{"id":21691,"date":"2026-03-02T16:55:08","date_gmt":"2026-03-02T16:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/21691\/"},"modified":"2026-03-02T16:55:08","modified_gmt":"2026-03-02T16:55:08","slug":"keine-oppositions-gruppe-waere-in-der-lage-die-macht-im-iran-zu-uebernehmen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/21691\/","title":{"rendered":"\u201eKeine Oppositions-Gruppe w\u00e4re in der Lage, die Macht im Iran zu \u00fcbernehmen\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Iran-Experte Florian Schwarz ortet gro\u00dfe Spannungen im Regime. Doch auch die Opposition hat ein Problem: Sie sei uneinig und zu wenig organisiert.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/imago images 0848324177.webp\" alt=\"Viele Exil-Iraner unterst\u00fctzen den Schah-Sohn Pahlavi. Wie gro\u00df dessen Einfluss im Iran selbst ist, ist unklar.\" width=\"600\" height=\"360\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>Viele Exil-Iraner unterst\u00fctzen den Schah-Sohn Pahlavi. Wie gro\u00df dessen Einfluss im Iran selbst ist, ist unklar.\u2003Imago<\/p>\n<p> Die Presse: Donald Trump hat pragmatischen Kr\u00e4ften im iranischen Regime ein Gespr\u00e4chsangebot gemacht. Wie aussichtsreich ist das? <\/p>\n<p> Florian Schwarz: Ich halte das in der derzeitigen Lage nicht f\u00fcr aussichtsreich. Wer w\u00fcrde jetzt auf Seite der iranischen F\u00fchrung ohne Gesichtsverlust mit Trump reden k\u00f6nnen?  <\/p>\n<p> Was geschieht innerhalb des Regimes? <\/p>\n<p> Das Regime hat ja damit gerechnet, dass etwas passieren wird. Man hat sich auf h\u00f6chster Ebene vorbereitet. Das bedeutet aber nicht, dass die Weichen f\u00fcr eine Nachfolge des Obersten F\u00fchrers Ali Khamenei gestellt waren. Er konnte keinen Nachfolger bestimmen. Deshalb wurde gem\u00e4\u00df Verfassung das jetzige Dreiergremium eingerichtet: mit Pr\u00e4sident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hossein Mohseni-Ejei und Alireza Arafi. Wer dann wirklich das Rennen macht, ist schwer zu sagen. Wir befinden uns erst in der Anfangsphase des milit\u00e4rischen Konflikts. Und es gibt gro\u00dfe Spannungen innerhalb der iranischen F\u00fchrung. <\/p>\n<p> Welche gro\u00dfen Machtbl\u00f6cke gibt es innerhalb des Regimes? <\/p>\n<p> Ein relativ gro\u00dfer Block hat nach wie vor eine Revolutionsnostalgie. Sie wollen das derzeitige System mit allen Mitteln erhalten. Sie haben auch einen gewissen R\u00fcckhalt bei Teilen der Bev\u00f6lkerung und im Sicherheitsapparat. Daneben gibt es auch viele im Regierungsapparat und im Milit\u00e4r, die durchaus die Probleme im Land sehen. Und dann gibt es nat\u00fcrlich auch Personen, die vor allem wirtschaftliche Interessen haben. <\/p>\n<p> Welche Rolle spielen dabei die Revolutionsgarden? <\/p>\n<p> Die Revolutionsgarden spielen jetzt w\u00e4hrend des milit\u00e4rischen Konflikts nat\u00fcrlich eine bedeutsame Rolle. Sie waren stets eine wichtige St\u00fctze des Regimes. Aber man darf sich die Revolutionsgarden nicht als monolithischen Block vorstellen. Auch dort gibt es Pragmatiker. <\/p>\n<p> Welche Chance hat die iranische Opposition, das Regime endlich loszuwerden? <\/p>\n<p> Es gibt keine einheitliche Opposition. Wir wissen wenig dar\u00fcber, welchen Organisationsgrad die einzelnen Oppositionsgruppen im Iran haben. Ich denke nicht, dass die jetzigen milit\u00e4rischen Angriffe mit dem Plan durchgef\u00fchrt wurden, eine bestimmte Oppositionsgruppe in eine Lage zu bringen, in der sie eine Rolle bei einem Regimewechsel spielen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Die Revolutionsgarden haben in Massen-SMS die Menschen davor gewarnt, wieder auf die Stra\u00dfe zu gehen. Wird es wieder Massenproteste geben? <\/p>\n<p> Die interne Sicherheit wird im Iran gerade hochgefahren. Das Regime will verhindern, dass es neue Massenproteste gibt. Es ist auch schwer, sich vorzustellen, dass die Menschen jetzt auf die Stra\u00dfe gehen \u2013 angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste im J\u00e4nner. Die Menschen haben Angst. Zudem sind Massenproteste keine politische Oppositionsbewegung. Sie sind Ausdruck einer Unzufriedenheit mit dem Regime, der wirtschaftlichen Lage, der Einschr\u00e4nkung der Freiheitsrechte. Aber ohne einen gewissen Organisationsgrad f\u00fchrt das nicht sehr weit. <\/p>\n<p> Reza Pahlavi, der Sohn des einstigen Schah, pr\u00e4sentiert sich aber als neue F\u00fchrungsfigur der Opposition.  <\/p>\n<p> Dass Pahlavi \u00fcberhaupt in der Lage ist, sich als die Person in Szene zu setzen, die einen \u00dcbergang von der Islamischen Republik zu einer demokratischen Regierungsform bringen k\u00f6nnte, zeigt, wie schwach alle anderen Oppositionsgruppen sind. Es ist nicht klar, ob Pahlavi im Iran selbst eine ausreichende Basis hat \u2013 und ob er sich auf irgendwelche Strukturen st\u00fctzen k\u00f6nnte. Er hat sicher in den vergangenen Wochen an Profil gewonnen als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Hoffnungen von Iranerinnen und Iranern. Das hat aber weniger damit zu tun, wof\u00fcr Pahlavi steht, sondern damit, dass es keine wirklichen Alternativen gibt. Wie tragf\u00e4hig das ist, steht v\u00f6llig in den Sternen. <\/p>\n<p> Im Iran leben nicht nur Perser, sondern auch viele andere Volksgruppen wie etwa die Kurden. Die haben sich zuletzt kritisch gegen\u00fcber Pahlavi ge\u00e4u\u00dfert.  <\/p>\n<p> Pahlavi scheint eine Vorstellung von einer iranischen Nation zu haben, in der nicht unbedingt viel Platz f\u00fcr nichtpersische Volksgruppen ist. Das hat mit zum Bruch innerhalb der Oppositionsbewegung von 2022 gef\u00fchrt. Die nichtpersischen Volksgruppen sind insgesamt zwar Minderheiten. Sie stellen aber in bestimmten Regionen die Mehrheitsbev\u00f6lkerung dar. Das ist eine der Herausforderungen f\u00fcr jede iranische Regierung. <\/p>\n<p> Andererseits sind Oppositionsgruppen in Belutschistan oder in Kurdistan die Kr\u00e4fte, die auch mit Waffen gegen das Regime k\u00e4mpfen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p> Von kurdischen Gruppen gibt es ja bereits die Ank\u00fcndigung, f\u00fcr die Befreiung ihrer Gebiete zu k\u00e4mpfen. Das l\u00f6st aber wiederum im Zentrum Bef\u00fcrchtungen aus, dass es Sezessionstendenzen geben k\u00f6nnte.  <\/p>\n<p> Doch diese Gruppen k\u00f6nnten k\u00e4mpfen, andere Teile der Opposition aber nicht. <\/p>\n<p> Ich sehe derzeit keine Oppositionsgruppe, die im ganzen Land eine entsprechende Organisationsstruktur h\u00e4tte. Keine Oppositionsgruppe w\u00e4re in der Lage, einen \u00dcbergang zu organisieren, oder gar in Teheran bewaffnet die Macht zu \u00fcbernehmen. Und selbst wenn das gel\u00e4nge: Was dann? Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat zuletzt gesagt: \u201eWir m\u00fcssen jetzt \u00fcber einen Plan nachdenken.\u201c Wenn wir jetzt erst \u00fcber einen Plan nachdenken, dann ist es viel zu sp\u00e4t. <\/p>\n<p> Es gibt aber auch noch die Volksmujaheddin als bewaffnete Gruppe, die in gro\u00dfen St\u00e4dten aktiv werden k\u00f6nnten. <\/p>\n<p> Ich habe meine Zweifel, dass die Volksmujaheddin im Iran noch \u00fcber eine entsprechende Anerkennung in der Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgen. Zudem gibt es Spannungen zwischen ihnen und Pahlavi.  <\/p>\n<p> Wie geht es jetzt weiter? <\/p>\n<p> Die Entwicklung ist sehr dynamisch.  Leider ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass es in Richtung eines gr\u00f6\u00dferen milit\u00e4rischen Konflikts geht. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Schwarz.jpg\" alt=\"Florian Schwarz ist Direktor am Institut f\u00fcr Iranistik an der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften (\u00d6AW) in Wien.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Florian Schwarz ist Direktor am Institut f\u00fcr Iranistik an der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften (\u00d6AW) in Wien.\u2003\u00d6AW\/D. Hinterramskogler<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Iran-Experte Florian Schwarz ortet gro\u00dfe Spannungen im Regime. 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