt 19.400 Menschen in 15 L\u00e4ndern befragt.\u00a0Ihre Antworten lassen erkennen, wie rapide sich der Ruf der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> ver\u00e4ndert. Wie die Europ\u00e4er sich sch\u00fctzen wollen, wenn die USA sich zur\u00fcckziehen. Und wor\u00fcber sie streiten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die transatlantische Partnerschaft war ein Projekt, an dem beide Seiten \u00fcber viele Jahrzehnte bauten: Seit 1949, als die Nato gegr\u00fcndet wurde, stellten die USA <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europas<\/a> milit\u00e4rischen Schutzschirm. Der US-Marshallplan finanzierte den Wiederaufbau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Kalten Krieg schwei\u00dfte die Bedrohung durch die Sowjetunion beide Kontinente noch weiter zusammen. Wenn es ernst wird, das war die Annahme, stehen die USA an Europas Seite.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Davon ist heute wenig geblieben. Nur elf Prozent der befragten Europ\u00e4er sehen die USA als \u00bbVerb\u00fcndeten\u00ab; 2024 waren es noch doppelt so viele. Die H\u00e4lfte betrachtet Trumps Amerika nur noch als \u00bbnotwendigen Partner\u00ab, ein Viertel sogar als \u00bbRivalen\u00ab oder \u00bbGegner\u00ab. Die aggressive Rhetorik des US-Pr\u00e4sidenten und seine \u00f6ffentlichen Zweifel an den Nato-Verpflichtungen der USA haben das Unbehagen verstetigt.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aus den Antworten in den Umfragen spricht vor allem Ern\u00fcchterung. Eine Mehrheit der befragten Europ\u00e4er glaubt, die USA w\u00fcrden ihrem Land im Angriffsfall nicht beistehen. Donald Trump hat diese Zweifel flei\u00dfig befeuert: Immer wieder stellte er die Nato-Beistandsverpflichtung infrage. Er sagte: Mit Nato-L\u00e4ndern, die zu wenig f\u00fcr Verteidigung ausg\u00e4ben, k\u00f6nne \u00bbRussland tun, was es wolle\u00ab. Und als Trump einen Krieg gegen den Iran begann, ohne sich vorher mit Europas Regierungschefs abzustimmen, festigte sich der Eindruck: Die USA folgen nur noch ihren eigenen Interessen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der ber\u00fchmte Artikel 5 des Nato-Vertrages enth\u00e4lt gar keine automatische Beistandsgarantie. Demnach soll jeder Mitgliedsstaat im sogenannten B\u00fcndnisfall die Ma\u00dfnahmen ergreifen, die er f\u00fcr erforderlich h\u00e4lt; das kann milit\u00e4rische Hilfe sein, muss es aber nicht. Entscheidend f\u00fcr die Abschreckung war deshalb, dass feindliche Staaten auch glauben mussten, die USA k\u00e4mpften im Ernstfall mit \u2013 oder dass Europa selbstst\u00e4ndig imstande w\u00e4re, Gegner abzuwehren.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Genau diese Glaubw\u00fcrdigkeit der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/nato\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nato<\/a> ist unter Trump sichtbar erodiert: Direkt von Russland bedrohte Staaten, wie Polen oder Estland, stecken deshalb viel Geld in Verteidigung. Zumindest scheint noch Glauben an die Solidarit\u00e4t innerhalb Europas zu herrschen: In fast allen L\u00e4ndern sind die Befragten \u00fcberzeugt, dass ihnen im Ernstfall einige europ\u00e4ische Nachbarn beistehen w\u00fcrden. Besonders ausgepr\u00e4gt ist dieses Vertrauen in D\u00e4nemark, den Niederlanden und Schweden.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der R\u00fcckzug der Vereinigten Staaten hat Debatten \u00fcber Verteidigung entfacht: Europa denkt lauter \u00fcber eine eigene nukleare Abschreckung nach. Besonders in Italien und D\u00e4nemark ist die Zustimmung gewachsen, einen europ\u00e4ischen Atomschutzschirm einzurichten. Auch in Deutschland gewinnt die Idee an Anh\u00e4ngern. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-04\/serhii-plokhy-historiker-ruestungskontrolle-atomkrieg-nukleare-bedrohung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der ukrainische Harvard-Historiker Serhii Plokhy sagt der ZEIT<\/a>: \u00bbWenn selbst ein so wirtschaftlich schlecht entwickeltes Land wie Nordkorea eine Atombombe bauen konnte, k\u00f6nnte Deutschland das auch.\u00ab Bis zu 40 L\u00e4nder weltweit h\u00e4tten die technischen F\u00e4higkeiten, in bis zu drei Jahren eine Atombombe zu bauen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Eine Mehrheit der befragten Europ\u00e4er will weniger R\u00fcstungsg\u00fcter aus den USA kaufen. Stattdessen sind sie daf\u00fcr, diese bei europ\u00e4ischen Partnern zu bestellen. Am meisten stimmen dem die befragten D\u00e4nen, Niederl\u00e4nder und Schweden zu, dort jeweils mehr als 70 Prozent. Polen ist das einzige Land, in dem eine Mehrheit bef\u00fcrwortet, mehr US-Waffen zu kaufen, vermutlich durch die proamerikanische Stimmung der PiS-Partei getrieben. Auch f\u00fcr h\u00f6here Verteidigungsbudgets spricht sich eine Mehrheit der Befragten aus. Nur in Italien lehnten die meisten dies ab. Mehr Milit\u00e4rausgaben werden dort schnell als K\u00fcrzungen im Sozialbereich, bei Gesundheit oder Renten wahrgenommen; sie werden zur Verteilungsfrage.