{"id":21228,"date":"2026-03-02T12:24:10","date_gmt":"2026-03-02T12:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/21228\/"},"modified":"2026-03-02T12:24:10","modified_gmt":"2026-03-02T12:24:10","slug":"wenn-neuronen-auf-einem-chip-den-ego-shooter-meistern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/21228\/","title":{"rendered":"Wenn Neuronen auf einem Chip den Ego-Shooter meistern"},"content":{"rendered":"<p>\n        02. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p>              Bernardo Cantz<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/SEI_287024727-e649b4127f35ccf1.jpeg\"  width=\"1003\" height=\"564\"  alt=\"Screenshot des Shooters Doom\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0ID Software \/ Screenshot)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Lebende Hirnzellen auf einem Chip lernten den Shooter in nur einer Woche \u2013 und verbrauchten dabei weniger Energie als ein Ventilator.<\/p>\n<p>Ein Chip mit lebenden menschlichen Gehirnzellen hat das Computerspiel Doom gelernt \u2013 und zwar innerhalb weniger Tage. Der unabh\u00e4ngige Entwickler Sean Cole programmierte die Schnittstelle zwischen Spiel und Neuronen mithilfe von Python, einer weit verbreiteten Programmiersprache.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>M\u00f6glich machte das eine neue Software-Plattform des australischen Unternehmens Cortical Labs, die den Zugang zu biologischen Chips stark vereinfacht.<\/p>\n<p>Das System schlug zwar einen rein zuf\u00e4llig handelnden Spieler, kam aber nicht an die F\u00e4higkeiten erfahrener menschlicher Gamer heran. Trotzdem \u00fcberraschte die Geschwindigkeit: Die Neuronen passten ihr Verhalten deutlich schneller an als vergleichbare Algorithmen auf herk\u00f6mmlicher Silizium-Hardware.<\/p>\n<p>Jahrelange Forschung schrumpft auf wenige Tage<\/p>\n<p>Cortical Labs sorgte bereits 2021 f\u00fcr Aufsehen, als gez\u00fcchtete Gehirnzellen das simple Retro-Spiel Pong steuerten. Damals sa\u00dfen \u00fcber 800.000 Neuronen auf dem Chip, und die Entwicklung zog sich \u00fcber Jahre hin. F\u00fcr Doom reichte nun ein Viertel der Zellen \u2013 und eine einzige Woche Arbeit.<\/p>\n<p>Brett Kagan, leitender Wissenschaftler bei Cortical Labs, <a href=\"https:\/\/www.newscientist.com\/article\/2517389-human-brain-cells-on-a-chip-learned-to-play-doom-in-a-week\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ordnet den Fortschritt<\/a> gegen\u00fcber New Scientist so ein:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Im Gegensatz zu unserer Arbeit an Pong vor einigen Jahren, die jahrelange m\u00fchsame wissenschaftliche Anstrengungen erforderte, wurde diese Demonstration innerhalb weniger Tage von jemandem durchgef\u00fchrt, der zuvor relativ wenig Erfahrung in der direkten Arbeit mit Biologie hatte.&#8220;<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Dass ein Ego-Shooter mit dreidimensionaler Umgebung, Gegnern und taktischen Entscheidungen funktioniert, stufen Fachleute als erheblichen Komplexit\u00e4tssprung ein.<\/p>\n<p>Andrew Adamatzky von der University of the West of England formuliert es laut New Scientist so: &#8222;Das kommt den Herausforderungen, denen sich zuk\u00fcnftige biologische oder hybride Computer stellen m\u00fcssen, schon viel n\u00e4her&#8220;.<\/p>\n<p>Biologische Chips gibt es schon zu kaufen<\/p>\n<p>Die Technologie hat ihren Weg l\u00e4ngst aus den Forschungslaboren hinausgefunden, wie Telepolis <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Die-Aera-der-Biocomputer-bricht-an-mit-menschlichen-Hirnzellen-11121193.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">bereits im Dezember berichtete<\/a>.<\/p>\n<p>Cortical Labs bietet mit dem Modell CL1 ein Ger\u00e4t f\u00fcr rund 35.000 US-Dollar an, das kultivierte Neuronen mit einer programmierbaren Elektronik verbindet. Mehrere Labore weltweit experimentieren damit bereits \u2013 von KI-Forschung hin zu Unterhaltungsanwendungen.<\/p>\n<p>Parallel dazu vermietet das Schweizer Unternehmen FinalSpark Online-Zugang zu neuronalen Organoiden, also kleinen dreidimensionalen Zellverb\u00e4nden mit jeweils rund 10.000 Neuronen.<\/p>\n<p>Akademische Teams arbeiten kostenlos damit, Unternehmen zahlen etwa 5.000 Dollar pro Monat. Die Kommunikation l\u00e4uft \u00fcber Elektroden, die elektrische Impulse senden und die Antworten der Zellen auslesen.<\/p>\n<p>Ein zentrales Argument f\u00fcr solche Systeme ist ihr geringer Energiebedarf. Das menschliche Gehirn kommt mit rund 20 Watt aus \u2013 weniger als ein kleiner Ventilator verbraucht. Heutige Supercomputer ben\u00f6tigen f\u00fcr vergleichbare Rechenleistung ein Vielfaches dieser Energie.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Schritt: Roboter mit biologischer Steuerung<\/p>\n<p>Yoshikatsu Hayashi von der University of Reading sieht in der Doom-Demonstration eine Vorstufe zu handfesten Anwendungen.<\/p>\n<p>Er arbeitet daran, Roboterarme \u00fcber biologische Systeme zu steuern, und vergleicht die Spielsteuerung mit einer vereinfachten Version dieser Aufgabe. Dass der Chip in Echtzeit auf wechselnde Situationen reagiert, macht ihn f\u00fcr solche Szenarien interessant.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bleiben fundamentale Fragen offen. Steve Furber von der University of Manchester gibt laut New Scientist zu bedenken, dass niemand genau versteht, wie Neuronen ohne Sinnesorgane die Bildinformationen des Spiels verarbeiten oder begreifen, welche Aufgabe sie l\u00f6sen sollen.<\/p>\n<p>Kein Gehirn, aber mehr als gew\u00f6hnliche Hardware<\/p>\n<p>Kagan grenzt die Technologie laut Bericht klar vom menschlichen Denken ab:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Ja, es ist lebendig, und ja, es ist biologisch, aber eigentlich wird es als Material verwendet, das Informationen auf ganz besondere Weise verarbeiten kann, die wir mit Silizium nicht nachbilden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zellkulturen halten derzeit rund sechs Monate, bevor sie ausgetauscht werden m\u00fcssen. Cortical Labs entwickelt modulare Systeme, die viele kleine Zellgruppen miteinander vernetzen, um die Kapazit\u00e4t schrittweise zu steigern.<\/p>\n<p>Mit wachsender Komplexit\u00e4t r\u00fcckt allerdings auch eine ethische Debatte n\u00e4her. Manche Forschergruppen arbeiten bereits mit Organoiden aus mehreren Millionen Neuronen.<\/p>\n<p>Wo genau die Grenze zwischen reinem Rechenmaterial und einer Form von Empfindungsf\u00e4higkeit verl\u00e4uft, kann die Wissenschaft bislang nicht abschlie\u00dfend beantworten. Dieser offene Punkt d\u00fcrfte die Diskussion um Biocomputer in den kommenden Jahren pr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"02. 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