{"id":211309,"date":"2026-06-11T20:16:09","date_gmt":"2026-06-11T20:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/211309\/"},"modified":"2026-06-11T20:16:09","modified_gmt":"2026-06-11T20:16:09","slug":"herzzellen-aus-ipsc-schneller-und-guenstiger-herstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/211309\/","title":{"rendered":"Herzzellen aus iPSC schneller und g\u00fcnstiger herstellen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/P__iNDUCARE.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"\" decoding=\"async\"  \/><\/p>\n<p>Kleiner, aber ausreichend: Prof. Dr. Robert Zweigerdt und Prof. Dr. Ulrich Martin pr\u00e4sentieren den neuen 300-Milliliter-Bioreaktor. \/ Quelle: MHH \/ Foto: Karin Kaiser<\/p>\n<p class=\"postDate\">11.06.2026 18:31<\/p>\n<p class=\"postExcerpt\">MHH-Forschende erhalten Millionenf\u00f6rderung von der Europ\u00e4ischen Union, um Produktionsplattform f\u00fcr personalisierte Zelltherapie zu verbessern.<\/p>\n<p>Herzinsuffizienz ist eine der h\u00e4ufigsten Todesursachen weltweit. Die Behandlungsm\u00f6glichkeiten sind begrenzt, vor allem, wenn die Herzschw\u00e4che auf angeborenen Herzfehlern beruht. Betroffene ben\u00f6tigen bereits im fr\u00fchen Erwachsenenalter eine mechanische Kreislaufunterst\u00fctzung oder eine Organtransplantation. Beide M\u00f6glichkeiten haben Nachteile: Herzunterst\u00fctzungssysteme erfordern eine permanente Blutverd\u00fcnnung und sind keine Dauerl\u00f6sung; Spenderherzen sind rar und setzen eine lebenslange Immununterdr\u00fcckung voraus. Eine Alternative bietet der Einsatz von sogenannten humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPSC). Diese genetisch zur\u00fcckprogrammierten K\u00f6rperzellen k\u00f6nnen sich in jeden beliebigen Zelltyp entwickeln \u2013 zum Beispiel in Herzmuskelzellen. Solche im Labor hergestellten Kardiomyozyten (hiCMs) sollen zuk\u00fcnftig verlorenes Herzmuskelgewebe ersetzen und die Herzfunktion verbessern. Stammen die hiPSC nicht aus gespendeten K\u00f6rperzellen, sondern von den Empf\u00e4ngern selbst, ist sogar eine Immunsuppression verzichtbar. Denn das Immunsystem erkennt die aus k\u00f6rpereigenen, autologen hiPSC entstandenen Zellen dann nicht als fremd an. Allerdings ist ihre Herstellung bislang sehr aufw\u00e4ndig und teuer.<\/p>\n<p>Dieses Problem will ein Forschungsteam um Prof. Dr. Robert Zweigerdt, Zellbiologe an den <a href=\"https:\/\/www.mhh.de\/lebao\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Leibniz Forschungslaboratorien f\u00fcr Biotechnologie und k\u00fcnstliche Organe (LEBAO)<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.mhh.de\/herz-thorax-transplantations-gefaesschirurgie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Klinik f\u00fcr Herz-, Thorax-Transplantations- und Gef\u00e4\u00dfchirurgie<\/a> an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und LEBAO-Leiter Professor Dr. Ulrich Martin l\u00f6sen. Mit ihrem Projekt iNDUCARE wollen sie einen in den USA bereits zugelassenen Herstellungsprozess f\u00fcr autologe hiCMs nutzen und so verbessern, dass die personalisierte Herzreparatur k\u00fcnftig erschwinglich und klinisch umsetzbar ist. Die Europ\u00e4ische Union f\u00f6rdert das internationale Verbundvorhaben mit insgesamt acht Millionen Euro. Davon erh\u00e4lt die MHH als Koordinatorin rund zwei Millionen Euro.<\/p>\n<p>Immunsuppression problematisch<\/p>\n<p>\u201eEin gro\u00dfer Vorteil der Transplantation von aus k\u00f6rpereigenen, sogenannten autologen Blutzellen hergestellten hiCMs ist, dass keine mit Nebenwirkungen verbundene Immunsuppression ben\u00f6tigt wird, was insbesondere f\u00fcr Kinder und junge Erwachsene ein entscheidender Vorteil ist\u201c, stellt Professor Martin fest. Aus kommerzieller Sicht m\u00f6ge die Massenherstellung von Zellprodukten, hergestellt aus k\u00f6rperfremden (allogenen) iPS-Zellen, wegen geringerer Vorlaufkosten gegen\u00fcber den patienteneigenen iPSC zwar attraktiv erscheinen. Doch entst\u00fcnden langfristig ungleich h\u00f6here Kosten, weil in der Regel eine lebenslange Immunsuppression erforderlich sei. Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Direktor der HTTG-Chirurgie erg\u00e4nzt: \u201eEine medikament\u00f6se Immunsuppression ist f\u00fcr Patientinnen und Patienten in kritischem Gesundheitszustand zudem problematisch, weil deren Immunsystem keine weitere Beeintr\u00e4chtigung vertr\u00e4gt. Aber auch f\u00fcr Kinder und junge Erwachsene ist eine solche Behandlung angesichts der hohen Risiken von Infektionen, Tumorentwicklung und verminderter Lebensqualit\u00e4t nicht zu rechtfertigen.\u201c<\/p>\n<p>Herstellung noch zu lang und zu teuer<\/p>\n<p>Langfristig k\u00f6nnte der autologe Ansatz demnach in vielen F\u00e4llen sogar kosteneffizienter und nachhaltiger als eine Therapie mit k\u00f6rperfremden allogenen iPSC sein. Neben den wesentlich h\u00f6heren Kosten zu Beginn der Behandlung gibt es jedoch zwei weitere Gr\u00fcnde, weshalb sich diese Therapie noch nicht allgemein durchgesetzt hat. Zum einen muss jede Zelllinie nicht nur individuell angelegt, sondern auch in aufw\u00e4ndigen Produktionsprozessen hergestellt und qualit\u00e4tsgepr\u00fcft werden, um die gew\u00fcnschte Funktion zu garantieren und Behandlungsrisiken auszuschlie\u00dfen. Zum anderen dauert es f\u00fcr akute Herzerkrankungen zu lange, eine f\u00fcr die Behandlung ausreichende Menge dieser Zellen herzustellen.<\/p>\n<p>KI-gest\u00fctzte Qualit\u00e4tskontrolle<\/p>\n<p>Die aufw\u00e4ndigen Herstellungsprozesse sollen in iNDUCARE weiter verbessert werden. Neu entwickelte Sendaivirus-Vektoren sollen den Prozess der Reprogrammierung verk\u00fcrzen und Kosten sparen. Das zweite Problem wollen die Forschenden mit Hilfe hochdichter R\u00fchrkessel-Bioreaktoren angehen. \u201eBislang lassen sich die erforderlichen Zellzahlen nur in gro\u00dfen Zwei-Liter-Bioreaktoren herstellen\u201c, sagt Professor Zweigerdt. \u201eKI-gest\u00fctzt sollen Herstellungsprozesse und Qualit\u00e4tskontrollen optimiert werden: Wir wollen bereits in 300 Millilitern eine ausreichende Behandlungsdosis produzieren \u2013 also etwa dem Volumen eines gr\u00f6\u00dferen Kaffeebechers.\u201c<\/p>\n<p>Plattform auch f\u00fcr andere Anwendungen nutzen<\/p>\n<p>Die Forschenden wollen die aktuellen Herstellungsprozesse der MHH mit dem bereits in den USA bestehenden Herstellungsprozess vergleichen. Die Kombination von Teilen beider Technologien soll zu einer verbesserten hiCMs-Produktionsplattform f\u00fchren, die sowohl in Europa als auch in den USA f\u00fcr die Herstellung autologer iPS-Produkte genutzt werden kann. \u201eWir erwarten eine f\u00fcnf- bis siebenfache Steigerung der Kardiomyozytenausbeute bei gleichzeitiger Verk\u00fcrzung der Herstellungszeit von einem Jahr auf sieben Monate und bis zu 70 Prozent geringere Kosten\u201c, erl\u00e4utert Professor Zweigerdt. \u201eUnd das alles ohne Abstriche bei Sicherheit oder Qualit\u00e4t zu machen.\u201c Dabei haben die Forschenden nicht nur den Herzmuskel im Blick. \u201eUnsere Herstellungsplattform soll auch auf andere zellbasierte Therapien \u00fcbertragbar sein und die Grundlage f\u00fcr patientenspezifische Behandlungen der n\u00e4chsten Generation schaffen, die \u00fcber die Herzreparatur hinausgehen\u201c, betont Professor Martin.<\/p>\n<p>Das Verbundprojekt iNDUCARE startet am 1. September 2026 und hat eine Laufzeit von vier Jahren. Neben der MHH sind Kooperationspartner aus Forschung, Industrie und Klinik aus Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Israel, den Niederlanden, der Schweiz, der Tschechischen Republik und den USA beteiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kleiner, aber ausreichend: Prof. Dr. Robert Zweigerdt und Prof. Dr. Ulrich Martin pr\u00e4sentieren den neuen 300-Milliliter-Bioreaktor. \/ Quelle:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":211310,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,42,124,123,6320,44],"class_list":["post-211309","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-austria","tag-gesundheit","tag-health","tag-indikationen","tag-oesterreich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116733319012713006","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=211309"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/211309\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/211310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=211309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=211309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=211309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}