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Viele Europ\u00e4er wollen h\u00f6here Verteidigungsausgaben, aber nicht um den Preis von K\u00fcrzungen im eigenen Land. Geht es um Sozialleistungen, Bildung oder andere \u00f6ffentliche Ausgaben, endet die Bereitschaft schnell. Dahinter stehen wirtschaftliche Sorgen und die Angst vor einer neuen Krise. Statt im Inland zu sparen, pl\u00e4dieren im Schnitt 47 Prozent daf\u00fcr, gemeinsame europ\u00e4ische Schulden aufzunehmen und dar\u00fcber europ\u00e4ische Verteidigung zu finanzieren.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Weil die USA unter Trump ihre Unterst\u00fctzung zur\u00fcckfahren, wird die Ukraine zum Testfall f\u00fcr Europas Sicherheitsordnung: Ob Europa genug Willen, Geld und Ausr\u00fcstung mobilisieren kann, um selbst gegen\u00fcber Russland zu bestehen. In den Umfragen sieht eine Mehrheit der Europ\u00e4er die Ukraine als \u00bbVerb\u00fcndeten\u00ab oder als \u00bbnotwendigen Partner\u00ab. Auff\u00e4llig ist eine Bruchlinie bei Anh\u00e4ngern rechtspopulistischer Parteien wie AfD, FP\u00d6 oder Fidesz. Sie stufen die Ukraine deutlich h\u00e4ufiger als \u00bbRivalen\u00ab oder \u00bbGegner\u00ab ein.\n<\/p>\n<p>Verteidigung in Europa<\/p>\n<p>            Mehr zum Thema        <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-04\/serhii-plokhy-historiker-ruestungskontrolle-atomkrieg-nukleare-bedrohung\" data-ct-label=\"Serhii Plokhy: \u00bbDie Lehre hei\u00dft: Wer seine Atomwaffen abgibt, wird angegriffen\u00ab\" data-uuid=\"11c2bee0-a4a2-4de4-bcd4-a222cb13c9a5\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Serhii Plokhy:<br \/>\n                        \u00bbDie Lehre hei\u00dft: Wer seine Atomwaffen abgibt, wird angegriffen\u00ab<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-02\/muenchner-sicherheitskonferenz-2026-usa-verteidigungspolitik-nato\" data-ct-label=\"M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2026: Europa wacht geopolitisch langsam auf\" data-uuid=\"00a8fe6e-d49c-46fa-8aec-f5e02ffe4ccc\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2026:<br \/>\n                        Europa wacht geopolitisch langsam auf<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/aussenpolitik-trump-groenland-iran-jeremy-shapiro\" data-ct-label=\"Au\u00dfenpolitik von Trump: \u00bbEuropa m\u00fcsste dem Mobber Trump endlich die Stirn bieten\u00ab\" data-uuid=\"a0c42dba-40d6-44b6-8e15-d8cd3f71fbd0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Au\u00dfenpolitik von Trump:<br \/>\n                        \u00bbEuropa m\u00fcsste dem Mobber Trump endlich die Stirn bieten\u00ab<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sobald es um konkrete Schritte geht, die Ukraine zu unterst\u00fctzen, wird Europa uneins. F\u00fcr europ\u00e4ische Bodentruppen zur Friedenssicherung nach einem m\u00f6glichen Kriegsende gibt es keine klare Mehrheit. Auch ein m\u00f6glicher EU-Beitritt der Ukraine spaltet: In Portugal, Spanien und Schweden ist die Zustimmung zur Erweiterung besonders hoch, in Ungarn, Bulgarien und \u00d6sterreich \u00fcberwiegt die Ablehnung. In Deutschland lehnen 37 Prozent einen EU-Beitritt der Ukraine ab, 27 Prozent halten ihn f\u00fcr eine gute Idee.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Unter den Befragten, so scheint es, herrscht auch Zweckoptimismus: Eine knappe Mehrheit geht laut der Befragung davon aus, wenn Donald Trump erst einmal Geschichte sei, k\u00f6nne sich auch das Verh\u00e4ltnis zur Schutzmacht Amerika wieder stabilisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Donald Trump vor rund anderthalb Jahren ins Wei\u00dfe Haus eingezogen ist, br\u00f6ckelt das Vertrauen der Europ\u00e4er in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":209835,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[11358,61000,575,34823,76,75,74,1700,269,439],"class_list":["post-209834","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-atomwaffe","tag-diplomatische-beziehung","tag-donald-trump","tag-ecfr-umfrage","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-nato","tag-politik","tag-usa"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116729335154104697","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209834\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/209835"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=209834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=209834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}